Toptranslation auf Expolingua: Houman Gieleky über drei Zukunftstrends der Übersetzungsbranche

Mensch und Maschine (Roboter)
Mensch und Maschine Hand in Hand für schnellere, bessere Übersetzungen bei steigendem Volumen? - Bild: Alexander Limbach / Fotolia

Welche Fähigkeiten sind für Übersetzer erforderlich, um im heutigen Wettbewerb bestehen zu können? Welchen Einfluss wird künstliche Intelligenz auf den Beruf haben und wird es diesen künftig überhaupt noch geben?

Houman Gieleky
Houman Gieleky

Houman Gieleky, Gründer und CEO des Hamburger Sprachdienstleisters Toptranslation, hat dazu auf der Expolingua 2018 in Berlin einen Vortrag gehalten: „Trends von heute und morgen – Wie sich die Übersetzungsbranche in der Praxis verändert“. Nachfolgend die Kernaussagen in zusammengefasster Form.

Berufsbild der Übersetzer wird sich verändern, aber nicht verschwinden

Technische Möglichkeiten rund um intelligente Computerprogramme stellen die Übersetzungsbranche vor neue Herausforderungen. „Die Berufsbilder werden sich grundlegend verändern, aber nicht verschwinden“, sagt Gieleky. Der studierte Wirtschaftsinformatiker hat sich mit seinem Team aus 40 Leuten auf Softwarelösungen und Fachübersetzungen spezialisiert. Toptranslation konnte so seit seiner Gründung 2010 zu einem der am schnellsten wachsenden Technologie- und Sprachdienstleister in Europa werden. Mehr als 2.000 börsennotierte Unternehmen sowie Weltmarktführer aus dem europäischen Mittelstand zählen inzwischen zu seinen Kunden.

Gieleky setzt sich dafür ein, dass sich angehende Sprachexperten so früh wie möglich mit den neuen Technologien auseinandersetzen, um den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden. Deshalb arbeitet er mit Forschungs- und Lehreinrichtungen zusammen und referierte beispielsweise bereits am Institut für angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) der Universität Leipzig, um Studierenden praktische Tipps zu geben.

Folgende drei Trends sind seiner Meinung nach besonders zu beachten:

(1) Hybride Übersetzungen durch Mensch und Maschine

„Maschinen werden die menschliche Leistung nicht ersetzen, sondern maßgeblich verbessern“, sagt Gieleky. Wer auch in Zukunft in der Übersetzungsbranche Erfolg haben will, muss sich mit künstlich intelligenten Systemen auseinandersetzen. Denn mit ihnen ist es möglich, große Wortmengen innerhalb kürzester Zeit kostengünstig in andere Sprachen zu übertragen. Von daher kann es durchaus sinnvoll sein, maschinelle Übersetzungen in die Dienstleistung miteinzubeziehen.

Jedoch können Maschinen nicht zwischen den Zeilen lesen. So kann beispielsweise ein optimistischer Grundton in einem Quartalsbericht bei einer maschinellen Eins-zu-eins-Übersetzung plötzlich neutral oder sogar negativ wirken. Auch Metaphern und Ironie kann nur ein Mensch verstehen. In Bereichen mit hohen Kreativitätsansprüchen wie dem Marketing oder mit Sicherheitsanforderungen wie der technischen Dokumentation wird daher der Mensch weiterhin das letzte Wort haben.

Post-Editing nennt sich der Vorgang, bei dem maschinell erstellte Inhalte nachbearbeitet werden. So bleibt weiterhin die Verantwortung für Richtigkeit und Qualität beim Menschen. Für Unternehmen ein wichtiger Punkt, denn nur durch das Fachwissen der Sprachexperten können maschinell möglicherweise falsch übersetzte Inhalte korrigiert werden.

„Diese Vorgehensweise testen wir momentan prototypisch für ausgewählte Großkunden“, sagt Gieleky. „Unser Ziel ist es, maßgeschneiderte Lösungen für Kunden anzubieten, die künftig auch maschinell erstellte Texte miteinbeziehen.“ Für Sprachdienstleister wird also die beratende Funktion eine immer wichtigere Rolle spielen, um für Kunden ein optimales Leistungspaket zu erstellen.

Houman Gieleky, Expolingua
Toptranslation-Chef Houman Gieleky bei seinem Vortrag auf der Expolingua. – Bild: Toptranslation

(2) Übersetzungskosten sinken, aber Übersetzungsvolumen nimmt weiter zu

Aufgrund des technologischen Fortschritts werden Übersetzungskosten sinken, während die Textmenge zunimmt. Es wird also weiterhin genug Arbeit geben – für Mensch und Maschine. Allein in Deutschland haben geschätzt 80 Prozent der Industrieunternehmen Bedarf an Übersetzungs- und Dolmetscherleistungen. Oftmals kommen hier Content-Management-Systeme zum Einsatz, die Inhalte von verschiedenen Projekten bündeln, wie z. B. Websites, Applikationen oder Onlineshops. Übersetzern wird der Zugriff dann in der Regel über Schnittstellen ermöglicht.

