Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs uepo.de - Das Nachrichtenportal für Übersetzer für September, 2011.
| M | D | M | D | F | S | S |
|---|---|---|---|---|---|---|
| « Aug | Okt » | |||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | |||
| 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 |
| 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 |
| 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 |
| 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | ||
- Ausbildung (67)
- Bibel/Koran (12)
- Bücher (75)
- Büroorganisation (13)
- Deutsche Sprache (94)
- Dolmetschen (95)
- Einwanderer (23)
- EU (40)
- Fremdsprachen (52)
- Gebärdensprachdolmetscher (9)
- Gebärdensprache (14)
- Gerichtsdolmetscher (81)
- Geschichte (30)
- Honorare/Gehälter (14)
- Interview (4)
- Literaturübersetzer (112)
- Lokalisierung (12)
- Markt (28)
- Maschinelle Übersetzung (12)
- medizinisch-soziales Dolmetschen (9)
- Missstände (47)
- Nachrichten (73)
- Nachrufe (8)
- Politik (59)
- Porträt (49)
- Qualitätssicherung (9)
- Recht (2)
- Simultandolmetscher (28)
- Sprache allgemein (61)
- Terminologie (24)
- Übersetzen (31)
- Übersetzungsfehler (31)
- Unternehmen (129)
- Veranstaltungen (163)
- Verbände (129)
- Videos (7)
- Werkzeuge (129)
- Wissenschaft (30)
- Wörterbücher (53)
- Zeitschriften (68)
- 22.5.2012: Universität Hildesheim: Master "Medientext und Medienübersetzung"
- 21.5.2012: Bram Stokers "Dracula" neu übersetzt
- 20.5.2012: Über die (Un-)Sitte der Filmsynchronisation in Deutschland
- 19.5.2012: Immer weniger luxemburgische Muttersprachler
- 18.5.2012: Focus: Wissenstest zur deutschen Sprache
- 17.5.2012: Anglizismen-INDEX Nr. 10 erhältlich
- 16.5.2012: Brandenburg: Kürzungen beim bilingualen Unterricht geplant
- 15.5.2012: Besonderheiten der schriftlichen Kommunikation im Internet
- 14.5.2012: Linguee startet Abonnement-Dienste "Premium" und "Professional"
- 13.5.2012: Kurzkrimi "Der Dolmetscher" von Marla B. Singer
- Mai 2012
- April 2012
- März 2012
- Februar 2012
- Januar 2012
- Dezember 2011
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
Archive für September 2011
Lesetipp: Kleines Wörterbuch Nigerianischer Sprachen
30.9.2011 von Jessica Antosik.
Die Bundesrepublik Nigeria verfügt über eine große Sprachenvielfalt. Zu den Sprachen Nigerias gehören über 500 einheimische Sprachen sowie die Amtssprache Englisch. Die rund 150 Millionen Einwohner gehören den etwa 250 unterschiedlichen ethnischen Gruppierungen und Stämmen mit jeweils eigenen Sprachen an. Die drei Hauptgruppen sind die Hausa-Fulani, die Yoruba und die Igbo.
Auf der Homepage der Konrad-Adenauer-Stiftung können sich interessierte Leser darüber erkundigen, welche Sprachen in welchen Landesteilen gesprochen werden und wie sich die unterschiedlichen ethnischen Gruppen im Land verteilen. Im Rahmen des Kleinen Wörterbuchs Nigerianischer Sprachen werden ferner die gängigsten Begriffen und Redewendungen aus dem Deutschen ins Englische, Hausa, Yoruba und Igbo zur Verfügung gestellt. Dadurch werden auch die grundlegenden Unterschiede zwischen den drei Hauptsprachen deutlich.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: kas.de. Bild: Ulamm (Wikipedia).]
Geschrieben in Wörterbücher | Drucken | Keine Kommentare »
Weltübersetzertag: ATICOM hebt Wert professioneller Übersetzungen hervor
29.9.2011 von Richard Schneider.
Die Welt wächst zusammen, neue Märkte entstehen und Nationen aus Osteuropa und dem asiatischen Raum gewinnen zunehmend an Bedeutung. Übersetzer, Dolmetscher und Terminologen sind heute wichtiger denn je. Ohne sie wären in dem fast babylonischen Sprachwirrwarr kein Austausch und keine Verständigung möglich – ganz gleich ob in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft. Angesichts der enormen Themenvielfalt dürfte es keine Frage sein, dass hier absolute Profis gefragt sind – Profis, die in einer oder mehreren Fremdsprachen und in ihrer Muttersprache auf bestimmte Fachgebiete spezialisiert sind und eine inhaltlich und stilistisch einwandfreie Kommunikation gewährleisten. Zum Weltübersetzertag am 30. September 2011 erinnert der Fachverband der Berufsübersetzer und Berufsdolmetscher ATICOM e.V. an die Bedeutung von Sprache als Kulturgut und den Wert professioneller Übersetzungsdienstleistungen.
Übersetzer und Dolmetscher schlagen jeden Tag Brücken der Verständigung zwischen den unterschiedlichsten Kulturen. Mit der wortwörtlichen Übertragung von Begriffen und Informationen aus der einen in die andere Sprache hat dies so gut wie nichts zu tun. Denn Wörter allein, aneinandergereiht, reichen bei Weitem nicht aus, um Inhalte korrekt und sprachlich-stilistisch homogen zu übermitteln. Doch was müssen Übersetzer und Dolmetscher in ihrem Beruf leisten und welche Qualifikationen sollten sie mitbringen? Leider gibt es hier eine relativ große Grauzone, in der sich Laien tummeln, die zwar eine Fremdsprache mehr oder weniger gut beherrschen, aber das Handwerk nicht gelernt haben.
