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Archive für September 2010

MDÜ jetzt sechs Mal im Jahr

Der BDÜ hat in einem Schreiben an die Abonnenten darüber informiert, dass die Fachzeitschrift MDÜ in den vergangenen Jahren die Auflage konstant steigern konnte.

Aus diesem Grund hat der Bundesvorstand des BDÜ den Beschluss gefasst, die Anzahl der Ausgaben ab 2011 von fünf auf sechs zu erhöhen. Ab dem Jahr 2011 wird das Heft somit alle zwei Monate erscheinen.

Durch die damit verbundene Steigerung der Herstellungskosten wird der Abo-Preis von 75 auf 80 Euro inklusive Versand und Mehrwertsteuer erhöht. 

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Mitteilung MDÜ-Sekretariat, 30.08.2010.]

Terminologieaustausch für die Praxis

Viele, die gelegentlich oder regelmäßig mit Terminologie arbeiten, möchten ihre Terminologielisten mit Kollegen oder Partnern austauschen. Wer das TBX-Standardaustauschformat für Terminologie nicht beherrscht, hat dabei oft Schwierigkeiten. Wir möchten hier einige Möglichkeiten des Terminologieaustauschs aufzeigen, die mit einfachen Bordmitteln wie Excel funktionieren.

Terminologiearbeit ist wie ein Staffellauf. Zwischen der Entstehung von Fachwörtern und deren Verwendung durch den Endverbraucher gibt es eine Reihe von Etappen und Läufern. Jeder ist von der Leistung des Vorläufers abhängig und davon, wie dieser ihm den Stab weiterreicht. Ohne dass es jedem bewusst wird, arbeiten am Terminologieprozess nicht selten sechs oder sieben Instanzen.

Dass alles besser läuft, wenn die Terminologie gleich am Anfang festgelegt und nicht am Ende in 25 Sprachen repariert wird, ist eine Binsenweisheit. Oft scheitert dies daran, dass man keinen Weg gefunden hat, die Terminologie im Laufe des Produktlebenszyklus zu sammeln, auszutauschen und in einer Gesamtdatenbank zu konsolidieren.

Ein Großteil der bisherigen Austauschprobleme hat mit den Informationen zu tun, die man in seiner Terminologie aufnehmen möchte bzw. sollte. Bei einfachen Wortlisten (z. B. Deutsch-Englisch) ist der Austausch unproblematisch. Schwieriger wird es, wenn die Informationen nicht mehr zweidimensional in einer festen Anzahl von Spalten sondern dreidimensional mit einer variablen Anzahl von Spalten festgehalten werden. Das passiert zum Beispiel, wenn man zu einem Wort Synonyme erfassen oder Wörter aufnehmen möchte, die man nicht verwenden darf.

Manche versuchen, sich mit zusätzlichen Spalten zu behelfen, wie “Synonym1″, “Synonym2″, “Negativwort” und stoßen aber sehr bald an Grenzen, denn die Anzahl der benötigten Spalten ist variabel. Nehmen wir als Beispiel folgende Synonyme aus dem technischen Bereich: Berührungsbildschirm; Touchbildschirm; Touch-Screen; Touch Screen; Touchscreen. Wollte man sich auf “Berührungsbildschirm” festlegen, ist es eine Herausforderung, alle diese Informationen in einer einzigen Excel-Zeile unterzubringen. Dies ist jedoch notwendig, wenn man ein Kommunikationschaos und überflüssige Übersetzungen in möglicherweise 25 Sprachen vermeiden will.

Es führt letztendlich kein Weg daran vorbei, für jedes Wort eine Zeile in Excel zu erstellen und die Einträge über eine ID-Nummer zu verknüpfen. Dies entspricht im Grunde dem Prinzip begriffsorientierter Terminologien. Unter einer Begriff-Nummer sind alle Sprachen und Wortvarianten zusammengefasst, die sich auf diesen Begriff (= Bedeutung) beziehen. Sie werden trotzdem wie selbstständige Einheiten behandelt. Weitere Spalten wie Definition, Status usw. lassen sich problemlos hinzufügen. Mit den Sortierungs- und Filterungsmöglichkeiten von Excel (siehe “Wussten Sie das?”) kann man sich die benötigten Einträge anzeigen lassen (z. B. alle verbotenen Benennungen, um sie in der Dokumentation auszutauschen).

