Flüchtlinge: BDÜ fordert Einsatz von Berufsdolmetschern, besitzt aber kaum Kapazitäten in “Asylsprachen”

Asylantragszahlen von 1975 bis 2014

Die Asylantragszahlen von 1975 bis 2014 zeigen, dass auch diese Branche Konjunkturzyklen besitzt und wir uns zurzeit in einer Boomphase befinden.

Seit 1992 ging die Zahl der Asylbewerber 15 Jahre lang stetig zurück. Seit 2008 steigt sie jedoch wieder an – und zwar exponentiell. Allein für das Jahr 2015 erwartet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge rund 250.000 Neuankömmlinge.

Deutschland gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Einwanderungsländern, besitzt aber immer noch kein Einwanderungsgesetz. Deshalb sind die Immigranten gezwungen, das für diese Zwecke untaugliche Asylrecht zu missbrauchen, um erst einmal ins Land zu kommen und hier vorläufig bleiben zu können.

Ein Riesengeschäft – aber nicht für Dolmetscher

Für die Unterbringung und Versorgung der durch Schleuser nach Deutschland geschafften illegalen Einwanderer wurden 2013 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes insgesamt 1,5 Milliarden Euro ausgegeben. Darüber freuen sich vor allem die Besitzer von Schrottimmobilien, die zu Notunterkünften umgebaut werden, die Betreiber kommerzieller Flüchtlingsunterkünfte und andere Profiteure, wie etwa Wachdienste.

Die Betreuung und Eingliederung der Flüchtlinge überlässt der Staat hingegen in der Regel den Gemeinden, Hilfsorganisationen und vor allem ehrenamtlichen Helfern, die damit nicht nur finanziell überfordert sind.

Laien, Nebenberufler und Angehörige vermitteln zwischen Sprachen und Kulturen

Eine zentrale Rolle spielen dabei die zahlreichen Laien- und Hilfsdolmetscher, die als Kultur- und Sprachmittler im Alltag und in der Kommunikation mit den Behörden unschätzbare Dienste leisten.

Dass außerhalb der Asylrechtsverfahren kaum Berufsdolmetscher eingesetzt werden, hat nicht nur finanzielle Gründe. Für viele Sprachen, die zurzeit sehr gefragt sind, gibt es keine ausgebildeten Berufsdolmetscher (Tigre und Tigrinya) oder es gibt sie nicht in ausreichender Anzahl (Albanisch).

Deshalb kann diese wichtige Aufgabe auch künftig nur von Laien, Nebenberuflern und Angehörigen geleistet werden. Bei den Angehörigen handelt es sich meist um die Kinder der Einwanderer, die in der Schule wesentlich schneller Deutsch lernen als ihre Eltern in Sprachkursen. Dass eine Zwölfjährige mit ihrem Vater zur Arbeitsagentur geht, um für ihn zu dolmetschen, ist in diesem Zusammenhang ganz normal.

Hauptherkunftsländer Asylbewerber Februar 2015

Hauptherkunftsländer derjenigen, die versuchen, als Asylbewerber einzuwandern

BDÜ plädiert für Berufsdolmetscher, besitzt aber kaum Kapazitäten in den “Asylsprachen”

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) ruft in einer aktuellen Pressemitteilung dazu auf, mehr Berufsdolmetscher einzusetzen. Allerdings scheint der Verband dabei seine eigenen Kapazitäten zu überschätzen. Unter den 7.500 Mitgliedern befinden sich nur wenige, die bei den wichtigsten Asylsprachen helfen könnten.

Bundesweite BDÜ-Kapazitäten in den neun wichtigsten “Asylsprachen”

  • Albanisch: 17 BDÜ-Dolmetscher
  • Arabisch: 73
  • Serbisch: 54
  • Paschtu (Afghanistan): 6
  • Dari (Afghanistan): 8
  • Mazedonisch: 7
  • Somali (Somalia, Äthiopien): 1
  • Tigre (Eritrea): 0
  • Tigrinya (Äthiopien, Eritrea): 0

Insgesamt verfügt der größte Berufsverband der Branche über lediglich 166 Berufsdolmetscher, die bei der Betreuung helfen könnten. Bei 250.000 das Asylrecht in Anspruch nehmenden Einwanderern im Jahr 2015 hätte rein rechnerisch jeder BDÜ-Dolmetscher allein in diesem Jahr permanent 1.506 Flüchtlinge zu betreuen.