Die Berufsbezeichnung Arzt oder Anwalt darf man nur mit entsprechender Ausbildung und nach bestandener Prüfung führen, aber Dolmetscher oder Übersetzer kann sich theoretisch jeder nennen, denn beides sind keine geschützten Berufe. Das führt bei manchen Auftraggebern zu der irrigen Annahme, dass Übersetzen oder Dolmetschen etwas ist, was eigentlich jeder kann, der über Fremdsprachenkenntnisse verfügt – mit der Konsequenz, dass häufig in diesem Bereich drastisch gespart wird. Eine Fehleinschätzung, die fatale (und mitunter sehr teure) Folgen haben kann!
Einen kleinen Eindruck, wie komplex das Thema interkulturelle Kommunikation ist, hat vermutlich jeder gewonnen, der zu Schulzeiten einmal versucht hat, für den amerikanischen oder französischen Austauschschüler „mal eben“ die Speisekarte oder ein deutsches Sprichwort zu übersetzen. Ein einzelnes Wort – eine kleine Bedeutungsnuance – kann den ganzen Sinngehalt einer Aussage verändern und zu Missverständnissen führen. Was sich im Gespräch mit dem Austauschschüler vermutlich noch leicht und mit Humor klären ließ, kann bei offiziellen Anlässen, in fachspezifischen Texten, aber auch in Geschäftsberichten, Gebrauchsanweisungen, Reden oder Pressemitteilungen höchst peinlich und imageschädigend sein!
Was passieren kann, wenn man auf Laien statt auf Profis setzt, zeigt das Beispiel der österreichischen Wein- und Sektkellerei Schlumberger. Das Unternehmen hatte auf Sektkartons den Slogan „Der außergewöhnliche Verführer“ mit „The Exceptional Abuser“ („Der außergewöhnliche Missbraucher”) übersetzt. Diese peinliche Panne trug dem Unternehmen nicht nur viel Spott, sondern auch die Auszeichnung „Übelsetzung des Jahres 2011“ des österreichischen Berufsverbandes für Dolmetschen und Übersetzen Universitas ein. Fazit: Sparen an der falschen Stelle zahlt sich nicht aus. Professionelle Übersetzer verfügen über eine profunde Ausbildung, über Fachwissen und Erfahrung und garantieren Qualität – und die hat ihren Preis.
Der 30. September ist Weltübersetzertag
1991 erklärte der internationale Dachverband der Übersetzer- und Dolmetscherverbände FIT (Fédération Internationale des Traducteurs) den 30. September, und damit den Namenstag des Heiligen Hieronymus, zum Weltübersetzertag. Der Hl. Hieronymus ist Schutzpatron und Vorbild der Übersetzer, insbesondere aufgrund seiner wichtigsten Leistung, der im Jahre 385 begonnenen Übersetzung des Alten und Neuen Testaments in die lateinische Sprache, die elf Jahrhunderte später durch den Rat von Trient als authentisch anerkannt wurde. Die „Vulgata“ wurde deshalb die offizielle Fassung der Bibel der römischen Kirche.
ATICOM e.V.
Der Fachverband der Berufsübersetzer und Berufsdolmetscher ATICOM e.V. mit Sitz in Hattingen, Nordrhein-Westfalen, wurde 1999 gegründet. Als spezifische Interessenvertretung professioneller, ausgebildeter Übersetzer und Dolmetscher fungiert ATICOM als Schnittstelle zwischen rund 200 Mitgliedern und potenziellen Auftraggebern wie Unternehmen, Verbänden, Behörden und Institutionen. Über die Website www.aticom.de, die jährlich über 700.000 Seitenaufrufe verzeichnet, und das elektronische Mitgliederverzeichnis sind für zahlreiche Sprachen und Fachgebiete qualifizierte Übersetzer und/oder Dolmetscher zu finden.
ATICOM setzt sich intensiv für die Professionalisierung des Berufsstandes ein und nimmt gemäß strengen Aufnahmekriterien nur Personen als Mitglieder auf, die eine berufliche Qualifikation als Übersetzer und/oder Dolmetscher bzw. entsprechende Berufserfahrung nachweisen können und den Beruf auch persönlich ausüben. Charakteristisch für ATICOM sind schlanke, demokratische Strukturen, wirtschaftliche Effizienz, hohe Transparenz und der kontinuierliche, direkte Austausch mit den Mitgliedern. Wichtige Schwerpunkte der Verbandsarbeit sind neben der intensiven Kooperation mit gleichgesinnten Verbänden im In- und Ausland die umfassende und kontinuierliche Weiterbildung der Mitglieder. So werden regelmäßig berufsspezifische Seminare und Veranstaltungen zu verschiedenen Themen angeboten.
ATICOM wurde im August 2002 als Vollmitglied in den Weltverband FIT aufgenommen und wirkt seitdem aktiv in verschiedenen Gremien der Dachorganisation mit. Reiner Heard, Vorsitzender von ATICOM e.V., wurde im August 2011 als Delegierter Deutschlands in den Rat, das oberste Führungsgremium der FIT, gewählt.
[Text: Sabine Milowan. Quelle: Pressemitteilung ATICOM, 2011-09-27. Bild: ATICOM.]
Geschrieben in Verbände | Drucken | Keine Kommentare »
Portugiesische Rechtschreibreform umstritten: Tudo corre(c)to?
28.9.2011 von Jessica Antosik.
Die portugiesische Sprache verbreitete sich weltweit im 15. und 16. Jahrhundert, als Portugal sein Kolonialreich aufbaute, das zum großen Teil bis ins Jahr 1975 überdauerte und Brasilien, Teile Afrikas und Macao (bis 1999) in China umfasste. Daraus ergab sich, dass Portugiesisch heute die Amtssprache zahlreicher unabhängiger Staaten ist und zudem von vielen als Zweitsprache gelernt und gesprochen wird.
