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Archive für Dezember 2008

Infoblatt 6/2008: Netzwerken unter Palmen

Die Dezemberausgabe des Infoblatts, der Mitgliederzeitschrift des ADÜ Nord (Assoziierte Dolmetscher und Übersetzer in Norddeutschland e. V.), ist soeben erschienen. Die Themen unter anderem:

- ATA 2008: Netzwerken unter Palmen
- Qualitätsprodukt Übersetzung: Wenn der Übersetzer Texte testet …
- Grundwissen Normen (Teil 4)
- Weiterbildung 2009
- Rechtsecke: Ü/D-Gesetze in Schleswig-Holstein und Niedersachsen
- Veranstaltungsberichte: FIT, RFA, FR-Forbildung in Lüttich, Webseiten übersetzen
- Seminare, Veranstaltungen und weitere Termine

Auf der Website des ADÜ Nord können Sie wie immer die Die PDF-Version der Zeitschrift kostenlos herunterladen.

Biel: Deutsch-französischer Sprachenstreit um Kaffeemaschine

Es kann gelegentlich nerven, in einer zweisprachigen Stadt zu leben. Zur Beilegung aufflammender Sprachstreitigkeiten bietet sich manchmal eine neutrale Drittsprache an. Niklaus Baschung lebt in Biel/Bienne, einer deutsch- und französischsprachigen Stadt im schweizerischen Kanton Bern. Im Bieler Tagblatt schildert er folgende Anekdote:

Et alors: Seit wir in unserem Büro den Kaffeemaschinen-Sprachenkrieg endlich gütlich beilegen konnten, bin ich in Biel sowieso für die Einführung eines sanften Trilinguismus. Mit den drei Sprachen Französisch, Deutsch und Schwedisch. Über lange Jahre nämlich hat die im Prinzip mehrsprachige Kaffeemaschine mit uns über ihr Sichtfenster nur auf Französisch kommuniziert. «Rinçage» hat sie etwa gemeldet oder «Prémouture».
Doch einmal wollte ein deutschsprachiger Arbeitskollege, dieser Witzbold, genauer wissen, was eigentlich die Meldung «Compt. DETARTR.» bedeutet – und hat die arme Kaffeemaschine eigenmächtig auf die deutsche Sprache umprogrammiert.
Diese deutschsprachige Phase dauerte allerdings nicht einmal vierundzwanzig Stunden und die Maschine war wieder rückprogrammiert und meldete folgsam wie gewohnt «Nettoyage» oder «Plaque chauffage». In der Folge wechselte sie ihre Sprache mal jede Woche, mal jeden Tag, der Sprachenkrieg wurde immer verbissener geführt und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die Maschine statt ihrem guten Kaffee nur noch wässerigen Schwarztee von sich gibt.
Doch plötzlich eines Morgens las ich im Sichtfenster Worte von unglaublich lieblicher, poetischer Schönheit: «Förbryggn», «Sköljning», «Varmhalln.yta». Und seither, seit unsere Kaffeemaschine nur noch schwedisch mit uns spricht, ist wieder der Friede in unserem Büro eingekehrt.
Was hingegen die Bemerkung «Compt. DETARTR.» bedeuten soll, weiss ich bis heute nicht. Wahrscheinlich: «Hier gibt es Kaffee fertig» – mit reichlich viel Schnaps drin.

[Quelle: Bieler Tagblatt, 2008-11-19.]

BA-Studiengang Translation Studies for IT in Heidelberg/Mannheim

Der Bachelorstudiengang “Translation Studies for Information Technologies” wurde von der Akkreditierungsagentur ACQUIN ohne Auflagen akkreditiert. Der gemeinsame Bachelorstudiengang der Universität Heidelberg, Seminar für Übersetzen und Dolmetschen, und der Hochschule Mannheim wurde im Jahr 2003 mit dem Ziel eingerichtet, technische Übersetzer auszubilden, die neben der Übersetzerkompetenz auch umfassende technische Kenntnisse mitbringen, um vielfältige Übersetzungsarbeiten fachgerecht übernehmen zu können. Die Studierenden werden in beiden Hochschulen eingeschrieben und absolvieren hälftig ihr Studium bei den beteiligten Institutionen.

