LSVD veröffentlicht LGBT-Terminologie in neun Sprachen fürs Dolmetschen in Asylverfahren

Cologne Pride 2022
Schnappschuss vom Cologne Pride 2022. - Bild: Richard Schneider

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) hat eine für Dolmetscher in Asylverfahren gedachte kleine Terminologie-Liste in neun Fremdsprachen herausgegeben. Aufgeführt werden in der 24-seitigen Broschüre pro Sprache rund drei Dutzend Schlüsselbegriffe mit Bezug zur sexuellen Orientierung und/oder geschlechtlichen Identität (SOGI).

Erarbeitet wurde die Liste von der Projektgruppe Queer Refugees Deutschland – Fluchtgrund Queer in Zusammenarbeit mit dem BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge).

Zur Veröffentlichung der neuen Liste (offenbar gab es bereits eine Vorgängerversion) schreibt der LSVD, dem mehr als 4.400 Einzelmitglieder und 100 Mitgliedsorganisationen angehören:

Die neue Fibel in den Sprachen Arabisch, Dari, Englisch, Französisch, Paschtu, Persisch, Russisch, Türkisch und Urdu lädt dazu ein, mehr über sexuelle und geschlechtliche Identitäten zu erfahren.

Denn: Auch in Deutschland erleben lesbische, schwule, bisexuelle, trans* sowie intergeschlechtliche und queere Menschen (LSBTIQ*) in ihrem Alltag Ausgrenzungen, die sensibel aber klar benannt werden müssen.

Mit dieser Fibel wollen wir informieren, aufklären und unterstützen, Vorurteile gegenüber LSBTIQ* abzubauen. Unsicherheiten entstehen oft durch Unkenntnis des Lebens, der Gefühle und der Befürchtungen anderer. Um über die eigenen Erfahrungen sprechen zu können, sind deshalb die passenden Worte wichtig.

Lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen, die neu zugewandert sind oder Asyl suchen, brauchen eine respektvolle und sensible Atmosphäre, um ihre Bedürfnisse zu kommunizieren.

Viele LSBTIQ* sprechen nicht über ihre Probleme, weil sie beim Dolmetschen mit abwertenden Begriffen in ihrer Muttersprache konfrontiert werden.

Wir wollen Ängste abbauen und einen respektvollen Umgang sowie menschenwürdige Begriffe zur Verfügung stellen.

Der LSVD lädt Dolmetscher und Übersetzer ein, die Liste bei der Arbeit zu nutzen.

Reine Wortlisten ohne Definitionen, Kontextbeispiele, grammatikalische Angaben

Aus Dolmetschersicht ist zu kritisieren, dass hier bloße Wortgleichungen zusammengestellt wurden, die nicht einmal den Mindestanforderungen der Terminologiearbeit entsprechen.

Beispiel: dritte Geschlechtsoption = üçüncü cinsiyet. Was hilft einem Türkisch-Sprachmittler die türkische Übersetzung, wenn nicht erläutert wird, was es in Deutschland mit der „dritten Geschlechtsoption“ auf sich hat? Ähnlich erklärungsbedürftig sind für die Zielgruppe der Dolmetscher grundlegende Begriffe wie cis oder auch Geschlechtsausdruck und Konversionsbehandlung. Offenbar haben die Autoren nicht bedacht, dass den meisten Dolmetschern diese Ausdrücke nicht geläufig sind.

Hilfreich wäre es, wenn die Wortlisten für die nächste Auflage zu einem Glossar erweitert würden; mit Lexikon-artigen Einträgen, also mit Definitionen, Kontextbeispielen und grundlegenden grammatikalischen Angaben.

Praktisch wäre es außerdem, wenn man die Terminologie-Listen aus der PDF-Datei herauskopieren könnte, um sie für die eigene Dolmetscharbeit erweitern zu können. Das ist jedoch nicht möglich.

SOGI-Terminologie
Titelseite der neunsprachigen Terminologie-Datei für das Dolmetschen bei schwulen und lesbischen Asylbewerbern. – Bild: LSVD

Weiterführender Link

  • SOGI-Terminologieliste des LSVD (PDF, 24 Seiten) zum Dolmetschen in Asylverfahren mit Bezug zu sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität (SOGI)

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Richard Schneider

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