Wie könnte das Ergebnis im Falle unseres “Berührungsbildschirms” aussehen (s. Abb. 1)?

Einen Sonderfall muss man bedenken, nämlich die Homonyme. Es sind Wörter, die eine gleiche Schreibweise haben, aber eine unterschiedliche Bedeutung. Sie bilden voneinander getrennte Begriffe und müssen daher eine unterschiedliche Begriff-Nummer erhalten. Beispiel “Haftung” i. S. v. Haftung einer Oberfläche und “Haftung” im rechtlichen Sinne.

Die Durchnummerierung der Begriffe kann mit dem Befehl “Reihe ausfüllen” von Excel erfolgen. Für die Erkennung von Homonymen hilft auch ein kleiner Trick mit dem Autofilter von Excel. Da dies wie auch die folgenden Formelbeispiele den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, können Interessierte eine detailliertere Anleitung erhalten unter: info@dog-gmbh.de.

Je nach Situation möchte man aber eine Liste wie die obige in einer vereinfachten Form weitergeben. Das geht mit einem kleinen Verlust an Informationen, könnte aber in etwa wie in Abb. 2 aussehen.

Hier sind die wichtigsten Informationen in einer festen Anzahl von Spalten und in einer einzelnen Zeile erhalten. Die Begriff-Nummer kann für weitere Konvertierungen verwendet werden. Aber die dritte Dimension ist ohne weitere Bearbeitung der Tabelle nicht mehr vorhanden. So ist “Touchscreen” zwar über eine Suchfunktion zu finden, ist aber kein selbstständiger Eintrag mehr.

Eine solche Tabelle kann man mit Hilfe von Excel-Funktionen aus unserer dreidimensionalen Liste (eine Benennung ist eine Zeile) erstellen. Zuerst wird mit der WENN-Funktion festgestellt, ob es mehrere Benennungen für einen Begriff gibt. Falls ja, werden diese Benennungen mit Hilfe der VERKETTEN-Funktion aneinander geschrieben. Dann wird mit dem Spezialfilter von Excel nur die längere Variante behalten. Eine ausführlichere Beschreibung erhalten Sie auf Wunsch per E-Mail.

Wir haben hier einen Weg beschrieben, mit dem man ohne Zusatzprogramme Terminologielisten anreichern und in Excel begriffsorientiert darstellen kann. Wir haben damit ein Instrument zur Steuerung der Terminologie in Dokumentationen und Übersetzungen, etwa indem man bestimmte Wörter verbietet. Das erhöht die Dokumentationsqualität und senkt die Kosten. Am Ende muss man die verschiedenen Excel-Listen in einer begriffsorientierten Terminologiedatenbank konsolidieren und verwalten. Aus diesem Reservoir lassen sich dann aufgabenbezogen (im Autorenbereich, für die Qualitätskontrolle, für den Übersetzungsprozess usw.) Mitarbeiter oder Softwareprogramme mit den erforderlichen Daten versorgen. Die von D.O.G. entwickelte webbasierte Terminologieplattform LookUp bietet für diese Aufgabe eine ideale und preiswerte Basis.

[Text: D.O.G. GmbH. Quelle: D.O.G. news 3/2010, mit freundlicher Genehmigung von Dr. François Massion.]