Der gemeinsame Studiengang bildet die Brücke zwischen dem ingenieurwissenschaftlichen Studium an der Hochschule Mannheim und dem geisteswissenschaftlich ausgerichteten Studium der Universität mit einer Übersetzungswissenschaft, die als Sprach- und Kulturwissenschaft mit ausgeprägter Medienkompetenz konzipiert ist. Sie mündet in eine übersetzungsbezogene Berufspraxis, in der technische Texte und technische Inhalte den Arbeitsalltag nachhaltig bestimmen. Den Absolventen eröffnen sich Zugänge im Bereich der technischen Übersetzung, der Softwarelokalisierung, der technischen Dokumentation und des Web-Publishings im Kontext der Information Technologies.

Die Universität Heidelberg und die Hochschule Mannheim verfügen schon seit Jahren über umfangreiche Erfahrungen mit Lehrveranstaltungsangeboten in englischer Sprache. Bestehende und bewährte Beziehungen beider Kooperationspartner zu Hochschulen in aller Welt können darüber hinaus genutzt werden, um den Studiengang auch international einzubinden.

[Text: Hochschule Mannheim. Quelle: uni-protokolle, 2008-12-17.]

CEATL-Studie zur finanziellen Lage der Literaturübersetzer in Europa

Die Übersetzer literarischer Werke können nirgendwo in Europa angemessen von ihrer Tätigkeit leben. Ihre Bruttoeinnahmen belaufen sich auf rund zwei Drittel des Lohns von Facharbeitern. In keinem Land überstieg die Kaufkraft der Übersetzer 50 bis 60 Prozent des Durchschnittswerts.

Zu diesem Ergebnis kommt der Rat der Europäischen Literaturübersetzerverbände (CEATL) in einer Vergleichsstudie, die 2007 und 2008 in 21 Ländern durchgeführt wurde. Die Ergebnisse können auf der CEATL-Website in englischer und französischer Sprache heruntergeladen werden.

FIT Europe: Reiner Heard neuer Vorsitzender des Lenkungsausschusses

Auf der Generalversammlung der Region Europa der Fédération Internationale des Traducteurs (FIT Europe) am 6. Dezember 2008 wurde der Lenkungsausschuss für die nächsten drei Jahre gewählt. Reiner Heard, erster Vorsitzender von ATICOM, erhielt die meisten Stimmen und wurde zum Vorsitzenden des Gremiums ernannt, dem er seit 2002 bereits als Mitglied angehört.

In seiner neuen Rolle nahm Reiner Heard als Beobachter an der zeitgleich in Paris stattfindenden Tagung des Gesamtvorstandes von FIT Global, dem Weltdachverband der Übersetzer, teil. Passivität ist seine Sache jedoch nicht, denn Reiner Heard nutzte die Gelegenheit umgehend, den Kompetenzbereich von FIT Europe abzustecken und gute persönliche Kontakte zu den Mitgliedern des Gesamtvorstandes zu knüpfen. Reiner Heard betonte im FORUM, der Mitgliederzeitschrift von ATICOM, die Ernennung zum Vorsitzenden des Lenkungsgremiums von FIT Europe sei eine große Ehre für ihn – aber auch eine große Aufgabe. Eine engere Zusammenarbeit und ein intensiverer Austausch unter den 43 europäischen Verbänden aus 25 Mitgliedsländern stehen auf seinem Programm.

Die weiteren Mitglieder im Lenkungsausschuss von FIT Europe sind: Cristiana Coblis aus Rumänien, Javier Sancho aus Spanien (seit 2005), Patricia Alarcon aus Belgien, Kevin Quirk aus Norwegen, Eyvor Fogarty aus Großbritannien und Liisa Laakso-Tammisto aus Finnland.

