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Archive für März 2010
Juhani Lönnroth: Beitrag der Übersetzung zum europäischen Einigungsprozess
21.3.2010 von Eva Mauermann.
Auf der vom BDÜ im September 2009 veranstalteten Fachkonferenz “Übersetzen in die Zukunft” in Berlin hielt der Generaldirektor der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission Juhani Lönnroth (Bild) einen Vortrag zum Thema “Von Schlossern und Brückenbauern: Der Beitrag der Übersetzung zum europäischen Einigungsprozess”.
Hier ein paar Zitate aus diesem Vortrag:
Die EWG hatte am Anfang sechs Mitgliedsstaaten und vier Amtssprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Niederländisch. Die Übersetzung erfolgte somit in zwölf Sprachkombinationen. Heute haben wir 27 Mitgliedsstaaten, 23 Amtssprachen und 506 Sprachkombinationen.
Klaus Wowereit bezeichnete die Übersetzer als ‘professionelle Brückenbauer, die den Zugang zu einer anderen Welt eröffnen und so dazu beitragen, dass Begegnung auch mit gegenseitigem Verstehen einhergeht.’ Sprachmittler sind wohl am ehesten mit den Schlossern zu vergleichen, die Türen und Fenster öffnen, damit die Bürger im einen Zimmer sehen können, was in den anderen Zimmer geschieht.
Alle Sprachendienste aller europäischen Einrichtungen - also dieDolmetsch- und die Übersetzungsdienste - zusammen betrachtet, kommen wir auf über 6000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. […] 2008 wurden bei der Generaldirektion Übersetzung - also nur bei der Kommission - 1.805.589 Seiten übersetzt. Das ist mehr als das Hundertfache des Übersetzungsaufkommens von 1958.
Nur die Hälfte der Bevölkerung in der EU kann sich in einer anderen Sprache als der Muttersprache unterhalten. Erfolgreicher Fremdsprachenerwerb setzt voraus, dass der Lernende zunächst seine Muttersprache perfekt berherrscht. Beherrschuung der Muttersprache kommt jedoch nicht von allein, hier spielt die Bildungspolitik eine zentrale Rolle. […] Aus den Statistiken geht hervor, dass die deutsche Sprache als Ausgangssprache eine noch bescheidene Rolle spielt.
Es müssen innovative Verfahren und Materialien ausprobiert werden, um dadurch den Beitrag zum Fortschritt zu leisten. Wir sind ständig darum bemüht, unsere Effizienz und Produktivität zu verbessern. In der heutigen Zeit genügt es nicht, gut zu sein und zu wissen, dass man gut ist. Und wir alle wissen natürlich, dass nichts so gut sein kann, dass es nicht noch verbessert werden könnte. […] Qualitätsmanagement und -sicherung bedeutet eine ständige Überprüfung aller Arbeitsabläufe, sowie eine gründliche Revision und ein Gegenlesen der Übersetzung. […] Wir arbeiten seit Jahren daran, die Sprache der EU für den Bürger verständlicher zu machen.
Juhani Lönnroth erklärte desweiteren:
Wir haben zurzeit Nachwuchsprobleme bei der Übersetzung ins Englische sowie ins Dänische. Viele Mitglieder der englisch- und dänischsprachigen Abteilungen sind eingestellt worden, als das Vereinigte Königreich, Irland und Dänemark 1973 den Europäischen Gemeinschaften beitraten. Heute, etwa 35 Jahre später, treten die ersten Vertreter dieser Generation in den Ruhestand und weitere werden ihnen folgen. Damit gehen sprachliche und technische Fertigkeiten verloren, die über Jahrzehnte angesammelt wurden. […] Das ‘Europäische Master Übersetzen’ soll ein Netz von Studiengängen schaffen und so das Niveau der Übersetzerausbildung heben.
