Uni Bonn: Forschungsprojekt “Perso-Indica” zur Übersetzungspraxis der Großmoguln in Indien

Eva Orthmann

Prof. Dr. Eva Orthmann von der Abteilung für Islamwissenschaft der Universität Bonn betreut das Forschungsprojekt Perso-Indica.

Mehr als ein halbes Jahrtausend lang regierten muslimische Herrscher in Indien. Sie ließen zahlreiche Texte aus den indischen Sprachen ins Persische übersetzen: Es war einer der bedeutendsten Wissenstransfers der Weltgeschichte. Die Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Eva Orthmann von der Universität Bonn sammelt und untersucht diese Übersetzungen gemeinsam mit der Universität Sorbonne nouvelleParis 3.

Der Wahlsieg des Nationalisten Narendra Modi hat das schwierige Miteinander von Hindus und Muslimen in Indien wieder ins Blickfeld der Welt gerückt. Er ist nur das neueste Kapitel einer langen Geschichte zweier Kulturen – denn seit Jahrhunderten ist auch der Islam ein Teil der indischen Gesellschaft.

Forschungsprojekt „Perso-Indica“ in Bonn, Paris und Chapel Hill

Mit dieser bedeutsamen Begegnung befasst sich das Forschungsprojekt „Perso-Indica“ an der Universität Bonn: Prof. Dr. Eva Orthmann von der Abteilung für Islamwissenschaft und Nahostsprachen betreut es gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Fabrizio Speziale, der einen CNRS-Lehrstuhl an der Universität Sorbonne nouvelle – Paris 3 innehat. Beteiligt ist auch Prof. Carl W. Ernst von der North-Carolina-Universität in Chapel Hill (USA).

Mehr als ein halbes Jahrtausend lang herrschten Muslime über große Teile des indischen Subkontinents: Im Jahre 1206 entstand das „Sultanat von Delhi“, ihm folgte von 1526 bis 1858 das Reich der Großmoguln.

Kulturtransfer durch Übersetzungen ins Persische

Die Eroberer fanden eine hochentwickelte Kultur vor: philosophische Lehrbücher und historische Epen etwa, erotische Dichtung, aber auch wissenschaftliche Untersuchungen etwa zur Medizin, Mathematik und Astronomie. Vieles ließen die neuen Herrscher in die Sprache der muslimischen Eliten in Indien übersetzen, ins Persische.

Es war vielleicht der weltweit bedeutsamste Kulturtransfer von einer Sprache zur anderen, seit die wissenschaftlichen Texte der griechischen Antike ab dem 8. Jahrhundert ins Arabische übersetzt wurden und so dem Vergessen entgingen.

In einer Datenbank sollen alle Texte erfasst werden

„Perso-Indica“ ist in vieler Hinsicht ein Pionierprojekt, sagt Prof. Orthmann: „Zum Beispiel, weil wir nicht einmal wissen, wie viele solche Texte es überhaupt gibt. Der erste Schritt ist deshalb, sie alle zu erfassen.“ Die Forscher haben eine Online-Datenbank konstruiert, in die zahlreiche Experten weltweit ihre Erkenntnisse eintragen sollen.

Was wurde übersetzt und warum?

Anschließend stellt sich für jeden Text eine Vielzahl von Fragen: Wer ließ welchen Text übersetzen? Wann und wo? Für welchen Leserkreis? Und warum? „Solche Übersetzungen macht man nicht einfach so“, sagt die Islamwissenschaftlerin. „Sie kosten viel Geld. Wir fragen also: Welche Interessen standen dahinter?“

Einfache Antworten auf diese Fragen gibt es nicht. „Für Medizin und Mathematik lässt sich ganz pragmatisch ein wissenschaftliches Interesse annehmen.“ Aber was wollten die Moguln wohl mit einer persischen Version des Nationalepos „Mahabharata“? Es ist vier Mal so lang wie Tolkiens ganzer „Herr der Ringe“.

