Latein als Epi-Sprache zur Übersetzung von Arabisch, Chinesisch und Persisch im 17. bis 19. Jahrhundert

Reinhold Glei

Prof. Dr. Reinhold Glei untersucht, wofür die lateinische Sprache im 17. bis 19. Jahrhundert eingesetzt wurde.

Der Bochumer Philologe Prof. Dr. Reinhold Glei hat herausgefunden, warum Latein im 17. bis 19. Jahrhundert immer noch in zahlreichen Schriften auftauchte, obwohl es längst keine gesprochene Sprache mehr war. Latein diente in dieser Zeit als Instrument, um Sprachen, die bis dahin in der abendländischen Kultur wenig bekannt waren, zu übersetzen.

Die Gelehrten bauten die Sätze der fremden Sprachen mit Latein nach und erhielten so eine Textgrundlage für weitere Analysen. Die Übersetzer mussten sich dabei nicht an bestimmte sprachliche Vorgaben im Lateinischen halten, weil es keinen Muttersprachler mehr gab, der sich an einem ungewöhnlichen lateinischen Satzbau hätte stören können.

Arabisch, Chinesisch, Sanskrit: Die neuartigen Satzstrukturen der Sprachen forderten die Gelehrten in der Frühen Neuzeit heraus. „Hätte man die fremdsprachlichen Texte zum Beispiel mit Deutsch übersetzt, wäre man an die entsprechenden grammatikalischen Strukturen gebunden gewesen. Mit Latein war man freier in der Übersetzung“, so Glei.

Textbeispiel

Die lateinische Übersetzung links neben dem arabischen Text hilft, die grammatikalische und inhaltliche Struktur des Originals besser als mit einer direkten deutschen Übersetzung abzubilden.

 

Diese Anwendungsmethode nennt der Philologe Epi-Sprache, wobei das griechische Wort Epi „auf“ und „über“ bedeutet. Latein wurde über die fremde Sprache gelegt. So konnten die Übersetzer die unbekannten Strukturen abbilden.

Für seine Erkenntnisse recherchierte Reinhold Glei unter anderem arabische, chinesische und persische Texte und ihre entsprechenden lateinischen Übersetzungen aus der Zeit vom 17. bis 19. Jahrhundert. Zum Beispiel untersuchte er verschiedene Koranübersetzungen. Auszugsweise verglich Glei die Texte mit ihren lateinischen Übersetzungen. Dabei arbeitete er heraus, inwiefern die lateinische Version die Strukturen und Bedeutungen des Originals abbildet.

Die Anwendung der Epi-Sprache hatte den Vorteil, Texte zunächst neutral übersetzen zu können, bevor eine Version in der entsprechenden Volkssprache entstand. „Als Christen die ersten Koranübersetzungen machten, wurde der Text meist ideologisch aufgeladen. Das führte zu Verfälschungen in der Bedeutung“, sagt Glei. Mit Latein als Epi-Sprache wurde das Problem zwar nicht komplett behoben, aber es war möglich, die Struktur des Arabischen neutraler darzustellen.

Noch steht die Forschung zur Epi-Sprache in den Anfängen. Reinhold Glei möchte aber weitere lateinische Übersetzungen aus verschiedenen Sprachen analysieren, um die Funktion der Epi-Sprache besser verstehen zu können. Auch eine andere ehemalige Weltsprache, nämlich das Altgriechische, möchte Glei genauer untersuchen. Sein erster Eindruck ist jedoch: „Das Altgriechische scheint seltener als Epi-Sprache aufzutreten. Vielleicht weil es eben nicht tot ist, sondern im Neugriechischen weiterlebt.“

Weiterführender Link

[Text: Ruhr-Universität Bochum (RUB). Quelle: Pressemitteilung RUB, 2017-03-27. Bild: Damian Gorczany für RUB.]

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