Zum Abschluss bediente sich Juhani Lönnroth noch eines Vergleichs, um die Situation der Übersetzerinnen und Übersetzer zu verdeutlichen:
Nicht jeder, der ein Haus bezieht, macht sich Gedanken darüber, wie viele Handwerker wie lange arbeiten müssen, bevor das Gebäude bezugsfertig wird. Man betrachtet die Handwerker eher als ein lästiges Übel. So geht es auch uns. Die Bürger lesen unsere Übersetzungen, und da diese so gut sind, merken sie oft gar nicht, dass sie eine Übersetzung in der Hand halten. Den Schlüsseldienst ruft man erst, wenn die Tür verschlossen ist, und dann wundert man sich, warum jemand so lange braucht, um diese Tür aufzukriegen. Wie lange man braucht, um mal eben so ein paar Seiten in hervorragender Qualität zu Übersetzen, können sich nur diejenigen Vorstellen, die das selbst schon einmal versucht haben. Aber wir haben eine wichtige Aufgabe. Wir leisten einen Beitrag zur Verständigung und somit zum Frieden in Europa. Denn die Menschen, die einander verstehen, schießen nicht aufeinander.
Juhani Lönnroth (64) ist Finne und hat seit dem 01.01.2004 den Posten des Generaldirektor der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission inne. Er studierte u.a. in Helsinki und Wisconsin, sowie in Frankreich und den USA. Lönnroth spricht 5 Sprachen (Finnisch, Schwedisch, Englisch, Französisch und Deutsch) und verfügt über Grundkenntnisse in Russisch und Spanisch. Er veröffentlichte bereits zahlreiche Beiträge zu den Themen Beschäftigung, Soziales, Migration und Sprachen.
Den obigen Vortrag können Sie in gesamter Länge auf den Seiten der Generaldirektion Übersetzen der EU-Kommission abrufen.
[Textauswahl: Eva Mauermann. Quelle: Vortragsmanuskript Juhani Lönnroth, zur Verfügung gestellt vom BDÜ. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Veranstalters. Bild: BDÜ.]
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Germersheim: die Sprachen-Metropole in der Pfalz
20.3.2010 von Eva Mauermann.

Unter dem Titel “Germersheim: Die Sprachen-Metropole in der Pfalz” erschien am 16.03.2010 ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung über den FTSK Germersheim (Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft) der Johannes Gutenberg Universität in Mainz.
Mit 2300 Studenten aus 70 Nationen ist das Institut die weltweit größte Ausbildungsstätte für Dolmetscher und Übersetzer. Die Studenten haben die Möglichkeit, aus zwölf Sprachen und fünf Sachfächern zu wählen. Ausländer haben die Möglichkeit, auf Basis ihrer Muttersprache zu studieren, dann jedoch unter der Bedingung, Deutsch als erste Fremdsprache zu belegen.
Norma Keßler, Vizepräsidentin des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) in Berlin, erklärte, dass die Absolventen in der Branche “einen guten Ruf genössen” und gute Übersetzer und Dolmetscher, in Zeiten der Globalisierung mit ansteigendem Übersetzungsvolumen, sehr gefragt seien.
Nach dem Bachelorstudiengang, welcher in der Regel mit zwei Fremdsprachen beginnt, folgt der Masterstudiengang, in welchem sich die Studenten zwischen dem Übersetzen oder dem Konferenzdolmetschen entscheiden müssen. Nach dem Studium arbeiten viele als Freiberufler, da die meisten Firmen keine festangestellten Dolmetscher oder Übersetzer einstellen, sondern jediglich deren Hilfe tageweise benötigen. Diplom-Übersetzerin Yvonne Crnkovic berichtet, dass die Nachfrage bei der Polizei und bei Behörden gestiegen sei. Auch im Internet und in der Filmbranche sei man immer mehr auf die Hilfe von Sprachmittlern angewiesen. Mit knapp 80 % Frauenanteil sind diese Berufe klar als “Frauendomäne” zu bezeichnen.
Den Artikel können sie im Wortlaut auf der Website der Süddeutschen Zeitung abrufen.
[Text: Eva Mauermann. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 16.03.2010. Bild: FTSK Germersheim, Natalie Bärtges.]
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MDÜ 1/2010: Übersetzer und ihre Kunden
19.3.2010 von Eva Mauermann.
