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Archiv der Kategorie Markt

BDÜ veröffentlicht neuen Honorarspiegel für Übersetzungen und Dolmetschdienste

BDÜ-HonorarspiegelDer neue Honorarspiegel des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) ist erschienen: Er enthält Honorartabellen für Übersetzungsleistungen in 50 Sprachrichtungen, Korrekturleistungen in 13 Sprachen und Dolmetschleistungen in 20 Sprachkombinationen. Die Zahlen des Honorarspiegels beruhen auf einer branchenweiten Honorarumfrage des Verbandes im vergangenen Juni, mit der die in Deutschland erzielten Honorare aus dem Jahr 2008 erfasst wurden. An der Umfrage beteiligten sich über 1.200 freiberufliche Dolmetscher und Übersetzer sowie Übersetzungsunternehmen.

Das von der Umfrage abgedeckte Marktvolumen beläuft sich auf über 58 Millionen Euro. Damit ist dies die größte und aktuellste Umfrage in der deutschen Übersetzungsbranche. Der BDÜ führt seit 2008 jährlich im Juni eine Honorarumfrage durch. Mit der Publikation der Umfrageergebnisse will der Verband Transparenz in einem unübersichtlichen Markt schaffen.

“Die Honorare für Übersetzungen in den Hauptsprachrichtungen sind im Vergleich zum Vorjahr um fünf bis sechs Prozent gestiegen”, erläutert Wolfram Baur, Geschäftsführer der BDÜ Service GmbH, die den Honorarspiegel verlegt. So sei beispielsweise das durchschnittliche Honorar für Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche für Direktkunden in Wirtschaft und Industrie von 1,27 Euro auf 1,34 Euro pro Zeile gestiegen. Die Tages- und Stundensätze für Dolmetschleistungen hätten ebenfalls deutlich zugelegt.

Baur: “Der Honorarspiegel liefert wichtige Informationen für Übersetzer, Dolmetscher und deren Auftraggeber, die jetzt zum Jahresanfang neue Honorarsätze aushandeln.” Im Schlussteil der 90-seitigen Broschüre stehen ergänzend dazu detaillierte Erläuterungen und Modellrechnungen zur Honorarkalkulation, Musterauftragsbedingungen für
Übersetzungsleistungen und Empfehlungen für die Zusammenarbeit zwischen Übersetzern und Übersetzungsdienstleistern.

Der “Honorarspiegel für Übersetzungs- und Dolmetschleistungen in der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2008″ kostet 15,00 Euro. Interessierte können ihn
über den Buchhandel erwerben oder direkt über die BDÜ-Website unter www.publikationen.bdue.de bestellen.

BDÜ Service GmbH
Die BDÜ Service GmbH, die den Honorarspiegel verlegt und vertreibt, wurde vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) im Jahr 2003 gegründet, um die wirtschaftlichen Aktivitäten des Bundesverbandes auszuführen. Das Leistungsspektrum der BDÜ Service GmbH umfasst unter anderem die Organisation und Durchführung berufsbezogener Seminare und Fachkonferenzen, den Vertrieb branchenspezifischer Publikationen sowie werbeunterstützende Maßnahmen für Mitglieder des BDÜ (www.bdue.de).

[Text: Birgit Golms. Quelle: Pressemitteilung BDÜ, 2010-01-12. Bild: BDÜ.]

Rentnerlücke: EU sucht händeringend Dolmetscher

Dolmetscher im Europäischen Parlament

Bei der Generaldirektion Dolmetschen der Europäischen Kommission läuten die Alarmglocken: In den nächsten fünf bis zehn Jahren gehen viele Konferenzdolmetscher in den Ruhestand. Deshalb sind die Dolmetschdienste der Europäischen Institutionen auf der Suche nach hochqualifizierten Konferenzdolmetschern mit Muttersprache Deutsch, die bei den Sitzungen in Brüssel, Luxemburg und Straßburg dafür sorgen, dass die Kommunikation reibungslos verläuft.

Ein Video-Clip, der heute online geht, soll jungen Menschen in allen deutschsprachigen Ländern Einblick e in die Arbeit der EU-Dolmetscher geben und ihnen Lust auf diesen Beruf machen: “Dolmetschen für Europa – ins Deutsche.”

Warum ist die Lage wie sie ist?

