Die Popsängerin und Musikproduzentin Annette Humpe, der Verein MundArt in der Kirche und das Erika-Fuchs-Haus als Museum für Comic und Sprachkunst werden mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache 2026 ausgezeichnet.
Das Museum in Schwarzenbach an der Saale ist der langjährigen Disney-Übersetzerin Erika Fuchs gewidmet (1906 – 2005), die von 1951 bis 1988 als Übersetzerin und als Chefredakteurin der Zeitschrift Micky Maus wirkte.
Die Eberhard-Schöck-Stiftung und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ehren damit zum 25. Mal Personen, Institutionen und Initiativen, die sich in besonderem Maße um die deutsche Sprache verdient gemacht haben. Der Preis wird in drei Kategorien verliehen.
Annette Humpe erhält als Hauptpreis den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis. Die Laudatio hält der Journalist Tillmann Prüfer. Die Preisverleihung findet am 3. Oktober 2026 in Baden-Baden statt.

Jacob-Grimm-Preis: Annette Humpe – ihre coole, lässige und emotionale Sprache
Annette Humpe hat schon viele Musik-Preise erhalten, bei der diesjährigen Verleihung des Jacob-Grimm-Preises steht erstmals ihre Sprache im Vordergrund. „Mit dem musikalischen Werk von Annette Humpe wurde die deutsche Sprache cool, lässig und emotional“, so Prof. Dr. Wolf Peter Klein, Sprecher der Jury. Ihr gesamtes Wirken habe maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die deutsche Sprache in der populären Musik durchsetzen und mit großer Akzeptanz weiter entfalten konnte.
Orientiert an der Ausdruckskraft der Alltagskommunikation habe sie eine natürliche und unprätentiöse Popsprache entwickelt, die von Direktheit und unmittelbarer Eindringlichkeit geprägt ist. „Das war und ist stilprägend bis zur Gegenwart und eine stete Anregung für den weiteren Ausbau des musikalischen Sprachbewussteins“, so Klein weiter zur Entscheidung der Jury.
Annette Humpe begann ihre musikalische Karriere in Berlin, wo sie 1979 u. a. mit ihrer Schwester Inga mit den „Neonbabies“ ihre erste Musikband gründete. Der nationale Durchbruch gelang ihr mit der Gruppe „Ideal“, mit der sie zu einer führenden Vertreterin der Neuen Deutschen Welle wurde. Erstmals wurde in der Popkultur ausschließlich in deutscher Sprache gesungen.
Annette Humpe schrieb und produzierte so erfolgreiche Songs wie „Codo … düse im Sauseschritt“ oder „Blaue Augen“, zu denen eine ganze Generation tanzte. 2004 gründete sie mit dem Sänger Adel Tawil die Formation „Ich + Ich“ und erreichte damit den Höhepunkt ihrer musikalischen Karriere. Als Musikproduzentin hat sie auch mit „Die Prinzen“, Udo Lindenberg und Max Raabe zusammengearbeitet. Annette Humpe lebt heute in Berlin.

Initiativpreis: Claus Ebeling und „MundArt in der Kirche“ – deutsche Dialekte in religiösen Texten
Den mit 5.000 Euro dotierten Initiativpreis Deutsche Sprache erhält in diesem Jahr der Verein „MundArt in der Kirche“. Er wurde im Anschluss an die Tagung der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern 1995 als Arbeitskreis gegründet und fördert Erfahrungsaustausch und Fortbildung von Mundart-Schaffenden in den Kirchen.
In ihrer Begründung hebt die Jury hervor, dass sich „MundArt in der Kirche“ der Pflege deutscher Dialekte in einer sprachlichen Domäne widme, in der lokale Sprachformen traditionell eher von nachgeordneter Bedeutung sind.
Prof. Klein: „Insbesondere im Projekt der Fränkischen Bibel von Pfarrer Claus Ebeling konnte überzeugend vorgeführt werden, wie sich der Variantenreichtum und die Tiefe der deutschen Sprache auch in religiösen Texten nachdrücklich und fruchtbar verkörpern lässt.“
Neben der Pflege des Erfahrungsaustausches von Mundart-Schaffenden in den Kirchen steht beim Verein „MundArt in der Kirche“ die Fortbildung von christlichen Mundart-Autoren, -Sprechern und -Predigern bei regelmäßig stattfindenden Studienveranstaltungen auf dem Programm. In den Gemeinden, die den Verein dazu einladen, führen seine Mitglieder öffentliche Mundart-Veranstaltungen durch. Im Lauf der Zeit waren auch viele Buch- und Hörbuch-Projekte erfolgreich, so im fränkischen Raum der „Fränggische Psalter,“ die „Fränggische Bibl“ und das „Gebeedbüchla für Franggn“.

