Den Stars in Cannes eine Stimme geben – Dolmetscher auch auf Filmfestivals im Einsatz

Das diesjährige Cannes-Poster zeigt die (vor wenigen Wochen verstorbene) Regisseurin Agnès Varda am Set ihres ersten Films "La Pointe Courte" (1954). Die damals 26-Jährige steht auf dem Rücken des Kameramanns, um durch das Objektiv blicken zu können. - Bild: Flore Maquin / Int. Filmfestival Cannes

Die zurzeit laufenden Filmfestspiele in Cannes an der französischen Côte d’Azur sind jedes Jahr ein Ereignis. Was viele nicht wissen: Dass die Zuschauer alle Preisverleihungen, Interviews und Pressetermine mitverfolgen können, verdanken sie vor allem Dolmetschern. Darauf weist der Verband der Konferenzdolmetscher (VKD) im Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) in einer Pressemitteilung hin:

Konzentration, Filmwissen und Lampenfieber – auch in der Dolmetschkabine

Egal ob Interview, Pressekonferenz oder Abschlussgala: Filmfestivals verlangen auch professionellen Konferenzdolmetschern viel ab. Nicht nur, dass die Arbeitstage meist sehr früh beginnen und oft erst nach Mitternacht enden.

Auch ist die umfassende Vorbereitung auf die Schauspieler, Regisseure und deren Filme ein absolutes Muss, da jeder der nominierten Stars eine der Goldenen Palmen gewinnen und zu einer persönlichen Dankesrede ansetzen könnte.

Höchste Konzentration, Filmwissen und Lampenfieber gehören also auch für die Dolmetscherinnen und Dolmetscher dazu.

Lilian-Astrid Geese dolmetscht seit 20 Jahren bei der Berlinale

Lilian-Astrid Geese
Lilian-Astrid Geese – Bild: Lotte Ostermann

Zahlreiche Konferenzdolmetscher im Verband verfügen über eingehende Erfahrungen im Bereich Film und Fernsehen. Eine gewisse cineastische Affinität ist bei Filmfestivals von Vorteil.

So wie bei Lilian-Astrid Geese, die bereits seit mehr als 20 Jahren bei der Berlinale dolmetscht:

„Filmfestivals gehören definitiv mit zu den schönsten und spannendsten Veranstaltungen, bei denen ich zum Einsatz komme. Es ist faszinierend zu sehen, was es mit den Menschen macht, wenn Filme vorgeführt werden. Ich bin auch ein wenig stolz, dabei sein zu dürfen.“

Mit Empathie dolmetschen

Da ein Millionenpublikum zuhört, stehen Dolmetscher bei Livesendungen noch stärker unter Druck. Da heißt es: Cool bleiben. Bei solchen Events kommt es nicht nur auf die Inhalte an, sondern auch darauf, in die „Rolle des Redners“ zu schlüpfen.

„Ich denke, jeder sollte grundsätzlich mit Empathie dolmetschen“, sagt Geese. „Wenn jemand emotional ist, bin ich auch emotional. Und wenn jemand distanzierter spricht, spreche ich auch distanzierter. Bei meiner Arbeit ist es mir sehr wichtig, dass meine Stimme genau transportiert, in welcher Gefühlslage sich die Person gerade befindet.“

Auch bei Entscheidungen hinter verschlossenen Türen mit dabei

Begeistert ist Lilian-Astrid Geese vor allem von der Arbeit für die Festivaljury. Bei deren Treffen hinter verschlossenen Türen ermöglichen Dolmetscher die Verständigung und sind live beim Entscheidungsprozess dabei.

„Da ist man mittendrin, gehört zu einem erlesenen Kreis von Leuten dazu und erfährt sehr interessante Interpretationen zu den nominierten Filmen“, verrät Geese. „Das ist schon eine einzigartige Atmosphäre. Es ist einfach intimer.“

Wer ist der VKD?

VKD-LogoDer deutsche Verband der Konferenzdolmetscher (VKD) im Bundesverband der Übersetzer und Dolmetscher (BDÜ e.V.) vertritt seit 2003 die Interessen seiner 670 Mitglieder. Alle Konferenzdolmetscher des VKD erfüllen strengste Aufnahmekriterien und arbeiten nach der Berufs- und Ehrenordnung des Verbands. Konferenzdolmetscher für insgesamt 33 Sprachen von Arabisch bis Ungarisch lassen sich in der Datenbank auf der Verbandswebsite unter vkd.bdue.de finden.

Lea Spang / VKD