BDÜ warnt vor Überforderung ehrenamtlicher Dolmetscher

Die Pressemitteilung des BDÜ im Wortlaut:

Der BDÜ hat großes Verständnis für das Anliegen, schnell helfen zu wollen. Doch warnt er davor, Ehrenamtler zu überfordern. „Das Dolmetschen für Flüchtlinge, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden, kann ehrenamtliche Helfer belasten“, so André Lindemann, Präsident des BDÜ. „Ehrenamtler sollten nicht ohne entsprechende Vor- und Nachbereitung für Flüchtlinge dolmetschen.“

 

Man müsse außerdem die Grenzen des Ehrenamts erkennen. „Es muss klar sein, dass für bestimmte Situationen nur professionelle Dolmetscher herangezogen werden sollten.“ Dies sei insbesondere im medizinischen und juristischen Bereich der Fall.

 

Lindemann: „Wenn es beim Arztbesuch um schwierige Diagnosen oder ernsthafte Erkrankungen geht, sollte es selbstverständlich sein, mit ausgebildeten Dolmetschern zusammenzuarbeiten. Es ist wichtig sicherzustellen, dass die Qualität der Verdolmetschung stimmt und die Kommunikation in allen Details funktioniert.“

 

Zum anderen gehe es auch darum, ehrenamtliche Dolmetscher davor zu schützen, in überfordernde Situationen zu geraten. So sei zum Beispiel das Dolmetschen von Therapiesitzungen eindeutig ein Feld für professionelle Dolmetscher. Diese haben nicht nur das nötige Fachwissen erlernt. Sie beherrschen auch Techniken und Methoden, die es ihnen ermöglichen, im Gespräch neutral zu bleiben und sich im positiven Sinne vom Gehörten abzugrenzen.

 

Auch juristische Gespräche sind nach Ansicht des BDÜ-Präsidenten ein Fall für ausgebildete juristische Sprachmittler, die – so wie auch die medizinischen Dolmetscher  – für ihre Arbeit ein angemessenes Honorar erhalten sollten. „Wenn es zum Beispiel um Sachverhalte geht, die ausländerrechtlich von Bedeutung sind, sollten ausschließlich Profis dolmetschen.“

 

Der Verband beobachtet deshalb auch mit gemischten Gefühlen, dass viele Gemeinden vermehrt so genannte „Dolmetscherpools“ mit ehrenamtlichen Laiendolmetschern aufbauen. „Wir verstehen das Anliegen. Doch die Qualität der Verdolmetschung muss sichergestellt sein und die ehrenamtlichen Dolmetscher dürfen nicht in Situationen geraten, in denen die engagierte Hilfe zu einer Überforderung führt“, mahnt Lindemann. „Der Einsatz von professionellen Dolmetschern ist für Gespräche jenseits von einfachen Alltagssituationen unverzichtbar. Die Grenzen des Ehrenamts und der Schutz der Helfer vor psychischen Belastungen sind bei der Planung und Kalkulation von Dolmetscherpools zu berücksichtigen.“

www.bdue.de

[Text: Richard Schneider; BDÜ. Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge; Pressemitteilung BDÜ, 2015-03-11. Bild: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.]

BDÜ-Bundesverband bietet jetzt auch Webinare an

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) weitet sein Seminarangebot aus und bietet nun auch Webinare an.

Etwa 200 Seminare und mehr als 30 Webinare sind für das Jahr 2015 bereits online buchbar, und das Programm wächst stetig. Im ersten Halbjahr gibt es unter anderem eine Webinarreihe zur Arbeit mit der Software „Word“. So geht es am 19. März von 8.30 bis 9.00 Uhr um das Thema: „Effizient mit Word: Texteingabe kann wie Zauberwerk entstehen“. Bereits jetzt stark nachgefragt ist das Webinar „Medizinische Übersetzer – was machen die eigentlich? Ist das Fachgebiet etwas für mich?“ am 24. März von 16.00 bis 17.00 Uhr. Dieses Webinar ist sogar kostenfrei, ebenso wie weitere Webinare mit Fokus auf die Arbeit mit Translation-Memory-Systemen.

