Trump-Kim-Gipfel in Singapur: Dolmetscher einzige Zeugen der ersten Begegnung

Dolmetscher Trump Kim
Außer den beiden Dolmetschern war beim ersten Gespräch zwischen Kim und Trump niemand anwesend.

Am 12.06.2018 trafen sich der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und der Vorsitzende des Komitees für Staatsangelegenheiten der Demokratischen Volksrepublik Korea zu einem mit Spannung erwarteten Gipfel in Singapur.

Unabhängig davon, ob es tatsächlich zur dabei vereinbarten Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel kommt, handelt es sich in vielerlei Hinsicht um ein Ereignis von historischer Bedeutung.

Dolmetscher Trump Kim
Unauffällig in der zweiten Reihe: Lee und ihr anonymer Kollege aus Nordkorea.

Einzige Zeugen des ersten Gesprächs zwischen Donald Trump und Kim Jong-un, das ohne weitere diplomatische Vertreter stattfand, waren die für sprachliche Verständigung sorgenden Dolmetscher. Im Verlauf des Tages kam es dann zu weiteren Besprechungen in größerer Runde.

Erfahrene Dolmetscherin des Außenministeriums dolmetscht für Trump

Für die Amerikaner dolmetschte AIIC-Mitglied Frau Dr. Yun Hyang Lee (61), die in den USA auch den Vornamen June benutzt.

Lee ist Dolmetscherin im US-Außenministerium und hat schon schon unter Barack Obama und George W. Bush bei vielen Verhandlungen in Nord- und Südkorea gedolmetscht. Auch für Donald Trump war sie bereits mehrmals tätig, unter anderem beim Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in im Jahr 2017.

Ausbildung in Seoul und Genf

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Kein Grund, nervös zu sein: Yun Hyang Lee hat schon bei vielen Spitzenbegegnungen gedolmetscht – auch für Obama und Bush.

Lee besitzt einen Master-Abschluss der Hankook University of Foreign Studies in Seoul im Dolmetschen. 2009 promovierte sie an der Fakultät für Übersetzen und Dolmetschen der Universität Genf.

Ab 1996 arbeitete sie als Dozentin am Monterey Institute of International Studies (MIIS) des Middlebury College im kalifornischen Monterey und kam über diese Arbeit in Kontakt zu ihrem späteren Arbeitgeber, dem Außenministerium. 2004 kehrte sie nach Korea zurück, um an der Ewha Womans University zu unterrichten. Seit 2009 ist sie in Vollzeit für das State Department tätig.

Lee wirkte als Koreanisch-Dolmetscherin bei den Olympischen Spielen 2008 in Beijing, 2010 in Vancouver und 2018 in Pyeongchang (Korea) mit.

Auf koreanischer Seite dolmetschte Kim Ju-song vom Außenministerium

Auf koreanischer Seite dolmetschte Kim Ju-song vom nordkoreanischen Außenministerium. Auch er war zuvor bei Vorbereitungen des Treffens bereits mit Donald Trump und amerikanischen Unterhändlern zusammengetroffen. Zudem war er bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang für nordkoreanische Abgesandte auf höchster Ebene als Dolmetscher tätig.

Ein ehemaliger nordkoreanischer Diplomat erklärt gegenüber einer südkoreanischen Zeitung: “Er hat kein Studium für Berufsdolmetscher absolviert, wurde aber wegen seiner herausragenden Englisch-Kenntnisse ausgewählt.”

Sind Dolmetscher von Diktatoren nervös?

In der Haut des nordkoreanischen Dolmetschers hätte vermutlich kaum jemand stecken wollen, denn Kim Jong-un hat schon mehrere Personen aus seinem Umfeld – auch aus dem engsten Verwandtenkreis – hinrichten oder ermorden lassen.

Andererseits überleben die Dolmetscher von Diktatoren in der Regel den Sturz ihrer Herren unbeschadet, bauen sich danach eine neue Existenz auf und schreiben Memoiren, die von Historikern gerne als Quellen herangezogen werden. Die Überlebensstrategie lautet: Mache dich durch Kompetenz unentbehrlich und halte dich ansonsten aus allem heraus.

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[Text: Richard Schneider. Quelle: Time, 2018-06-13; Korea Times, 2017-11-09; The Chosunilbo, 2018-06-12; qz.com, 2018-06-12. Bild: CNN (Screenshots: Richard Schneider).]