Düsseldorf enthüllt erstes arabisches Straßenschild Deutschlands

Straßenschild Arabisch
Symbolbild: UEPO.de

In Düsseldorf wurde am 16. März 2023 das vermutlich erste arabische Straßenschild Deutschlands eingeweiht. Die marokkanische Generalkonsulin Lalla Loubna Ait-Bassidi zog gemeinsam mit dem grünen Bezirksbürgermeister Dietmar Wolf an einer Schnur und enthüllte den Schriftzug شارع إلَرْ oberhalb der regulären Beschilderung „Ellerstraße“ im Stadtteil Oberbilk. Die Straße heißt so, weil sie in Richtung des Stadtteils Eller verläuft.

Ellerstraße, Straßenschild Arabisch
Samy Charchira, Ratsherr und integrationspolitischer Sprecher der Grünen (links, mit Bart), die marokkanische Generalkonsulin Lalla Loubna Ait-Bassidi (Bildmitte) und Bezirksbürgermeister Dietmar Wolf (vorne rechts) enthüllen eines der beiden arabisch beschrifteten Zusatzschilder auf der Ellerstraße. – Bild: Grüne Düsseldorf

Bezirksbürgermeister Wolf erklärte:

In Oberbilk leben schon seit mehreren Generationen viele Menschen, Familien und Gewerbetreibende mit marokkanischem und maghrebenischem Hintergrund. Ein bunter und diverser Stadtteil, durch und durch. Die Menschen die dort leben, haben unser Land mit aufgebaut. Dafür verdienen sie Respekt, Achtung und auch Repräsentation. Ich freue mich, dass die Bezirksvertretung mit den beiden Zusatzschildern dafür ein Zeichen setzte.

Samy Charchira, grüner Ratsherr für Oberbilk und integrationspolitischer Sprecher der Partei, ergänzte:

Zweisprachige Straßenschilder sind auch ein symbolischer Ausdruck gesellschaftlicher Inklusion. Sie zeigen, dass sich die Menschen mit ihrem Stadtteil und der Vielfalt ihres Stadtteils identifizieren. Je mehr die Menschen sich mit ihrem Stadtteil identifizieren, desto mehr soziale Verantwortung können sie übernehmen. Das ist gut für Oberbilk und gut für Düsseldorf.

Auch die Generalkonsulin Marokkos zeigte sich erfreut:

Ich bin dankbar dafür, dass die Integration einen Ausdruck findet, den Menschen aus 20 arabischen Nationen lesen und verstehen können. Das Schild symbolisiert, dass die Migranten anerkannt sind und es steht für die Vielfalt Düsseldorfs, einer der vielfältigsten Städte in Nordrhein-Westfalen.

Arabische Schrift in Ellerstraße nichts Besonderes

Ellerstraße Düsseldorf, Geschäfte, Arabisch
Beispiele für typische Geschäfte auf der Ellerstraße. Arabische Schriftzeichen sind hier allgegenwärtig. – Bild: Google Street View

Das Viertel auf der Rückseite des Hauptbahnhofs ist migrantisch geprägt, genauer gesagt marokkanisch. Auf der Ellerstraße befindet sich unter anderem eine „Bäckerei Tanger“, eine „Bäckerei Casablanca“ und ein „Reisebüro Casablanca“ – neben mindestens einem Dutzend weiteren Geschäften und Restaurants, auf deren Schaufenstern und Ladenschildern nicht immer, aber doch recht häufig arabische Schriftzeichen prangen.

Farid Bang, Album "Asozialer Marokkaner"
Nach Heinrich Heine der bekannteste Sohn der Stadt? Was der sympathische und stets zu Scherzen aufgelegte Rapper und Multi-Unternehmer Farid Bang von der Aktion hält, ist noch nicht bekannt. Der aus Marokko stammende Farid Hamed El Abdellaoui, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, hat nicht nur in Düsseldorf eine große Fangemeinde. Bekannt wurde er unter anderem durch das Album „Asozialer Marokkaner“ (2021). Auf Instagram verzeichnet sein Profil drei Millionen Follower. Das entspricht dem 4,8-fachen der Einwohnerzahl Düsseldorfs. – Bild: Banger Musik

Shitstorm der üblichen Verdächtigen auf Twitter

Während die Bezirksvertretung nach Angaben des Bezirksbürgermeisters „mit übergroßer Mehrheit für die Anbringung des Zusatzschilds“ stimmte, meldeten sich auf Twitter nach Bekanntwerden der Aktion jede Menge Kritiker zu Wort. Die Hashtags #Düsseldorf und #Straßenschild fanden sich wegen Tausender von Wortmeldungen mehrere Tage in den bundesweiten Twitter-Trends.

