Fußball-WM in Katar: ZDF-Sportstudio blendet wieder Namen der Dolmetscher ein

Dolmetscher Eröffnungsfeier Fußball-WM Katar
Dr. Günther Orth ist nicht nur als Konferenzdolmetscher, sondern auch als Literaturübersetzer tätig. - Bildschirmfoto

„Simultandolmetscher Arabisch Dr. Günther Orth“ hieß es in einer Einblendung bei der auf Arabisch gehaltenen Ansprache des Emirs von Katar, der am 20. November 2022 in Doha die erste Fußball-Weltmeisterschaft in der arabischen Welt eröffnete.

Eine spätere englische Ansprache von FIFA-Präsident Gianni Infantino vor dem Eröffnungsspiel zwischen Katar und Ekuador wurde von Altmeister Jürgen Stähle gedolmetscht, der seit Jahrzehnten für das ZDF bei internationalen Sportveranstaltungen und Fernsehshows tätig ist. Auch sein Name wurde eingeblendet.

Damit blieb das ZDF-Sportstudio dem eigenen Prinzip treu, bei Großereignissen wie Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen auch die Namen der Dolmetscher zu nennen. Für die Berufsgruppe ist das stets eine willkommene Werbung vor einem Millionenpublikum.

Dolmetscher Jürgen Stähle
Jürgen Stähle ist seit Jahrzehnten die bewährte dolmetscherische Allzweckwaffe des ZDF. Nicht nur im Sport, sondern auch bei international besetzten Fernsehshows wie „Wetten dass“. – Bildschirmfoto

In der Wikipedia heißt es zu Orth:

Günther Orth (geboren 1963 in Ansbach) ist ein deutscher Arabist, Dolmetscher und literarischer Übersetzer. Er dolmetscht sowohl vom Arabischen ins Deutsche als auch in umgekehrter Richtung für Politiker, Wissenschaftler und Künstler aus der arabischen Welt und Deutschland. Daneben ist er vor allem für seine Übertragungen von Romanen zeitgenössischer arabischer Schriftsteller aus Syrien, Palästina oder dem Sudan bekannt.

Orth studierte Islamwissenschaft, Geografie und Soziologie an der Universität Erlangen von 1983 bis 1990. Daneben eignete er sich die arabische Sprache auch durch Studien in Kairo, Damaskus und dem Jemen in teilweise langjährigen Aufenthalten an und legte an der Universität Leipzig die Prüfung als Übersetzer für Arabisch ab. Von 1989 bis 2000 war er als Dozent für arabische Sprache an verschiedenen deutschen Universitäten tätig und unterrichtete Übersetzungswissenschaft an der Universität Sanaa im Jemen sowie am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz in Germersheim. 1996 promovierte er an der FU Berlin über die moderne Literatur des Jemen. Daraufhin erschien seine Darstellung der modernen Kurzgeschichte im Jemen unter dem Titel Die Farbe des Regens; 2004 entstand ein Artikel Orths über diese Literatur für die Neue Zürcher Zeitung und das online Portal qantara.de.

Seit 2001 arbeitet Orth auch als freier Simultandolmetscher ins Deutsche und ins Arabische und ist durch Fachvorträge und Artikel zum Thema Übersetzen und Dolmetschen hervorgetreten. Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen dabei auf den Gebieten aktuelle Politik, Geisteswissenschaften, Kunst und Kultur. Weiterhin übersetzte er neben zahlreichen anderen Filmen auch die Dialoge der BBC-Serie Baghdad Central (deutsch: Bagdad nach dem Sturm, ARTE 2021).

Auf die Frage nach den besonderen Schwierigkeiten des Übersetzens vom Arabischen ins Deutsche nannte Orth die zahlreichen religiösen und alltagskulturellen Aspekte, die im Original lediglich angesprochen werden. In der Übersetzung muss der Übersetzer diese hingegen deutlicher darstellen, damit die Lesenden sie verstehen. Weiterhin kennzeichnete er die Aufgabe des Übersetzers wie folgt: „Man muss kreativ werden, um literarische Kunstgriffe so elegant und genau wie möglich zu übertragen, ohne dass es in der Zielsprache gezwungen oder befremdlich klingt. Viele Metaphern funktionieren im Deutschen nicht, also muss ich sie umformulieren. Es ist ein Prozess fast endloser Entscheidungsfindungen.“

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