Prof. Orthmann vermutet dahinter eine politische Absicht: „Eine Theorie ist, dass die Mogulkaiser das Epos vor allem als eine Darstellung von indischen Herrschern und ihrer Geschichte verstanden.“ Indem sie es in die persische Literatur einfügten, stellten sie sich im Gegenzug zugleich in die Tradition der indischen Könige.

Im 18. Jahrhundert begann der Stern der Moguln zu sinken: Die Briten eroberten Indien und erlagen bald selbst der Faszination der jahrtausendealten Kultur. Um sie kennenzulernen, nutzten auch sie zunächst den Umweg über das Persische: Die spätesten Perso-Indica-Texte stammen aus den 1830er Jahren und entstanden im Auftrag britischer Forscher und Militärs.

Der Mogulkaiser und die Astrologie

Rund 25 Experten beteiligen sich an dem Projekt; neun davon betreuen die einzelnen Themenbereiche, denen sich die Übersetzungen zuordnen lassen. Prof. Orthmann hat den Komplex „Astrologie“ übernommen: „Nicht, weil ich zuhause eifrig Horoskope stellen würde – sondern weil die Geheimwissenschaften damals eine wichtige Rolle spielten. Der zweite Mogulkaiser Humayun etwa: Er hat die Astrologie zur Festigung seiner Legitimität genutzt und sich als »Sonnenherrscher« inszeniert.“

Sprach- und kulturwissenschaftlich besonders interessant ist laut Prof. Orthmann dabei auch, welche persischen Wörter die Übersetzer für hinduistische Begriffe fanden, die es im Islam nicht gibt – zum Beispiel für „Yoga“ oder für „Holi“, ein religiöses Volksfest der Hindus. „Unser Ziel ist, hierzu ein spezielles Online-Wörterbuch aufzubauen, in dem die Begriffe und ihre jeweiligen Übersetzungen kontextbezogen angegeben werden“, kündigt die Bonner Expertin an.

Fördergelder von DFG und ANR

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und ihr französisches Pendant ANR fördern das Vorhaben mit insgesamt 470.000 Euro. Ab Oktober 2014 finanzieren sie drei Jahre lang für Bonn und Paris je eine Postdoktorandenstelle, die technische Infrastruktur der Textdatenbank sowie jährlich ein Expertentreffen. Ein Kongress zum Thema ist für September 2015 in der indischen Metropole Delhi geplant

[Text: Prof. Dr. Eva Orthmann / Universität Bonn. Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 2014-07-11. Bild: Volker Lannert / Universität Bonn.]

Aufgehübscht und mehr Funktionen: Plunet veröffentlicht Version 6.0 seines Translation-Management-Systems

Plunet 6.0

Die jetzt veröffentlichte Version 6.0 des Plunet BusinessManagers glänzt durch ein brandneues Design, zukunftsweisende Workflow-Automatismen und eine abermals erweiterte Flexibilität im Rechtemanagement. Plunet will damit den neuen Branchenstandard für softwarebasiertes Business- und Übersetzungsmanagement definieren.

Optimiertes Oberflächen-Design mit Farbschemen und Web-Typografie

Eine der offensichtlichsten Neuerungen in Version 6.0 ist das stark optimierte Oberflächen-Design, durch welches alle Nutzer nicht nur funktional, sondern auch optisch auf die modernste Arbeitsumgebung zurückgreifen können.

So gibt es jetzt verschiedene wählbare Oberflächen-Farbschemen. Das ist genau das richtige für alle, die ihr Plunet auch visuell an den persönlichen Geschmack oder das eigene Corporate Design beziehungsweise das der Kunden anpassen möchten.

Ab Plunet 6.0 wird durch die Einführung einer neuen, sehr klaren Web-Typo die Lesbarkeit der Inhalte deutlich erhöht. Zusätzlich dazu wurden die Überschriften vergrößert, nicht eindeutige Designbuttons in leicht verständliche Textbuttons geändert und die einzelnen Bereiche klar voneinander abgegrenzt und aufgeräumt.