Darunter waren halbwegs sachliche Hinweise wie etwa der, die Landessprache sei Deutsch, eigene Straßenschilder für jede Nationalität seien das Gegenteil von Integration, oder der Einwand, es handle sich um bloße Symbolpolitik. Wie auf Twitter üblich eskalierte die Diskussion aber schnell bis hin zu den üblichen Beschimpfungen und Kampfbegriffen. Das Schild sei ein Beispiel für die zunehmende Ghettoisierung von Stadtvierteln und die Islamisierung Deutschlands.

Ein Vorwurf läuft allerdings ins Leere, nämlich der, es handle sich hier um eine typische Aktion der „links-grün versifften“ Kommunalpolitik in den Großstädten. Denn die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens wird zurzeit von einem CDU-Bürgermeister regiert. Die Anregung für die fremdsprachigen Straßenschilder ging zwar von den Grünen aus, wurde aber von einem parteiübergreifenden Bündnis getragen: der CDU-Ratsfraktion, der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, der Grünen internationalen offenen Liste und der Internationalen Bürger-Union.

Ausdrücklich befürwortet und gelobt wurde das Vorgehen – ebenfalls auf Twitter – von Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland.

Japanische Straßenschilder gibt es schon, zehn weitere Sprachen sollen folgen

Der Hype um die fremdsprachigen Zusatz-Straßenschilder hatte am 9. Dezember 2021 mit der Einweihung von vier japanischen Schildern an der Immermannstraße begonnen (siehe Link weiter unten). Die Straße ist stark von Geschäften der 8.400 in Düsseldorf ansässigen Japaner geprägt.

Am 11. Mai 2022 regte dann der Integrationsrat auf Betreiben der Grünen an, an zehn weiteren Stellen im Stadtgebiet zweisprachige Straßenschilder zu installieren, und zwar in jedem Stadtbezirk eines in jeweils anderen Sprachen. In dem Beschluss heißt es:

Der Integrationsrat bittet die Stadtverwaltung zu prüfen, inwieweit die Anbringung von Straßenschildern in anderen Sprache als Ergänzung zu den regulären Straßennamensschildern, die Vielfalt und Internationalität unserer Stadtgesellschaft widerspiegeln und positive Effekte haben würde. Nach Vorbild des Straßenschildes in japanischer Sprache auf der Immermannstraße sollten zentrale Straßen, orientiert an der jeweils größten Gruppe der ausländischen Mitbürger/innen, in den Blick genommen werden – max. eine Straße je Stadtbezirk. […]

Begründung: Im Dezember 2021 wurden an der Immermannstraße, auf Beschluss der Bezirksvertretung 1, Straßenschilder in japanischer Schrift angebracht. Eine solche Maßnahme wird als Zeichen der Anerkennung und Sichtbarkeit erachtet und wurde von der japanischen Community und der Mehrheit der Stadtgesellschaft sehr positiv aufgenommen.

Aber auch in anderen Düsseldorfer Stadtteilen haben sich migrantische Lebensrealitäten seit Jahrzehnten etabliert, wo die Vielfalt unserer Stadtgesellschaft zum Ausdruck kommt und das Miteinander bereichert. Diese migrantischen Lebensrealitäten zu würdigen, ist Ausdruck einer modernen und diversen Stadtgesellschaft. Die Anbringung von Straßenschildern in anderen Sprachen, als Ergänzung zu den regulären Straßennamensschildern verbessert die Identifikation migrantischer Gruppen mit ihren Stadtteilen, erhöht die soziale Verantwortung für die eigenen Lebensräume und ist ein nachhaltiges Zeichen der Anerkennung und der Würdigung.

Via della Vetreria – Italienisch ist als nächstes dran

Im Januar 2023 wurde entschieden, in absehbarer Zeit ein Schild mit der Aufschrift „Via della Vetreria“ in der Glashüttenstraße im Stadtteil Gerresheim anzubringen. Beim dort früher ansässigen Großbetrieb Gerresheimer Glashütte sollen in den 1960er Jahren viele in Italien angeworbene Gastarbeiter gearbeitet haben, die sich auch in dem Stadtteil niederließen.

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