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Archiv der Kategorie Politik

EU-Patent: Ministerrat will Übersetzungskosten deutlich senken

BundesadlerZum Beschluss des EU-Ministerrats vom 27.06.2011 über eine so genannte „allgemeine Ausrichtung“ zu den Verordnungen über das EU-Patent erklärt der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Max Stadler:

Die Reform des europäischen Patentsystems nimmt endlich konkrete Formen an. Nach vielen Jahren kontroverser Verhandlungen haben sich die EU-Mitgliedsstaaten heute erstmals auf einen ausformulierten Gesetzestext einigen können.Dies ist ein starkes Signal an die europäische Wirtschaft insgesamt – Deutschland als innovativste Wirtschaftskraft wird vom neuen EU-Patent aber ganz besonders profitieren.

Das EU-Patent muss kostengünstig und damit für die Unternehmen attraktiv sein. Deshalb werden durch diese Vorschläge die Kosten für Übersetzungen substantiell gesenkt. Somit wird das EU-Patent kostengünstiger und im internationalen Vergleich wettbewerbsfähiger. Dies ist ein erheblicher Fortschritt für den Innovationsstandort Europa.

Nachdem das EU-Patent nun konkrete Formen annimmt, muss auch das damit eng verbundene Projekt des europäischen Patentgerichts schnell vorankommen. Ohne eine funktionierende Patentgerichtsbarkeit kann es kein funktionsfähiges Patentsystem auf EU-Ebene geben.

Zum Hintergrund

Der EU-Ministerrat hat am 27.06.2011 in Luxemburg eine so genannte „allgemeine Ausrichtung“ zu den Verordnungen über das EU-Patent und das zugehörige Übersetzungsregime beschlossen. Die neuen Regelungen sehen die Möglichkeit vor, für Patente, die das Europäische Patentamt in München erteilt, eine einheitliche Schutzwirkung für die 25 Teilnehmerstaaten zu beantragen. Damit soll das Recht des Patentinhabers, Patentverletzungen zu verbieten, in allen teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten unter gleichen Voraussetzungen gelten. Die EU-Patente werden in den drei Verfahrenssprachen des Europäischen Patentamts erteilt (deutsch, englisch, französisch). Die derzeit erforderlichen kostenträchtigen Übersetzungen der Patentschriften in zahlreiche Amtssprachen entfallen weitgehend. Zugleich einigte sich der Rat über die Kriterien zur Festlegung der Höhe der Gebühren des EU-Patents und deren Verteilung auf die Mitgliedstaaten.

Am EU-Patent nehmen 25 EU-Mitgliedstaaten teil, die am 10. März 2011 eine „verstärkte Zusammenarbeit“ beschlossen haben; Italien und Spanien beteiligen sich aus sprachpolitischen Gründen nicht.

Zunächst muss das Europäische Parlament nun seine Stellungnahme zu dem Verordnungspaket abgeben. Außerdem wird im zweiten Halbjahr 2011 über die Schaffung einer einheitlichen europäischen Patentgerichtsbarkeit weiterberaten.

Deutschland ist das mit Abstand patentstärkste Land Europas. Das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) ist mit nahezu 2.700 Mitarbeitern das größte nationale Patent- und Markenamt in Europa und weltweit das fünftgrößte nationale Patentamt. Beim DPMA wurden 2010 etwa 59.000 neue Patente angemeldet und 32.000 Patentverfahren abgeschlossen. Beim Europäischen Patentamt (EPA) wurden im Jahre 2009 ca. 134.500 Patente angemeldet, davon ca. 68.000 aus Europa. Der deutsche Anteil dieser Patente beträgt ca. 25.000; das sind fast dreimal so viele Patente, wie Frankreich als zweitstärkstes Land angemeldet hat (etwa 9000).

[Text: Bundesministerium der Justiz. Quelle: Pressemitteilung Bundesministerium der Justiz, 2011-06-27. Bild: Archiv.]

Schubhaft-Seelsorger freuen sich über Wörterbücher und Dolmetscher

Nachdem die österreichische Zeitung “Salzburger Fenster” über die Schubhaft-Seelsorger des Salzburger Schubhaftgefängnisses und die durch die Sprachbarrieren verursachten Probleme berichtet hatte, spendeten Leser zahlreiche Wörterbücher in den verschiedensten Sprachen. “Dafür möchten wir uns herzlich bei den Spendern bedanken. So ein kleines Buch kann Wunder bewirken”, sagt die ehrenamtliche Helferin Anna Maria Baliarda. Mit den Büchern können sich die Häftlinge nämlich verständlich machen.