Durch die kontinuierliche Optimierung der grafischen Benutzeroberfläche wird die Usability in allen Systembereichen stetig verbessert. Plunet 6.0 sorgt für mehr Übersichtlichkeit und flüssigere Arbeitsabläufe im täglichen Projektmanagement.

Workflowautomatisierung verkürzt Time-to-Market

Plunet baut mit Version 6.0 seine Workflow-Automatismen weiter aus. Bisher war es bereits möglich, die kompletten Produktionsabläufe eines Projekts über vordefinierte Workflowketten automatisch durchlaufen zu lassen.

Ein einfaches Beispiel: Bei dem Workflow „Translation – Editing – Proofreading“ startet nach der Beauftragung des Übersetzers durch den Projektmanager der Übersetzungsjob. Wird dieser vom Übersetzer geliefert, erkennt das das System und initiiert automatisch den darauffolgenden Editing-Job, und so weiter. Die Automatisierungskette läuft so lange bis der finale Proofreading-Job geliefert wird.

Genau an dieser Schlüsselstelle geht Plunet nun noch einen Schritt weiter und bietet mit der automatischen Kundenlieferung die nächste große Automatisierungsstufe. Die bisher manuell erfolgte Lieferung der fertigen Projekte an den Kunden kann ab sofort als Automatik-Job definiert und nahtlos in die automatischen Workflows integriert werden.

Je nach Konfiguration der AUTO-Lieferung kann diese wie gewohnt ganz flexibel per E-Mail, Downloadlink oder über das Kundenlogin erfolgen. Selbstverständlich werden die Projektstatus gleich mitaktualisiert.

Für Plunet-Kunden ergibt sich durch die Durchautomatisierung der Produktions- und Lieferketten eine deutliche Zeitersparnis und eine Steigerung der Gesamtqualität durch Minimierung fehleranfälliger manueller Tätigkeiten.

Mehr Flexibilität durch erweitertes Rechtemanagement

Ein professionelles Rechtemanagement sollte zur Grundausstattung jeder guten Translation-Management-Software gehören. Plunet bietet auch hier hinsichtlich Funktionsumfang und -tiefe ein Angebot, das wohl als branchenweit einzigartig bezeichnet werden kann.

Mit der neuen Version 6.0 ist es nun möglich, hochgranulierte und sehr flexible Lese- und Bearbeitungsrechte in allen Teilbereichen in Kontakten, Angeboten, Aufträgen und Jobs pro Mitarbeiter zu vergeben. Damit wird das Plunet-Rechtemanagement auf die gesamte dritte Menüebene erweitert.

In der Praxis kann man so beispielsweise bestimmten Mitarbeitern Leserechte für Kundeninformationen und Preise eines Auftrags geben, jedoch eine unerwünschte Bearbeitung unterbinden. Speziell in Unternehmen mit arbeitsteiligen Unternehmens- und Mitarbeiterstrukturen sowie hohen internen Qualitäts- und Sicherheitsstandards ist diese Funktionalität von großem Wert.

Weitere Neuerungen:

  • Mehrere Angebotsvarianten in einem Dokument in Plunet 6.0
  • Mitarbeiter und Kunden bestimmten Buchungskreisen zuordnen
  • Automatisch Aufträge in anderen Buchungskreisen anlegen
  • Neue Kapazitätsauslastung in der Mitarbeitersuche
  • Mehr Usability durch Kontextmenüs im Kommunikationsbereich
  • Neue Plunet-Login Seite
  • Prozentuale Übertragung der Mengen und Preiseinheiten von Positionen in die Jobs
  • Neue Textbausteine für individuelle Zahlenfelder

Über Plunet

Die Plunet GmbH mit Niederlassungen in Würzburg, Berlin und New York entwickelt und vertreibt die Business- und Translation Management Software “Plunet BusinessManager”, eine der weltweit führenden Managementlösungen für die Übersetzungs- und Lokalisierungsbranche.

Die webbasierte Plattform für Business-, Workflow- und Dokumentenmanagement integriert Übersetzungssoftware, Finanzbuchhaltungssysteme sowie bestehende Systemlandschaften für Übersetzungsagenturen und Sprachendienste.