Freiberufler und Einzelunternehmer machen ungefähr 50 % des Übersetzungs- und Dolmetschmarktes aus. Dieses Verhältnis wird sich in den nächsten Jahren zugunsten der größeren Übersetzungsunternehmen verschieben. So lautet ein Ergebnis einer im Jahr 2009 durchgeführten Untersuchung der Generaldirektion Übersetzen (DGT) der Europäischen Union über die Größe der Sprachenindustrie in Europa. Im MDÜ 1/2010, das am 16. März 2010 mit dem Titelthema „Übersetzer und ihre Kunden” erschienen ist, können Sie die Umsatzzahlen der Untersuchung für Deutschland und Europa und die wichtigsten Schlussfolgerungen nachlesen.
Das Hauptaugenmerk der Zeitschrift liegt auf den Erwartungen und Anforderungen von Auftraggebern an Übersetzer: Kunden in Industrie, Wirtschaft und Behörden wünschen sich Flexibilität, gleichbleibend hohe Qualität und Zuverlässigkeit. Je nach Auftrag und Unternehmen arbeiten sie eher mit kleinen oder größeren Einheiten zusammen. Agieren Übersetzungsunternehmen als Auftraggeber, wünschen sie sich professionelles Geschäftsgebaren und dass die Leistungen des Unternehmens anerkannt werden. Andere Themen im Heft sind unter anderem die Nutzungsmöglichkeiten des Internets für Übersetzer zum Gedankenaustausch und zur Präsentation von Inhalten sowie das Qualitätssicherungsystem für freiberufliche Dolmetscher beim Europäischen Patentamt.
Aus dem Inhaltsverzeichnis:
Titelthemen:
- Erwartungen von Endkunden an Übersetzungsdienstleister: Übersetzer nach Maß
- Studie zum Sprachdienstleistungsmarkt in der Europäischen Union: Stärkung der Sprachexperten
- Übersetzungsunternehmen und ihre Kostenstruktur: Brennpunkt Marge
- Aufbau einer ausgeglichenen Kundenstruktur: Hilfe, mein Kunde ist weg!
- Zusammenarbeit zwischen Übersetzungsunternehmen und Freiberuflern: Eine Portion Professionalität bitte
Sprachmittler als Unternehmer:
- Kommunikations- und Partizipationsmöglichkeiten im Internet: Sprachdienstleister 2.0
Ausbildung:
- IHK-Prüfungen “Geprüfter Übersetzer”/”Geprüfte Übersetzerin”: Prüfung mit Tradition
Tagungen:
- Fachtagung Interkulturelle Kompetenz in der Justiz: Bewusst reflektieren
BDÜ Aktuell:
- Der Sprachmittlerdienst des Bundessprachenamtes: Gut gerüstet für den Einsatz
Werkzeuge:
- Erfolgsfaktor Qualität am Beispiel von Across: Durchgehende Qualitätssicherung
Interkulturelle Kommunikation:
- Developing intercultural competence: Being mindful
Dolmetschen:
- Qualitätssicherungssystem im Dolmetscherdienst des Europäischen Patentamts: So objektiv wie möglich
Forum Recht:
- Neue Benennungen für Urkunden: Neues rund um den Personenstand
Weitere Informationen unter: www.bdue.de
[Text: MDÜ, ergänzt von Eva Mauermann. Quelle: Pressemitteilung MDÜ, 16.03.2010. Bild: MDÜ.]
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“Gelbes Branchenbuch” schreibt massenhaft Übersetzer an
18.3.2010 von Richard Schneider.
Zurzeit werden von dem Absender „Gelbes Branchenbuch“ (mail@gbbmailings.net) massenhaft E-Mails an Freiberufler, Kleinunternehmer und andere Selbstständige in Deutschland verschickt, darunter sehr viele Übersetzer. Unter der Betreffzeile „Ihr Eintrag im Branchenbuch 2010/2011“ wird für ein Online-Adressverzeichnis geworben, das unter der Adresse www.gelbesbranchenbuch.com betrieben wird.
Der Mail ist eine PDF-Datei angehängt, die wie ein Korrekturabzug gestaltet ist. Sie enthält bereits einige – aber nie alle – Daten des Empfängers, die zudem oft veraltet sind.