Vor kurzem habe nun eine inhaftierte Chinesin zum ersten Mal gesprochen. Sie fand in der Zelle das Chinesisch-Deutsch-Wörterbuch ihrer abgeschobenen Kollegin. “Diese kleine Frau hat gestrahlt, weil sie endlich etwas sagen konnte”, so die 74-jährige Baliarda.

Des Weiteren haben sich zehn SF-Leser als freiwillige Dolmetscher für die wöchentliche Seelsorge-Stunde gemeldet, in der im vergangenen Jahr mehr als 300 Menschen aus insgesamt 23 Ländern betreut wurden.

Bisher haben die ehrenamtlichen Helfer Papierkarten mit Symbolen wie beispielsweise “Duschen”, “Wäsche waschen” oder “Doktor” mitgebracht, damit die Häftlinge auf diese Weise zeigen konnten, was sie benötigen.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: salzburger-fenster.at, 09/23.05.2011. Bild: salzburger-fenster.at.]

Vereinfachung der elektronischen Rechnungsstellung ab 01.07.2011

Durch das Steuervereinfachungsgesetz 2011 (StVereinfG 2011) sollen die bisher hohen Anforderungen an die elektronische Übermittlung von Rechnungen reduziert werden und auf diese Weise die Bürokratiekosten der Wirtschaft in Milliardenhöhe abgebaut werden. Die Änderungen im Umsatzsteuergesetz (UStG) sollen ab dem 1. Juli 2011 gelten. Bislang liegt hierzu lediglich ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vor. Der Bundestag und Bundesrat werden über die endgültige Ausgestaltung der gesetzlichen Regelungen entscheiden.

Aktuelle Rechtslage

Für Papier- und elektronisch übermittelte Rechnungen kann der Vorsteuerabzug bislang nur geltend gemacht werden, wenn die Echtheit der Herkunft der Rechnung, die Unversehrtheit ihres Inhalts und die Lesbarkeit der Rechnung durch die Verwendung einer qualifizierten elektronischen Signatur oder durch die Nutzung eines Verfahrens zum elektronischen Datenaustausch (sog. EDI-Verfahren) gewährleistet ist. Die bisherige Regelung des § 14 UStG sieht für Rechnungen, die auf elektronischem Weg (per E-Mail ggf. mit PDF- oder Textdateianhang, per Computer-Fax oder Fax-Server, per Web-Download oder im Wege des Datenträgeraustauschs (EDI)) übermittelt werden, hohe technische Anforderungen vor.

Aufgrund des hohen Dokumentations- und Prüfaufwandes stellen sich viele Unternehmen nicht auf die elektronische Fakturierung um bzw. akzeptieren keine elektronischen Rechnungen.

Geplante Neuregelungen

Ab dem 1. Juli 2011 sind Papierrechnungen und elektronische Rechnungen umsatzsteuerlich gleich zu behandeln. Laut Gesetzesentwurf soll jeder Steuerpflichtige dann selbst entscheiden können, wie er die Echtheit der Herkunft und die Unversehrtheit des Inhalts gewährleistet. Eine Signatur oder das EDI-Verfahren sind zur Übermittlung der elektronischen Rechnung nicht mehr vorgeschrieben, Unternehmer sollen jedoch weiterhin darauf zugreifen können. Sowohl innerbetriebliche Kontrollverfahren als auch die Nutzung der qualifizierten elektronischen Signatur und des EDI-Verfahren sind somit zulässig, um die Zuordnung der Rechnung zur empfangenen Leistung zu ermöglichen.

Auch DE-Mail oder E-Post können künftig für die elektronische Übermittlung einer Rechnung verwendet werden. Die Übermittlung einer Rechnung von Standard-Fax zu Standard-Fax oder von Computer-Telefax/Fax-Server an Standard-Telefax gilt in Zukunft als Papierrechnung.

Auch wenn ein wesentlicher Impuls in Richtung “Elektronik statt Papier” gegeben wird, werden sicherlich nicht alle Unternehmen sofort auf die elektronische Rechnungsstellung und -bearbeitung umstellen.

Nach § 14b Absatz 1 UStG ist das Unternehmen verpflichtet, alle Duplikate der Rechnungen, die es versandt hat und alle Rechnungen, die es selbst erhalten hat, zehn Jahre in lesbarem Zustand aufzubewahren. Die Zahl der manuell bearbeiteten und archivierten Rechnungen sinkt laut Ressort um voraussichtlich rund 10,5 Mrd. auf etwa 8,5 Mrd. Rechnungen. Dadurch reduzieren sich die Kosten für den Vorgang der Archivierung um rund 3,4 Mrd. Euro.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: bundesfinanzministerium.de; iww.de. Bild: wikipedia.de.]

