Geisteswissenschaften International: Übersetzungsförderung für 22 Monografien

Geisteswissenschaften International
Bild: GI

Im Rahmen des Programms Geisteswissenschaften International profitieren in diesem Frühjahr 22 von einer Jury ausgewählte geisteswissenschaftliche Werke von einer Übersetzungsförderung.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Fritz-Thyssen-Stiftung, der Wissenschaftsfonds der VG WORT und das Auswärtige Amt zeichnen auf diese Weise zweimal im Jahr hervorragende geistes- und sozialwissenschaftliche Werke aus und finanzieren deren Übersetzung in die internationale Wissenschaftssprache Englisch. Dafür steht pro Jahr ein Budget von 550.000 Euro zur Verfügung.

Sonderpreis geht an Valerie Hänsch für ethnografische Studie

Der Sonderpreis des Programms geht an die Dissertation von Valerie Hänsch. Die Ethnologin an der Ludwig-Maximilians-Universität München wird für Ihre Untersuchung Vertreibung und Widerstand im sudanesischen Niltal – Ein Staudammprojekt und der Versuch zu bleiben prämiert. Das Buch ist im Reimer Verlag in Berlin erschienen.

Die Jury zu ihrer Entscheidung:

Valerie Hänsch hat mit ihrer Dissertation Vertreibung und Widerstand im sudanesischen Niltal zu einem Umsiedlungsgebiet im Nordsudan eine herausragende ethnografische Studie zur Transformation von Lebenswelten nach Flucht und Vertreibung vorgelegt.

Vertreibung und Widerstand im sudanesischen NiltalÜber viele Jahre hinweg begleitete die Ethnologin eine Dorfgemeinschaft am Nil, die im Zuge des Merowe-Staudammprojekts ihre Heimat verlassen soll. Ungemein plastisch führt sie die Komplexität einer weithin unbekannten Gesellschaft vor und schildert die unterschiedlichen Reaktionen und differenzierten Aushandlungsprozesse vor, während und nach der Überflutung – bis hin zum Neuanfang nicht in einer dafür vorgesehenen fernen Siedlung, sondern am Ufer des neuen Sees.

Sowohl Mikrokosmos als auch Gesamtpanorama werden hier mit erzählerischer Begabung präsentiert, Traditionen, Wandel und Umgang mit staatlicher Macht im Detail sichtbar. Dabei entsteht ein neuartiges Bild vom Umgang mit Heimatverlust, der in eine errungene Variante des Bleibens mündet.

Bisher rund 400 wissenschaftliche Publikationen ins Englische übersetzt

Das Übersetzungsförderprogramm Geisteswissenschaften International wurde 2008 mit dem Ziel aufgelegt, deutsche Forschungsergebnisse in den Sozial- und Geisteswissenschaften stärker im Ausland zu verbreiten und die globale Vernetzung der deutschen Wissenschaft voranzutreiben.

Die Zahl der in den englischen Sprachraum vergebenen Lizenzen wird auf diese Weise dauerhaft erhöht. Seit Beginn des Übersetzungsförderungsprogramms 2008 wurden rund 400 Übersetzungen geisteswissenschaftlicher Werke zur Publikation in namhaften englischsprachigen Verlagen gefördert.

Neben der Dissertation von Valerie Hänsch wurden im Frühjahr 2021 folgende Monografien mit einer Förderung ausgezeichnet:

  • Melanie Arndt: Tschernobylkinder – Die transnationale Geschichte einer nuklearen Katastrophe (Vandenhoeck & Ruprecht)
  • Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner – Eine Geschichte von Faszination und Verachtung (Suhrkamp)
  • Franz-Josef Brüggemeier: Grubengold: Das Zeitalter der Kohle von 1750 bis heute (C.H. Beck)
  • Peter Oliver Loew: Danzig – Biographie einer Stadt (C.H. Beck)
  • Daniel Loick: Der Missbrauch des Eigentums (Matthes & Seitz)
  • Isabell Lorey: Demokratie im Präsens – Eine Theorie der politischen Gegenwart (Suhrkamp)
  • Dominik Maschek: Die römischen Bürgerkriege. Archäologie und Geschichte einer Krisenzeit (wbg)
  • Alwin Meyer: Vergiss deinen Namen nicht – Die Kinder von Auschwitz (Steidl)
  • Martin Mulsow: Prekäres Wissen – Eine andere Ideengeschichte der Frühen Neuzeit (Suhrkamp)
  • Ruth Nattermann: Jüdinnen in der frühen italienischen Frauenbewegung (1861-1945) – Biografien, Diskurse und transnationale Vernetzungen (Walter de Gruyter)
  • Frank Rexroth: Fröhliche Scholastik (C.H. Beck)
  • Irina Saladin: Karten und Mission (Mohr Siebeck)
  • Birgit Sandkaulen: Jacobis Philosophie – Über den Widerspruch zwischen System und Freiheit (Felix Meiner)
  • Jens Schröter und Konrad Schmid: Die Entstehung der Bibel (C.H. Beck)
  • Felix Schürmann: Der graue Unterstrom (Campus)
  • Farid Suleiman: Ibn Taymiyya und die Attribute Gottes (Walter de Gruyter)
  • Damien Tricoire: Der koloniale Traum – Imperiales Wissen und die französisch-madagassischen Begegnungen im Zeitalter der Aufklärung (Walter de Gruyter)
  • Lars Viellechner: Transnationalisierung des Rechts (Velbrück)
  • Elena Walter-Karydi: Die Athener und ihre Gräber (Walter de Gruyter)
  • Florian Wilde: Revolution als Realpolitik – Ernst Meyer (1887-1930) – Biographie eines KPD-Vorsitzenden (Narr Francke Attempto)
  • Benjamin Ziemann: Martin Niemöller – Ein Leben in Opposition (Deutsche Verlags-Anstalt)

Der Jury gehören an: Prof. Dr. Luca Giuliani (Juryvorsitzender), Prof. Dr. Tilman Allert (Universität Frankfurt, emeritiert), Alexander Cammann (Die Zeit), Prof. Dr. Philipp Gassert (Universität Mannheim), Dr. Jan Niklas Howe (Universität München), Prof. Dr. Doris Kaufmann (Universität Bremen), Prof. Dr. Christoph Menke (Universität Frankfurt), Prof. Dr. Gloria Meynen (Kunstuniversität Linz), Dr. Martin Rethmeier (Walter de Gruyter), Dr. Julia Voss (Universität Lüneburg), Thedel von Wallmoden (Wallstein Verlag).

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