Aus dem Kleingedruckten geht hervor, dass bei Faxrücksendung der mit „Eintragungsantrag“ überschriebenen Seite ein Vertrag über einen „Premium Business Eintrag“ mit einer Laufzeit von mindestens zwei Jahren abgeschlossen wird. Dessen Kosten belaufen sich auf 65,00 Euro pro Monat, zahlbar sofort für zwei Jahre im Voraus. Die Rechnung fordert daher zur Zahlung von 1.560,00 Euro binnen 15 Tagen auf. Bei Zahlungsverweigerung wird der Betrag von einem deutschen Rechtsanwalt eingetrieben.
Als Faxnummer für die Rücksendung des „Eintragungsantrags“ wird entweder eine Nummer mit Frankfurter Vorwahl oder eine Servicenummer mit österreichischer Landesvorwahl genannt.
Betreiber des Gelben Branchenbuchs ist laut Impressum der Website die MCP Holding Ltd. in Belize City, Belize. Belize ist eine winzige Bananenrepublik zwischen Mexiko und Guatemala.
Als Vertragspartner tritt die GBB Ltd. mit Sitz in Majuro, der Hauptstadt der Marshall-Inseln, auf. Die Marshall-Inseln liegen in der Wasserwüste Mikronesiens, rund 3.500 km westlich von Honolulu, 2.500 km östlich von Guam und rund 3.500 km nordwestlich von Australien. Dieser Sitz des Vertragspartners ist durchaus von Bedeutung, denn eine Kündigung ist nur „schriftlich per Brief“ möglich.
Darüber hinaus findet sich im Kleingedruckten folgender Hinweis: „Gerichtsstand ist Prag, Tschechische Republik. Es gilt tschechisches Recht.“
Wie die Angebote des bereits seit mehreren Jahren aktiven „Gelben Branchenbuchs“ zu bewerten sind, erklärt unter anderem die Handwerkskammer Reutlingen auf der folgenden Seite:
www.hwk-reutlingen.de/branchenbuch-abzocke.html
[Text: Richard Schneider.]
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Übersetzung von Geschäftsberichten: Qualifizierte Übersetzer Mangelware
17.3.2010 von Richard Schneider.
Die Saison der Geschäftsberichte läuft zurzeit auf Hochtouren. Und damit auch die Hochsaison für die kleine Zahl der Übersetzer, die in bilanzieller Rechnungslegung geschult sind. „Von Februar bis Mai suchen Kommunikationsagenturen und Investor Relations-Abteilungen händeringend nach Fachübersetzern, die Jahresabschlüsse nach HGB, IAS oder US-GAAP vom Deutschen ins Englische übertragen können, denn Übersetzungsfehler können Konsequenzen haben“, sagt Steffi Brettschneider (Bild unten), Key Account-Managerin von FORIS lingua. Der Bonner Spezialist für juristische und finanztechnische Fachübersetzungen ist Teil der börsennotierten juristischen Finanzdienstleistungsgruppe FORIS AG.
Wenn
die Saison der Hauptversammlungen beginnt, steigt der Bedarf an Fachübersetzern jedes Jahr aufs Neue sprunghaft an. Allein der Prime Standard der Deutschen Börse zählt 352 Unternehmen. Um sich für die Auswahlindizes DAX, MDAX, TecDAX und SDAX zu qualifizieren, haben diese sich verpflichtet, europaweit die höchsten internationalen Transparenzanforderungen zu erfüllen. Dazu gehört auch, Quartalsfinanzberichte zeitgleich in deutscher und englischer Sprache zu veröffentlichen. Hinzu kommen unzählige börsen- und nicht börsennotierte Exportunternehmen aus dem Mittelstand, die ihre Geschäftsberichte zum Jahresbeginn ebenfalls übersetzen lassen wollen, um ihre internationalen Geschäftspartner von ihrer Leistungskraft zu überzeugen.
„Wenn der saisonale Engpass an finanztechnisch geschulten Fachübersetzern durch Übersetzer überbrückt wird, die die Materie nicht beherrschen, weil sie zum Beispiel selbst nicht einmal eine Bilanz lesen können, ist die Gefahr von Pannen groß“, warnt Brettschneider, Spezialistin für rechtskonforme Fachübersetzungen. „Die Finanzberichterstattung ist ein hochsensibles Feld. Übersetzungsfehler sind im besten Fall peinlich, im schlimmsten Fall können sie rechtliche Konsequenzen für das Unternehmen und sein Management haben“, urteilt Prof. Dr. Ulrich Tödtmann, Rechtsanwalt und Vorstand der FORIS AG.