Diplomsprachmittlerin Cornelia Pieper gibt Parteiämter in FDP auf

Cornelia PieperNach der Wahlschlappe der FDP bei der Landtagswahl 2011 in Sachsen-Anhalt wird Cornelia Piper ihre Parteiämter in der FDP aufgeben. Beim Landesparteitag im April will die 52-jährige Diplomsprachmittlerin nicht wieder für den Landesvorsitz kandidieren, beim Bundesparteitag im Mai auch nicht mehr für das Amt der stellvertretenden Bundesvorsitzenden.

Die Berufsgruppe der Dolmetscher und Übersetzer verliert damit eine potenziell wichtige Ansprechpartnerin innerhalb der klassischen Freiberuflerpartei FDP. Andererseits sind die in der Politik agierenden Übersetzer und Dolmetscher unseres Wissens aber noch nie von den Berufsverbänden der Branche angesprochen worden.

Ihr Mandat als Abgeordnete des Deutschen Bundestages und ihr Amt als Staatsministerin im Auswärtigen Amt wird Pieper weiter ausüben.

Cornelia Piepers Lebenslauf liest sich auf ihrer Website wie folgt:

Geboren am 4. Februar 1959 in Halle/Saale; verheiratet, ein Sohn.

Abitur in Halle. Studium der Angewandten und Theoretischen Sprachwissenschaften in Leipzig und Warschau, 1982 Abschluss als Diplomsprachmittlerin für Polnisch und Russisch.

Bis 1985 Dolmetscherin im Tourismus und Kulturbereich, danach EDV-Mitarbeiterin im Halleschen Fernsehgerätewerk. 1995 bis 1996 Geschäftsführerin beim Humanistischen Verband e. V. Berlin, seit Mitte 1996 freiberufliche Übersetzerin.Gründungsmitglied, erste Vorsitzende und derzeit Vorstandsmitglied der Erhard-Hübener-Stiftung e. V. in Sachsen-Anhalt.

Seit 1990 Mitglied im Landesvorstand der FDP Sachsen-Anhalt, seit 1995 Landesvorsitzende und stellvertretende Kreisvorsitzende in Halle, seit 1993 Mitglied im Bundesvorstand der FDP, 1997 bis Mai 2001 stellvertretende Bundesvorsitzende, 2001 bis 2005 Generalsekretärin der FDP, seit 2005 wieder stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende. Stellvertretende Bundesvorsitzende der Liberalen Frauen e. V. 1990 bis 1994 und April bis Oktober 2002 Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt, 1990 bis 1994 Vizepräsidentin des Landtags, April bis Oktober 2002 Vorsitzende der FDP-Fraktion.

Mitglied des Bundestages von 1998 bis Mai 2002 und seit Oktober 2002; Oktober 1998 bis Juni 2001 stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion, forschungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Obfrau im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung; Februar 2005 bis Oktober 2005 Vorsitzende und von November 2005 bis Oktober 2009 stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Seit November 2009 Staatsministerin im Auswärtigen Amt.

Mehr zum Thema „Übersetzer in der Politik“ im Übersetzerportal
2005-05-30: Übersetzer in der Politik: Murat Çakir ist Pressesprecher der WASG
2005-01-27: „Ein Traumjob für mich.“ – Diplom-Sprachmittlerin Cornelia Pieper beerbt Dipl.-Übers. Ulrike Flach als Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses
2005-01-25: Ulrike Flach legt Bundestags- und Parteiämter nieder
2005-01-16: Wettig-Danielmeier, Pieper, Flach, Schäfer, Kopp, Lietz: Unsere Vertreter im Deutschen Bundestag
2004-12-31: Dipl.-Übers. Ulrike Flach erhält zusätzlich zu Abgeordnetendiäten volles Gehalt von Siemens
2003-05-19: Unsere Mädels in der Politik: Gabi geht, Conny bleibt
2002-04-21: Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Diplom-Sprachmittlerin erzielt sensationelles Ergebnis für FDP
2002-10-22: Diplom-Übersetzerin Ulrike Flach mögliche Nachfolgerin von Jürgen Möllemann
2002-10-13: Diplom-Sprachmittlerin Gabi Zimmer als PDS-Parteivorsitzende wiedergewählt
2001-05-04: Diplom-Sprachmittlerin Cornelia Pieper wird FDP-Generalsekretärin

[Text: Richard Schneider. Quelle: Abendblatt, 2011-03-31. Bild: Pieper.]

