„Celle qui parle“: Graphic Novel zur Geschichte von Malinche erschienen

Malinche: Celle, qui parle
Die, die spricht - Bild: Grand Angle

„Die, die spricht“, das war Malinche als indigene Dolmetscherin und Geliebte des spanischen Eroberers Hernán Cortez. Im April 2022 ist in Frankreich unter dem Titel Celle qui parle eine 216-seitige Graphic Novel von der Spanierin Alicia Jaraba Abellán zur filmreifen Lebensgeschichte dieser historischen Figur erschienen.

Eine Geschichte, die in Europa kaum jemand kennt, die aber gerade für Übersetzer und Dolmetscher von Interesse ist. Denn auch heute noch stehen Sprachmittler im selben Spannungsfeld zwischen Verständigung und Verrat.

Malinche, Sprachen

Die Häuptlingstochter Malinche wurde nach dem Tod ihres Vaters als Sklavin an einen anderen Stamm verkauft. Später gerät sie in die Hände der Spanier. Von diesen wurde sie Doña Marina genannt, von den Einheimischen auch Malinalli oder Malintzin.

In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts war die sprachbegabte junge Frau, die fließend Nahuatl, Maya und Spanisch sprach, Dolmetscherin des spanischen Eroberers Hernán Cortés (1485 – 1547). Dieser zog auf dem heutigen Staatsgebiet Mexikos eine blutige Spur der Verwüstung und eroberte letztlich das mächtige Aztekenreich und dessen Hauptstadt Tenochtitlan.

Als landeskundige, einheimische Sprachmittlerin half sie den Spaniern, mit den Volksstämmen Mittelamerikas zu kommunizieren und Allianzen gegen die Azteken zu schmieden. Im Rückblick erscheint der Siegeszug der zahlenmäßig weit unterlegenen Spanier ohne ihre Hilfe kaum möglich gewesen zu sein.

In Mexiko gilt sie bis heute als Verräterin. Ihr Name wurde zu einem Schimpfwort: Das Adjektiv malinchista charakterisiert im heutigen mexikanischen Sprachgebrauch Personen, die alles Ausländische bevorzugen und die Kultur ihres eigenen Landes geringschätzen. Mit dem Substantiv malinchista bezeichnet man abwertend jemanden als „Ausländerfreund“.

Malinche: Celle qui parle
Bild: Grand Angle
Malinche: Celle qui parle
Bild: Grand Angle

Die Autorin und Zeichnerin Alicia Jaraba Abellán wurde 1988 geboren und hat spanische und französische Sprache und Literatur an der Universität von Santiago de Compostela studiert. Seit früher Kindheit ist das Zeichnen ihre Leidenschaft. Nach der Universität besuchte sie ein Jahr lang die Schule für grafische Künste in Madrid (ESDIP) und wurde schließlich Comic-Autorin.

Zwischen 2017 und 2019 zeichnete sie die Jugendserie Les Détectives du surnaturel (Jungle éd.) und die beiden Bände von L’Onde Dolto (Delcourt). 2020 begann sie, ihre erste Graphic Novel zu zeichnen: Celle qui parle.

Alicia Jaraba
Alicia Jaraba – Bild: Grand Angle

Bibliografische Angaben

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