Das musste zum Beispiel ein Internetdienstleister aus München feststellen. In der deutschen Fassung einer Ad hoc-Meldung zu den Zahlen des Jahresabschlusses hatte das Unternehmen eine Steigerung des Gewinns um 300 Prozent vermeldet. Ein Übersetzungsfehler - denn die Steigerung betraf in Wirklichkeit nur das Bruttoergebnis, wie es die englische Originalfassung der Mitteilung auch korrekt dargestellt hatte. Die fehlerhafte Übersetzung sorgte dafür, dass der Börsenkurs binnen weniger Stunden um 50 Prozent hochschnellte. Prompt reichte die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre unter Berufung auf das Börsengesetz Strafanzeige gegen das Unternehmen ein, und der Fall ging an die Presse. Der Vorwurf: Das Start-up habe unrichtige Angaben gemacht und seine Aktionäre bewusst getäuscht. Die Behörden für Wertpapieraufsicht leiteten offizielle Ermittlungen ein. Diese wurden später eingestellt. Der Imageschaden aber war da.
In der Krise wirken solche Übersetzungspannen doppelt. Mangelhaft übersetzte Geschäftsberichte führen nicht nur zur Verunsicherung bei Analysten und Anlegern, sondern unmittelbar auch dazu, dass Investments abgezogen werden. „Ungereimtheiten im öffentlichen Auftritt werden zurzeit von Investoren, Kunden und Lieferanten besonders kritisch bewertet. Wer in Krisenzeiten anderen sein Kapital anvertraut, erwartet höchste Professionalität“, so Tödtmann. „Wer jetzt patzt, verspielt Vertrauen und möglicherweise Investorengelder, die das Unternehmen für den Aufschwung gut gebrauchen kann.“
Interview mit Steffi Brettschneider im Handelsblatt:
Geschäftsberichte: Wenn Übersetzungsfehler Millionen kosten
[Text: Pia Preuß. Quelle: Pressemitteilung FORIS lingua, 2010-03-16. Bild: FORIS lingua.]
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Alle Jahre wieder: Erneuerung der gerichtlichen Ermächtigung in NRW
16.3.2010 von Richard Schneider.
Das Deutschlandradio berichtet über das neue Gerichtsdolmetschergesetz in Nordrhein-Westfalen: „Ende dieses Jahres laufen alle derzeit bestehenden Beeidigungen und Ermächtigungen für Dolmetscher und Übersetzer in NRW aus. Wollen sie den Status nicht verlieren, müssen sie ihre fachliche und persönliche Eignung erneut nachweisen – und zwar ab jetzt alle fünf Jahre.“
Der Sender spricht zu diesem Thema mit
- Ulrich Egger, Düsseldorf, Richter und Sprecher am Oberlandesgericht,
- Joachim Bartoschek, Gelsenkirchen, seit 35 Jahren als Dolmetscher und Übersetzer für die polnische Sprache beeidigt/ermächtigt, und
- Dragoslava Gradincevic-Savic (Bild), Düsseldorf, stellvertretende Vorsitzende des Fachverbands der Berufsübersetzer und Berufsdolmetscher ATICOM.
Die beiden Sprachmittler kritisieren die alle fünf Jahre fällige Erneuerung der Ermächtigung/Beeidigung, weil sie für jede einzelne Arbeitssprache mit Aufwand und Kosten verbunden und in anderen Berufsgruppen nicht üblich ist. Der Richter hält gerade diese Neuregelung für sinnvoll:
Es kann ja sein, dass ein Dolmetscher Straftaten begangen hat in den letzten fünf Jahren, das würde man dann am Auszug des Bundessozialregisters auslesen können. Oder möglicherweise hat der Dolmetscher auch viele Schulden gemacht. Sodass er im Insolvenzverzeichnis ist oder im Schuldnerverzeichnis. Dies wären Umstände, die dazu führen könnten, dass man die Ermächtigung nicht wieder erneuern würde.
Außerdem bliebe dadurch die bundesweite Online-Datenbank der Gerichte stets aktuell. Diese führt unter www.gerichtsdolmetscherverzeichnis.de alle in Deutschland beeidigten und ermächtigten Dolmetscher und Übersetzer auf.