SPD: Ausweitung der Sprachförderung an Kindergärten und Schule

Die SPD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg will die Sprache früher als bisher fördern und sie ausweiten. Der Bildungssprecher Frank Mentrup ist der Ansicht, dass ein Mentalitätswechsel beim Umgang mit anderen Sprachen unabdingbar sei und sagt: “Andere Muttersprachen sind ein Schatz kein Problem. Dieser Schatz muss gefördert werden.” Die Muttersprache von ausländischen Kindern soll an den Schulen unterrichtet werden. Damit sollen Kinder aus sozial schwachen Schichten nicht weiter benachteiligt werden. “Die SPD wird damit aufräumen, dass ein Schulerfolg im Land stark vom Geldbeutel der Eltern abhängt”, so der Fraktionschef Claus Schmiedel. Die Sprachförderung ist der Schlüssel für Integration und Erfolg in Bildung und Beruf.

Bislang habe die Landesregierung sehr wenig Interesse an der Sprachförderung gezeigt, sagte Mentrup. Dies werde insbesondere Qualität, Umfang und Dauer der Förderung. Kinder mit Sprachförderbedarf könnten ihren Leistungsabstand zu den anderen Kindern nicht verringern, es würden Kosten eingespart, indem etwa 30 Prozent weniger Kinder als im Vorjahr gefördert würden und die Landesregierung beginne die individuelle Sprachförderung erst im letzten Kindergartenjahr, obwohl wissenschaftlich nachgewiesen sei, dass Kinder im Alter von drei Jahren eine Zweitsprache wie eine weitere Muttersprache lernten. Je später sie eine Zweit- oder Drittsprache lernten, desto schwieriger gestalte sich der Erwerb der Fremdsprache.

Das Ziel der SPD ist es, dass Kinder bereits im ersten Kindergartenjahr mit dem Erlernen einer Fremdsprache beginnen. Fortgeführt soll die Sprachförderung außerdem in der Grundschule, da sich international herausgestellt habe, dass vier bis acht Jahre nötig seien, um eine Zweitsprache systematisch zu erlernen. Mentrup betont: “Das Land muss die Förderpolitik endlich nach dem Bedarf der Kinder ausrichten, nicht mehr allein nach den Notwendigkeiten des Haushaltes.” Auch die Eltern sollten gestärkt und viel stärker in die Abläufe in den Kindertageseinrichtungen und Schulen einbezogen werden.

[Text: Jessica Antosik. Quelle: www.spd.landtag-bw.de, 28.01.2011. Bild: www.wikipedia.de.]

Sprachenstreit im spanischen Senat

Es kommt vielen spanisch vor. Im spanischen Senat, der zweiten Kammer des Parlaments von Madrid, müssen sich die Abgeordneten nun Kopfhörer aufsetzen, um zu verstehen, was der Redner auf Katalanisch, Baskisch oder Galizisch
sagt – obwohl alle Anwesenden Spanisch sprechen können. Die Umsetzung war äußerst umstritten. Die Reaktionen vieler Personen war “Wie können es die Politiker wagen, Dolmetscher im Senat einzustellen, wenn doch alle Spanisch beherrschen?”. Die rechtsliberale Zeitung “El Mundo” schrieb “Damit gibt Spanien in Zeiten der Krise ein denkbar schlechtes Bild ab.” Die Sprachenvielfalt hat ihren Preis: 12.000 Euro kosten die sieben Dolmetscher – pro Sitzung. Ganz abgesehen von der Anschaffung unzähliger Kopfhörer sowie einiger Dolmetschkabinen. “So etwas gibt es in keinem normalen Land”, empört sich der PP-Parteichef und spanische Oppositionsführer Mariano Rajoy. Spanien mache sich damit in aller Welt lächerlich. Auf der anderen Seite betonte der sozialistische Justizminister Francisco Caamaño: “Die neue Regelung macht uns als Gesellschaft stärker.” Sie sei ein Zeichen des demokratischen Zusammenlebens.

Die Abgeordneten aller Parteien mit Ausnahme der PP hatten entschieden, dass in bestimmten Plenarsitzungen, in denen Anträge gestellt, nicht aber Gesetzesvorlagen entworfen werden, der Gebrauch der regionalen Amtssprachen zulässig sei. Somit dürfen die Abgeordneten in diesen Fällen auf Katalanisch, Baskisch oder Galizisch debattieren. Gedolmetscht wird nur aus den regionalen Amtssprachen ins Spanische. Bislang war das nur in einzelnen Ausschüssen möglich. Schriftliche Mitteilung dürfen bereits seit dem Jahr 1994 in den Regionalsprachen verfasst werden.