Institutionenpreis: Erika-Fuchs-Haus – Museum für Comic und Sprachkunst
Der undotierte Institutionenpreis Deutsche Sprache 2026 geht an das Erika-Fuchs-Haus in Schwarzenbach a. d. Saale – Deutschlands erstes Comicmuseum. „Das Erika-Fuchs-Haus ist eine herausragende Institution, in der die Rolle der deutschen Sprache in Comics ebenso minutiös wie phantasievoll dokumentiert wird“, so die Begründung der Jury.
Prof. Klein ergänzt: „Die zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen des Hauses demonstrieren immer wieder aufs Neue, wie die deutsche Sprache in einer speziellen Kunstform prägnant und beeindruckend weiterentwickelt wurde, vor allem im Anschluss an das Werk der großen Pionierin Erika Fuchs.“
Das Erika-Fuchs-Haus wurde 2015 eröffnet, um die Leistung von Dr. Erika Fuchs (1906 – 2005) als Chefredakteurin des deutschen Micky-Maus-Magazins zu würdigen. Sie lebte von 1933 bis 1984 in Schwarzenbach a. d. Saale und übersetzte dort von der ersten Ausgabe 1951 an die Geschichten aus Entenhausen.
Ihrem sprachlichen Genie ist der große Erfolg des Micky-Maus-Magazins in Deutschland zu verdanken. Der größte Raum im Museum ist der Sprachkunst von Erika Fuchs gewidmet. Interaktive Stationen laden dazu ein, Sprache spielerisch zu erkunden. Neben der Dauerausstellung setzt sich das Museum mit Sonderausstellungen, Vorträgen, Lesungen und Workshops immer wieder neu mit dem Thema Comic und Sprachkunst auseinander.
Kulturpreis Deutsche Sprache seit 2001
Den Kulturpreis Deutsche Sprache hat die Eberhard-Schöck-Stiftung 2001 ins Leben gerufen und verleiht ihn seit 2023 gemeinsam mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. (Zuvor gemeinsam mit dem Verein Deutsche Sprache, VDS.) Ausgezeichnet werden Personen, Institutionen und Initiativen, die sich in besonderem Maße um die deutsche Sprache verdient gemacht haben.
Der Jacob-Grimm-Preis (Hauptpreis) ging bisher an bekannte Persönlichkeiten wie den Komiker Hape Kerkeling (2025), die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, Udo Lindenberg, Cornelia Funke, Loriot, Ulrich Tukur oder die Fantastischen Vier.
Mit dem Initiativpreis werden Personen, Vereine oder Projekte ausgezeichnet, die neue Ideen umsetzen, um die deutsche Sprache zu fördern.
Der Institutionenpreis geht an Einrichtungen, die sich in besonderem Maße um die deutsche Sprache verdient gemacht haben.
- 2021-11-20: Donaldisten starten Online-Petition gegen Zensur der Übersetzungen von Erika Fuchs
- 2014-08-09: „Aber was der Wille erstrebt, erreicht er“ – Museum für Disney-Übersetzerin Dr. Erika Fuchs eröffnet im Dezember
- 2012-02-27: Schwarzenbach baut Museum für Comic-Übersetzerin Erika Fuchs
PM Eberhard-Schöck-Stiftung
