Anja Röger dolmetscht beim Festival des osteuropäischen Films in Cottbus

Vom 1. bis 6.11.2011 fand die 24. Ausgabe des FilmFestivals Cottbus im Staatstheater Cottbus statt. Über 140 Filme aus 33 Ländern Mittel- und Osteuropas wurden vorgestellt, darunter waren 10 Weltpremieren, 7 internationale und 43 deutsche Erstaufführungen. Präsentiert wurden sie hauptsächlich von den Regisseuren, Schauspielern oder Produzenten persönlich.

Anja Röger, seit 1995 freiberufliche Diplom-Dolmetscherin und -Übersetzerin für Französisch und Englisch, war eine von elf Dolmetschern, die dafür sorgten, dass auch Besucher die Filme des Festivals verstanden, die nicht der slowenischen, russischen oder englischen Sprache mächtig waren. Dabei schlüpfte sie in verschiedene Rollen und dolmetschte simultan. Die 40-Jährige saß während der Filmvorstellung in der Sprecherkabine und übersetzte den englischen Text aus ihren Unterlagen passend zur Handlung. In der Stadthalle konnte sie von der Kammer aus durch eine Scheibe auf die Leinwand schauen. Lediglich eine Tischlampe spendete Licht in dem kleinen schwarzen Raum.

Bereits zum 13. Mal ist sie beim Cottbusser Filmfestival dabei. „In den ersten Jahren saß ich noch im Gladhouse zwischen den Zuschauern, um mich herum nur ein Vorhang. Ich durfte nicht zu laut sprechen, das haben ja alle gehört.“ Mittlerweile sei alles, abgesehen von ein paar technischen Problemen, gut organisiert.

Einige Tage vor dem Festival erhielt Anja Röger das Material, zumeist ein englisches Manuskript und die Film-DVDs. Damit bereitete sie sich auf ihren Dolmetscheinsatz vor. Es kam auch schon vor, dass sie drei unterschiedliche Texte pro Film bekam, die sie selbst zusammenordnen musste.

Nicht immer ist es so, dass Übersetzungen abwechslungsreich sind. Oftmals ist genau das Gegenteil der Fall. „Ich bin immer wieder überrascht, dass die Leute das so ertragen. Denn wir sind verwöhnt von perfekt synchronisierten Filmen“, so Röger. Dies könnte das Filmfestival allerdings nicht finanzieren. „Die Filme vorab zu übersetzen und synchronisieren ist zu teuer“, erklärt Karin Fritzsche, Festival-Kuratorin und Verantwortliche für die Dolmetscher. Tagessätze wie bei Konferenzen kann sie nicht zahlen. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Leute für uns arbeiten, weil es ihnen Spaß macht.“

Abschließend sagte Anja Röger einige Worte zu den Tücken des Simultandolmetschens: „Bei langen verschachtelten Sätzen oder wenn die Schauspieler alle durcheinanderreden, kommt man ganz schön ins Schwitzen“, erzählt Röger. Hustenanfälle, Lachkrämpfe oder andere Geräuschkulissen irritieren den Zuhörer. „Einmal musste ich bei einem sehr traurigen Film fast losheulen“, erinnert sich Röger.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: lr-online.de, 05.11.2011. Bild: tu-cottbus.de.]

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