Zoom übernimmt Karlsruher kites GmbH – Bald simultane Sprachübersetzung in Konferenzen?

KIT Karlsruhe
Vor allem im Bereich der simultanen Sprachübersetzung hat sich das KIT seit 2012 mit seinem „Lecture Translator“ einen Namen gemacht. - Bild: Markus Breig / KIT

Das US-amerikanische Unternehmen Zoom Video Communications erwirbt die kites GmbH, eine Ausgründung aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die sich auf die Entwicklung von Echtzeitlösungen für maschinelle Übersetzungen spezialisiert hat. Das hat Zoom am 29. Juni 2021 bekanntgegeben.

Zoom wird zudem in die weitere Forschung am Standort Karlsruhe investieren und erwägt darüber hinaus, einen Forschungs- und Entwicklungsstandort in Deutschland aufzubauen.

KIT-Präsident Hanselka: „Für KIT, Stadt und Region Karlsruhe ein großer Gewinn“

Der Präsident des KIT, Professor Holger Hanselka, freut sich über diese Entwicklung:

Wie enorm die Bedeutung intelligenter, leistungsfähiger Informations- und Kommunikationstechnologien für unsere Arbeitswelt und unseren Alltag ist, hat uns nicht zuletzt die Corona-Pandemie deutlich vor Augen geführt. Die Forscherinnen und Forscher des KIT arbeiten seit vielen Jahren an passenden Sprachtechnologien, die das kites-Team erfolgreich in die Anwendung gebracht hat.

Dass Zoom diese Ausgründung nun erwirbt und den Ausbau des Teams in Karlsruhe vorantreibt, ist ein konsequenter Schritt, der diese vielversprechenden Lösungen für viele Menschen öffnet. Die Investition in die weitere Forschung in Karlsruhe ist für das KIT, die Stadt und die Region Karlsruhe ein großer Gewinn.

Hirth: „Verständigung fördern, Vernetzung stärken, Grenzen überwinden“

Professor Thomas Hirth ist Vizepräsident für Innovation und Internationales des KIT. Er kommentiert:

Aus wissenschaftlichen Erkenntnissen Anwendungen für Wirtschaft und Gesellschaft zu entwickeln, ist eine der Kernaufgaben des KIT. Der kites GmbH ist genau das eindrucksvoll gelungen, sie ist ein sehr gutes Beispiel für die Innovationstätigkeit unserer Forscherinnen und Forscher.

Mit solchen Lösungen lassen sich die internationale Verständigung fördern, die Vernetzung stärken und Grenzen überwinden.

Spracherkennung, MÜ, simultane Sprachübersetzung, technische Unterstützung menschlicher Dolmetscher

Die beiden kites-Gesellschafter Professor Alexander Waibel und Dr. Sebastian Stüker arbeiten an anwendungstauglichen Produkten, die natürliche und spontane Sprache mit Methoden der Künstlichen Intelligenz automatisch verarbeiten. kites gründeten sie im Jahr 2015 mit dem Ziel, ihre Forschungsergebnisse in echten Anwendungen zu integrieren.

Arbeitsgebiete sind die automatische Spracherkennung, die maschinelle Übersetzung, die Sprachunterstützung, die technische Unterstützung menschlicher Dolmetscher und simultane Sprachübersetzung.

Meetings für Zoom-Nutzer produktiver und effizienter gestalten

Das kites-Team besteht aus zwölf Mitarbeitern und unterstützt künftig das Engineering-Team von Zoom. Gemeinsam wollen sie das maschinelle Übersetzen vorantreiben und mehrsprachige Übersetzungsmöglichkeiten bereitstellen, um Meetings für Zoom- Nutzer produktiver und effizienter zu gestalten.

Waibel: „Zoom der beste Partner für kites“

Alexander Waibel, Informatik-Professor am KIT und Mitgründer von kites:

Wir haben kites mit dem Ziel gegründet, Sprachbarrieren abzubauen und sprachübergreifende Interaktionen zu einem realen Teil unseres Alltags zu machen.

Schon lange schätzen wir Zoom für die Fähigkeit, Menschen auf der ganzen Welt einfach zu verbinden. Wir wissen, dass Zoom der beste Partner für kites ist, um unsere Ziele umzusetzen. Wir freuen uns darauf, unsere Entwicklungen nun gemeinsam mit Zoom als Innovationsmotor voranzubringen.

Stüker: „Automatische Untertitelung in vielen Sprachen passt ideal zu Zoom“

Dr. Sebastian Stüker, Gründer und Geschäftsführer von kites sowie Leiter der Nachwuchsgruppe Multilinguale Spracherkennung am KIT, betont die Praxistauglichkeit der vom Unternehmen entwickelten Anwendungen:

Uns geht es vor allem darum, unser Know-how in anwendungstaugliche Produkte zu bringen, die die natürliche Sprache automatisch verarbeiten. Dabei sind unsere Technologien insbesondere auf Echtzeitanwendungen spezialisiert.

Sie ermöglichen beispielsweise die automatische, simultane Sprachübersetzung als Software as a Service oder die automatische Untertitelung von Videos in vielen Sprachen. Damit passt sie ideal zu den Diensten von Zoom.

Am KIT entwickelter Lecture Translator ist seit 2012 im Einsatz

Die Arbeit von Waibel und Stüker baut unter anderem auf dem von ihnen entwickelten Lecture Translator auf, der am KIT seit 2012 mit simultanen Vorlesungsübersetzungen Sprachbarrieren für internationale Studierende überbrückt.

kites bleibt in Karlsruhe, Zoom investiert in Standort

Stüker und die Mitarbeiter von kites werden in Karlsruhe ansässig bleiben, wo Zoom in den Ausbau des Teams investieren wird. Darüber hinaus erwägt Zoom, einen Forschungs- und Entwicklungsstandort in Deutschland aufzubauen. Alexander Waibel wird als Zoom Research Fellow die Forschung und Entwicklung im maschinellen Übersetzen bei Zoom beratend unterstützen.

Über das KIT

KIT-LogoAls „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten.

Dazu arbeiten rund 9.600 Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 23.300 Studenten bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf ihre Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT soll eine Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung schlagen. Das KIT ist eine der deutschen Exzellenzuniversitäten.

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