Dresden: Polizei-Dolmetscherin soll Verdächtigen gewarnt haben

Polizeiwagen Nordrhein-Westfalen
Symbolbild: UEPO.de

In Dres­den steht eine Polizei-Dol­met­sche­rin als Angeklagte vor Gericht. Sie soll einen Ver­däch­ti­gen vor Ermitt­lungs­maß­nah­men gewarnt haben, an denen sie als Dolmetscherin beteiligt war.

Die Staats­an­walt­schaft wirft der 40-jäh­ri­gen aus Freital ver­suchte Straf­ver­ei­te­lung und die Ver­let­zung von Dienst­ge­heim­nis­sen vor. Damit habe die Frau die Auf­klä­rung von Straftaten im Bereich des Abrech­nungs­be­trugs gefähr­det, so die Ober­staats­an­wäl­tin.

Zum Pro­zessauftakt am Amts­ge­richt Dres­den erschien die Angeklagte nicht. Ihr Ver­tei­di­ger erklärte, seine Man­dan­tin sei ver­hin­dert, weil deren Kind erkrankt sei. Die Rich­te­rin akzeptierte dies als Entschuldigung.

Telekommunikationsüberwachung für LKA

In dem Ermitt­lungs­ver­fah­ren geht es um vermuteten Abrech­nungs­be­tru­g eines privaten Pfle­ge­dien­stes in Dres­den.

Die Dolmetscherin wurde im Sep­tem­ber 2022 vom sächsischen Lan­des­kri­mi­nal­am­t beauftragt, die Aufzeichnungen einer laufenden Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung aus dem Russischen ins Deut­sche zu über­setzen. Dabei sei sie auch auf ihre Ver­schwie­gen­heits­pflicht hin­ge­wie­sen wor­den.

Dennoch habe sie Kon­takt zum Leiter des Pflegedienstes, einem Russen, auf­ge­nom­men und sich mit ihm auf einem Super­markt­park­platz getrof­fen, um ihm von der Über­wa­chung zu berich­ten.

Dolmetscherin bestrei­tet Vor­würfe

Laut Verteidiger bestrei­tet die in Kasachstan geborene Sprachmittlerin die Vor­würfe. Die Telefonnummer des Ver­däch­ti­gen habe sich nur deshalb auf ihren beiden Mobiltelefonen befun­den, weil sie für ihre Groß­mut­ter eine Pfle­ge­ein­rich­tung gesucht habe, in der Rus­sisch gespro­chen wird.

Allerdings war die Nummer in beiden Fällen unter der Bezeichnung „Schwarz­dia­mant“ gespeichert, dem Spitznamen des Pflegedienst-Inhabers.

Die Sächsische Zeitung schreibt:

Inter­es­sant ist, wie die Sache her­aus­kam: Eine dama­lige Ange­stellte des Ver­däch­ti­gen hatte noch an jenem 6. Sep­tem­ber ihrer Toch­ter erzählt, dass sich ihr Chef ver­spä­tet habe. Es habe ein selt­sa­mes Gespräch mit einer Rus­sisch­-Dol­met­sche­rin gege­ben. Sie habe die War­nun­gen nicht ernst genom­men und das ihrer Toch­ter auch so gesagt. Das Pro­blem: Auch die Tele­fonate der Mit­ar­bei­te­rin wur­den abge­hört.

Das Verfahren wird fort­ge­setzt.

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Richard Schneider