Dissertation zum Dolmetschen bei Strafverfahren

Beschuldigte, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, sind auf die Hilfestellung eines Dolmetschers angewiesen. Sowohl Strafrechtswissenschaftler als auch Strafrechtspraktiker gehen davon aus, dass nur eine wörtliche Übertragung richtiges Dolmetschen gewährleistet, und nur durch eine solche sowohl das Strafverfolgungsinteresse des Gerichts als auch das Verteidigungsinteresse des Beschuldigten gewahrt bleibt.
Ganz anders sieht das die Übersetzungswissenschaft. Sie weist darauf hin, dass Wörtlichkeit als Kriterium für gelungenes Dolmetschen gänzlich unbrauchbar ist.

Christian Kranjčić überträgt die Erkenntnisse der Übersetzungswissenschaft auf die Frage, wie im Strafverfahren zu dolmetschen sei. Von größter Bedeutung ist dabei, zu unterscheiden, ob der Dolmetscher im Auftrag des Gerichts, des Zeugen oder des Beschuldigten tätig wird und entsprechend, an wessen Interessen er seine Übertragung auszurichten hat.

Christian Kranjčić , … dass er treu und gewissenhaft übertragen werde. Zum Dolmetschen im Strafverfahren. Mohr Siebeck 2010. XVI, 237 Seiten. ISBN 978-3-16-150274-3. 54,00 Euro.

Eine Rezension zu diesem Buch ist in Arbeit und folgt in einigen Wochen.

[Text: Mohr Siebeck. Quelle: Mohr Siebeck. September 2010. Bild: Mohr Siebeck.]

Richter vergisst, Anklageschrift übersetzen zu lassen - Prozess vertagt

JustitiaIn Ravensburg musste der Strafprozess gegen einen 20-jährigen Asylbewerber aus dem Gaza-Streifen vertagt werden, weil der Richter vergessen hatte, die Anklageschrift ins Arabische übersetzen zu lassen. Der Südkurier berichtet:

Strafverteidiger Klaus Schön aus Konstanz fiel noch während der Feststellung der Personalien dem Vorsitzenden Richter Stefan Maier ins Wort – er verlangte, den Prozess auszusetzen. Der Grund: Keine der beiden Anklageschriften war ins Arabische übersetzt worden. „Ist ihnen nicht klar, dass bei dieser Anklage eine vereidigte Dolmetscherin nicht ausreicht? Wir brauchen eine ordnungsgemäße Übersetzung, schließlich ist das ein großes Verfahren, es geht um Totschlag“, sagte Rechtsanwalt Schön.
Nach einer viertelstündigen Beratung hatten die Richter ein Büro gefunden, das die Schriften bis zum 20. September übersetzen kann. „Wieso kommen sie erst jetzt damit daher und nicht schon im Mai oder Juni?“, beschwerte sich Richter Maier, doch der Rechtsanwalt versicherte, diesen Wunsch bereits im Schriftverkehr geäußert zu haben.

Dem Angeklagten, der zuvor bereits wegen Ladendiebstahls und Prügeleien aufgefallen war, wird vorgeworfen, im Januar 2010 in betrunkenem Zustand einen Mitbewohner in der Sammelunterkunft in Kressbronn mit Messern, einem abgebrochenen Pilsglas und einem kindskopfgroßen Stein attackiert zu haben. Nach Zeugenaussagen drohte er dabei, seinen Kontrahenten „zu zerhacken“ und in „Stücke zu schneiden“. Darüber hinaus habe er seinem Opfer erklärt, er wolle ihn „sterben sehen“. Das Opfer trug Verletzungen am Ohr und der Schläfenschlagader davon, konnte aber durch eine Operation gerettet werden.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Südkurier, 2010-09-10. Bild: Richard Schneider.]

Empfehlenswert: PONS Großwörterbuch Spanisch/Deutsch

Einführung

Für den Übersetzer ist es unverzichtbar: Ein Nachschlagewerk, in dem die Wörter einer Sprache nach bestimmten Gesichtspunkten verzeichnet und jedem Eintrag erklärende Informationen oder sprachliche Äquivalente zuordnet werden. Oder auch kurz: das Wörterbuch. Es gehört zum täglichen Brot eines Übersetzers und darf somit auf keinem Tisch fehlen. Ein Wörterbuch darf man natürlich nur mit Vorsicht und Verstand genießen, da es immer auf den Kontext ankommt, in dem ein Wort steht. Allerdings kann ein Wörterbuch auch eine hervorragende Hilfe sein und als Ausgangspunkt für weitere Recherchen dienen.