Die Teilnahme an Seminaren und Webinaren des BDÜ steht allen Interessenten offen, eine Mitgliedschaft im Verband ist nicht erforderlich.

Angebot soll zukünftig verdoppelt werden

Es ist geplant, das E-Learning-Angebot aufgrund der hohen Nachfrage zu verdoppeln. Zurzeit gibt es Webinare am Vormittag, am Nachmittag und in den frühen Abendstunden. Ein Ausbau der „Early-Bird-Webinare“ vor 9 Uhr morgens ist in Vorbereitung. Die Webinare dauern meist 30 oder 60 Minuten und sind somit für Angestellte wie Freiberufler gut in den Arbeitsalltag integrierbar.

Das neue E-Learning-Angebot ergänzt die jährlich etwa 200 Präsenzseminare des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer, die es dezentral in vielen deutschen Städten gibt. Über seine regional aufgestellten Mitgliedsverbände bietet der BDÜ zum Beispiel Seminare in Berlin, München, Leipzig, Köln oder Hannover an. Das Themenspektrum reicht vom Marketing für Selbstständige über Urkundenübersetzen oder Stimmtraining bis hin zu Grundlagen der Biomedizin.

Der Verband ist in Deutschland der größte Anbieter für Weiterbildungen, die speziell auf den Bedarf von Dolmetschern und Übersetzern zugeschnitten sind.

Landesverband Baden-Württemberg als Vorreiter

Die Idee zu den Webinaren hatte der BDÜ Landesverband Baden-Württemberg, der auch die ersten Webinare durchführte. Wegen des großen Erfolgs und der wachsenden Nachfrage hat der Verband das Webinarangebot nun unter dem Dach des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer gebündelt. Die Organisation der Webinare hat die BDÜ Weiterbildungs- und Fachverlagsgesellschaft mbH übernommen, ein Unternehmen des BDÜ.

Auf der BDÜ-Website gibt es nähere Informationen zum Weiterbildungsprogramm, auch die Anmeldung erfolgt online (www.seminare.bdue.de).

Für Fragen und Anregungen zu Webinaren wurde eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet: webinare@bdue.de.

Über die BDÜ Weiterbildungs- und Fachverlagsgesellschaft mbH

Die BDÜ Weiterbildungs- und Fachverlagsgesellschaft mbH ist ein Unternehmen des BDÜ. Sie verlegt branchenspezifische Publikationen und organisiert Seminare, Webinare sowie Fachtagungen speziell für Dolmetscher und Übersetzer. Nähere Informationen zum Unternehmen des BDÜ gibt es unter www.bdue-fachverlag.de.

[Text: Birgit Golms. Quelle: Pressemitteilung BDÜ, 2015-02-15. Bild: mpfphotography/ fotolia.de.]

 

Zertifikat “Deutsche Rechtssprache”: Rechtsanwalt Yildirim bietet bundesweite Präsenzseminare an

RA Ahmet Yildirim

RA Ahmet Yildirim

Ahmet Yildirim ist Rechtsanwalt und Dolmetscher/Übersetzer. Er und sein Team bieten bereits seit längerer Zeit Wochenendseminare für Sprachmittler an, bei denen man nach bestandener Abschlussprüfung das Zertifikat „Deutsche Rechtssprache“ erhält. Dieses dient als Nachweis sicherer Kenntnisse der deutschen Rechtssprache und wird für die die Ermächtigung bzw. Beeidigung bei den Gerichten benötigt.

