„Ich bin quasi in der Kabine aufgewachsen“ – Wie Claudia Flumenbaum Leiterin eines Dolmetscherbüros wurde

Berlinale 2014 Dolmetscher
Ein Berlinale-Dolmetscher wartet auf seinen Einsatz.

Aus Anlass des Internationalen Filmfestivals Berlin, der Berlinale, hat die Website berliner-filmfestivals.de ein Gespräch mit Claudia-Ann Flumenbaum geführt, Inhaberin und Leiterin des Dolmetscher-Service Braunstein.

Das Büro stellt seit 1961 ununterbrochen Dolmetscher für offizielle Berlinale-Veranstaltungen. Darüber hinaus arbeiten auf dem Festival aber noch zahlreiche weitere Dolmetscher und Übersetzer, die direkt von Produktionsgesellschaften oder Medienvertretern beauftragt werden.

Im Interview blickt Flumenbaum, die selbst keine Dolmetscherin ist, sondern Politologie und Geschichte studierte, auf die 53 Jahre umfassende Arbeit für die Berlinale zurück. Und sie erklärt, wie sie in das von ihrer Mutter Alice Braunstein aufgebaute Dolmetscherbüro hineinwuchs.

Berlinale 2014 Dolmetscherin
Eine Dolmetscherin macht sich Notizen, während der norwegische Regisseur und Drehbuchautor Hans Petter Moland Publikumsfragen beantwortet.

Claudia-Ann Flumenbaum erzählt:

Ich bin quasi in der Kabine aufgewachsen. Meine Mutter war Dolmetscherin und hat mich überall hin mitgenommen, weshalb ich – ob ich wollte oder nicht – alles über das Dolmetschen erfahren habe, was es zu wissen gibt.

 

Mich selbst hat es, vielleicht auch deshalb, nie angezogen. Ich wurde auch nicht zweisprachig erzogen. Man kann mit einer Sprachbegabung jede Sprache lernen, vielleicht bin ich sogar sprachbegabt, aber mich hat der Beruf eher abgeschreckt. Meine Mutter war sehr wenig Zuhause.

 

Vor über zwanzig Jahren hat mich meine Mutter bei der Berlinale gefragt, ob ich nicht als ihre Assistentin mitwirken möchte. So bekam ich immer größere Aufgabenbereiche.

Die Familie der Jüdin Alice Braunstein wanderte in der Nazizeit nach Südamerika aus, wo Braunstein auch studierte. Im Jahr 1961 kam sie nach Deutschland zurück und arbeitete als Konferenzdolmetscherin, häufig auch beim Auswärtigen Amt in Bonn, das damals noch keinen eigenen Sprachendienst besaß und nach Bedarf hauptsächlich freie Dolmetscher beschäftigte.

Berlinale 2014 roter Teppich
Während deutsche Filmschaffende traditionell einen intellektuell wirkenden schmuddeligen Existentialisten-Look bevorzugen, verstehen es ausländische Stars, sich elegant und dem Anlass entsprechend zu kleiden – wie hier die taiwanesische Schauspielerin Kwai Lun-Mei (桂綸鎂 / 桂纶美).

Das vollständige Gespräch mit Claudia-Ann Flumenbaum können Sie auf berliner-filmfestivals.de lesen.

Die Website des Dolmetscherbüros finden Sie unter www.dolmetscher-braunstein.de.

Links zum Thema auf uepo.de

2005-02-20: „Eine menschliche Institution“ – Tagesspiegel würdigt verstorbene Berlinale-Dolmetscherin Alice Braunstein
2005-02-14: Berlinale-Dolmetscherin Alice Braunstein gestorben
2003-02-16: Berliner Filmfestspiele: Großeinsatz für Dolmetscher

[Text: Richard Schneider. Quelle: berliner-filmfestivals.de, 2014-02-03. Bild: Presseservice Berlinale.]