Allgemeines

Seit 2008 bietet das PONS Großwörterbuch Spanisch mit über 285.000 Stichwörtern und Wendungen von der modernen Umgangssprache bis zur Fachterminologie aus Wirtschaft, Recht, Medizin, Technik und Computerwelt und mehr als 400.000 Übersetzungen ein umfassendes Nachschlagewerk für Fortgeschrittene und Profis an. Es finden sich neben den obligatorischen grammatischen Angaben wie Genus, Wortart und Ausspracheangaben in Lautschrift oft auch Stilangaben, Erklärungen und Erläuterungen, Synonyme, Sachbereichsangaben wie beispielsweise “JUR”, “CHEM”, “LING” und Ähnliches.

Regionale Sprachvarianten und Wortbedeutungen

Im Wörterbuchteil werden regionale Sprachvarianten umfassend berücksichtigt, d.h. also das Deutsch in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie das Spanisch in Spanien und in den verschiedenen Ländern Südamerikas, wenn abweichende Bedeutungen eines Wortes in unterschiedlichen Ländern vorliegen. Der Leser im spanisch-deutschen Teil erfährt, dass das spanische “casa” nicht nur “Haus” oder “Wohnung”, sondern auch “Zuhause” bedeuten kann.

 Besonderheiten

Die erste Besonderheit dieses Großwörterbuchs, die ins Auge springt, ist das separate “Extraheft Spanisch Aktiv” (177 Seiten), in dem zahlreiche Musterbriefe für die Geschäfts- und Privatkorrespondenz, d.h. also Bewerbungsschreiben, Einladungen und persönliche Briefe vorhanden sind sowie umfangreiche Formulierungshilfen für die alltägliche Kommunikation aufgeführt werden. Das ist zweifellos hervorragend und äußerst hilfreich!

Die zweite Besonderheit des Wörterbuchs ist die CD-ROM mit dem kompletten Wörterbuchinhalt. Mit dem Mobipocket Reader, einer kostenfreien Software zur Darstellung und Verwaltung von eBooks und Texten, hat der Nutzer die Möglichkeit, das Wörterbuch neben der gedruckten Version auch digital zu nutzen. Und da der Übersetzer heutzutage fast ausschließlich seine Übersetzungsaufträge per E-Mail abwickelt und somit auch per E-Mail die zu übersetzenden Texte bekommt, stellt die CD-ROM einen großen Vorteil dar.

Kritikpunkt

Das deutsche „Abitur“ zum Beispiel heißt in Österreich und der Schweiz “Matura”. Schlägt man diese Begriffe einzeln nach, steht in der spanischen Entsprechung jeweils “bachillerato”.
Schlägt man allerdings in der Richtung Spanisch-Deutsch “bachillerato” nach, dann wird dort nur “Abitur” aufgelistet und die österreichische und schweizerische Variante “Matura” nicht berücksichtigt.

Benutzerfreundlichkeit

Ein wichtiges Kriterium der Benutzerfreundlichkeit ist die gute Übersicht aller Einträge. Das Daumenregister ist insbesondere für Vielnutzer sicher überaus nützlich, da man durch nur “einen Griff” zur richtigen Stelle gelangt.