Mit Sabine Colombe, die im August 2008 als Delegierte des französischen Übersetzerverbandes SFT in den Executive Council der FIT Global gewählt wurde, sind zwei Mitglieder von ATICOM in Führungsgremien des Weltdachverbands der Übersetzer vertreten.

Nicht die Größe eines Verbandes bestimmt seine Qualität, sondern das Engagement seiner Mitglieder. ATICOM dankt Reiner Heard herzlich für seinen Einsatz und wünscht ihm viel Erfolg bei seinen Aktivitäten zum Vorteil aller Dolmetscher und Übersetzer.

[Text: ATICOM. Bild: ATICOM.]

Zeitung porträtiert Edward Vick von EVS

Die Berliner Morgenpost porträtiert Edward Vick (50), den Gründer des Offenbacher Übersetzungsbüros EVS. Wir erfahren, dass Vick in Kanada als Sohn einer Österreicherin und eines Briten geboren wurde und in Cambridge Literaturwissenschaft studiert hat. 1991 gründete er in Offenbach bei Frankfurt das Übersetzungsbüro EVS Translation Services. Die Zeitung schreibt:

Heute, 17 Jahre später, zählt EVS zu den größten Übersetzungsbüros in Europa mit mehr als 50 festen Mitarbeitern […] sowie einem Netzwerk von 1500 freien Übersetzern und Dolmetschern. EVS bietet 83 Sprachen an […]. Einer der Schwerpunkte von EVS sind Finanzübersetzungen, vor allem Geschäfts- und Quartalsberichte sowie Aktienanalysen. EVS hat neben dem Firmensitz in Offenbach auch Büros in Berlin, München, Köln, Nottingham (Großbritannien), Sofia (Bulgarien) - und neuerdings ein Büro in Atlanta im Süden der USA.

Den vollständigen Artikel können Sie in der Berliner Morgenpost lesen.

Heiße Mädchen bei Max Planck

Die Ausgabe 3/2008 von MaxPlanckForschung, dem vierteljährlich erscheinenden Wissenschaftsmagazin der Max-Planck-Gesellschaft, widmet sich dem Schwerpunktthema „China“. Um schon auf der Titelseite einen Bezug zum Reich der Mitte herzustellen, verfiel man auf die Idee, dort handgeschriebene chinesische Schriftzeichen zu platzieren (Bild oben).

Bei der Bildagentur Visum wurde ein Foto mit der Bezeichnung “altchinesische Zeichen” gekauft. Wie die Pressesprecherin des Instituts erklärte, habe man das Schriftbild zur Sicherheit einem deutschen Sinologen vorgelegt. Dieser sei der Ansicht gewesen, dass es sich um “völlig unverfängliche Zeichen” handle.

Chinesische Mitarbeiter aus Max-Planck-Instituten wiesen die Redaktion nach Erscheinen des Heftes dann aber darauf hin, dass die Botschaft des Textes eindeutig zweideutig sei. Es handle sich nicht, wie man auf den ersten Blick vermuten könne, um ein klassisches Gedicht mit jahrtausendealten Weisheiten, sondern um die Werbung eines Etablissements aus dem Rotlichtmilieu.

“Wir haben es uns einiges kosten lassen und junge Mädchen aus Nordchina aufgetrieben”, heißt es im Text. Die Damen seien “heiß”, “schön wie Jade”, stünden “im Frühling ihrer Jugend”, hätten “eine erregende Figur” und böten eine “bezaubernde und kokette Vorstellung”.

