Klassiker der Bildwörterbücher: “point it” feiert 25-jähriges Jubiläum – 2,1 Mio. Exemplare verkauft

Titelseite point it
Seit jeher nicht breiter als ein Kugelschreiber und gerade deshalb so praktisch. - Bild: UEPO.de

Ein kleines, unscheinbares, kaum als Buch zu bezeichnendes Werk kann inzwischen auf mehr als ein Vierteljahrhundert seines Bestehens zurückblicken. Es handelt sich um ein Wörterbuch ohne Wörter, das Generationen von Globetrottern und Rucksackreisenden die Verständigung im Ausland erleichtert. Und zwar in allen Sprachen.

Der Titel des Bildwörterbuchs, “point it” (Zeig drauf!), erklärt zugleich die Verwendungsweise. Es enthält Fotos von 1.300 Alltagsgegenständen – von Messer und Gabel über Lippenstift, Pflaster, Zahlen und Farben bis hin zu Fahrrad, Auto, Zug und Flugzeug.

Im Vorwort heißt es:

Selbst wenn Sie vier Sprachen fließend sprechen, kommen Sie beim Reisen abseits ausgetretener Pfade irgendwo hin, wo man Sie nicht versteht. Dann hilft Ihnen point it mit 1300 abgebildeten Gegenständen, auf die Sie deuten können und verstanden werden. Diesen kleinen Helfer im Passformat benutzen nicht nur Touristen, sondern auch UNO-Beobachter, Sportler bei Olympiaden und Ärzte in der Sprachtherapie.

Beispielseite
Typische Seiten aus dem Bildwörterbuch “point it”. – Bild: UEPO.de

Entwickelt hat es Dieter Graf, ein Architekt aus München. Die Idee zu dieser Verständigungshilfe reifte nach einer Indien-Reise. Graf hat die meisten Länder dieser Welt selbst bereist und so gut wie alle Fotos selbst gemacht. Lediglich die Weltkarten sind zugekauft.

In den ersten Auflagen hat er sich in zumindest zwei Cameo-Auftritten verewigt: Der abgebildete (alte und entwertete) Personalausweis ist sein eigener und auch der Patient im Krankenbett scheint der Autor selbst zu sein.

1992 erschien die erste und seitdem fast jährlich eine neue Auflage im eigenen Kleinverlag. Mit der aktuellen 20. Auflage hat das Büchlein eine Gesamtauflage von 2,1 Millionen Exemplaren erreicht. Legt man den heutigen Verkaufspreis von 6,90 Euro zugrunde, ergibt sich ein Umsatz von 14,49 Millionen in 25 Jahren.

Eine Erfolgsgeschichte, in deren Verlauf der Autor seinen ursprünglichen Beruf an den Nagel hängen und sich in Vollzeit um die Vermarktung der Verständigungshilfe kümmern konnte.

Erfunden hat Graf das Konzept des Bildwörterbuchs nicht. Er hat es aber auf die Bedürfnisse der Deutschen als jahrzehntelange Reiseweltmeister zugeschnitten. Seit Langem vermarktet er es auch weltweit. Das Vorwort umfasst knappe fünf Sätze auf Englisch und auf Deutsch, alle weiteren Seiten bestehen ausschließlich aus Fotos. Trotz des internationalen Vertriebs fallen somit keine Übersetzungskosten an.

Seite mit Zahlen
Extrem simpel, aber zweckmäßig: die Rückseite der zweiten Auflage. – Bild: UEPO.de

Wer glaubt, die Arbeit an Neuauflagen beschränke sich auf den Druck, der irrt. Denn fortlaufend müssen Dinge ausgetauscht werden, die nicht mehr alltagsrelevant sind. Autos, Züge, Festnetz- und Mobiltelefone sowie Personalausweise und Führerscheine sehen heute anders aus als vor 25 Jahren. In der zweiten Auflage von 1993 ist noch ein Golf I als typischer Pkw abgebildet. Und die Audiokassette dürfte in der neuesten Auflage auch nicht mehr enthalten sein.

Der Umfang hat im Lauf der Jahre kaum zugenommen. Die zweite Auflage bestand aus 66 Seiten, bei der aktuellen 20. Fassung sind es 72.

Das Heft ist klein wie ein Reisepass und leicht. Es lässt sich problemlos per Brief verschicken und eignet sich hervorragend als Werbegeschenk. Im Lauf der Zeit entstanden daher Dutzende von Sonderdrucken für Bahngesellschaften, Tankstellenketten, Brauereien, den ADAC und Autohersteller.

Anfang 2015 brachte Graf in Zusammenarbeit mit der Stadt Ravensburg eine Version für Flüchtlinge heraus, die bereits in vierter Auflage erscheint.

Inzwischen gibt es point it auch als App fürs Smartphone. 2,39 Euro kostet die Android-Version im Google Play Store. Apple-Nutzer, die ohnehin gerne mehr bezahlen, müssen für dasselbe Produkt 3,49 Euro überweisen.

Seite mit Farben
Die Namen der Farben braucht man nicht zu kennen, wenn man in Timbuktu oder Katmandu einfach darauf zeigen kann. – Bild: UEPO.de

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[Text: Richard Schneider. Quelle: Welt am Sonntag, 2018-10-21; Dieter-Graf-Verlag.]