Individuelle Unternehmensabläufe und Strukturen werden durch die vielfältigen Plunet-Funktionen und Erweiterungen sowie eine intelligente Prozessautomatisierung flexibel unterstützt. Die Grundfunktionen beinhalten unter anderem: Angebots-, Auftrags- und Rechnungsmanagement – inklusive umfassender Finanzreports, flexibles Job- und Workflowmanagement sowie Termin-, Dokumenten- und Customer Relationship Management.

www.plunet.com

[Text: Plunet. Quelle: Pressemitteilung Plunet, 2014-08-18. Bild: Plunet.]

“Der Preisdruck war zu groß” – Wenn freie Übersetzer das Handtuch werfen und umschulen

Sich als Freiberufler direkt nach dem Studium eine Existenz aufzubauen, ist nicht einfach – auch nicht in der von jährlichen Zuwachsraten von über 10 % verwöhnten Übersetzungsbranche. Selbst wenn alles nach Plan verläuft, dauert es in der Regel zwei Jahre, bis man von den Einnahmen einigermaßen gut leben kann.

Was machen eigentlich diejenigen, die diese Durststrecke nicht durchstehen? Die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung berichtet von der Übersetzerin Nina Burr, die sich im Rathaus von Fockbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) zur Verwaltungsfachangestellten umschulen lässt:

Die 36-Jährige macht eine zweieinhalbjährige Umschulung. Ihr alter Beruf bereitete ihr keine Freude mehr. Sie hat Diplom-Übersetzerin für Englisch und Spanisch studiert und sechs Jahre als Selbstständige gearbeitet. „Aber es hat nicht funktioniert. Es ist ein hart umkämpfter Markt. Der Preisdruck war zu groß.“ Da sie ein Händchen für den Umgang mit Gesetzestexten hat, entschloss sie sich, eine Karriere in der Verwaltung zu starten. „Sechs Wochen habe ich nach einem Umschulungsplatz gesucht und dabei vier Verwaltungen gefragt, aber es gab keine freien Plätze mehr.“ Die schriftliche Bewerbung in Fockbek brachte schließlich den Erfolg.

Eine Garantie für eine Weiterbeschäftigung in der Stadtverwaltung nach Abschluss der Ausbildung gibt es nicht, aber die Zeitung zitiert den Fockbeker Bürgermeister mit der Aussage, dass Chancen dafür durchaus vorhanden sind.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Schleswig-Holsteinische Landeszeitung, 2014-08-06.]

Asylbewerber: In welchen Fällen übernimmt der Staat die Dolmetschkosten für Therapien?

Asylbewerber in Deutschland haben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) in der Regel Anspruch auf Dolmetscherleistungen, wenn diese zur Sicherung der Gesundheit erforderlich sind, schreibt das Greenpeace-Magazin.

Spezielle Angebote gebe es bei psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer. Da diese allerdings keine Krankenkassenzulassung besäßen, könnten psychotherapeutische Leistungen dort nur über das AsylbLG oder Drittmittel finanziert werden.

Flüchtlinge, die zwei Jahre Grundleistungen nach dem AsylbLG erhalten hätten oder erwerbstätig würden, hätten üblicherweise Ansprüche auf die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung, heißt es in dem Artikel. Die Übernahme der Kosten von verordneten Dolmetschern gehöre laut dem Stuttgarter Integrationsministerium aber nicht dazu.

Im Einzelfall seien jedoch Ausnahmen möglich. So könnten Dolmetscherkosten etwa im Rahmen der Sozialhilfe je nach Schwere, Dringlichkeit und Bewertung der Behandlungsbedürftigkeit der zugrundeliegenden Erkrankung übernommen werden. Voraussetzung sei, dass die von der Krankenkasse bewilligte Leistung (etwa eine Psychotherapie) nur mit einem Dolmetscher wirksam in Anspruch genommen werden könne.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Greenpeace-Magazin, 2014-08-05.]