Allerdings muss man beachten, dass die Regionalsprachen “cooficial”, d.h. “co-offiziell” sind. Das bedeutet also, dass die Sprachen offiziell sind, aber auch, dass es weitere offizielle Sprachen gibt.
In der spanischen Verfassung Art. 3 heißt es:

(1) Kastilisch ist die offizielle Staatssprache. Alle Spanier haben die Pflicht, sie zu kennen, und das Recht, sie zu gebrauchen.
(2) Die anderen Sprachen Spaniens sind in den Autonomen Gemeinschaften und gemäß ihren jeweiligen Statuten ebenfalls Amtssprachen.
(3) Der Reichtum der unterschiedlichen sprachlichen Gegebenheiten Spaniens ist ein Kulturgut, das besonders zu achten und zu schützen ist.

Art.3 (1) ist sicherlich ein Grund, den hitzigen Sprachenstreit weiterzuführen, da alle Spanier die Pflicht haben, Spanisch zu kennen und somit auch zu sprechen. Demnach könnte man das Geld anderweitig investieren.
Dann kann man sich auch die Frage stellen, warum die Simultandolmetscher erst jetzt beschäftigt werden, wo doch die Verfassung des Königreiches Spanien seit dem 29. Dezember 1978 gilt.
Wenn man sich demgegenüber auf Art. 3 (3) stützt, kann man die Regionalsprachen im Senat damit begründen, dass sie Bestandteil kulturellen Erbes sind und unter besonderem Schutz stehen. Der Senat ist dafür wohl einer der geeignetsten Orte.

Einigen Quellen zufolge soll der eigentliche Grund dieser Maßnahme darin liegen, dass der spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero für seine Minderheitsregierung insbesondere die Katalanen und Basken benötige. Das Zugeständnis für die Regionalsprachen sei neben direkten Geldzuteilungen sein bestes Überzeugungsargument.

[Text: Jessica Antosik. Quelle. www.elpais.com; www.verfassungen.eu; www.saz-aktuell.com. Bild: www.wikipedia.de.]

Oettinger macht keine schlechte Figur

Günther Oettinger (Bild) ist seit dem 10. Februar 2010 EU-Kommissar für Energie. Von 2005 bis 2010 war der gebürtige Stuttgarter Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg. Während dieser Zeit löste Oettinger durch umstrittene Äußerungen zahlreiche Kontroversen aus. So wurde dem damaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg für seine Äußerung “Englisch wird die Arbeitssprache. Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest.” in einem Interview mit dem Südwestrundfunk (SWR) im Jahr 2006 der Preis “Sprachpanscher des Jahres” verliehen.

Im Oktober 2009 sagte Oettinger auf der Landespressekonferenz selbstsicher “Ich bin in Englisch für das Gespräch sehr sicher”. Dieser Satz wurde ihm jedoch zum Verhängnis, als er zwei Monate darauf anlässlich einer Konferenz der New Yorker Columbia University in Berlin eine Rede auf Englisch hielt. Bei der Rede wurden seine Schwierigkeiten mit der englischen Sprache sehr deutlich. Unter anderem bereitete es dem Stuttgarter Probleme, englische Wörter korrekt zu prononcieren. So sprach er “psychology”, “energy” oder “liberalisation” schlichtweg deutsch aus. Zudem erweckte er den Eindruck, dass er an manchen Stellen nicht verstanden hat, was die Übersetzer ihm aufgeschrieben haben, da er ab und an ins Stammeln geriet. Ganz zu schweigen von der Aussprache des stimmlosen dentalen Frikativs, das heißt des englischen “th-Lauts”. Zum Abschluss der Rede sagte er “In my homeland Baden-Württemberg we are all sitting in one boat.” und wurde innerhalb kürzester Zeit der Star beim Videoportal YouTube. Für jeden Dolmetscher ist es natürlich ein Albtraum aus einer schlechten, fehlerhaften oder schwer verständlichen Ausgangssprache korrekt in die Zielsprache dolmetschen zu müssen.

Doch der EU-Kommissar schlägt sich wacker auf dem europäischen Parkett und zeigt sich lernfähig. Nun hält er die Reden in seiner Muttersprache Deutsch, wenn auch mit schwäbischen Dialekt. Die Badische Zeitung schrieb: “[…] und er hat sogar gelernt, kurze Sätze zu bilden, die mit einem Verb enden.”

[Text: Jessica Antosik. Quelle: welt.de; badische-zeitung.de, 15.01.2011; wikipedia.de. Bild: wikipedia.de.]