“Das Schriftbild sieht aus wie ein traditionelles Gedicht”, so Hans van Ess, Sinologe an der Uni München. “Aber es enthält einschlägige Vokabeln wie etwa ‘Jadefrauen’.” Auch Martin Müller, Sinologe an der Uni Köln, weiß: “Altchinesisch ist sehr anspielungsreich.” Aufgrund einiger Vokabeln habe man beim Lesen aber eigentlich “schon stutzig werden müssen”. Das staatliche China Internet Information Center erklärt: “Tatsächlich ist der zweideutige Gehalt hinter den blumigen Worten für einen Nichtmuttersprachler schwer zu erkennen.” Thomas Höllmann vom Institut für Sinologie der Uni München weist darauf hin, dass man schon an den beiden westlichen Buchstaben “K”, die im Text eingeflochten sind, erkennen könne, dass da etwas faul sei. “K” könne der Name des Etablissements oder das Kürzel der Betreiber sein. Auf jeden Fall handle es sich nicht um einen authentischen alten Text. Auch Zhang Zhenhuan von der Uni Mainz ist dieser Ansicht: “Er stammt wahrscheinlich vom Anfang des 20. Jahrhunderts, könnte aber auch aus der Gegenwart sein.” Seiner Ansicht nach handelt es sich um die Werbung für ein Bordell, “mindestens aber für eine Erotik-Show”. Vermutlich stammt der Text aus Hongkong oder Macau.

Nach Bekanntwerden der Panne hat die Redaktion von MaxPlanckForschung die Titelseite mit einem anderen chinesischen Schriftbild neu drucken lassen (Bild unten). Bereits fertig gestellte Exemplare wurden überklebt. Gleichzeitig entschuldigte man sich bei den Lesern für den Irrtum.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Independent, 2008-12-09; Spiegel, 2008-12-10; Süddeutsche Zeitung, 2008-12-11; China Internet Information Center, 2008-12-11; Focus, 2008-12-11. Bild: Max-Planck-Gesellschaft.]

“ÜbeLsetzung des Jahres” geht an Eurolines

Nachdem der Österreichische Übersetzer- und Dolmetscherverband Universitas den „ÜbeLsetzungs-Preis“ 2007 an Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach für seinen Brief an den britischen Finanzminister verliehen hatte, erhält heuer das Transportunternehmen Eurolines den Preis für die schlechteste Übersetzung des Jahres. Diesmal haben verunglückte Übersetzungen von Bus-Fahrplänen ins Ungarische, Tschechische und Polnische auf www.eurolines.at das bedauerliche Rennen gemacht.

„Wer nach Ungarn, Tschechien oder Polen verreisen möchte und die Fahrpläne in der jeweiligen Landessprache liest, hat seine liebe Not“, meint Mag. Eva Holzmair-Ronge, die Präsidentin des Verbandes. Einige negative Highlights:

Im polnischen Fahrplan findet sich die Information „Rezerwacja 24 h przed odlotem“, zu Deutsch: „Buchung 24 vor dem Abflug“. Die polnische Version des Hinweises „Sitzplatzreservierung erforderlich“ lautet „Siedzisko zastrzezenia wymagane“, was rückübersetzt in etwa bedeutet „Sitzfläche des Vorbehaltes erforderlich“.

„In diesem Fall wäre wohl gar keine Übersetzung die bessere Variante gewesen, wenn schon die Bereitschaft zu professionellen Übersetzungen nicht vorhanden ist“, meint dazu Mag. Dagmar Sanjath, die Generalsekretärin des Verbandes. „Allem Anschein nach handelt es sich hier um Computerübersetzungen.“

Im Ungarischen werden im Fahrplan nach Budapest „Ermäßigungen“ mit „ha ön könyv“ wiedergegeben, was auf Deutsch „wenn Sie Buch“ bedeutet. „Mittwochs“ wird in der ungarischen Version zu „marktlich“ und die Tagesfahrt entpuppt sich als „Sonnenweg“. Besonders verwirrend: wo die wichtige Information „kein Bus“ stehen sollte, heißt es im Ungarischen „die Busse“.

Als Preis für die „ÜbeLsetzung des Jahres“ stellt der Verband eine entsprechende Urkunde aus und lässt der Firma Eurolines ein Verzeichnis der hochprofessionellen Übersetzer und Dolmetscher des Verbandes zukommen.