Was bringt die neue Norm DIN EN ISO 17100 “Übersetzungsdienstleistungen”?

QualitätsmanagementIm Juli 2013 erschien der Norm-Entwurf prEN ISO 17100 “Übersetzungsdienstleistungen – Anforderungen an Übersetzungs- dienstleistungen”. Diese weltweit gültige Norm ist als Ersatz für die Europäische Norm DIN EN 15038 aus dem Jahre 2006 geplant und soll Ende 2014 / Anfang 2015 in Kraft treten.

Die alte und noch aktuelle europäische Norm 15038 regelt unterschiedliche Aspekte der Übersetzungsarbeit. Sie bestimmt im Wesentlichen die Anforderungen an die Qualifikation der Übersetzer und schreibt eine Qualitätsprüfung nach dem Vier-Augen-Prinzip vor.

Was sind die wichtigsten Änderungen im neuen Norm-Entwurf 17100 und was bedeuten sie für die Übersetzungsbranche?

Maschinelle Übersetzung ausgeschlossen

Im Anwendungsbereich (Kap. 1) schließt die Norm ausdrücklich “die Verwendung von Rohdaten einer maschinellen Übersetzung plus Nachbearbeitung (Posteditieren)” aus. Angesichts der Tatsache, dass heute alle führenden Translation-Memory-Systeme die Integration maschineller Übersetzungsvorschläge in ihrem Editor anbieten, müsste dies noch genauer definiert werden.

Kompetenzen der Übersetzer genauer definiert

Eine sinnvolle Erweiterung der Anforderungen an die Kompetenz in den betroffenen Fachgebieten der Übersetzer wurde im Kapitel 3 (Ressourcen) aufgenommen. Es steht nun ausdrücklich in der Norm, dass Übersetzer die Fähigkeit mitbringen sollen, “Inhalte, die auf dem Sachgebiet des ausgangssprachlichen Inhalts erstellt wurden, zu verstehen und mit ihnen umzugehen”.

Neu: Kompetenzen der Projektmanager

Neu ist auch das Erwähnen der Kompetenzen von Projektmanagern (“Projektleitende”), was allerdings in der gewählten Formulierung (“Verständnis für die Übersetzungsdienstleistungsbranche”, “Wissen über den Übersetzungsprozess” und “Fertigkeiten im Projektmanagement”) noch sehr allgemein bleibt. Hier hätte man angesichts der wachsenden Komplexität dieser Aufgabe Genaueres erwartet.

Neu: Pflicht zur Weiterbildung

Sinnvoll ist die Forderung nach einem Weiterbildungskonzept. Übersetzer, “Redigierende” (gemeint sind die Lektoren, die die Übersetzungen prüfen) und weitere Beteiligte am Prozess müssen ihre Kompetenzen pflegen und aktuell halten, was der Übersetzungsdienstleister nachweisen muss.

Struktur orientiert sich an Abwicklungsprozess eines Übersetzungsauftrags

Die Struktur der neuen Norm unterscheidet sich von der DIN EN 15038 dadurch, dass sie sich am Abwicklungsprozess eines Übersetzungsauftrags orientiert, den sie in drei Kapiteln abbildet:

  • Kapitel 4: Produktionsvorbereitende Prozesse und Tätigkeiten
  • Kapitel 5: Produktionsprozesse
  • Kapitel 6: Produktionsnachbearbeitende Prozesse

Die DIN EN ISO 17100 nennt unter 3.2 (Technische und technologische Ressourcen) explizit den Einsatz von Übersetzungstechnologien, Übersetzungsmanagementsystemen und Terminologieverwaltungssystemen.

Neu: Feedback-Verfahren

Zum Abschluss eines Projekts erwähnt die Norm zwei Punkte: Feedback und abschließende verwaltungstechnische Vorgänge. Der Dienstleister muss ein Verfahren zur Umsetzung von Kundenrückmeldungen haben und möglichst auch die Übersetzer sowie andere Beteiligte informieren. Verwaltungstechnische Schritte beziehen sich auf das Archivieren und die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen.