Dolmetscher in Konfliktzonen nicht ausreichend geschützt - AIIC, Europarat und UNO sind gefordert

Militärdolmetscher in Afghanistan

Dolmetscher in Konfliktzonen warten weiterhin auf die internationale Anerkennung ihres Status in Form einer Erklärung der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Ein solches offizielles Dokument würde das soziale Bewusstsein über die wesentlichen Funktionen der Dolmetscher während und nach Konfliktsituationen weltweit erhöhen. Es würde ihnen auch einen juristischen Schutz in manch kritischen Situationen gewähren.

Bis jetzt ist der rechtliche Status der Dolmetscher bei bewaffneten Konflikten im internationalen humanitären Recht nicht genau reguliert - im Gegensatz zu anderen Personengruppen, die in den Genfer Abkommen erwähnt werden, z. B. Journalisten. Für diese sind verschiedene gesetzliche Schutzmaßnahmen für den Fall einen Krieges beziehungsweise eines internationalen oder nicht-internationalen bewaffneten Konflikts vorgesehen. Obgleich die Bestimmungen der Genfer Abkommen III und IV von 1949 das Recht der Angeklagten (z. B. der Kriegsgefangenen) auf die Hilfe von befähigten Dolmetschern anerkennen, wurden die Rechte der Dolmetscher nicht definiert.

Bei den von der UNO geführten oder mandatierten Friedensmissionen wird der Verlauf des Aufenthalts von ausländischen Militär- und Zivilpersonen (z. B. Dolmetscher) auf dem Hoheitsgebiet eines anderen Staates  von den Bestimmungen der so genannten „Status of Forces Agreements“ (Abkommen über den Status der Militärstreitkräfte) geregelt. In diesem Fall können Dolmetscher einige Privilegien und Entlastungen bei Erfüllung ihrer Dienstpflichten genießen, z. B. Immunität gegenüber der Gerichtsbarkeit der lokalen Gerichte im strafrechtlichen und zivilrechtlichen Bereich.

Dolmetscher Irak vermummt

Dennoch sind die lokal oder im Ausland rekrutierten Dolmetscher ständig zahlreichen Gefahren, Drohungen und sogar Erpressungen in Konfliktzonen ausgesetzt. Ihr Job ist überaus stressig. Die lokalen Dolmetscher und ihre Familien werden hüfig zur Zielscheibe von Übergriffen, sobald die ausländischen Truppen und Hilfsorganisationen wieder abgezogen sind. Als Vergeltung werden nicht selten ihre Autos und Häuser zerstört.

Angesichts der extremen Arbeitsbedingungen fühlen sich viele Dolmetscher ungerecht behandelt. Sie erhalten für die erbrachten Dienstleistungen nur eine unverhältnismäßige Entlohnung und von den Arbeitgebern wird ihnen kein oder nur ein unvollständiges Kranken-, Arbeitsunfähigkeits-, und Lebensversicherungspaket angeboten. Es wird erwartet, dass sie zwölf Stunden pro Tag und dazu sieben Tage pro Woche arbeiten und auch in der übrigen Zeit für Einsätze zur Verfügung stehen.

Auch nach dem Ende eines Konflikts erfahren Dolmetscher nur einen ungenügenden Schutz. Oft wird ihnen ein Einreisevisum in den Staat, dessen Streitkräfte sie unterstützt haben, verweigert. Sie erhalten nur eine unzureichende Sozialhilfe, dürfen im Einreisestaat keiner Beschäftigung nachgehen und haben keinen unentgeltlichen Zugang zu einer psychologischen Beratung.

Außerdem sind zahlreiche Dolmetscher als „Sprachassistenten“ oder „Sprachspezialisten“ in Konfliktzonen rekrutiert. Dies bedeutet, dass sie neben dem Dolmetschen zusätzliche Aufgaben erfüllen müssen, unter anderem die Kommunikationsanalyse, die Sammlung von Geheimdienstinformationen oder das Organisieren von Treffen mit lokalen Anführern ethnischer, religiöser und sprachlicher Gruppen.

Das kompromittiert eindeutig die Prinzipien der Neutralität und der Unparteilichkeit von Dolmetschern. Einerseits sind Dolmetscher den Streitkräften und den Hilfsorganisationen behilflich, andererseits betrachtet die lokale Gemeinschaft solche „Sprachspezialisten“ als Verräter, Kollaborateure und Abtrünnige, die den Tod verdienen. Die jährlich steigende Zahl der ermordeten, verletzten und entführten Dolmetscher weist deutlich darauf hin, dass ihr Schutz nicht ausreichend ist.