Den vollständigen Artikel können Sie auf der Website des Deutschlandradios lesen.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Deutschlandradio, 2010-03-12. Bild: Gradincevic-Savic.]
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iQTSP: Zertifizierte Sprachdienstleister vernetzen sich international
15.3.2010 von Richard Schneider.
Mit dem „International Network for quality translation service providers“ (iQTSP) wurde im Mai 2009 in Wien der weltweit erste internationale Zusammenschluss zertifizierter Übersetzungsunternehmen gegründet. Die Ziele des Vereins mit Sitz in Wien sind die internationale Vernetzung zertifizierter Übersetzer und die weltweite Etablierung von Qualitätsstandards.
Zu den Gründungsmitgliedern gehören folgende Sprachdienstleister bzw. Organisationen:
- Able Translations Ltd., Toronto, Kanada
- Eurocom Translation Services, Wien, Österreich
- Interlingua Language Services, Wien, Österreich
- MB International Languages, Mondsee, Österreich
- Multi-Languages Corporation, Toronto, Kanada
- TermNet, Wien, Österreich
- translingua, Graz, Österreich
Zur Präsidentin wurde bei der Gründungsveranstaltung Mag. Sabine Kern, Geschäftsführerin von Interlingua Language Services, gewählt.
Seit Oktober 2006 definiert die europaweite NORM EN 15038 Qualitätsstandards für Übersetzer. Interlingua Language Services unter Geschäftsführerin Mag. Sabine Kern wurde bereits 2006 als erstes Unternehmen Österreichs nach der ÖNORM EN 15038 zertifiziert. Für die neu gewählte Präsidentin des iQTSP liegen die Vorteile des Vereins auf der Hand: „Unser Ziel ist eine weltweite Vernetzung zertifizierter Übersetzer, vom Einpersonen-Unternehmen bis zu großen, internationalen Anbietern. Innerhalb des Vereins wollen wir den Blick auch über den eigenen Tellerrand hinaus öffnen und eine Plattform für einen regen Erfahrungsaustausch bieten. Nach außen geht es uns vor allem darum, die Vorteile der Zertifizierung zu kommunizieren. Denn eines zeichnet sich bereits jetzt ab: Der Trend am internationalen Markt geht immer stärker Richtung Zertifizierung, die Praxis bei der Ausschreibung größerer Aufträge zeigt das bereits heute. Der Nachweis von Qualitätsstandards wird daher für die künftige Wettbewerbsfähigkeit immer wichtiger werden.“
[Text: iQTSP. Quelle: Mitteilung, 2010-03-15. Bild: iQTSP.]
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Sprachhürden abbauen: Andrä AG unterstützt Rosetta Foundation
14.3.2010 von Richard Schneider.
Die weltweit tätige, gemeinnützige Organisation Rosetta Foundation erhält tatkräftige Unterstützung von der Andrä AG, Software-Spezialist für Übersetzungsmanagement-Lösungen. Die Rosetta Foundation verfolgt das Ziel, den Zugang zu Informationen weltweit in den jeweiligen Muttersprachen zu ermöglichen und andere Hilfsorganisationen mit neuester Technologie und Know-how zu versorgen sowie qualifizierte Übersetzer zu vermitteln. Als Anbieter der webbasierten Übersetzungsmanagement-Lösung ontram unterstützt die Andrä AG die Organisation durch die Bereitstellung eines Büroraums, einer Arbeitskraft und entsprechendem Know-how.
Die Rosetta Foundation entwickelt und betreibt eine Übersetzungsplattform, die als Schnittstelle zwischen gemeinnützigen Organisationen und engagierten Übersetzern dient. Diese soll dazu beitragen, Menschen in allen Teilen der Welt Informationen in ihrer Muttersprache zur Verfügung zu stellen. Die Rosetta Foundation will zudem ein sogenanntes „Translators Portal“ aufbauen, das mit der Übersetzungsplattform verbunden wird: eine Community von ehrenamtlichen Übersetzern, Proofreadern, Entwicklern und Projektmanagern. Diese können sich untereinander austauschen, ihr Freiwilligenprofil und ihre Kompetenzen präsentieren. Auftraggeber können die Ehrenamtlichen als passende Übersetzer auswählen und Übersetzungsaufträge zuweisen.