Wichtige Voraussetzung ist es deshalb, mit verschiedenen Dateiformaten umgehen zu können. Zudem sollte es selbstverständlich sein, Inhalte digital zu empfangen, zu bearbeiten und weiterzuleiten.

(3) Vernetzte Terminologiearbeit

Durch die Vernetzung ist eine bessere Kommunikation innerhalb weltweit agierender Organisationen möglich. Bisher haben sich meist nur Sprach-, Dokumentations- und Marketingabteilungen mit der Unternehmenskommunikation beschäftigt. Heute ist es möglich, dass jedem Mitarbeiter ein unkomplizierter Zugriff auf Terminologiedatenbanken mit spezifischen Branchenbegriffen gewährt wird. Auch können abteilungsübergreifend Personen an der Erstellung solcher Datenbanken mitarbeiten.

„Wir haben für eines der international größten Maschinenbauunternehmen unsere Terminologiesoftware Lexeri eingerichtet. Diese zeigt Mitarbeitern auf der ganzen Welt Begriffe samt Definitionen in den relevanten Sprachen automatisch an“, so Gieleky. Ergebnis: Schnellere Arbeitsprozesse und weniger Missverständnisse.

In der Außenkommunikation unterstützt Lexeri ein stärkeres Markenvertrauen. Denn der Erfolg von Marken hängt sehr stark von der Qualität ihrer Botschaften ab. Sie schaffen es, Kunden emotional zu überzeugen. Die Software sorgt dafür, dass Produktnamen, Begriffe und Botschaften richtig verwendet und das einheitliche Markenbild gestärkt werden.

Auch hier sind wieder Linguisten gefragt: Sie pflegen die Glossare in mehreren Sprachen und beliefern intelligente Sprachprogramme mit Daten. Denn eine Maschine kann nur die Inhalte wiedergeben, die ihr vorher zugeführt wurden.

„Gerade in der Computerlinguistik nehmen Sprachexperten eine immer wichtigere Rolle ein. Denn sie sorgen für ein sprachlich hohes Qualitätsniveau und verhindern, dass sich unsere Kommunikation durch die Digitalisierung verschlechtert“, so Gieleky.

Toptranslation sucht motivierte Kollegen

Annkatrin Rosenbruch
Annkatrin Rosenbruch

„Wir sind stets auf der Suche nach motivierten Menschen, die Spaß an Innovationen haben und die in einem internationalen Umfeld arbeiten wollen“, sagt Annkatrin Rosenbruch, Teamleiterin im Projektmanagement. Sie und ihre Kollegen koordinieren an den Standorten Hamburg und Sevilla jährlich mehr als 30.000 Aufträge.

Aus einem Netzwerk von weltweit 6.500 geprüften Fachübersetzern stellen sie dabei für jeden Kunden das passende Stammteam
zusammen. „Oft ergeben sich daraus langfristige Kooperationsmöglichkeiten mit aussichtsreichen Aufträgen“, so die studierte Übersetzerin und Kommunikationswissenschaftlerin.

„Selbstverständlich stellen wir unseren Sprachexperten den Zugang zu den neuesten Technologien kostenfrei zur Verfügung“, so Rosenbruch. Generell laufen die Prozesse weitgehend automatisiert ab. Viele Unternehmen haben die selbst entwickelte Toptranslation-Plattform in ihr System integriert, die es jedem Mitarbeiter ermöglicht, aus der eigenen Benutzeroberfläche heraus per Mausklick mehrsprachige Dokumente anzufordern.

Alle Beteiligten arbeiten mit individualisierbaren Dashboards: Projektmanager, Fachübersetzer, Revisoren und Kunden. Gebaut haben diese, wie auch die Plattform, die Softwareentwickler von Toptranslation. Projektmanager und Fachübersetzer können so Aufträge verwalten und einfach miteinander kommunizieren – und das bei höchster Datensicherheit. Kunden können zu bearbeitende Texte jederzeit hochladen sowie Kosten und den Projektfortschritt jederzeit einsehen.

Ein selbst entwickeltes Feedbacksystem stellt 56.000 Bewertungsdaten pro Jahr zur Verfügung, um die Arbeit der Sprachexperten überwachen zu können.

Über Toptranslation

Logo ToptranslationDer Technologie- und Sprachdienstleister Toptranslation wurde 2010 gegründet und ist nach ISO 17100 zertifiziert, der internationalen Qualitätsnorm für Übersetzungsdienstleister. Neben der Zentrale in Hamburg bestehen weitere Standorte in München und Sevilla. Zu den rund 2.000 Kunden gehören börsennotierte Unternehmen und Weltmarktführer aus dem europäischen Mittelstand.

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[Text: Mirjam Kretschmer. Quelle: Pressemitteilung Toptranslation. Bild: Toptranslation.]

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