Abschließende Tätigkeiten wie das Pflegen von Translation-Memorys oder von Terminologiebeständen werden hier nicht angeführt, obwohl sie für die Sicherstellung anhaltender Übersetzungsqualität wichtig sind.

Neu: ISO-Norm gilt weltweit

Die Norm bietet zwar keine absolute Garantie für eine gute Übersetzungsqualität. Sie legt aber gegenüber der DIN EN 15038 den Rahmen für Qualitätsprozesse enger fest, indem sie u. a. eine fachliche Eignung der Übersetzer verlangt und die Aufgaben des Projektmanagements erwähnt. Ferner hat sie den Vorteil, dass sie als ISO-Norm weltweit gültig ist.

Ein altes Problem bleibt bestehen: Neben Zertifizierung weiterhin Registrierung möglich

Wie schon bei der DIN EN 15038 haben Sprachdienstleister auch künftig die Möglichkeit, sich bei der DIN CERTCO als normenkonform registrieren zu lassen. Das Bezahlen der Gebühr von 235,00 Euro (zzgl. MwSt.) ist jedoch mit keinerlei Auditierung verbunden. Es handelt sich somit lediglich um eine eigenverantwortlich abgegebene Konformitätserklärung zur neuen Norm.

Diese Möglichkeit, sich ohne unabhängige Prüfung als normkonformer Sprachdienstleister zu präsentieren, ist denjenigen Anbietern, die eine teure (mehrere Tausend Euro) und aufwändige Zertifizierung durchlaufen haben, schon seit Langem ein Dorn im Auge. Sie sähen die Billigvariante der Registrierung, die einem Missbrauch Tür und Tor öffnet, am liebsten ganz abgeschafft.

Die Gruppe der Registrierten ist zahlenmäßig jedoch wesentlich größer (mehrere Hundert) als die der Zertifizierten (wenige Dutzend). Registriert sind eher die kleineren und zertifiziert eher die größeren Büros.

[Text: D.O.G. Dokumentation ohne Grenzen GmbH, leicht abgeändert und ergänzt von Richard Schneider. Quelle: D.O.G. news, 03/2014. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Dr. François Massion. Bild: Doc Rabe Media / Fotolia.]

Transline-Praxisworkshop “Der Terminologieleitfaden als Steuerungs- und Qualitätssicherungsinstanz”

WorkshopDie Terminologieexperten des Sprachdienstleisters Transline Deutschland geben im Oktober wichtige Impulse für den Aufbau und die Steuerung unternehmenseigener Terminologiebestände.

Wer teilnehmen möchte, muss allerdings schnell sein: Beim letzten Mal war der Praxisworkshop zum Thema „Der Terminologieleitfaden als Steuerungs- und Qualitätssicherungs- instanz“ schon nach kurzer Zeit mit Teilnehmern aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgebucht.

Bei der Wiederholung des Workshops am 16. Oktober 2014 in Stuttgart soll daran angeknüpft werden. Abermals werden die erfahrenen Referenten vom Sprachdienstleister Transline über Theorie und Praxis des Terminologiemanagements informieren.

Die Teilnehmer lernen in Vorträgen und vor allen Dingen auch durch praktisches Anwenden in kleinen Arbeitsgruppen, wie der eigene Terminologiebestand durch gesteuerte Strukturierungsmaßnahmen verbessert werden kann.

Regina Krüger, Leiterin Customer Relationship Management bei Transline, erläutert in ihrer Einführung den Weg von der Absicht, Terminologiearbeit zu machen, bis zur tatsächlichen Umsetzung. Im Anschluss werden Dr. Heidrun Ludolf, Terminologin und technische Redakteurin, sowie Johannes Widmann, Leiter Qualitäts- und Terminologiemanagement, weitere Einblicke in die Thematik der Terminologie geben.

Am Nachmittag werden die Teilnehmer unter Anleitung der Experten an ihrem eigenen Terminologiebestand arbeiten. Zur aktiven Hilfe erhalten alle Teilnehmer einen Musterterminologieleitfaden, den sie dann weiter an das eigene Unternehmen anpassen können.