Die Generaldirektion Dolmetschen steht vor einem Generationenwechsel. Ab Mitte der siebziger Jahre– nach dem Beitritt Großbritanniens, Irlands und Dänemarks und nach dem Beitritt Griechenlands 1981 – wurden viele Dolmetscher eingestellt, um den gestiegenen Bedarf zu decken. Diese Generation geht jetzt langsam in den Ruhestand. Damit es bei der Verdolmetschung hochrangiger politischer und technischer Sitzungen in den EU-Institutionen zu keinen Engpässen kommt, muss diese Lücke so rasch wie möglich geschlossen werden.

Warum ist es schwierig, Nachwuchs zu finden?

Wir leben im Zeitalter des Internets, die junge Generation bloggt, chattet und twittert. Briefe schreiben? Bücher lesen? Das ist “out”! Für den Dolmetscherberuf hat das sicht- und hörbare Folgen, denn das Wichtigste ist die Beherrschung der Muttersprache in all ihren Facetten. Doch nicht nur die umfassende Beherrschung der eigenen Sprache wird immer mehr zum Problem: Beim Fremdsprachenlernen dominiert Englisch. Sprachen, die einmal Weltsprachen waren (wie das Französische), haben ihren Status eingebüßt, andere, wie z. B. osteuropäische Sprachen, gelten als schwierig oder exotisch. Dabei sind gerade die vielen verschiedenen Sprachen ein typisches Merkmal der EU und die Förderung dieser Vielfalt ein fester Bestandteil der EU-Politik. Für die GD Dolmetschen der Europäischen Kommission und die Dolmetschdienste der anderen EU-Institutionen bedeutet das, dass es einen Bedarf an allen EU-Amtssprachen gibt.

Dolmetschen für die EU: hervorragende Berufsaussichten

Konferenzdolmetscher sorgen dafür, dass Parlamentarier, Minister, Sachverständige und Delegierte aus allen EU-Mitgliedsländern ohne Sprachbarrieren miteinander kommunizieren können. Sie sind Mittler zwischen verschiedenen Kulturen und Sprachen. Die europäischen Institutionen beschäftigen festangestellte Dolmetscher mit sicherem Arbeitsplatz und guten Karriereaussichten, sowie. Freiberufler, die selbst entscheiden, wann und wo sie für die EU arbeiten.

Gesucht werden junge, motivierte, gut ausgebildete Konferenzdolmetscher die ihre Muttersprache perfekt beherrschen und darüber hinaus noch ausgezeichnete Kenntnisse in mindestens zwei Fremdsprachen (Englisch und eine weitere EU-Sprache) mitbringen, die Interesse an fremden Kulturen und Menschen haben und das Weltgeschehen mit Neugier verfolgen.

Weiterführende Links und Informationen

Generaldirektion Dolmetschen der EU-Kommission
Anwerbeseite auf Facebook
Anwerbeseite auf Twitter
Liste mit europäischen Universitäten und Fachhochschulen, die Simultandolmetscher ausbilden

[Text: EU. Quelle: Pressemitteilung, 2009-11-20. Bild: EU.]

U-Jobs-Statistik 2008: Top 10 Sprachen und Sprachrichtungen

In der Mailingliste U-Jobs (Jobangebote für Übersetzer), die rund 2.500 Teilnehmer hat, wurden im Jahr 2008 insgesamt 1.533 Übersetzungsaufträge ausgeschrieben. Durch die breite Basis der Teilnehmer lässt die Statistik der Liste recht genaue Rückschlüsse auf die Übersetzungsbranche in Deutschland zu. Hier die Rangfolge der einzelnen Sprachen und Sprachrichtungen:

Die zehn wichtigsten Sprachen in Deutschland
(in Klammern die Werte des Vorjahres)

1. Englisch 35,02 % (36,9) aller Jobangebote
2. Französisch 13,63 % (12,5)
3. Italienisch 6,91 % (5,6)
4. Spanisch 6,00 % (6,8)
5. Russisch 5,41 % (4,3)
6. Polnisch 3,52 % (2,7)
7. Niederländisch 3,26 % (3,1)
8. Portugiesisch 3,32 % (2,0)
9. Türkisch 2,34 % (2,3)
10. Schwedisch 2,02 % (2,0)

(Platz 11: Tschechisch, 1,82 %; 12: Chinesisch, 1,76 %; 13: Slowenisch 1,50 %; 14: Norwegisch 1,17 %; 15: Arabisch, 1,10 %.)