Anhang

Dieses allgemeinsprachliche Wörterbuch beinhaltet im Anhang eine Liste regelmäßiger und unregelmäßiger spanischer und deutscher Verben, es thematisiert sowohl die spanische als auch deutsche Silbentrennung und Zeichensetzung und es behandelt die Zahlwörter (Grundzahlen, Ordnungszahlen, Bruchzahlen) sowie Maße und Gewichte (Dezimalsystem, Längenmaße, Flächenmaße, Kubik- und Hohlmaße, Gewichte) in beiden Sprachen. Des Weiteren umfasst der Anhang des Wörterbuchs die gesetzlichen Feiertage und Volksfeste sowie die Länder, Bundesländer, Kantone und autonome Regionen in Spanien, Deutschland, Österreich und in der Schweiz auf Deutsch und Spanisch. Ferner enthält er eine alphabetische Auflistung vieler Länder der Welt, deren Hauptstädte, Zeitzonen, Währungen und Vorwahlnummern in deutscher und spanischer Sprache. Zu guter letzt fallen in dem Großwörterbuch die zweisprachigen farbigen Landkarten (Karten der spanischsprachigen Länder und Gebiete der Welt, Karte Europas sowie Deutschlands, Österreichs und der Schweiz) am Buchende auf.

Fazit

Insgesamt gesehen ein empfehlenswertes, allgemeinsprachliches Wörterbuch, das aufgrund des Erscheinungsjahrs 2008 eine hohe Aktualität verspricht und hilfreiche Anregungen bieten kann. Da dem Wörterbuch das lobenswerte Extraheft sowie eine CD-ROM mit dem kompletten Wörterbuchinhalt beiliegen, stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis vollkommen.

Was erwartet man von einem Großwörterbuch für 69,95 Euro? Antwort: Eine möglichst große Vielfalt an Kollokationen und grammatischen Konstruktionen. Diesem Anspruch wird das Großwörterbuch Spanisch weitgehend gerecht. Die Frage, ob ein Wörterbuch mit 1.802 Seiten in beide Richtungen, d.h. also mit etwa 900 Seiten pro Sprachrichtung, einem professionellen Berufsübersetzer genügt, sei dahin gestellt. Aber sicherlich reicht das Wörterbuch für allgemeinsprachliche Übersetzungen völlig aus.

Ernst Klett Sprachen GmbH, Stuttgart 2008, 1. Auflage, ca. 1.802 Seiten, Format: 20 x 28 cm, plus CD-ROM,
ISBN: 978-3-12-517487-0, 69,95 Euro

[Text: Jessica Antosik. Quelle: PONS Großwörterbuch Spanisch. September 2010. Bild: PONS.]

Deutsch spielt fast keine Rolle mehr in der EU

Der CSU-Bundestagsabgeordnete und Vizechef der Unionsfraktion, Johannes Singhammer, sagte immer wieder, dass bei den Auswahlverfahren für die bis zu 8000 Arbeitsplätze im Auswärtigen Amt, neben Englisch- und Französisch-, auch Deutschkenntnisse eine wichtige Rolle spielen sollten. Schließlich gehört Deutsch zu den drei Amtssprachen der Europäischen Union. Zudem ist Deutsch die Muttersprache eines Fünftels der Bewohner der Gemeinschaft.
Außenminister und FDP-Chef Guido Westerwelle schrieb Singhammer Anfang Juni, dass die Hohe Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik, Catherine Ashton, ihm zugesichert hat, der deutschen Sprache eine außerordentliche Bedeutung zukommen zu lassen. Anfang August bekam Singhammer Post vom Auswärtigen Amt. Im Brief stand, dass “Fremdsprachenkenntnisse, auch des Deutschen, eine wichtige Einstellungsvoraussetzung für den EAD sein werden”.

Ende August allerdings kam die bittere Enttäuschung: Singhammer musste in einem weiteren Schreiben des Auswärtigen Amts lesen, dass in den ersten Stellenausschreibung für den Europäischen Auswärtigen Dienst keine Deutschkenntnisse gefordert wurden. Singhammer fordert jetzt, dass das Auswärtige Amt sich an die Abmachung hält. Immerhin investiert Deutschland das meiste Geld in den Diplomatendienst. Das AA versicherte ihm, dass “das Ziel, die deutsche Sprache im EAD insgesamt als privilegierte Sprache zu verankern”, bestehen bleibe.