Portugiesisch ist alleinige Amtssprache in Angola, Brasilien, Mosambik, Portugal und São Tomé und Príncipe. Zusammen mit anderen Sprachen ist Portugiesisch Amtssprache in Osttimor (zusammen mit Tetum) und Macao (neben Chinesisch). Auf Kap Verde und in Guinea-Bissau ist es zwar Amtssprache, jedoch nicht die wichtigste Sprache. Eine wichtige Sprache, aber keine Amtssprache, ist Portugiesisch aufgrund der Zuwanderung von portugiesischen Arbeitskräften in Andorra und Luxemburg, Namibia und Südafrika. Weltweit verwenden über 200 Millionen Menschen Portugiesisch als ihre Muttersprache. Allein 190 Millionen Brasilianer sprechen und schreiben Portugiesisch.
Das Standard-Portugiesische aus Portugal ist in den früheren afrikanischen Kolonien die bevorzugte Aussprache. Deshalb kann man zwei Formen unterscheiden, nämlich die europäische und die brasilianische; wobei man gemeinhin vier große Standard-Aussprachen unterscheidet, nämlich jene von Coimbra, Lissabon, Rio de Janeiro und São Paulo, dies sind auch die einflussreichsten Ausspracheformen.
Hinsichtlich der Schriftsprache lassen sich zwei Varianten des Portugiesischen festhalten:
- Europäisches und afrikanisches Portugiesisch
- Brasilianisches Portugiesisch
Die Unterschiede zwischen diesen Varianten betreffen, besonders in der Umgangssprache, das Vokabular, die Aussprache und die Syntax. Ferner gibt es natürlich regional bedingt, zum Teil landesspezifische Ausdrücke (ônibus in Brasilien und autocarro in Portugal). Signifikantere Unterschiede bestehen in der Orthografie. In Wörtern, die cc, cç oder ct enthalten, wird in Brasilien das erste c weggelassen, bei Wörtern mit pc, pç oder pt entfällt das p. Diese Buchstaben werden nicht ausgesprochen, sondern stellen vielmehr Überbleibsel aus dem Latein dar, die man in Brasilien zumeist eliminiert hat. Des Weiteren gibt es einige Unterschiede in der Akzentuierung.
Die Rechtschreibreform aus dem Jahr 1990, die auf die Schaffung eines einheitlichen Rechtschreibstandards abzielt, umfasst insbesondere das oben erwähnte Weglassen der “stummen” Konsonanten c und p auch im europäischen Portugiesisch sowie die Vereinheitlichung der Diakritik und Koordinierung der Übernahme von Lehnwörtern aus anderen Sprachen. Was den Umfang der Änderungen anbelangt, sollen 1,6 % des Wortschatzes im europäischen Portugiesisch und 0,5 % im brasilianischen Portugiesisch geändert werden. Ausgerüstet mit einer einheitlichen Schreibweise könnte das Portugiesische seine Rolle als bedeutende Weltsprache weiter ausbauen.
Nach einer Ratifizierung im Jahre 1994 sollte das Abkommen über die Rechtschreibreform in Kraft treten. Bislang wurde es aber lediglich von Brasilien, Portugal und Kap Verde unterzeichnet. Sie tritt allerdings erst dann in Kraft, wenn alle Mitglieder der CPLP (Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder) unterschrieben haben.
Der “Acordo Ortográfico” ist in Brasilien bereits am 1. Januar 2009 in Kraft getreten; seine Übernahme ist auch in Portugal und den übrigen lusophonen Ländern im Gange. Im neuen Schuljahr 2011/2012 werden alle Schüler nach der neuen Rechtschreibreform unterrichtet. Nicht nur neu eingeschulte Kinder sondern das gesamte Schulsystem wird sich hiernach richten. Ab dem 1. Januar 2012 tritt die Rechtschreibreform offiziell im ganzen Lande in Kraft. Die endgültige Einführung soll bis 2014 stattgefunden haben. Dies bedeutet, dass bis zu dieser Frist sämtliche Handbücher, Software etc. vorschriftsgemäß angepasst werden müssen.
Vorteile erwarten Befürworter dieser Harmonisierung der Orthographie für die Entwicklung des Büchermarktes, insbesondere im Bereich der Schulbücher und Informatik. Ein weiterer Pluspunkt liegt darin, dass es nicht mehr notwendig sein wird, international relevante Dokumente und Verträge in zwei Versionen zu verfassen. Kaum Probleme mit dem Brasilianischen haben die meisten Durchschnittsportugiesen, denen der Dialekt aus unzähligen, auch auf portugiesischen Fernsehschirmen laufenden brasilianischen “Telenovelas” vertraut ist. Auch mit dem Fußball, dem Samba und nicht zuletzt einer wachsenden Zahl von Auswanderern kommt die in Brasilien gesprochene Variante nach Europa. “Wir sind zwar die Väter der portugiesischen Sprache, aber nicht ihre Gebieter”, gab beispielsweise der christdemokratische Abgeordnete Nuno Melo angesichts der Reform zu.
Die Dichter und Denker des Landes stehen den Veränderungen jedoch skeptischer gegenüber. Sie befürchten eine „Brasilianisierung“ der Sprache. Nobelpreisträger José Saramago sagte 2008, er habe in seinem Alter keine Lust mehr, seine Rechtschreibung zu ändern: “Ich schreibe weiter wie bisher”, wird er in portugiesischen Zeitungen zitiert, “mit der Reform dürfen sich dann meine Korrekturleser beschäftigen”. Kritiker wenden ein, dass sich Saramagos Bücher trotz unterschiedlicher Schreibweisen gut in Brasilien verkauften. Das Bestehen der britischen und US-amerikanischen Schreibweise im angelsächsischen Raum sorge auch nicht für große Probleme. Darüber hinaus weisen Vertreter der Verlagsbranche auf die Kosten der Umstellung auf die neue Orthographie hin und halten es für wahrscheinlich, dass viele schon gedruckte Bücher bald nur noch Altpapierwert haben werden.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: nzz.ch, 29.04.2008; sprachforschung.org, 20.05.2008; galiott.com, 16.09.2011; wikipedia.de. Bild: vege / Fotolia.de.]
Geschrieben in Fremdsprachen | Drucken | Keine Kommentare »
1967: Dr. Paul Schmidt nimmt Abschied vom SDI München - “Es hat sich gelohnt”
27.9.2011 von Richard Schneider.