Das Zertifikat wird in folgenden Bundesländern anerkannt:

  • Bremen
  • Niedersachsen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Schleswig-Holstein

Seminarthemen im Überblick

  1. Bedeutungsrelevanz der juristischen Fachsprache für Übersetzer und Dolmetscher
  2. Grundzüge des Rechtssystems der Bundesrepublik Deutschland
  3. Rechtsgebiete und ihre wichtigsten Rechtsquellen
  4. Aufbau der Gerichtsbarkeit
  5. Instanzenzug, Rechtsmittel und Rechtsbehelfe
  6. Grundlagen des Prozessrechts (jeweils mit eingeschlossenen Elementen des materiellen Zivil-, Verwaltungs- und Strafrechts):
    – Zivilprozess
    – Verwaltungsgerichtsprozess
    – Strafverfahren
  7. Urkundenübersetzen, einschließlich der rechtlichen Stellung, zivilrechtlicher Haftung und strafrechtlicher Verantwortlichkeit des Übersetzers und Dolmetschers
  8. Das Notariatswesen

Präsenzseminar an zwei Wochenenden

Die Veranstaltungen werden als Präsenzseminare angeboten. Durch die Möglichkeit zum direkten Feedback soll ein höherer Lerneffekt als in einer Onlineveranstaltung oder im Selbststudium erzielt werden.

Die Schulungen finden jeweils am ersten Wochenende samstags und sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr statt. Eine Woche später werden die Inhalte am Samstagvormittag wiederholt. Am Nachmittag desselben Tages findet die schriftliche und mündliche Abschlussprüfung statt.

Die nächsten Termine

  • Hamburg: Seminar am 14. und 15.02.2015, Prüfung am 21.02.2015
  • Düsseldorf: Seminar am 21. und 22.02.2015, Prüfung am 28.02.2015
  • Bremen: Seminar am 28.02. und 01.03.2015, Prüfung am 07.03.2015
  • Hannover: Seminar am 14. und 15.03.2015, Prüfung am 21.03.2015
  • Osnabrück: Seminar am 18. und 19.04.2015, Prüfung am 25.04.2015
  • Hannover: Seminar am 09. und 10.05.2015, Prüfung am 16.05.2015
  • Oldenburg: Seminar am 30. und 31.05.2015, Prüfung am 06.06.2015

Die Kosten des Seminars belaufen sich einschließlich Prüfung und Skript auf 495,00 €, bei Vorlage eines Prämiengutscheins (Bildungsprämie) 247,50 €.

Über Rechtsanwalt Ahmet Yildirim

Ahmet Yildirim hat an der Universität Hannover Rechtswissenschaften studiert. Das daran anschließende Referendariat hat er in Hannover und Istanbul mit dem Abschluss des 2. Staatsexamens erfolgreich absolviert und ist seit 2004 als Rechtsanwalt in Hannover tätig.

Darüber hinaus ist Yildirim seit 20 Jahren professionell als Dolmetscher und Übersetzer für die Sprachen Türkisch, Kurdisch und Deutsch tätig. Neben Rechtssprache-Seminaren bietet er auch Seminare für Juristen in anderen Rechtsgebieten an.

Weitere Infos und Termine in anderen Bundesländern sind abrufbar unter folgendem Link:

www.rechtssprache-dolmetscher.de

[Text: Bernhard Schneider mit Material von Ahmet Yilidrim. Quelle: Mitteilung Yildirim, 09.02.2015. Bild: Yildirim.]

 

Hochschule Magdeburg-Stendal stellt Studiengang Fachdolmetschen ein

Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet, plant die Hochschule Magdeburg-Stendal, den Studiengang Fachdolmetschen einzustellen. Der Dekan des Bereichs Kommunikation und Medien, Prof. Dr. Jan Pinseler, nennt gegenüber der Zeitung als Grund die wegen einer intensiven Lehre hohen Kosten dieses Studiengangs. Außerdem habe es zuletzt nicht genügend Studieninteressierte gegeben. Der Hintergrund sei die im Rahmen der Hochschulstrukturreform in Sachsen-Anhalt getroffene Zielvereinbarung mit dem Landeswissenschaftsministerium.

Auch über die Einstellung des benachbarten Studienganges Fachübersetzen werde nachgedacht. Nicht betroffen seien aber die journalistischen Studiengänge des Fachbereichs.