[Text: Universitas. Quelle: Pressemitteilung Universitas, 2008-12-11.]

Steinbrücks Bergmannsdeutsch: Dolmetscher ratlos

In der Aller-Zeitung ist folgende Anekdote zu lesen:

Mit seiner Vorliebe für eine bildhafte Sprache ist der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück kein Liebling der Dolmetscher. Neulich in Brüssel hat er schiere Verzweiflung in den Sprecherkabinen ausgelöst. „Vor der Hacke ist es dunkel“, hatte er gesagt, und die Reaktion war nur Schulterzucken gewesen.

Steinbrück stammt aus Hamburg, hat aber an Rhein und Ruhr Karriere gemacht. Besagter Ausdruck stammt aus der Sprache der Bergleute, die früher mit der Spitzhacke Kohle aus dem Berg schlugen. Gemeint ist, dass jeder Schlag ein Schlag ins Ungewisse ist. Man weiß nie, auf was man trifft, was man zutage fördert und was passiert, wenn man blindlings zuschlägt.

Daher plädiert der deutsche Finanzminister im Gegensatz zu seinem britischen Kollegen für wohlüberlegte Maßnahmen zur Eindämmung der Wirtschaftskrise. Bei den Briten heißt die Devise hingegen: Nicht kleckern, sondern klotzen.

[Quelle: Aller-Zeitung, 2008-12-11.]

Across bei Siemens: Mehrsprachige Dokumentationen schneller erstellen

Für die Steuerung der zahlreichen Übersetzungen von Produktdokumentationen nutzt die technische Redaktion des zum Siemens Sektor Energy gehörenden Division Power Distribution seit Kurzem den Across Language Server. Durch den Einsatz des Language Server konnte Siemens die Kosten für das Übersetzungsmanagement hier signifikant reduzieren und effiziente Prozesse realisieren, die für Transparenz und Sicherheit bei der Bearbeitung sorgen und die Qualität der Übersetzungen weiter verbessern.

Der Siemens Sektor Energy besetzt derzeit eine Spitzenposition auf dem Gebiet der gasisolierten Schaltanlagentechnik im Mittelspannungsbereich. Der Standort Frankfurt gilt dabei als das weltweite Kompetenzzentrum für die Entwicklung und Produktion der gasisolierten Produktreihen.

Hier arbeiten auch die technischen Redakteure, die die notwendigen Produktdokumentationen wie Betriebs- und Montageanleitungen für 13 gas- und luftisolierte Produkte und deren kundenspezifischen Ausführungen erstellen. Diese umfassen jeweils ca. 150-180 Seiten und sind anschließend in verschiedene Sprachen zu übersetzen. Zusätzlich ist das Redaktionsteam auch für die Übersetzung weiterer Texte wie Zeichnungsblätter oder Siemensnormen verantwortlich, die mehrsprachig vorliegen müssen.

Bis vor Kurzem wurden die Texte an die jeweiligen Landesgesellschaften zur Lokalisierung weitergereicht. „Als wir nur vier bis fünf Sprachen bedienten, waren die Arbeitsabläufe noch überschaubar und damit einfach zu verwalten,“ erläutert Christian Zimmermann, der die Technische Redaktion leitet. „Die Situation änderte sich vor ca. einem Jahr, als von Vertriebsseite vermehrt Anfragen nach weiteren Sprachen, vor allem osteuropäischer Länder, an uns gerichtet wurden. Inzwischen liefern wir unsere Produktinformationen in bis zu 19 Sprachvarianten aus.“

Damit ging zwangsläufig eine Auslagerung an externe Übersetzungsdienstleister einher. Beides - gestiegene Anzahl der Sprachen und Outsourcing - führte dazu, dass auch das Übersetzungsmanagement komplexer wurde. Hinzu kam, dass Siemens gerade das XML-basierte Redaktionssystem TCToolbox von Ovidius eingeführt hatte. Schnell wurde klar, dass die bisherige Vorgehensweise bei Übersetzungen keine dauerhafte Lösung war.

