Thüringen: Schulen erhalten weiterhin Unterstützung durch Sprachmittler

Helmut Holter
"Sprachmittler sorgen für ein besseres Verständnis der schulischen Abläufe", sagt Helmut Holter (Die Linke). Seit 2017 ist er in Thüringen Minister für Bildung, Jugend und Sport. - Bild: Jacob Schröter

Thüringer Schulen und Schulämter können auch im Jahr 2020 den SprIntpool Thüringen zur Vermittlung qualifizierter Sprach- und Integrationsmittler in Anspruch nehmen. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung haben das Thüringer Bildungsministerium und der Träger von SprIntpool, das Institut für Berufsbildung und Sozialmanagement gGmbH, unterzeichnet.

Bildungsminister Helmut Holter begrüßt die Fortführung der Zusammenarbeit: „Die Sprach- und Integrationsmittler unterstützen unsere Schulen bei der Elternarbeit. Sie sorgen bei zugewanderten Familien für ein besseres Verständnis der schulischen Abläufe und des Thüringer Schulsystems insgesamt. Damit wird die Integration aktiv gefördert.“

Vor vier Jahren 37 Dolmetscheinsätze, heute 440 pro Jahr

SprInt ThüringenErstmalig wurde die Kooperationsvereinbarung im Jahr 2016 abgeschlossen. 2019 wurden die Leistungen der Sprach- und Integrationsmittler in 440 Fällen in allen Thüringer Schularten in Anspruch genommen. Seit dem Beginn des Angebots ist ein stetiger Zuwachs der Inanspruchnahme der Übersetzungsleistungen durch die Schulen zu verzeichnen (2016: 37 Einsätze, 2017: 203, 2018: 301).

Die Schulen nutzen das Angebot für die Elternarbeit, zur Durchführung von Gesprächen und Veranstaltungen mit Eltern wie Elternabende, Elternsprechtage oder Einzelgesprächen. Der Einsatz der Sprach- und Integrationsmittler erfolgt dabei insbesondere bei Gesprächen mit Eltern, die nur eine geringe oder keine deutsche Sprachkompetenz besitzen.

Auf Anfrage der Schulen und Schulämter hin wählt SprIntpool geeignete Personen für die jeweilige schulische Situation aus und vermittelt diese der Schule.

Vor ihrem Einsatz erhalten die Sprach- und Integrationsmittler eine eineinhalbjährige Ausbildung insbesondere in den Bereichen Bildung, Sozial- und Gesundheitswesen. Damit ist gesichert, dass Gesprächsinhalte fachgerecht, unverfälscht und neutral übersetzt werden können.

Qualifizierung zum Sprach- und Integrationsmittler in 18 Monaten

Das Institut für Berufsbildung und Sozialmanagement (IBS) ist eine gemeinnützige GmbH, deren Dolmetscher-Vermittlungsservice aus Mitteln des Thüringer Ministeriums für Migration, Justiz und Verbraucherschutz gefördert wird.

In einer 18-monatigen Vollzeitausbildung vermittelt das IBS in Erfurt die Fach- und Kommunikationskompetenz, die für diese Tätigkeit erforderlich ist.

Teilnahmevoraussetzungen an dem Programm sind:

  • Eigener Migrationshintergrund oder interkulturelle Erfahrung aus langjährigen Auslandsaufenthalten
  • Deutsche Sprachkenntnisse auf Niveau B2
  • Nachweis einer Zweitsprache (in der Regel die Muttersprache)
  • Schulabschluss vergleichbar „Mittlere Reife“ (Realschulabschluss)
  • Berufserfahrungen allgemein oder beruflicher Abschluss äquivalent zur abgeschlossenen Berufsausbildung oder erzieherische oder pflegerische Tätigkeit in der Familie für mindestens zwei Jahre
  • Soziales Engagement
  • Erste Erfahrungen im Dolmetschen von Vorteil
  • Polizeiliches Führungszeugnis ohne Eintrag

Während der Qualifizierung wechseln sich theoretische und praktische Lernphasen miteinander ab. Der theoretische Unterricht wird durch zwei Praxisphasen mit insgesamt 450 Stunden ergänzt.

Die zukünftigen Sprach- und Integrationsmittler werden in neun Lernfeldern unterrichtet. Sie erwerben Kenntnisse über Grundlagen und Strukturen im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen. Dabei werden folgende Inhalte vermittelt:

  • Reflexionskompetenz
  • Soziale Kompetenzen und Kommunikationskompetenzen
  • Migration und Partizipation
  • Erziehungs- und Bildungswesen
  • Sozialwesen und Gesundheitswesen
  • Theorie und Praxis des Dolmetschens
  • Fachbezogenes Deutsch sowie flankierende Lerneinheiten (EDV, Bewerbungstraining etc.)

Abschlussprüfung mit Zertifikat

Die Abschlussprüfung (schriftlich und mündlich) entspricht den Standards des bundesweiten Prüfungskonzepts des SprInt-Netzwerks. Sie wird von IBS gemeinsam mit externen Prüfern von den drei folgenden akademischen Institutionen abgenommen und zertifiziert:

  • Für den Fachbereich Gesundheit: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizinische Soziologie (IMS)
  • Für das Fach Dolmetschen: Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft
  • Für den Fachbereich Sozial- und Bildungswesen: Alice Salomon Hochschule, Berlin (ASH)

Die Sprach- und Integrationsmittler können nach erfolgreichem Abschluss der Qualifizierung in Einrichtungen des Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesens oder als selbstständige Dolmetscher arbeiten. Auf Wunsch werden sie in den Thüringer Vermittlungsservice aufgenommen und über diesen vermittelt.

Auftraggeber zahlen 30 Euro pro Stunde

Institutionen des Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen zahlen bei Beauftragung eines Sprach- und Integrationsmittlers in Thüringen einen reduzierten Honorarsatz von 30,00 Euro pro Stunde.

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[Quelle: Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport; IBS.]