Pinseler kritisierte die mit der Hochschulstrukturreform des Landes Sachsen-Anhalt einhergehenden Kostenzwänge. Eigentlich müsse sich das Land Sachsen-Anhalt den Studiengang Fachdolmetschen leisten. Denn die Absolventen würden von Gerichten, der Polizei und anderen Behörden benötigt. Nach der Einstellung des Studiengangs gebe es in ganz Sachsen-Anhalt keine vergleichbare Ausbildung.

BDÜ warnt vor einer bildungspolitischen Fehlentwicklung

Der BDÜ reagierte besorgt auf die Meldung. Der Verband warnt vor einem bevorstehenden Mangel an qualifizierten Dolmetschern und Übersetzern. Die Schließung des Studienganges Fachdolmetschen der Hochschule Magdeburg-Stendal sei ein weiteres Beispiel für das zunehmende Schwinden einer geregelten Ausbildung für diese Berufe.

In einem in diesem Zusammenhang veröffentlichten Positionspapier werden negative Folgen für die deutsche Wirtschaft befürchtet: “Um in internationalen Märkten zu bestehen und neue Märkte zu erschließen, braucht es gut ausgebildete, verlässliche Übersetzer und Dolmetscher.”

Als Mitglied der sogenannten Mittelstandsallianz des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) will der BDÜ in einem bevorstehenden Fachgespräch mit Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka auf diese Fehlentwicklung hinweisen. Das Gespräch findet am 26. Februar 2015 statt. Als Vertreter des BDÜ werden Vizepräsidentin Cornelia Groethuysen sowie  die Bundesreferentin für Ausbildung Lisa Rüth erscheinen.

Weiterführende Links

[Text: Bernhard Schneider. Quelle: mz-web.de, 2015-02-12; bdue.de, 2015-02-13.]

BDÜ unterstützt Studierende des FTSK Germersheim mit praxisorientierten Webinaren

Lisa Rüth

Lisa Rüth erläutert die Kooperation vor Studierenden des FTSK Germersheim

Im Rahmen einer Kooperation mit dem BDÜ stehen den Studierenden am größten Ausbildungsinstitut für Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland ab dem 1. Februar 2015 über ein Dutzend Webinare zur Verfügung, in denen erfolgreiche Übersetzer und Dolmetscher und Experten aus relevanten Bereichen die wichtigsten Fragen zur Freiberuflichkeit beantworten.

Das Webinarprojekt „Vom Studium zum Business – Basiswissen für freiberufliche Übersetzer und Dolmetscher“ ist zunächst auf die Dauer von einem Jahr angelegt und auf den Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz in Germersheim (FTSK) beschränkt. Findet es dort Anklang, wird es verlängert und auf andere Ausbildungsstätten ausgeweitet.

Darüber hinaus nehmen studentische Mitglieder des BDÜ, die am FTSK immatrikuliert sind, ab sofort kostenlos an Weiterbildungsveranstaltungen des BDÜ teil, für die der FTSK die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Eine in diesem Punkt ähnliche Kooperation besteht bereits am Institut für Übersetzen und Dolmetschen der Universität Heidelberg (IÜD).

Hilfe für den Übergang vom Studium in die Praxis

Die Prodekanin des FTSK, Prof. Dr. Silvia Hansen-Schirra erklärt:

Lisa Rüth und Silvia Hansen-Schirra

Lisa Rüth (links) ist Bundesreferentin für Ausbildung beim BDÜ und Prof. Dr. Silvia Hansen-Schirra (rechts) ist Professorin für englische Sprach- und Übersetzungswissenschaften am FTSK Germersheim

Da wir am FTSK schon seit geraumer Zeit einen großen Schwerpunkt auf die praxisnahe Lehre legen, stellt die Kooperation mit dem BDÜ eine logische Ergänzung zu diesem Programm dar. Durch die Webinare und Weiterbildungsangebote vom BDÜ gelingt uns auch die Vermittlung all jener Kompetenzen, die für den Übergang vom Studium in die Praxis immens nützlich sind, aber aus Kapazitätsgründen nicht oder nur bedingt in unser Standard-Curriculum aufgenommen werden können.