Die Rosetta Foundation wurde 2009 von LRC-Direktor Reinhard Schäler gegründet und ist ein Ableger des Localisation Research Centre (LRC) der Universität Limerick und dem Centre for Next Generation Localisation (CNGL), einer von der irischen Regierung unterstützten größeren Forschungsinitiative.
Der Gründer und Vorstand der Andrä AG, Sven Christian Andrä, ist Mitglied im Industrial Advisory Board des Localisation Research Centre und fördert mit Nachdruck die Ziele der Organisation: „Der einfache und ungehinderte Zugang zu Informationen ist ein Grundrecht für alle Menschen und in unserer globalisierten Welt essentiell für die Armutsbekämpfung, Bildungsförderung, Auf- und Ausbau von Gesundheitswesen und Gleichberechtigung. Daher setzen wir uns nachhaltig dafür ein, Sprachbarrieren abzubauen und so einen Beitrag zur Chancengleichheit für alle Menschen zu leisten.“
Rosetta Foundation
Die Rosetta Foundation unterstützt durch Entwicklung und Einführung einer intelligenten Übersetzungs- und Lokalisierungsplattform gemeinnützige Aktionen. Die Software beruht auf einem Open-Source-Modell, was der Übersetzungs- und Lokalisierungsgemeinde den Zugriff auf die Plattform ermöglicht. Die Rosetta Foundation stellt diese gemeinnützigen Organisationen und freiwilligen Übersetzern zur Verfügung.
Als Ableger des Localisation Research Centre der Universität Limerick und dem Centre for Next Generation Localisation (CNGL) wurde die Stiftung 2009 von LRC-Direktor Reinhard Schäler gegründet. Die Arbeit der Rosetta Foundation wird unter anderem unterstützt von Welocalize, Multilingual Computing, PROMT sowie der Andrä AG.
Andrä AG
Die Andrä AG mit Stammsitz im schwäbischen Straubenhardt und Niederlassungen in Berlin, Karlsruhe und Darmstadt wurde 1999 gegründet. Seitdem unterstützt die Andrä AG Unternehmen als unabhängiger Dienstleister und Hersteller hochwertiger Softwareprodukte bei der systematischen Optimierung von Übersetzungs- und Abstimmungsprozessen.
ontram, das Online Translation Management Framework der Andrä AG, ist derzeit bei mehr als 1.000 Anwendern im Einsatz, die mit der intuitiv bedienbaren Software jährlich über 10.000 Übersetzungsaufträge in sämtlichen Sprachen abwickeln. Durch den vollständig webbasierten Ansatz, offene Schnittstellen und die Integration aller Projektbeteiligten innerhalb eines gemeinsamen Workflows ermöglicht ontram ein effizientes Übersetzungsmanagement und Marktabstimmung in Echtzeit.
Zu den aktuellen Referenzkunden zählen unter anderem Daimler AG, Robert Bosch GmbH, Metabowerke, Herbstreith & Fox, CLAAS sowie Raytheon Professional Services.
[Text: Andreas Wegner. Quelle: Pressemitteilung Andrä AG, 2010-03-11. Bild: Rosetta Foundation, Andrä AG.]
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Afghanistan: Einheimische Dolmetscher erhalten 400 Dollar pro Monat
13.3.2010 von Richard Schneider.
Siegfried Rapp gehörte vor acht Jahren zu den ersten deutschen Offizieren, die nach Afghanistan in den Krieg geschickt wurden. Heute ist Rapp Kanzler der Universität der Bundeswehr in München. In einem Zeitungsinterview berichtet er unter anderem über die Zusammenarbeit mit den Sprachmittlern vor Ort: „Ohne Dolmetscher ging ich nie in die City von Kabul.“ Die Augsburger Allgemeine schreibt:
Überrascht war Siegfried Rapp, dass er bei seiner Mission, Afghanen für die Aufbauarbeit einzustellen, viele kennengelernt hat, die relativ gut deutsch sprechen. Bei einem Teil handelte es sich um frühere Soldaten Afghanistans, die in der ehemaligen DDR ihre Ausbildung absolvierten und dabei deutsch gelernt haben.