Dennoch stehen die Chancen eher schlecht. Deutsch spielt bei der EU nur eine Nebenrolle, da nur 2,8 Prozent der Ausgangstexte auf Deutsch sind. Englisch spielt mit 72 Prozent mit Abstand die Hauptrolle. Französisch liegt bei 14 Prozent. Es passiert immer wieder, dass wichtige Dokumente nicht ins Deutsche übersetzt werden. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat deswegen bereits empört Unterlagen nach Brüssel zurückgeschickt.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Welt Online, 13.09.2010. Bild: EU]

Vorlesung in der Sprache, die man sieht

Gehörlose wagen selten ein Studium, da die Hürden im Alltag zu groß sind. Doch dem wird vielleicht schon bald ein Ende gesetzt, denn am 26. Juni 2010 wurde in Bad Kreuznach die Vereinsgründung der Gesellschaft der Europäischen Gebärdensprach-Universität Bad Kreuznach e. V. erfolgreich durchgeführt. Der Verein will eine Europäische Gebärdensprach-Universität aufbauen, um gebärdensprachkompetente Lehrer und Dozenten auszubilden und tauben Menschen somit ein Studium zu erleichtern. Es wäre nach der Gallaudet University in Washington die weltweit zweite Hochschule dieser Art, an der ausschließlich Kurse in Gebärdensprache angeboten werden. Finanziert werden soll das Projekt über Sponsoren, Spenden, Stiftungen, EU-Gelder und Studiengebühren.

Der 47-jährige Patrick Hennings, stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft, selbst fast taub, sagt, dass man in fast allen Fachbereichen einen Dolmetscher für jeden Studenten benötigt. Für Gehörlose gibt es zwei Arten von Dolmetschern: Schriftdolmetscher, die alles Gesagte protokollieren, sodass Inhalte im Anschluss an die Veranstaltung nachgelesen werden können, oder Gebärdendolmetscher, die während der Veranstaltung das Gesagte in die Deutsche Gebärdensprache übersetzen. Doch das Problem liegt hier natürlich in der Finanzierung. Denn wer soll das bezahlen?! Abgesehen davon beginnen die Schwierigkeiten schon früh. Taube haben fast gar keine Möglichkeit ein Vollabitur zu machen. Aus diesem Grund möchte die Gesellschaft neben der Universität eine Oberschule anbieten. Außerdem möchte sie Vorurteile abbauen, wie beispielsweise, dass die Gebärdensprache nicht dazu geeignet ist, auf mindestens gleichem Niveau kommunizieren zu können wie mit Lautsprache.

Der Bedarf in Deutschland ist enorm. In Deutschland liegt der Anteil der Tauben an der Bevölkerung bei circa einem Prozent. Eine Uni bedeutet für Hörgeschädigte natürlich auch mehr Berufschancen. Ein Drittel der Betroffenen in Deutschland sind arbeitslos.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: sueddeutsche.de, 13.09.2010. kreuznach-blog.de. Bild: Wikipedia.]

Forderung: Deutsch im Grundgesetz verankern

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt will die Probleme der Integration lösen, indem er Zuwanderer dazu verpflichten will, Deutsch zu lernen. Gegenüber der “Bild”-Zeitung sagte Dobrindt: “Der Schutz der deutschen Sprache gehört im Grundgesetz verankert. Respekt vor unserer deutschen Sprache ist Respekt vor unserer Kultur und unserem Land, den wir von allen einfordern, die bei uns leben. Ohne gemeinsame Sprache gibt es keine wirksame Integration. Wer sich der deutschen Sprache verweigert, verweigert sich der Integration in Deutschland.”

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sprach sich ebenfalls für eine “nachholende Integration” für Migranten aus. Ohne deutsche Sprachkenntnisse haben Kinder von Zuwanderern keine Chance im Bildungssystem.

Links zu diesem Thema auf uepo.de

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Welt Online, 10.09.2010. Bild: Alexander Dobrindt.]