Aber auch die Vernetzung mit den anderen Teilnehmern soll nicht zu kurz kommen: Beim Frühstückskaffee wie beim gemeinsamen Mittagessen bleibt genügend Zeit für einen regen Erfahrungsaustausch über individuelle, praktische Anwendungsfälle.

Eine Teilnehmerstimme vom Januar 2014: „Sehr gute Hinführung zur Problematik ‘Terminologie’, solides Handwerkszeug erhalten zur Erstellung eines firmeneigenen Regelwerks.“ (Stefanie Seiffert, Gretsch-Unitas GmbH Baubeschläge)

Anmeldung unter:
www.transline.de/praxisworkshop_10_14

Über Transline Deutschland Dr.-Ing. Sturz GmbH

TranslineTransline gehört zu den größten privat geführten Sprachdienstleistern in Deutschland. (In der UEPO 300, der Rangliste der 300 größten deutschen Sprachdienstleister, belegt es Platz 7.) Das Unternehmen bietet seit Jahrzehnten Leistungen rund um die Erstellung und Übersetzung technischer Dokumentationen an. Durch den Einsatz modernster Technologien, die langjährige Erfahrung und Prozesskompetenz sowie durch die umfangreiche Qualitätssicherungsexpertise kann das Unternehmen seine Kunden optimal in allen Fragen der Sprachdienstleistung unterstützen.

Transline führt regelmäßig Prozess- und Kostenoptimierungsprogramme durch, die sicherstellen, dass die Kunden von den Weiterentwicklungen der Branche und bei Transline profitieren. Die offene Unternehmensstruktur bei Transline ist Grundlage für die Innovationskraft und einen effizienten Informationsaustausch unter den Mitarbeitern. Heute stellen ca. 100 Angestellte und ein Übersetzerpool von mehr als 2.000 freien Übersetzern Qualität und erstklassigen Service sicher.

www.transline.de

Terminologiemanagement mit Termflow: www.termflow.de

[Text: Marina Klöpsch. Quelle: Pressemitteilung Transline, 2014-08-13. Bild: Doc Rabe Media / Fotolia; Transline.]

Assange-Pressekonferenz: Keine sinnvolle Live-Berichterstattung möglich, wenn Dolmetscher fehlt

n-tv

Kalt erwischt wurden die Nachrichtensender von der am 18.08.2014 vollkommen überraschend angesetzten Pressekonferenz von Julian Assange in der ekuadorianischen Botschaft in London. Auf der Konferenz war neben dem Botschafter auch der Außenminister Ekuadors anwesend, es wurde überwiegend Englisch und ab und zu auch Spanisch gesprochen.

Sowohl n-tv als auch N24 entschieden sich, die Pressekonferenz direkt zu übertragen. Aber in der Kürze der Zeit (zwischen Ankündigung und Beginn lag gerade einmal eine Stunde) war es den Sendern offenbar nicht möglich, einen Dolmetscher zu organisieren.

Und so mussten die Journalisten dann selbst übersetzen – mit enttäuschenden Ergebnissen:

  • “Schätzungsweise spricht er im Moment immer noch über …”
  • “Es klingt nicht so, als ob er …”
  • “Wenn ich das richtig verstanden habe, dann sagt er, dass er …”

Die Moderatoren waren sichtlich damit überfordert, das Genuschel von Assange zu verstehen und für die Zuschauer zusammenzufassen. Und so wurde das Bild- und Tonsignal aus London streckenweise einfach unkommentiert gesendet.

“Wir wollen noch mal reinhören, was Julian Assange selbst auf die Fragen der Journalisten sagt”, hieß es dann, wenn die Moderatoren nichts mehr verstanden und einfach schwiegen. Das Versagen der Redaktion wurde so zum besonderen Service für die Zuschauer umdeklariert.

[Text: Richard Schneider. Screenshot: Richard Schneider.]

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