Wer von Rapp als Dolmetscher eingestellt wurde, dem ging es finanziell gut. 400 US Dollar wurden pro Monat bezahlt. Wer „nur“ für Hand- und Spanndienste gebraucht wurde, für den gab es 140 Dollar.
Für afghanische Verhältnisse sind 400 USD überaus viel Geld – das Zehnfache dessen, was ein Lehrer verdient. Afghanistan gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Laut Wikipedia liegt das Bruttoinlandsprodukt bei lediglich 350 USD (2006) pro Einwohner, in Deutschland sind es 44.660 USD (2008).
Bild rechts: Ein Dolmetscher (Mitte) übersetzt für den neben ihm sitzenden Col. Kenneth F. McKenzie Jr. von der 22nd Marine Expeditionary Unit beim Treffen mit Jon Mohammed, dem Gouverneur der afghanischen Provinz Oruzgan. Das Foto wurde am 09.04.2004 von Gunnery Sgt. Keith A. Milks aufgenommen.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Augsburger Allgemeine, 2010-03-10. Bild: Pressedienst US Marine Corps.]
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“Erfolgreich im Wandel”: tekom-Frühjahrstagung in Schweinfurt
12.3.2010 von Richard Schneider.
Ins Fränkische lädt die tekom dieses Jahr zu ihrer Frühjahrstagung ein. Unter dem Motto „Erfolgreich im Wandel“ beschäftigen sich am 29. und 30. April 2010 in Schweinfurt Experten aus unterschiedlichsten Bereichen mit Strategien, Instrumenten und Methoden, mit deren Hilfe sich die technische Kommunikation in Krisenzeiten besser behaupten kann.
Zum Tagungsprogramm zählen sechs Podien sowie sechs Workshops und ebenso viele Tutorials, in denen unter anderem die Themen Standardisierung von Informationen, Terminologiearbeit und Wissensmanagement angeboten werden.
Parallel können die Teilnehmer eine Ausstellung besuchen, auf der etwa 40 Unternehmen redaktionelle Dienstleistungen und Branchenneuheiten zeigen, unter anderem für Content Management, Katalogerstellung, Übersetzung, Qualitätsprüfung, Projektverwaltung, Terminologiepflege und Online-Hilfe.
Als weiteren Höhepunkt wird der bekannte Diplompsychologe, Geschäftsführer und Trainer Martin Heß eine Keynote Speech mit dem Titel „Gut gelaunt in der Krise?“ halten.
Nach dem Tagungsprogramm lädt die ehemalige freie Reichsstadt im Herzen der fränkischen Weinlandschaft ihre Besucher zu einer großen Genussvielfalt unterschiedlichster Art ein.
Die Tagung wendet sich an technische Redakteure aus nahezu allen Branchen sowie aus dem Dienstleistungsbereich, an Unternehmensverantwortliche für technische Kommunikation und Informationsentwicklung sowie an Übersetzer, Illustratoren und Spezialisten für Lokalisierung und Usability. Aktuell erwarten die Veranstalter etwa 400 Teilnehmer.
Technische Kommunikation und Dokumentation
Rund 85.000 Mitarbeiter in der Industrie sowie bei Dienstleistern beschäftigen sich mit der Erstellung von technischer Kommunikation und Dokumentation. Dazu zählen neben Gebrauchs- und Betriebsanleitungen elektronische Teilekataloge, Serviceportale, Handbücher für Software sowie interaktive Hilfesysteme und Online-Hilfen. Technische Kommunikation und Dokumentation entsteht in vielen Industriebranchen.
Die tekom
Mit derzeit 6.900 Mitgliedern ist die tekom Europas größter Fachverband für technische Kommunikation und Informationsentwicklung. Eine der wesentlichen Aufgaben der tekom liegt in der Weiterbildung von technischen Redakteuren, Illustratoren und Übersetzern, die sich vorrangig mit der Erstellung von Gebrauchs- und Betriebsanleitungen sowie vertriebsunterstützender Dokumentation befassen.
[Text: tekom. Quelle: Mitteilung tekom, 2010-03-12. Bild: tekom.]
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