„Wir mussten uns hinsichtlich des Übersetzungsmanagements etwas Neues überlegen. Vor allem die ganzen Verwaltungsprozesse rund um die Auftragsbearbeitung wollten wir optimieren“, erläutert Zimmermann. „Wir hatten bspw. keinerlei Prozesssicherheit. Den Überblick zu behalten, wie weit welche Übersetzung gediehen war, welche Datei noch übersetzt werden musste, ob sie gerade in Arbeit war oder ob sie sich bereits in der Korrekturschleife befand, war nur durch das fehleranfällige Führen von Excel-Listen möglich. Bei mehreren Redakteuren stößt man hier schnell an seine Grenzen.“

Schlagkräftige Argumente für ein Translation-Management-System

Mit der geplanten Einführung eines TMS wollte man insbesondere drei zentrale Ziele umsetzen: Kosteneinsparungen, Prozesssicherheit und Qualitätsverbesserung. Eine weitere Anforderung war, dass die bereits erstellten Übersetzungen als Translation Memory gespeichert und in einem System verwaltet würden. Damit bestand die Möglichkeit, sie für weitere Übersetzungen zu nutzen und doppelte Übersetzungskosten zu eliminieren. Marktsondierungen und Tests ergaben, dass hier der Language Server von Across Systems die Anforderungen optimal abdeckte.

Ausschlaggebend für das Unternehmen war, dass Across zum einen im Vergleich mit anderen am Markt verfügbaren Systemen ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufwies. Zum anderen punktete der Language Server mit seiner praxisorientierten Funktionalität. Wichtig war auch, dass Across auf eine moderne Software-Architektur aufsetzt. So lässt sich Across nahtlos an die vorhandene TCToolbox von Ovidius anbinden und erlaubt somit durchgängige Prozesse. „Dadurch, dass die Daten serverbasiert ausgetauscht werden können, greifen alle Systeme auf einen zentralen Datenpool zu. Prozesse lassen sich automatisiert anstoßen, Dokumente müssen nicht mehr manuell aus- und eingecheckt werden. Dies verschafft uns unter anderem auch die gewünschte Prozesssicherheit“, argumentiert Zimmermann.

Durchgängige Übersetzungsprozesse

Seit November 2007 arbeitet Siemens produktiv mit Across. Nach einem ausführlichen Testlauf wurde das System sehr rasch installiert und genutzt. Dabei wurden zunächst die Arbeitsabläufe wie Projektbeauftragung, Übersetzung und anschließendes Lektorat definiert, die durch die Systeme unterstützt und automatisiert werden sollten.

In einem weiteren Schritt wurden die externen Sprachdienstleister, die ebenfalls Across im Einsatz haben, an den Workflow angebunden. Zum Einsatz kommt dabei das Kollaborationstool crossGrid, das standardmäßig mit dem Across Language Server ausgeliefert wird und den Siemens-Language Server direkt mit den Language Servern der Sprachdienstleister verbindet.

Soll heute bei Siemens ein Text lokalisiert werden, wählt der Mitarbeiter im Redaktionssystem die Funktion „Auschecken für Übersetzung“, ergänzt die notwendigen Angaben zu Fristen und sonstigen Metainformationen - und stößt damit den Auftrag an. Die zu übersetzenden Inhalte werden von der Ovidius TCToolbox direkt an Across übergeben und dort mit den definierten Informationen als Projekt angelegt. Hier lassen sich die Übersetzungen der Texte und Informationseinheiten steuern und weiterverteilen sowie entsprechend abarbeiten.

Nach Fertigstellung der Übersetzungen werden diese automatisch wieder in das Redaktionssystem übertragen. Umständliche Im- und Exports entfallen dadurch ebenso wie der manuelle Austausch mit den Übersetzungsdiensleistern per E-Mail.