Insgesamt wurden Aufträge für 73 verschiedene Sprachen ausgeschrieben (Vorjahr: 67). Weltweit gibt es rund 6.000 lebende Sprachen.

Die zehn wichtigsten Sprachrichtungen in Deutschland

1. Deutsch > Englisch 23,09 % (25,9)
2. Englisch > Deutsch 11,93 % (11,0)
3. Deutsch > Französisch 8,08 % (9,5)
4. Deutsch > Spanisch 3,91 % (4,5)
5. Deutsch > Italienisch 3,71 % (3,4)
6. Französisch > Deutsch 3,45 % (3,0)
7. Deutsch > Russisch 3,32 % (2,6)
8. Italienisch > Deutsch 2,47 % (2,2)
9. Deutsch > Niederländisch 2,08 % (2,3)
10. Deutsch > Polnisch 2,08 % (1,9)

Man beachte, dass 7 der 10 Sprachrichtungen vom Deutschen in eine Fremdsprache weisen. Im Land des Exportweltmeisters Deutschland wird überwiegend in die Fremdsprache übersetzt. Ein Umstand, der jedem Übersetzungsbüro bekannt, vielen Einzelübersetzern mit deutscher Muttersprache aber unbekannt ist.

Gewinner und Verlierer 2008

Den prozentual größten Zuwachs verzeichnet Portugiesisch. Macht sich da der Wirtschaftsaufschwung im Schwellenland Brasilien bemerkbar? Ebenfalls stark im Kommen: Russisch. Auch Italienisch konnte zulegen. Nicht unter den ersten zehn zu finden, aber sehr stark verbessert haben sich Tschechisch und Chinesisch.

Den prozentual größten Verlust erleidet Finnisch, gefolgt von Norwegisch sowie in geringerem Umfang Spanisch.

Italienisch und Spanisch liefern sich seit Jahrzehnten ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz 3, bei dem lange Zeit Italienisch die Nase vorn hatte. Irgendwann in den 1990er Jahren konnte die spanische Sprache wegen ihrer zunehmenden Bedeutung als Weltsprache dann den Rivalen knapp überholen. Nun liegt - vermutlich vorübergehend - Italienisch wieder vorn.

Stellt man eine 5%-Hürde auf, wird diese nur von einer Handvoll Sprachen übersprungen. 2008 ist erstmals auch Russisch dabei, so dass aus dem Kreis der großen vier Sprachen nun eine Fünfergruppe geworden ist, zu der Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch gehören.

Anhand der U-Jobs-Statistik, die für die letzten zehn Jahre vorliegt, lassen sich auch die Auswirkungen der Wirtschaftskrisen auf die Übersetzungsbranche nachweisen. Mehr dazu hier:
U-JOBS-Statistik belegt: Krise hat Übersetzungsmarkt längst erreicht

[Text: Richard Schneider. Quelle: U-Jobs-Statistik 2008, erstellt von Richard Schneider. Bild: Archiv.]

BDÜ veröffentlicht Honorarspiegel 2007

EuroDer Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) legt erstmals einen Honorarspiegel für die in der Bundesrepublik Deutschland erbrachten Übersetzungs- und Dolmetschleistungen vor.

Anders als für Leistungen in anderen freien Berufen - z. B. Leistungen von Rechtsanwälten, Architekten oder Ingenieuren - gibt es in Deutschland für die Leistungen von Übersetzern und Dolmetschern keine Gebühren- oder Honorarordnungen. Einen gewissen Anhaltspunkt für die Vergütung von Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen bietet lediglich das Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG), dessen Geltungsbereich jedoch auf die Honorierung von Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen, die für die Justiz erbracht werden, beschränkt ist.

Aus kartellrechtlichen Gründen ist es dem BDÜ - in dem mit mehr als 5.500 Mitgliedern über 75 % der berufsständisch organisierten Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland zusammengeschlossen sind - nicht gestattet, eine Honorarordnung aufzustellen oder Honorarempfehlungen abzugeben. Auch die in diesem Honorarspiegel ausgewiesenen Honorarwerte sind ausdrücklich nicht als Honorarempfehlungen zu verstehen.