10. internationales literaturfestival berlin

 ilb Video

Offizieller Kinospot auf YouTube

Das 10. internationale literaturfestival berlin vom 15. bis 25. September 2010, das im Haus der Kulturen stattfinden wird, bietet mit Fokus auf Osteuropa die Gelegenheit, die literarische Vielfalt kontemporärer Prosa und Lyrik in Zeiten der Globalisierung zu erleben.
Den Gästen aus Osteuropa soll eine authentische Vermittlung ihrer Literatur, aber auch ihrer geistigen, kulturellen sowie politischen Haltungen ermöglicht werden. In elf Tagen und 250 Veranstaltungen mit über 200 Autoren wird ein Einblick in neue und tradierte Entwicklungen der Weltliteratur gewährt.
Welche Themen bewegen die osteuropäischen Länder? Das wird im Zentrum des Festivals stehen, denn Anliegen ist es, zum einen den Literatur- und Kulturkreis des osteuropäischen Raumes für das Publikum zu öffnen und zum anderen das gegenseitige Verständnis zu fördern. Kontakte sowie eine lebendiger Austausch zwischen Autoren, Künstlern und Vermittlern sollen angeregt werden.

Literaturenthusiasten werden aus der langen Palette des Veranstaltungsprogramms sicherlich etwas Interessantes finden: Von politischen Diskussionen über Gespräche mit Autoren und Literaturverfilmungen wird alles geboten.
Hier finden Sie das vollständige ilb-Programm als Pdf-Datei.

Das internationale literaturfestival berlin ist eine Veranstaltung der Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik e. V. und der Berliner Festspiele unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: ilb. Haus der Kulturen, 11.09.2010. Bild: ilb.]

Hohelied auf die Sprache

Der SprachverfuehrerThomas Steinfeld, Literaturchef der Süddeutschen Zeitung, zeigt in seinem Buch Der Sprachverführer. Die deutsche Sprache: was sie ist, was sie kann den Reichtum und die Schönheit und öffnet Ohren und Augen für die Lebendigkeit der deutschen Sprache. Er schildert die Eigenheiten und Möglichkeiten unserer Sprache. In seinem Buch über die Wortkunst-Forschung bietet der Redakteur eine Betrachtung von Grammatik, Stil und Literatur. Wie baut man einen gelungenen Satz? Welche Rolle spielen Klang und Rhythmus? Steinfeld unternimmt eine Reise in analytisch versierte Textlandschaften berühmter deutscher Autoren wie Franz Kafka, Thomas Bernhard oder Elfriede Jelinek.
Wer behauptet, die deutsche Sprache verflache, offenbart nur, dass er nichts liest. Es sei ein dumpfes Ressentiment. Gefährdet erscheint die deutsche Sprache nur insofern, als man sich um sie kümmern muss. Wenn sie nicht gepflegt wird, erstarrt sie in der Phrase.
Steinfeld sagt, was mit der Sprache geschieht und geschehen wird, “ist zu einer Angelegenheit des Unbehagens geworden”. Er bezieht sich dabei insbesondere auf die verschleiernde und phrasenhafte Sprache der Wirtschaft.

Man greife zu diesem Lobgesang auf die Sprache und dem, was sie alles vermag, von vermitteln und anrühren bis zu berauschen und erotisieren.

Amazon gewährt einen Blick ins Buch.

Thomas Steinfeld. Der Sprachverführer. Die deutsche Sprache: was sie ist, was sie kann. ISBN: 978-3-446-23416-1. Hanser Verlag, München 2010, 270 Seiten, 17,90 Euro.

Thomas Steinfeld hat in der Süddeutschen einen ausführlichen Artikel über den “Service Point”, das “Meeting”, den Dativ statt Genitiv, die “Affensprache” und die deutsche Sprache geschrieben und erklärt, warum es sich mit dem Deutschen als Landessprache ähnlich verhält wie mit der ehelichen Treue.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: Hanser Verlag, 10.09.2010. buchjournal. Heft 4/2010. Seite 44. Bild: Hanser Verlag.]