Die Wochenzeitung Die Zeit digitalisiert ihr Archiv und stellt es online zur Verfügung. In diesem Fundus befindet sich auch ein Artikel vom 24.02.1967 mit der Überschrift „Der Dolmetscher am Katheder. Ein vielgerühmtes Lehrsystem – Leiter der ‚Schmidt-Schule‘ nimmt Abschied“. Darin heißt es über den scheidenden Direktor des Sprachen- und Dolmetscher-Instituts München (SDI):
Dr. Paul Schmidt, Gesandter a. D. war, von 1923 bis 1945 Chefdolmetscher deutscher Reichsregierungen. Er selbst bezeichnete sich rückblickend als „Statist auf diplomatischer Bühne“. Ausländische Staatsmänner verzichteten auf eigene Dolmetscher, wenn Paul Schmidt dabei war. Bei der Münchner Konferenz 1938 war er der einzige Dolmetscher - Statist und zugleich Vermittler. 1952 holte ihn das gerade gegründete Münchner „Sprachen- und Dolmetscher Institut“ als Direktor. In diesen Tagen nun scheidet Paul Schmidt aus dem Amt. […]
Das Blatt beschreibt die Besonderheiten des SDI München:
Das Dolmetscherinstitut gehört einem privaten eingetragenen Verein, bekommt keine Zuschüsse und war in der Anlage eine Sprachenschule wie andere auch, ohne Aussicht, sich mit Universitätsinstituten wie Saarbrücken, Heidelberg oder Germersheim/Mainz messen zu können. Heute heißt es im Volksmund „Schmidt-Schule“ und wird, im Gegensatz etwa zu den städtischen Sprachenschulen mit den Hochschulen in einem Atemzug genannt. […] Die Anforderungen sind hochgeschraubt; die Übungen sind schwerer als die Prüfungen, die Prüfungen schwerer als die Praxis. […]
Dass sich das SDI einen ausgezeichneten Ruf erarbeiten konnte, lag maßgeblich an Schmidt und dessen „bedächtigem Sendungsbewußtsein“. Er setzte auf ein praxisorientiertes Lernen, sprach von „Sprach-Sacherlernung“ und einem Prinzip der „Entphilologisierung des Sprachenlernens“. Dabei profitierte Schmidt von seinen guten internationalen Kontakten:
Korrespondenten aus den Hauptstädten der Welt schicken ihm die neuesten Tonbänder von den Pressekonferenzen und Reden der Staatsmänner. Noch vor den Presseberichten sind die Texte abgezogen und liegen den Schülern vor. Die Aktualität zahlt sich aus: Das Interesse der damit Konfrontierten ist frisch, der Lehrstoff findet Interesse.
Den vollständigen Artikel können sie auf der Website der Zeit lesen und auch im Original-Layout als PDF-Datei abrufen.

Dr. Paul Schmidt am 28.03.1941 als Dolmetscher bei einem Besuch des japanischen Außenministers Matsuoka Yosuke.
War Schmidt ein Nazi?
Es gibt zahllose Fotos, die Schmidt als Dolmetscher Hitlers zeigen. Aus den zehn Jahren davor, als Schmidt für demokratische Reichsregierungen und unter anderem für den deutschen Außenminister und Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann dolmetschte, existiert hingegen (zumindest im Internet) kein einziges Foto. Und auch aus der Nachkriegszeit konnten wir nur das oben rechts abgebildete Foto aus dem Spiegel vom 01.12.1949 aufspüren.
Durch dieses Ungleichgewicht der historischen Bilddokumente könnte der Eindruck entstehen, Schmidt sei ein überzeugter Nazi gewesen. Dies scheint jedoch nicht der Fall gewesen zu sein, obwohl er die traumhaften beruflichen Möglichkeiten, die das neue Regime ihm als Dolmetscher bot, begeistert aufgriff. Schmidt stand an der Seite seiner Auftraggeber mehr als 10 Jahre lang im Mittelpunkt weltgeschichtlicher Ereignisse. Eine Position, der er sich intellektuell gewachsen fühlte und die ihn beruflich erfüllte. Für viele Besprechungen auf höchster Ebene war er nach dem Krieg der einzige verbliebene Zeuge. Entsprechend gefragt waren seine Aussagen im Rahmen der Nürnberger Prozesse. Auf YouTube gibt es ein kurzes Video, das ihn im Zeugenstand zeigt.
Schmidt wurde 1945 von den Amerikanern verhaftet und war bis 1948 interniert. 1950 wurde er von der Spruchkammer Miesbach als „entlastet“ eingestuft.
Die Nazi-Assoziationen mögen ein Grund dafür sein, dass das SDI München zunehmend auf Distanz zu seinem Gründervater zu gehen scheint. Auf der SDI-Website kommt der Name Dr. Paul Schmidt jedenfalls nicht vor. Und auch in den Festreden zur Eröffnung des neuen Campus im Jahr 2011 wurde er nur beiläufig erwähnt. Obwohl auch der heutigen SDI-Leitung klar sein dürfte, dass das Münchner Institut ohne das engagierte Wirken von Schmidt eine gewöhnliche Sprachschule geblieben wäre, wie es sie in jeder größeren Stadt gibt.
Mehr zu Schmidt können Sie in dessen Wikipedia-Eintrag lesen. Die Autoren versuchen bemüht, Schmidt Nazi-Verfehlungen nachzuweisen. Sein Wirken als Dolmetscher und Dozent wird hingegen in einem Nebensatz abgehandelt: „Sachkenntnis [ist] für das Dolmetschen wichtiger […] als die Sprachbeherrschung“.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Die Zeit, 1967-02-24. Bild: Spiegel; Bundesarchiv.]
Geschrieben in Geschichte, Ausbildung | Drucken | Keine Kommentare »
Sammelwerk: “Juristendeutsch verständlich gemacht” und “Treffende Verben in der deutschen Rechtssprache”
26.9.2011 von Jessica Antosik.