Um dennoch in einem preislich für Auftraggeber und Auftragnehmer gleichermaßen weitgehend unübersichtlichen Markt für ein gewisses Maß an Transparenz zu sorgen, führt der BDÜ ab dem Jahr 2008 jährliche Umfragen über die im Vorjahr in Deutschland erzielten Honorare für Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen durch. Die in dieser Broschüre enthaltenen Honorarwerte beruhen auf der vom 01. bis 30.06.2008 über die BDÜ-Website (www.bdue.de) durchgeführten Online-Umfrage. Die hierbei ermittelten Werte stellen keine Honorarempfehlungen dar, sondern spiegeln vielmehr - im eigentlichen Sinn des Wortes „Honorarspiegel“ - die Honorarsituation für Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen im Jahr 2007 wider.

An der Umfrage beteiligten sich insgesamt 1.665 Teilnehmer, darunter 1.613 Freiberufler und 52 gewerbliche Anbieter von Übersetzungs- und Dolmetschleistungen. Das von der Umfrage abgedeckte Marktvolumen beläuft sich auf mehr als 62 Mio. Euro. Damit beruht der vorliegende Honorarspiegel auf der Umfrage mit der breitesten Beteiligung, die bisher in Deutschland durchgeführt wurde.

Anders als bei früher vom BDÜ und von anderen Verbänden sowie Hochschulen durchgeführten Umfragen bestand das Ziel der jetzigen Umfrage nicht darin, eine mehr oder weniger umfassende Analyse der Arbeits- und Einkommensbedingungen von Dolmetschern und Übersetzern zu erstellen, sondern in Honorartabellen für möglichst viele verschiedene Sprachkombinationen marktübliche Honorare zu erfassen. Der Hauptteil dieses Honorarspiegels besteht daher aus den Honorartabellen.

Ausgewiesen werden die Mittelwerte für die höchsten, niedrigsten und am häufigsten erzielten Honorare, in separaten Tabellenteilen für die Leistungsarten Übersetzungsleistungen, Korrekturleistungen und Dolmetschleistungen. Innerhalb der einzelnen Tabellenteile sind die Tabellen alphabetisch nach Sprachrichtungen (für Übersetzungsleistungen) bzw. nach Sprachen (für Korrekturleistungen) und Sprachkombinationen (für Dolmetschleistungen) geordnet.

Aus kartellrechtlichen Gründen dürfen in den Honorartabellen nur Mittelwerte für solche Leistungen ausgewiesen werden, in deren Berechnung mindestens fünf Einzelwerte eingingen. Um insbesondere auch für seltener nachgefragte Sprachen zu veröffentlichungsfähigen Werten zu gelangen, war es daher erforderlich, die Umfrage auf die häufigsten Abrechnungsmodi zu beschränken. Auch von einer - an sich durchaus wünschenswerten - weiteren Differenzierung der abgefragten Honorarwerte, beispielsweise nach Fachgebieten, Textsorten oder Verwendungszweck der Übersetzung, wurde im Hinblick auf die Erfüllung dieser kartellrechtlichen Vorgabe Abstand genommen.

Weiter ist es nach den kartellrechtlichen Vorgaben zwingend erforderlich, dass zwischen dem Zeitraum, für den die Daten erhoben werden, der Umfrage selbst und der Veröffentlichung des Honorarspiegels ein bestimmter Zeitabstand besteht; aus diesem Grund wurde die Online-Umfrage zur Datenerhebung für das Jahr 2007 bewusst erst im Juni 2008 durchgeführt und der vorliegende Honorarspiegel erst zum Jahresende 2008 veröffentlicht.

Über die Honorartabellen hinaus enthält diese Broschüre im Schlussteil Ausführungen zur Kalkulation von Honoraren für Übersetzungs- und Dolmetschleistungen. Dieser Teil wurde in den vorliegenden Honorarspiegel aufgenommen, um sowohl freiberuflich tätigen Dolmetschern und Übersetzern als auch Auftraggebern einige grundsätzliche Überlegungen im Hinblick auf eine nachhaltige Kalkulation von Honoraren für Übersetzungs- und Dolmetschleistungen näherzubringen.

Honorarspiegel für Übersetzungs- und Dolmetschleistungen in der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2007.
ISBN 978-3-938430-20-0, 84 Seiten, Preis: 15,00 Euro
Bestellung unter www.bdue.de > Publikationen

[Text: BDÜ. Quelle: Mitteilung BDÜ Service GmbH, 2009-01-07.]

