Im Rahmen der Usedomer Literaturtage (15. bis 18. April 2026), die dieses Jahr unter der Überschrift „Grenz-Überschreitungen“ stehen, wird erstmals ein mit 3.000 Euro dotierter „Usedomer Übersetzerpreis“ vergeben. Er geht an Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein für die Neuübersetzung des Romans Die Puppe von Bolesław Prus.
Die Preisverleihung findet am 18. April 2026 auf dem polnischen Teil der Insel Usedom in Swinemünde statt. Dabei wird Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk aus ihrem Essay über den Roman lesen. Die Auszeichnung soll künftig jedes Jahr vergeben werden, für „die beste, interessanteste und wesentlichste Übersetzung eines Prosawerks aus einer Fremdsprache ins Deutsche“.
Erste vollständige und adäquate Übersetzung des Meisterwerks
Aus der Jurybegründung:
Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein werden für die erste vollständige und adäquate Übersetzung eines der größten und wichtigsten Meisterwerke der europäischen Prosa des 19. Jahrhunderts ausgezeichnet, eines Denkmals des bürgerlichen Romans, von gleicher Größe und Bedeutung wie Anna Karenina, Madame Bovary, Effi Briest wie auch Rot und Schwarz oder Die Buddenbrooks.
Die Puppe erzählt die missglückte Liebesgeschichte eines Idealisten und zeichnet gleichzeitig ein Panorama Warschaus und einer mitteleuropäischen Gesellschaft in ihrer damaligen Entwicklung.
Die meisterliche Übertragung […] dieses monumentalen Werks der polnischen Sprache von Boleslaw Prus setzt neue Maßstäbe in der Übersetzungskunst und erinnert uns an die nie nachlassende Kraft der literarischen Klassik, die in dieser erstklassigen Neuübersetzung neue ungeahnte Facetten zeigt, mit neuen Bedeutungen und Aktualitäten glänzt und gleichzeitig die polnische Geschichte den deutschen Leserinnen und Lesern näher bringt. Transnational, grenzüberschreitend und europäisch.

„Neue europäische Maßstäbe der Zusammenarbeit“
„Ab diesem Jahr werden die Usedomer Literaturtage grenzübergreifend und umfassen nicht nur den deutschen, sondern auch den polnischen Teil der Insel“, schreiben die Veranstalter. Damit sollen „neue europäische Maßstäbe der Zusammenarbeit“ gesetzt werden.
Weiter heißt es: „Der Wunsch der Veranstalter ist es, dass das Festival ein gemeinsames Gut aller Einwohner der Insel Usedom wird – sowohl auf der polnischer als auch auf der deutschen Seite.“ Dabei soll die Insel selbst „zu einem europäischen Territorium“ werden, „gastfreundlich und offen für alle“.

Usedomer Literaturpreis geht an Clemens J. Setz
Der seit 2011 vergebene Usedomer Literaturpreis wird 2026 dem österreichischen Schriftsteller Clemens J. Setz verliehen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und beinhaltet zudem einen einmonatigen Arbeitsaufenthalt auf Usedom.
Die Jury unter Vorsitz von Olga Tokarczuk würdigt seine „meisterhafte Prosa“, diese verbinde „Elemente der Groteske, des Unheimlichen und der Science-Fiction“, „ohne dabei auf Humor zu verzichten“.

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Richard Schneider