Im BDÜ-Fachverlag ist vor einiger Zeit der Sammelband “Juristendeutsch verständlich gemacht” und “Treffende Verben in der deutschen Rechtssprache” der Autorin Corinna Schlüter-Ellner erschienen. In diesem Band sind zwei Sammlungen vereinigt, die die Autorin bislang im Selbstverlag herausgebracht hat und die bei Übersetzern und Dolmetschern im juristischen Bereich viel Zuspruch gefunden haben.
Zur Einleitung von “Juristendeutsch verständlich gemacht”
Im Dienst der Genauigkeit muss das Recht sich seine eigenen Definitionen schaffen, die mit dem allgemeinen Sprachgebrauch oft nicht oder nicht ganz übereinstimmen. Außerdem haben sich im juristischen Sprachgebrauch viele Wörter und Wendungen erhalten, die in der Alltagssprache längst nicht mehr bekannt oder gebräuchlich sind. Oder sie werden in der Rechtssprache in einer besonderen Bedeutung benutzt, die sich oft nicht einmal in umfassenden Wörterbüchern der deutschen Sprache findet. Ebenso verhält es sich mit Vorsilben, die unter (manchen) Juristen noch üblich sind und die beim nicht juristischen Leser die Frage aufkommen lassen, ob dasselbe gemeint ist, wie bei der Bezeichnung, die sie aus der Alltagssprache kennen. In diesen Facetten soll die Arbeit also das Juristendeutsch verständlicher machen.
Zur Einleitung von “Treffende Verben in der deutschen Rechtssprache”
Eigentlich spielen in der vom Nominalstil geprägten deutschen Rechtssprache nicht Verben, sondern Substantive die Hauptrolle. Jedoch werden die Substantive meist mit ganz bestimmten Verben kombiniert: eine Vollmacht wird nicht gewährt, eingeräumt oder verliehen, sondern erteilt; eine Klage nicht zurückgewiesen, sondern abgewiesen, etc. Teilweise sind diese Verben in der Gemeinsprache kaum gebräuchlich, z.B. wird mit der Klage die Zahlung eines Betrages begehrt, Aktien werden begeben, Urteile erwachsen in Rechtskraft.
Wenn man diese typischen Verbindungen von Substantiv und Verb beim Übersetzen außer Acht lässt, kann ein juristisch geschulter Leser schnell erkennen, dass man in der Rechtssprache nicht firm ist. Andererseits kann man sich solche Kombinationen leicht aneignen und einüben. Nur sind sie in Wörterbüchern oft nicht zu finden. Diese Lücke soll die Sammlung füllen. Zu jedem Substantiv ist das treffende Verb aufgeführt.

Auszug aus Band II: Treffende Verben in der deutschen Rechtssprache
Zum Sammelband
“Juristendeutsch verständlich gemacht” und “Treffende Verben in der deutschen Rechtssprache”
Autorin: Corinna Schlüter-Ellner
Verlag: Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ)
Auflage: 1 (18. März 2011)
Seiten: 135
ISBN: 978-3-938430-37-8
Preis: 14,00 Euro
[Textzusammenstellung: Jessica Antosik. Quelle: BDÜ. Bilder: BDÜ.]
Geschrieben in Bücher | Drucken | Keine Kommentare »
Frankfurter Buchmesse: “Weltempfang” wieder mit vollem Programm
25.9.2011 von Nina Neumann.
Aus dem “Internationalen Zentrum” und dem “Übersetzer-Zentrum” der Frankfurter Buchmesse wurde 2010 eins: der “Weltempfang - Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung”. Der Name für das neue Zentrum ist Programm. Im Weltempfang wird es auch in diesem Jahr wieder Lesungen, Diskussionen und Veranstaltungen mit internationalen Autoren, Intellektuellen und Übersetzern geben. Thematische Schwerpunkte sind “Migration” und “Social Media - Chancen und Risiken”.
Den Weltempfang finden Sie in Halle 5.0, D963. Er umfasst eine große Bühne für Podiumsdiskussionen und publikumsstarke Veranstaltungen sowie einen Salon für Fachdiskussionen und literarische Begegnungen. Abgerundet wird das Areal vom Café-Bereich, der zum Weiterdiskutieren, Verabreden oder Ausruhen einlädt.
Die beteiligten Organisationen
Der Weltempfang - Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung ist ein Gemeinschaftsprojekt der Frankfurter Buchmesse und des Auswärtigen Amts. Es fördert zusammen mit Organisationen der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik den internationalen Kulturaustausch und Wissenstransfer.
Mit eigenen Ständen vertreten sind: Das Institut für Auslandsbeziehungen, das Deutsche Kulturforum östliches Europa, das Goethe-Institut, das Institut français d’histoire en Allemagne sowie das Instituto Cervantes. Außerdem sind die Übersetzerverbände VdÜ (Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V.) und BDÜ (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.) mit Ständen präsent. An der Informationstheke können Übersetzer sich im Who’s Who der Frankfurter Buchmesse registrieren.
Auf dem Areal des Weltempfangs sind Verleger aus dem Süden der Welt vertreten. Die ausgewählten Gäste der Frankfurter Buchmesse und des Auswärtigen Amts stellen hier die Buchproduktion ihrer Heimatländer vor.
Das vollständige Veranstaltungsprogramm mit insgesamt 41 Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Lesungen können Sie hier im Übersetzerportal als PDF-Datei herunterladen. Impressionen vom “Weltempfang” des vergangenen Jahres vermittelt der folgende Artikel (mit 24 Fotos): Gelungene Premiere: Der “Weltempfang” auf der Frankfurter Buchmesse.
Die Frankfurter Buchmesse findet dieses Jahr vom 12. bis 16. Oktober 2011 statt (Mittwoch bis Sonntag). Ehrengast ist Island.
[Text: Frankfurter Buchmesse. Quelle: Pressemitteilungen Frankfurter Buchmesse. Bild: Richard Schneider.]