U-JOBS-Statistik belegt: Krise hat Übersetzungsmarkt längst erreicht

U-Jobs 1999-2008

Während viele Übersetzer noch rätseln, ob sich die aktuelle Weltwirtschaftskrise auf ihr Geschäft auswirken wird, belegt die Statistik der Mailingliste U-Jobs, dass der Abschwung den Übersetzungsmarkt längst erreicht hat - und zwar schon im Jahr 2007.

Richard Schneider, Mitbegründer der seit 1993 bestehenden Jobvermittlungsplattform für Übersetzer, führt die Statistik seit zehn Jahren. Er beobachtete bereits in den vergangenen Jahren, dass die U-Jobs-Daten durch ihre breite Basis von rund 2.500 teilnehmenden Übersetzern den Konjunkturverlauf der Branche sehr exakt nachzubilden scheinen. Eine Vermutung, die durch die deutlichen Spuren der gegenwärtigen Rezession in der U-Jobs-Kurve bestätigt wurde.

Was zeigen uns die Daten?

  • Der Übersetzungsmarkt reagiert nicht - wie andere Branchen - mit einer monate- oder jahrelangen Verzögerung auf den allgemeinen Konjunkturverlauf. Im Gegenteil: Er reagiert sehr sensibel und umgehend auf jede konjunkturelle Auf- oder Abwärtsbewegung.
  • Der Konjunkturverlauf des Übersetzungsmarktes scheint ein Sägezahnmuster aufzuweisen. Wobei jede nachfolgende Spitze etwas höher ausfällt als die vorangehende und jedes nachfolgende Tal nicht so tief ist wie das vorangehende. Im Durchschnitt und über Jahrzehnte betrachtet nimmt das Übersetzungsvolumen also stetig zu.

Prognose: Es ist davon auszugehen, dass die aktuelle Krise (2007/2008) die Wirtschaft heftiger treffen wird als die vorangehende der Jahre 2000/2001 (Platzen der Internet-Blase, Anschläge vom 11. September). Hinzu kommt, dass die Übersetzungsbranche in einem extrem exportabhängigen Land wie Deutschland wahrscheinlich stärker als in anderen Ländern betroffen sein wird.

Die U-Jobs-Kurve dürfte demnach noch mindestens drei weitere Jahre nach unten weisen. Nach der Krise von 2000/2001 ging es für die Übersetzungsbranche vier Jahre lang bergab, diesmal dürfte der Abschwung mindestens fünf Jahre dauern. Erst 2012 ginge es dann wieder bergauf.

Was bedeutet das für die Preise? Sie werden weiter stagnieren.

Schwere Zeiten für Übersetzer? Nicht unbedingt. Die Tatsache, dass das Übersetzungsvolumen insgesamt über einen Zeitraum von fünf Jahren deutlich langsamer steigt, stagniert oder sinkt, muss sich nicht zwangsläufig auf jeden einzelnen Übersetzer auswirken.

Zahlreiche Übersetzer berichten, dass sie von einer Krise nicht das Geringste spüren. Jüngere Kollegen, die sich noch in der Wachstumsphase befinden, werden auch weiterhin jedes Jahr mehr verdienen können. Nebenberufler, schlechte oder unternehmerisch und finanziell unbegabte Kollegen werden es hingegen schwerer haben. Sprachdienstleister, die seit Jahren oder Jahrzehnten etabliert sind, werden Krisenzeiten wie diese grundsätzlich leichter bewältigen als Neueinsteiger. Im Grunde verschärft und beschleunigt die Rezession lediglich die ohnehin stets ablaufenden Ausleseprozesse.

Links zum Thema im Übersetzerportal
Wirtschaftskrise und Übersetzungsmarkt
U-JOBS-Statistik 2005: Bestes Jahr bisher – Indiz für Trendwende auf Übersetzungsmarkt?

Wirtschaftskrise und Übersetzungsmarkt

Die USA als Urheber der Krise wird es wohl übel erwischen. Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass die Vereinigten Staaten acht bis zehn Jahre benötigen werden, um ihre Wirtschaft wieder auf das Vorkrisenniveau hochzufahren.

Glaubt man den Prognosen, wird die Talsohle Europa mit einer Verzögerung von rund eineinhalb Jahren erreichen. Die Auswirkungen sollen nicht so stark sein und mit rund fünf Jahren nicht so lang anhalten wie in den USA. Dennoch handelt es sich auch in Europa um die stärkste Rezession seit 1945. Und Deutschland als Exportweltmeister ist in besonderem Maße von der Weltkonjunktur abhängig.