Dolmetscher im Irak ums Leben gekommenEs genügt anzuführen, dass 360 Dolmetscher allein im Irak von 2003 bis 2008 ums Leben gekommen sind und über 1200 Dolmetscher bei der Arbeit für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika verletzt wurden. Der Blutzoll der Dolmetscher, die im Rahmen der multinationalen Militäroperationen in Afghanistan ihre Aufgaben erfüllen, dürfte voraussichtlich noch höher ausfallen.

Der Weg zu einem besseren Schutz der Dolmetscher ist noch lang, aber erste Schritte wurden bereits unternommen. Im Januar 2009 haben die Mitglieder der 34. Versammlung des Internationalen Verbandes der Konferenzdolmetscher (AIIC) in Nizza eine Erklärung angenommen, in welcher sie auf die schwierige Lage der Dolmetscher in Konfliktzonen hinweisen. Gleichzeitig wurden Maßnahmen zum Schutz und zur Unterstützung von Dolmetschern beschlossen, insbesondere:

  • Informationen für Dolmetscher auf der Internetseite des Verbandes über „ihre Rechte zur gerechten Behandlung und zum Schutz, aber auch über ihre Verpflichtungen als neutrale/unparteiische Mittler“, sowie über die Professionalität und ethische Prinzipien“ (Res. Nr. R402).
  • Unterstützung der Online-Lehrgänge für Dolmetscher in Konflikt- und Kriegszonen, die im Institut für Übersetzen und Dolmetschen (ETI) der Universität Genf durchgeführt werden.
  • Sensibilisierung der Arbeitgeber, der internationalen Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen, staatlichen Institutionen und der internationalen Organisationen, z. B. der ILO, für die Notwendigkeit eines besseren Schutzes der Dolmetscher während und nach Konflikten.
  • Ausarbeitung von globalen Rahmenbedingungen, die den neuen sozialen Vertrag für Dolmetscher in Konfliktzonen bilden sollen.
  • Veranlassung der Generalversammlung der Vereinten Nationen und/oder der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, eine Erklärung anzunehmen, um „den neutralen und unparteiischen Status, sowie die Unversehrtheit aller Dolmetscher anzuerkennen“ (Res. Nr. R402).

Militärdolmetscher im Irak

Am 29. April 2010 haben die Mitglieder der Parlamentarischen Versammlung des Europarates eine entscheidende Erklärung in Straßburg unterzeichnet, die als erstes internationales Dokument auf den unregulierten Status der Dolmetscher in Konfliktzonen hinweist. Die Vertreter der einzelnen Fraktionen des Europarates riefen die Mitgliedstaaten zur Sicherung des besseren Schutzes für Dolmetscher während und nach den Konflikten auf, nach dem Vorbild von Mitarbeitern des Roten Kreuzes. Gleichzeitig hat man in der Erklärung die Prinzipien der Neutralität und der Unparteilichkeit der Dolmetscher in Ausübung ihrer Tätigkeit hervorgehoben.

Der nächste wichtige Schritt in Richtung auf eine internationale Anerkennung und den gesetzlichen Schutz des Dolmetscherberufs in Konfliktzonen wäre eine entsprechende politische Erklärung der Generalversammlung der Vereinten Nationen, wo 192 Mitgliedstaaten mit gleichen Rechten vertreten sind.

Krzysztof WereszczynskiZum Autor Krzysztof Wereszczyński
Den Text dieses Beitrags hat Krzysztof Wereszczyński (Bild rechts) verfasst. Wereszczyński ist qualifizierter Dolmetscher mit den Arbeitssprachen Polnisch (Muttersprache), Englisch und Deutsch. Als Doktorand an der Universität Białystok, Polen, arbeitet Wereszczyński an einer Dissertation über Dolmetscher in Konfliktzonen.

Bilder
(1) 09.04.2004: Ein Dolmetscher (Mitte) übersetzt für den neben ihm sitzenden Col. Kenneth F. McKenzie Jr. von der 22nd Marine Expeditionary Unit beim Treffen mit Jon Mohammed, dem Gouverneur der afghanischen Provinz Oruzgan.
(2) 2004, ein Jahr nach Beginn des Irak-Krieges: Nach den ersten gezielten Morden an Dolmetschern gingen die einheimischen Sprachmittler nur noch vermummt in den Einsatz.
(3) 22.07.2003: Ein Dolmetscher und ein Soldat kamen im Norden Bagdads bei einem Anschlag auf dieses Fahrzeug ums Leben.
(4) 15.05.2004: Über einen Dolmetscher (Mitte) verhandelt Lt. Col. Milton L. Wick (links), Commander des 3rd Battalion, 24th Marine Regiment, mit dem Scheich eines Dorfs in der Nähe von Camp Taqaddum im Irak.