Geschrieben in Veranstaltungen, Literaturübersetzer | Drucken | Keine Kommentare »
Grenzüberschreitender E-Commerce stagniert wegen Sprachbarrieren
24.9.2011 von Richard Schneider.
Online-Shops bieten Unternehmen (zumindest geografisch) nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, potenzielle Kunden zu erreichen. Anlässlich des Europäischen Tags der Sprachen am 26. September 2011 zeigen die Wiener Sprachdienstleister auf, was Sprachbarrieren damit zu tun haben, dass das enorme Potenzial grenzüberschreitenden Online-Handels trotzdem noch immer weitgehend unerschlossen ist.
Laut Eurostat nutzten 2010 erst 9 Prozent der EU-Bürger die Möglichkeit, auch Produkte von Anbietern aus anderen EU-Staaten online zu erstehen – eine Zahl, die nicht nur eine Beinahe-Stagnation im grenzüberschreitenden Online-Handel belegt, sondern die auch in krassem Gegensatz zu jenem Drittel der Befragten steht, das angab, prinzipiell gerne auch bei Anbietern aus anderen EU-Staaten einkaufen zu wollen. Bei der Analyse der Hauptbeweggründe für dieses zögerliche Konsumverhalten erwiesen sich Sprachbarrieren (27 Prozent) als absoluter Schlüsselfaktor – einzig Bedenken bezüglich der Herausgabe von Kreditkartendetails wurden noch häufiger genannt (31 Prozent).
Sprachbarrieren als unsichtbare Grenzen
Moderne Transport- und Kommunikationsmittel haben die Welt zwar näher zusammenrücken lassen – Inbegriff und Symbol dieser Entwicklung ist das Internet. Doch auch hier bilden Sprachbarrieren nach wie unsichtbare Grenzen, die einen maßgeblichen Einfluss auf Kaufentscheidungen haben. Vor diesem Hintergrund werden Übersetzung und Lokalisierung, also die Berücksichtigung formaler und kultureller Besonderheiten der Zielsprache, zu zentralen Mitteln, um die Konsumenten zu erreichen, zu überzeugen und langfristig zu binden – und damit das noch bestehende Vakuum im grenzüberschreitenden E-Commerce zu füllen.
Can’t read, won’t buy
Wie groß der Einfluss von Sprache auf das Kaufverhalten tatsächlich ist, zeigt auch eine internationale Studie des unabhängigen Meinungsforschungsinstituts Common Sense Advisory. So gaben im Schnitt 52 Prozent der befragten Online-Käufer an, nur auf Websites zu kaufen, die in ihrer Muttersprache verfasst sind. In Japan und Frankreich lag dieser Wert sogar bei über 60 Prozent. „Die gute Nachricht für Unternehmen, die dennoch vor den Kosten zurückschrecken ist allerdings, dass 64 Prozent der Studienteilnehmer auch angaben, bereit zu sein, mehr für ein Produkt zu zahlen, wenn die Informationen dazu für sie verständlich sind“, erläutert Mag. Sabine Kern (Bild), Vorsitzende des Berufsgruppenausschusses Sprachdienstleister in der Wirtschaftskammer Wien.
Über die Fachgruppe Wien der gewerblichen Dienstleister – Berufsgruppe Sprachdienstleister
Die Fachgruppe der gewerblichen Dienstleister ist die gesetzliche Interessenvertretung der rund 700 gewerblichen Übersetzer und Übersetzungsbüros in Wien. Ziel der Berufsgruppe Sprachdienstleister unter Vorsitz von Mag. Sabine Kern ist die Professionalisierung des Berufsstandes. Innerhalb Österreichs umfasst dies die Förderung des Qualitätsbewusstseins und des Nachwuchses, die Durchführung von Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen, Networking und die Etablierung von Kooperationstools sowie die Bewusstseinsbildung für die zunehmende Relevanz internationaler und interkulturellen Verständigung. Auf internationaler Ebene zählen die Förderung des Erfahrungsaustauschs mit Übersetzer- und Dolmetscherverbänden in anderen Ländern sowie der internationalen Zusammenarbeit mit Ausbildungsstätten für Übersetzer und Dolmetscher zu den Zielen der Berufsgruppe. Details finden Sie auf der Website der Wirtschaftskammer Wien.
[Text: Fachgruppe Wien der gewerblichen Dienstleister. Quelle: Pressemitteilung Fachgruppe Wien der gewerblichen Dienstleister, 2011-09-23. Bild: Fachgruppe Wien der gewerblichen Dienstleister.]
Geschrieben in Verbände | Drucken | Keine Kommentare »
Als Dolmetscher bei den Mächtigen der Welt: Wolfgang Ghantus war Diener vieler Herren
23.9.2011 von Jessica Antosik.
Che Guevara,
Salvador Allende, Indira Ghandi, Erich Honecker, Walter Ulbricht, Margaret Thatcher, George Bush sen., Bill Clinton. Wolfgang Ghantus, Jahrgang 1930, kannte sie alle. In 60 Jahren Berufspraxis als Dolmetscher spielte sich seine Arbeit nicht selten vor dem Hintergrund weltpolitischer Ereignisse auf vier Kontinenten ab. Jetzt hat Ghantus seine Lebenserinnerungen verfasst, die in wenigen Tagen als Buch erscheinen.
Anekdotenhaft, aber nie sensationslüstern, charakterisiert er darin viele Figuren der Zeitgeschichte, die seine Auftraggeber waren. Der BILD-Zeitung hat er schon einiges verraten, zum Beispiel über Erich Honecker:
Als ich Honecker 1950 das erste Mal traf, bot er mir eine Camel an. Damals hat er ja noch geraucht wie ein Schlot. […] Ahnung von Fremdsprachen hatte er nicht. Was mich verwundert hat, denn er war ja einige Zeit in der Sowjetunion. Aber sprachlich war nichts zu machen bei ihm. Er war auch kein guter Redner, hat immer nur abgelesen. Er hat monoton gesprochen, ohne Punkt und Komma. Er war furchtbar schwer zu dolmetschen. Seine Frau Margot war da viel besser. Mit ihr hatte ich auch ein persönlicheres Verhältnis. Sie war intelligent und flexibel. Eigentlich war sie all das, was ihr Mann nicht war. […] Honecker selbst hat mich immer geduzt, aber ich musste ihn mit Genosse Staatsratssekretär ansprechen. So formell ist das gewesen.
