Hauptamt statt Ehrenamt: BDÜ überträgt Elvira Iannone politische Geschäftsführung

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Der BDÜ erhält eine hauptamtliche „Politische Geschäftsführerin“: Zum 15. Mai 2023 wird die bisherige Vizepräsidentin Elvira Iannone die politische Interessenvertretung für den ansonsten überwiegend ehrenamtlich aufgestellten Verband übernehmen. Das wurde anlässlich der Frühjahrsversammlung des Verbands (Bundesvorstand plus Vertreter der Vorstände der Mitgliedsverbände) im April in Erfurt bekannt gegeben.

BDÜ-Präsidentin Norma Keßler erläutert:

Wurden die sprachmittelnden Berufe früher eher als eine qualifizierte Nischentätigkeit wahrgenommen, sind sie inzwischen in vielen Bereichen so alltagsrelevant geworden, dass die Vertretung der Interessen derjenigen, die in diesen Berufen arbeiten – aber auch derjenigen, für die die Leistungen gedacht sind – bei Politik, Verwaltung und Wirtschaft immer wichtiger wird.

Um diese Interessenvertretung kompetent wahrzunehmen, hatte der BDÜ bereits vor mehr als zehn Jahren beschlossen, dem ehrenamtlich in diesem Bereich arbeitenden Vizepräsidenten einen externen Politikberater zur Seite zu stellen. Diese Entscheidung hat sich als sehr zielführend erwiesen, wir konnten in dieser Konstellation gute Erfolge erzielen. Doch die Ansatzpunkte werden ständig mehr, und die Themen zunehmend spezifischer – das zeigen nicht zuletzt die Positionspapiere, die wir in den vergangenen Monaten erarbeitet und platziert haben.

Mit den großen Themen wie der Durchsetzung von adäquaten gesetzlichen Regelungen für das Dolmetschen im Gesundheitswesen und der qualitätssichernden Umsetzung des Gerichtsdolmetschergesetzes (GDolmG) sowie den Dauerbrennern wie der verpflichtenden Altersvorsorge für Selbstständige und der europäischen Plattformrichtlinie sieht sich der Verband großen Herausforderungen gegenüber.

Deshalb haben die Mitgliedsverbände des BDÜ e.V. entschieden, diese verantwortungsvolle Aufgabe künftig nicht mehr nur mit professioneller externer Unterstützung anzugehen, sondern Kompetenz und Kapazitäten dazu in einer hauptamtlichen Funktion innerhalb des Verbands zu verankern.

Diplom-Dolmetscherin Iannone seit fünf Jahren im Bundesvorstand

Zu der derzeit in Hamburg lebenden und künftig direkt in und aus Berlin agierenden ersten hauptberuflichen politischen Interessenvertreterin des Verbands heißt es in der Mitteilung:

Die künftige Politische Geschäftsführerin Elvira Iannone ist Diplom-Dolmetscherin mit einem Abschluss [für Italienisch und Englisch] der Universität Mainz/Germersheim. Aus früheren Tätigkeiten bringt sie nicht nur Erfahrungen aus der praktischen Arbeit als Konferenzdolmetscherin, der universitären und außeruniversitären Lehre und als Practisearcher mit, sondern auch aus den Bereichen Interessenvertretung und Netzwerkarbeit.

In den vergangenen 5 Jahren hatte sie im BDÜ-Bundesvorstand das Amt der ehrenamtlichen Vizepräsidentin für das Ressort Dolmetschen inne und unterstützte in diesem Rahmen bereits intensiv die aktuelle politische Arbeit, sodass sie nahtlos an die bisherige Linie anknüpfen kann.

Der frühere Amtsinhaber Ralf Lemster, der den Bereich Public Affairs im Ehrenamt über einen Zeitraum von 10 Jahren auf- und ausgebaut hat, wird ihr und dem Verband zudem noch einige Zeit als Bundesreferent beratend zur Seite stehen.

Stelle wurde öffentlich ausgeschrieben

Die Stelle der Politischen Geschäftsführung war zunächst über die verbandsinternen Kanäle und dann auch extern auf einer einschlägigen Plattform ausgeschrieben worden. Bewerbungen kamen sowohl aus dem Verband als auch von außen; die Auswahl erfolgte in einem mehrstufigen, professionell begleiteten Bewerbungsverfahren.

„Überdenken der ehrenamtlichen Strukturen erforderlich“

Weiter heißt es in der Mitteilung:

Der Schritt reflektiert nicht zuletzt auch die gewachsene Erkenntnis des Verbands, dass für eine wirkungsvolle Vertretung der Interessen des Berufsstands ein Überdenken der bisher überwiegend ehrenamtlichen Strukturen erforderlich ist und in der Zukunft vermehrt zeitintensive Tätigkeiten aus dem Ehrenamt in ein Hauptamt überführt werden müssen, um so das – weiterhin wichtige – Ehrenamt zu entlasten und zu unterstützen und zu einer zeitgemäßen Form der Verbandsarbeit zu gelangen.

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