Links zum Thema im Übersetzerportal
2005-03-20: Zwei Jahre Irak-Krieg: Mindestens 59 Dolmetscher und Übersetzer verloren ihr Leben
2004-09-27: Militärdolmetscher im Irak - ein Bilderbogen

[Text: Krzysztof Wereszczyński. Bild: Pressestelle US Marine Corps; Wereszczyński.]

Afghanischer Dolmetscher durch Sprengfalle ums Leben gekommen

Ein afghanischer Dolmetscher ist am 14.11.2010 bei der Explosion einer Sprengfalle östlich der Stadt Gereschk in der umkämpften Provinz Helmand in Afghanistan ums Leben gekommen. Der Anschlag galt Angehörigen der dänischen Besatzungstruppen, von denen ebenfalls ein Soldat getötet wurde. Dies berichtet AFP unter Berufung auf eine Erklärung des Verteidigungsministeriums in Kopenhagen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: AFP/IRIB, 2010-11-15.]

Maria Vassilakou: Studierte Dolmetscherin wird Vizebürgermeisterin von Wien

Maria Vassilakou„,Ich wüsste nicht, wer hier etwas schön redete‘, sagt Maria Vassilakou. Wer in Wien einmal so einen korrekten deutschen Konjunktiv hören will, muss sonst schon schräg gegenüber ins Burgtheater gehen, wenn sie dort die Klassiker aufführen.“ Das schreibt die Frankfurter Rundschau über die neue Vizebürgermeisterin von Wien, Maria Vassilakou (41).

Doch eigentlich ist es nicht verwunderlich, dass die gebürtige Griechin die deutsche Sprache besser als die meisten Deutschen beherrscht, denn sie kam zum Studium der Sprachwissenschaften 1989 nach Wien und machte dort 1994 ihren Abschluss in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch.

Das ursprüngliche Ziel, Dolmetscherin zu werden, verlor Vassilakou schon auf der Universität aus den Augen, wo sie sich in der Österreichischen Hochschülerschaft engagierte und Gefallen an der Politik fand.

Unmittelbar nach ihrem Abschluss startete sie eine rasante Karriere als Berufspolitikerin. 1995 wurde sie Mitarbeiterin des Grünen-Klubs im Wiener Rathaus, ein Jahr später wurde sie in den Wiener Landtag gewählt und war Integrationssprecherin der Grünen. 1997 bis 2001 saß sie im Landesvorstand der Wiener Grünen, seit 2004 ist sie Mitglied des Bundesvorstands. Schon 2005 ging sie in Wien als Spitzenkandidatin für die Grünen ins Rennen. Seit 2008 ist Vassilakou stellvertretende Bundessprecherin der österreichischen Grünen.

Der sozialdemokratische griechische Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou wollte sie 2009 als stellvertretende Umweltministerin nach Griechenland holen, doch dieses Angebot schlug sie aus.

Nach den Landtags- und Gemeinderatswahlen in Wien 2010 wird Vassilakou nach rot-grünen Koalitionsverhandlungen Vizebürgermeisterin der österreichischen Hauptstadt und übernimmt das Ressort für die Bereiche Verkehr, Stadtplanung, Klimaschutz und Energie.

Vassilakou ist mit einem Österreicher verheiratet und besitzt inzwischen die österreichische Staatsangehörigkeit.

Video: Pressekonferenz mit Maria Vassilakou nach Abschluss der rot-grünen Koalitionsverhandlungen
Video: Pressekonferenz mit Maria Vassilakou zur Aufnahme der Koalitionsverhandlungen

Mehr zum Thema „Übersetzer in der Politik“ im Übersetzerportal
2005-05-30: Übersetzer in der Politik: Murat Çakir ist Pressesprecher der WASG
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2005-01-16: Wettig-Danielmeier, Pieper, Flach, Schäfer, Kopp, Lietz: Unsere Vertreter im Deutschen Bundestag
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2002-10-22: Diplom-Übersetzerin Ulrike Flach mögliche Nachfolgerin von Jürgen Möllemann
2002-10-13: Diplom-Sprachmittlerin Gabi Zimmer als PDS-Parteivorsitzende wiedergewählt
2001-05-04: Diplom-Sprachmittlerin Cornelia Pieper wird FDP-Generalsekretärin

[Text: Richard Schneider. Quelle: Frankfurter Rundschau, 2010-11-14. Bild: Die Grünen Wien/Markus Rössle.]