Über Walter Ulbricht schreibt Ghantus in seinem Buch:
Er war mir erst unsympathisch. Wenn der den Mund aufmachte mit seinem unheimlichen Sächsisch … Aber das war ein oberflächlicher Eindruck. Ich habe hinterher erfahren, dass er mit Stalin immer wieder im Konflikt war, weil die DDR von der Sowjetunion geschwächt und geschröpft wurde bis zum Geht-Nicht-Mehr.
Im Gegensatz zu den meisten DDR-Bürgern konnte Ghantus weltweit reisen. Trotzdem hat er sich nie von seinen Arbeitgebern abhängig gemacht, sondern wahrte seine Unabhägigkeit als freiberuflicher Dolmetscher.
Ghantus hat in Leipzig und Halle Journalistik studiert und spricht Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch. “Entdeckt” hat ihn noch während des Studiums Erich Honecker, der damals Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend war. Ghantus begleitete den späteren Staatsratsvorsitzenden auf zahlreichen Auslandsreisen.
Der Verlag kündigt das Werk als “lesenwertes Zeitpanorama” vom Zweiten Weltkrieg bis in unsere heutige Zeit an. Wir sind gespannt.
Über das Buch
Wolfgang Ghantus: Ein Diener vieler Herren. Als Dolmetscher bei den Mächtigen der Welt. Leipzig: Militzke.
Zahlreiche Fotos, 200 Seiten, 13,5 x 22 cm Hardcover, ISBN 9783861898467, 17,90 Euro. Erscheint am 4. Oktober 2011.
[Text: Jessica Antosik. Quelle: bild.de, 14.09.2011; militzke.de. Bild: militzke.de.]
Geschrieben in Dolmetschen, Simultandolmetscher, Bücher, Geschichte | Drucken | Keine Kommentare »
BDÜ zum Übersetzertag 2011: Zahl der Übersetzer hat sich in 10 Jahren verdoppelt
22.9.2011 von Richard Schneider.
Am 30. September ist Internationaler Übersetzertag. Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) nimmt das Datum zum Anlass, um auf die Bedeutung der Übersetzer für Kultur, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aufmerksam zu machen.
„Die Arbeit der Übersetzer ist für die meisten Menschen unsichtbar“, so BDÜ-Präsident André Lindemann (Bild). „Eine Übersetzung erkennt man in der Regel nicht.“ Dabei sind Übersetzungen im Alltag überall präsent – nicht nur in Form von internationaler Literatur. Auch der Text auf der Brotpackung aus Schweden, die Produktbeschreibung im Modekatalog aus England oder die Bedienungsanleitung des Computers aus den USA sind in der Regel Übersetzungen. Wurde ein Text gut übersetzt, so ist ihm nicht anzumerken, dass er eine Übersetzung und kein „Original“ ist.
Etwa 80 Prozent der deutschen Unternehmen haben Übersetzungsbedarf. Sowohl Importeure als auch Exporteure benötigen die Leistungen von Sprachexperten. Es gibt keine Branche, in der Übersetzer nicht im Einsatz sind. Das Marktvolumen des deutschen Übersetzungsmarktes liegt nach Schätzungen des Verbandes bei 750 Millionen bis 1 Milliarde Euro im Jahr. Studien gehen von einem jährlichen Wachstum von 10 Prozent aus, nicht nur in Deutschland sondern weltweit.
Laut Mikrozensus 2010 des Statistischen Bundesamtes gibt es 40.000 Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland, davon 14.000 Männer und 26.000 Frauen. Im Vergleich zu den Zahlen aus dem Jahr 2003 hat sich die Anzahl der Dolmetscher und Übersetzer verdoppelt. Mehr als die Hälfte der Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland arbeitet heute freiberuflich.
Die internationale Übersetzerorganisation „FIT“ (Fédération Internationale des Traducteurs) hat den internationalen Übersetzertag im Jahr 1991 eingeführt. Das Datum geht zurück auf den Todestag des Heiligen Hieronymus, der die Bibel ins Lateinische übersetzte und als Schutzpatron der Übersetzer gilt.
Über den BDÜ
Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) mit Sitz in Berlin vertritt seit über 50 Jahren die Interessen von Dolmetschern und Übersetzern gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Mit mehr als 7.000 Mitgliedern repräsentiert der BDÜ über 75 Prozent aller organisierten Dolmetscher und Übersetzer. Er ist damit der größte Berufsverband für Sprachmittler in Deutschland. Eine BDÜ-Mitgliedschaft steht für Qualität, denn alle Mitglieder müssen vor Aufnahme in den Verband ihre fachliche Qualifikation nachweisen.
[Text: Birgit Golms. Quelle: Pressemitteilung BDÜ, 2011-09-21. Bild: BDÜ.]
Geschrieben in Verbände | Drucken | Keine Kommentare »
Neuübersetzung der Isländersagas ins Deutsche
21.9.2011 von Jessica Antosik.
Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse (Ehrengast ist dieses Jahr Island) ist in diesen Tagen eine vierbändige, mehrere tausend Seiten umfassende Neuübersetzung der mittelalterlichen Isländersagas (”Íslendingasögur”) erschienen. Die Isländersagas gelten wie die Epen Homers oder das Werk Shakespeares als Schatz der Weltliteratur. Sie waren für Island über Jahrhunderte hinweg wichtig für die Identitätsfindung. Sogar der isländische Präsident hat in einem Interview einmal gesagt: “Sie haben uns zu einem Volk gemacht.” Noch heute identifizieren sich viele Isländer mit den Heldengeschichten, in denen es keine Klassenunterschiede gibt. Schließlich könnte es sich bei den Figuren um entfernte Verwandte handeln. Dies ist bei einem Land mit etwa 320.000 Einwohnern gar nicht mal so abwegig. Arthúr Björgvin Bollason, heute in Frankfurt lebender Buchautor und Übersetzer, war lange Zeit Leiter des Saga-Zentrums im Süden Islands. “Die Sagas haben dazu beigetragen, dass die Menschen mehr Freude am Leben hatten. Sie wurden tradiert von einer Generation zur anderen und spielten im Alltag eine Rolle, weil das Erzählen als eine Art Glück, eine Art Unterhaltung immer sehr groß geschrieben wurde. Es gab nicht so viel Unterhaltung damals.”
In der europäischen Literatur sind die Sagas einzig: Nirgendwo anders entstand eine solche spannende, in der Volkssprache abgefasste Prosaliteratur. Die Sagas spielen in der Zeit zwischen den Jahren 930 und 1050. Niedergeschrieben wurden sie von unbekannten Verfassern im 13. und 14. Jahrhundert auf präparierten Kalbshäuten. Die Sagas der neuen S. Fischer Edition erzählen vom Leben der ersten Siedler auf Island, von der Landnahme im späten neunten und frühen zehnten Jahrhundert, ihren Hofgründungen, Familienfehden und Rechtsstreitigkeiten. Sie handeln von ihren Fahrten, die nach Schottland, England und bis nach Rom führten, und nicht zuletzt zu dem legendär rauen Ruf der Isländer beitrugen, denn es ging dabei nicht immer friedlich zu. Die Helden sind nämlich oftmals listig und eigensinnig zugleich. Die bekannten Sagas wie die von den Menschen im Laxárdal oder von dem großen Helden Grettir fehlen ebenso wenig wie die “Die Saga von Brennu-Njáll” sowie die Sagas von Vinland und Grönland, die von der ersten europäischen Entdeckung Amerikas berichten.
Die für ein allgemeines Publikum gut verständliche und lesbare sowie umfangreiche Neuübersetzung der 14 an dem Projekt beteiligten Übersetzer bildet einen Höhepunkt im 125-jährigen Jubiläumsjahr des S. Fischer Verlags. Ferner schließt sie eine große Lücke. Islands wichtigster Beitrag zur Weltliteratur wird durch eines der ehrgeizigsten Neuübersetzungsprojekte der letzten Jahrzehnte dem deutschen Lesepublikum wieder zugänglich gemacht. Die Sagas wurden spät übersetzt, man hat Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen, sie in die englische Sprache zu übertragen. Vor etwa 15 Jahren gab es bei Penguin Classics die erste größere Ausgabe. “Der Missbrauch durch die Nazis hat den Zugang zu den Sagas lange verhindert”, erklärt der Autor Halldór Guðmundsson, der den Auftritt Islands auf der Buchmesse organisiert und den Anstoß zur Neuübersetzung gab. 1936 waren die Sagas in Nazi-Deutschland – dem Rassenwahn vom nordischen Menschen verpflichtet – unter dem Titel “Herrenmenschen im alten Island” erschienen. Aus dem “Fjord” wurde in der Übersetzung die “Förde”. Bei der Eindeutschung wurde sogar vom “Lachsflusstal” gesprochen, wie der deutsch-isländische Schriftsteller Kristof Magnusson weiß. “Man hat eher das Gefühl, die Sagas spielten im Schwarzwald”, sagt er.
Die Neuübersetzungen liegen in vier Bänden vor. Zudem gibt es einen Begleitband der Herausgeber, der in die Welt der Sagas einführt, die Gattung und ihre Geschichte darlegt und in einem umfangreichen Glossar erläutert. Die bei allen Unterschieden durchgehend flüssig übersetzten Texte lassen bei Orts- und Personennamen das Original durchscheinen, indem genuin isländische Buchstaben nicht durch deutsche Letternkombinationen ersetzt werden, und man kann sich unschwer vorstellen, welche Mühe es gekostet haben mag, sich auf editorische Richtlinien zu einigen und diese auch durchzusetzen. Finanzielle Unterstützung kommt von Island. Ferner wurde die Neuübersetzung von der Kunststiftung NRW gefördert.
Die Herausgeber sind Klaus Böldl, Professor für skandinavische Kultur- und Literaturgeschichte des Mittelalters an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, Andreas Vollmer, ehemaliger Lektor für Isländisch an der Humboldt-Universität zu Berlin, und Julia Zernack, Professorin für Skandinavistik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt. Es übersetzen Klaus Böldl, Wolfgang Butt, Thomas Esser, Tina Flecken, Johannes Heimeroth, Ursula Gieger, Mathias Kruse, Kristof Magnusson, Kurt Schier, Sabine Schmalzer, Andreas Vollmer, Betty Wahl, Laura Wamhoff, Karl-Ludwig Wetzig.
Es zeichnet sich ab, dass der Auftritt des Ehrengastes Island auf der kommenden Frankfurter Buchmesse sehr eindrucksvoll sein wird. Unter dem Motto “Sagenhaftes Island” wird sich das kleine Land mit der großen Literatur vom 12. bis 16. Oktober 2011 präsentieren. Herzstück der Präsentation sind natürlich die Isländersagas.
Zu den Isländersagas
Die Isländersagas in 4 Bänden mit einem Begleitband
Hrsg. von Klaus Böldl, Andreas Vollmer und Julia Zernack
S. Fischer Verlag
September 2011
Hardcover
98,00 Euro
ISBN: 978-3-10-007629-8
Mehr zu diesem Thema auf uepo.de
Isländisch – Das Latein des Nordens
[Text: Jessica Antosik. Quelle: fischerverlage.de; faz.net, 12.09.2011; fnp.de, 13.09.2011; dw-world.de, 09./13.09.2011. Bild: fischerverlage.de.]
Geschrieben in Bücher, Literaturübersetzer | Drucken | Keine Kommentare »