Genoveva Ruiz Calavera tritt Dienst als Generaldirektorin der GD Dolmetschen an

EU-Flagge
Bild: pixel2013 / Pixabay

Genoveva Ruiz Calavera hat am 1. April 2021 ihren Dienst als neue Generaldirektorin der Generaldirektion Dolmetschen der Europäischen Kommission angetreten. Die Neubesetzung war notwendig geworden, nachdem die frühere Amtsinhaberin Florika Fink-Hooijer Ende August 2020 zur Generaldirektion Umwelt gewechselt war.

Die Entscheidung über die Nachfolge hatte sich fünf Monate hingezogen und fiel erst im Januar 2021. Bis zum Dienstantritt vergingen danach noch einmal fast drei Monate. Für die EU-Bürokratie scheinen das normale und durchaus übliche Fristen zu sein.

Für die Neubesetzung kam aus Gründen des Geschlechterproporzes nur eine Frau infrage. Außerdem durfte die Nachfolgerin keine Österreicherin sein, weil der ihr vorgesetzte Kommissar aus der Alpenrepublik stammt.

Stellvertretender Generaldirektor bleibt – wie schon unter Fink-Hooijer – Carlos Alegria.

Genoveva Ruiz Calavera
Die GD Dolmetschen begrüßte mit diesem Tweet ihre neue Chefin.

Spanierin ist keine Juristin, sondern Philologin

Die von Freunden und Kollegen „Veva“ genanne Spanierin wurde 1962 in Madrid geboren. Als Schülerin besuchte sie ein Jahr lang die Marlborough School in Los Angeles (USA). Anschließend studierte sie Philologie in Madrid und erwarb später ihren Master in Public Management an der École de Commerce Solvay in Brüssel. Bevor sie im Alter von 30 Jahren 1992 zur EU kam, war sie einige Jahre in der Privatwirtschaft tätig.

Auf ihrem ersten EU-Posten begleitete sie die Verhandlungen für den Beitritt von Schweden, Finnland und Österreich; später auch für die baltischen und osteuropäischen Länder sowie für Malta und Zypern.

Von 1999 bis 2000 war Ruiz Calavera in der Task Force der Europäischen Kommission für den Wiederaufbau des Kosovo in Pristina tätig, bis 2009 als stellvertretende Leiterin des Referats für Serbien und Montenegro sowie Leiterin des Referats für Kosovo-Fragen.

Anschließend wirkte sie als Leiterin des Referats für Krisenreaktion und Friedenskonsolidierung in der Generaldirektion für Außenbeziehungen (GD RELEX) und wechselte nach der Gründung des Europäischen Auswärtigen Dienstes im Jahr 2011 zum Dienst für außenpolitische Instrumente (GD FPI).

Zuletzt arbeitete Ruiz Calavera seit 2016 als Direktorin in der Generaldirektion für „Europäische Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen“ (GD NEAR) und war dort für die westlichen Balkanländer zuständig.

Im Internet finden sich zu ihren Balkan-bezogenen Tätigkeiten weit überwiegend lobende Worte, aber von Seiten der Kosovo-Albaner auch kritische Stimmen bis hin zu wüsten Beschimpfungen.

Der Wechsel an die Spitze der GD Dolmetschen, die nach ihrer alten französischen Bezeichnung intern immer noch SCIC genannt wird, stellt einen Karrieresprung von der Direktorin zur Generaldirektorin dar.

Organigramm GD Dolmetschen
Organigramm der Zuständigkeiten in der Generaldirektion Dolmetschen zum Stichtag 1. April 2021 (vergrößern mit Rechtsklick und ‘Grafik anzeigen’ / ‘Bild in neuem Tab öffnen’). – Bild: EU

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Richard Schneider