Welche Auswirkungen wird dies auf den Übersetzungsmarkt haben? Diese Frage wurde in den letzten Wochen in vielen Online-Foren der Branche diskutiert.

Bei vielen Einzelübersetzern ist von einer Krise derzeit nichts zu spüren. Im U-Forum schreibt Brigitta Lange: “Bei mir wird es von Jahr zu Jahr mehr. Dieses Jahr boomt das Geschäft ohne Ende.” Ähnlich Steffen Walter auf ProZ: “Bei mir herrscht ‘business as usual’, und zwar auf stetig höchstem Auslastungsniveau.” Der auf Finanzübersetzungen spezialisierte Ralf Lemster erklärt, er habe zurzeit “noch mehr Arbeit”.

Janet Rubin in Australien hingegen schreibt auf ProZ, sie habe in der letzten Zeit etwas weniger Aufträge erhalten. Auch die Übersetzungsbüros, mit denen sie zusammenarbeite, gäben freimütig zu, dass die Auftragslage zurzeit “sehr ruhig” sei. Aber vielleicht handele es sich dabei nur um das übliche Auf und Ab des Übersetzungsgeschäfts. David Parry erwartet einen gewissen Rückgang des Übersetzungsvolumens, den er schon bei der letzten Krise gespürt habe. Parry versucht, mit verstärkter Direktkundenakquise und einer intensiveren Kooperation mit Kollegen gegenzusteuern.

Hans-Jürgen Stellbrink weist im U-Forum darauf hin, dass sich die Wechselkursproblematik im internationalen Geschäft verschärfen dürfte, vor allem bei der Arbeit für britische und amerikanische Kunden. Bei einzelnen Direktkunden bestehe das Risiko eines Totalausfalls, vor allem bei Banken und Finanzdienstleistern, wenn diese insolvent sind, aufgespalten oder übernommen werden. “Eine Preisbewegung nach unten ist kaum zu erwarten, denn die Preise liegen schon heute oft unter den Selbstkosten”, so Stellbrink.

Robin Bonthrone weist auf ProZ darauf hin, dass in den nächsten Jahren wohl kein Spielraum für Preiserhöhungen besteht: “Nobody’s going to accept a price increase from a translator while they themselves are being expected to make concessions on pay and conditions.” Andererseits werde es von Direktkunden aber auch kaum Forderungen nach Preissenkungen geben. Der Preisdruck gehe in erster Linie von den Übersetzungsbüros aus. Einzelübersetzern empfiehlt er, hart zu bleiben und die Preise nicht zu senken.

Richard Schneider meint: “Am wahrscheinlichsten ist, dass die aktuelle Krise heftiger, aber im Prinzip nicht anders ablaufen wird als die letzte Wirtschaftskrise, die 2000/2001 begann (Platzen der Internet-Blase, Anschläge vom 11. September). Das Übersetzungsvolumen wird nicht mehr zweistellig, sondern nur noch einstellig wachsen. Einige Branchen werden stärker als andere betroffen sein (Finanzen, Automobil), manche überhaupt nicht (Pharma). Zum absolut krisenfesten Segment gehört die Arbeit für Gerichte und die Polizei.”

Im Gegensatz zu vielen Zweckoptimisten geht Schneider davon aus, dass die Übersetzungsbranche die Krise durchaus zu spüren bekommt: “Wie beim letzten Mal werden etliche Nebenberufler und viele schlechte Übersetzer den Beruf an den Nagel hängen. Auch für Übersetzungsbüros, die stark expandieren und dieses Wachstum auf Pump finanzieren, könnte es brenzlig werden. Das gilt ebenso für ehrgeizige Web-basierte Projekte wie tolingo und TypeTime Translations. In Krisenzeiten ist es für Neueinsteiger oft schwieriger, die Durststrecke der ersten drei Jahre zu überstehen. Etablierte Anbieter dürften hingegen eher gestärkt aus der Krise hervorgehen.”

Auch Schneider geht davon aus, dass die Preise für Übersetzungen stagnieren werden. Der anhaltenden Schwäche von Dollar und Pfund kann er sogar Vorteile abgewinnen: „Englisch wird billiger.“

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