„Der Projektmanagement-Aufwand beschränkt sich darauf, nur noch das ‚crossGrid-Paket‘ zu packen und an den Dienstleister zu senden, vielleicht noch durch Referenzmaterial ergänzt“, freut sich Zimmermann über die Arbeitserleichterung. „Aufgrund des Zusammenspiels von Redaktionssystem und Translation-Management-System konnten wir erhebliche Einsparungen bei dem Übersetzungsprozess erzielen.“

Neben den Übersetzungsdienstleistern konnte die Redaktion auch freie Übersetzer direkt in den Workflow mit einbinden. „So bekommt zum Beispiel eine externe Übersetzerin die für sie bestimmten Aufträge direkt aus dem Across Language Server zugewiesen und agiert über eine Terminalserver-Anwendung wie eine interne Mitarbeiterin“, ergänzt Zimmermann.

Transparenz ist bei den Projekten mit dem neuen System jetzt ebenfalls kein Thema mehr: Eine übersichtliche Auflistung zeigt der technischen Redaktion an, wie der Bearbeitungsstand der Übersetzung ist. Auf einen Blick sind Fortschritt, Status, Fristen und Beschreibungen der einzelnen Projekte dargestellt und erlauben eine schnelle Orientierung und ein aussagefähiges Controlling.

Unternehmensweite Sprachplattform

Auch für die externen Übersetzungsdienstleister gestaltet sich die Arbeit mit dem Translation-Management-System effizient und komfortabel: Durch die Vernetzung mit crossGrid arbeitet er auf Basis der gleichen Daten wie die Redakteure – insbesondere auf Basis des gleichen Translation Memorys crossTank und des gleichen Terminologiesystems crossTerm. Bereits übersetzte Inhalte und Daten können so gemeinsam genutzt werden. Aus dem Translation Memory heraus bekommt der Bearbeiter Übereinstimmungen mit bereits vorliegenden Formulierungen und Übersetzungen in der Datenbank angezeigt, die er wahlweise übernehmen, gegebenenfalls ändern oder ablehnen kann.

Diese Vorgehensweise sorgt zum einen für qualitativ hochwertige Übersetzungen und konsistente Texte über alle Produkte hinweg. Zum anderen konnten, durch den hohen Grad der Wiederverwendung bereits vorliegender Übersetzungen, die Kosten signifikant gesenkt werden. Bei einem bereits übersetzten Text, der aufgrund von Änderungen oder Aktualisierungen erneut lokalisiert wird, liegen die Einsparpotenziale bei 70 Prozent. Wird ein Text komplett neu übersetzt, können mittlerweile rund 25 Prozent mit vorliegenden Einträgen im Translation-Management-System abgedeckt werden. Nach und nach soll Across als Plattform für alle Übersetzungsprozesse bei Siemens etabliert werden.

„Wir wollen den Language Server von Across so ausbauen, dass sämtliche Übersetzungen zentral gemanagt werden und auch Kollegen aus anderen Abteilungen damit arbeiten können“, kommentiert Zimmermann und ergänzt: „Zusätzlich planen wir, mit dem Terminologie- und Translation-Memory-System eine zentrale Wissensdatenbank zu erstellen mit sämtlichen Begriffen, Bildern und Grafiken der Mittelspannungskomponenten von Siemens sowie deren Übersetzung. Das könnte v. a. auch neuen Mitarbeitern helfen, sich schnell in die siemensinternen Begrifflichkeiten einzuarbeiten.“

Insgesamt wurden die Erwartungen von Siemens an ein verbessertes Übersetzungsmanagement voll erfüllt: „Wir konnten den Verwaltungsaufwand bei Übersetzungen um 50 Prozent senken. Zusätzlich sind die Prozesse deutlich transparenter, der Projektstatus ist jederzeit abrufbar“, freut sich Zimmermann über die komfortable Arbeitsweise.

[Text: Across Systems GmbH. Quelle: Pressemitteilung Across, 2008-12.]