Lisa Rüth

Lisa Rüth bei ihrem Vortrag im Audimax des FTSK

 

Hierbei geht es natürlich einerseits um unternehmerische Fähigkeiten wie Kundenakquise, Rechnungsstellung etc., aber durchaus auch um Aufklärung im Bereich der Marktentwicklung und der Berufsrisiken. Dadurch werden unsere Absolventen exzellent auf das Leben nach dem Studium vorbereitet, was wiederum zur allseits geforderten Employability beiträgt.

Auch die Bundesreferentin für Ausbildung des BDÜ, Lisa Rüth, sieht das Angebot als wichtigen Beitrag zur Qualifizierung der Studierenden: „Die Anforderungen, die auf dem Markt für professionelle Sprachdienstleistungen an künftige Kolleginnen und Kollegen gestellt werden, sind sehr hoch. Wir als Berufsverband freuen uns, mit unserer Erfahrung und unserem Know-how einen wichtigen Beitrag zur Qualifikation des translatorischen Nachwuchses leisten zu können.“

[Text: BDÜ. Quelle: bdue.de, 2015-02-01. Bild: Lisa Rüth.]

Saarbrücken: Workshop “Das Berufsbild des Übersetzers in der Praxis”

Universität des SaarlandesDer Lehrstuhl für Translationsorientierte Sprachtechnologie von Prof. Dr. Josef van Genabith an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken lädt alle Interessierten am Freitag, dem 06.02.2015, zum Workshop “Das Berufsbild des Übersetzers in der Praxis” ein.

Workshop “Das Berufsbild des Übersetzers in der Praxis”

Programm

Beate Petersen (SDL): “Der Übersetzeralltag bei SDL” (9:00-9:45)

SDL International ist nicht nur Anbieter von Übersetzungswerkzeugen, sondern auch eine der größten Übersetzungsagenturen, die Inhouse- und freiberufliche Übersetzer beschäftigt. In diesem Vortrag lernen Sie die Struktur von SDL Language Services kennen und erhalten anhand eines Beispielsprojekts einen kurzen Einblick in die Prozesse. Dabei erfahren Sie, wie der typische Arbeitsalltag eines „Lead Translators“ aussieht, welche Aufgaben neben dem Übersetzen anfallen und welche Fertigkeiten Sie mitbringen sollten, wenn Sie sich bei SDL als interner oder freiberuflicher Mitarbeiter bewerben möchten.

Anke Kortenbruck (SAP): „Übersetzung und Übersetzungsmanagement beim Softwareunternehmen SAP“ (9:45-10:30)

Der Vortrag beschreibt die interne Übersetzung von Softwaretexten bei SAP sowie das Management von Übersetzungsprojekten, für die es keine internen Übersetzer gibt. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf folgende Fragen gelegt: Was sind die Besonderheiten der Softwareübersetzung verglichen mit anderen Fachübersetzungsprojekten? Welche Tätigkeiten fallen neben dem Übersetzen an? Welche Anforderungen sollten Absolventen erfüllen? Welche Tools kommen zum Einsatz?

Tanja Schmidt (welocalize):“Zwei wichtige Branchentrends, die das Berufsbild des Übersetzers heute nachhaltig beeinflussen“ (10:30-11:15)

Zwei Branchentrends, auf die Studierende zum Übersetzer an den Hochschulen nicht immer ausreichend vorbereitet werden, werden ihr Berufsleben dennoch stark beeinflussen: der Trend zu hochgradig freien Übersetzungen oder „Transcreation“ sowie das Post-Editing maschineller Übersetzungen. Beide Bereiche erfordern einen anderen Ansatz als die klassische Übersetzung. Was unterscheidet Transcreation und Post-Editing von der traditionellen Übersetzung und wie können sich Universitätsabgänger optimal auf diese Entwicklungen vorbereiten? Dieser Vortrag gibt hilfreiche Einblicke aus der Praxis.

11:15-11:30 – Kaffeepause

Heike Przybyl (freiberufliche Übersetzerin): „(Kein) Alltag in der Selbständigkeit“ (11:30-12:00)

Als freiberuflicher Übersetzer sind Sie nicht nur Produzent der Ware Übersetzung, sondern auch Projektmanager, Vertrieb, Marketing, Buchhaltung und Geschäftsführung in einer Person. Wie lassen sich diese Tätigkeitsfelder bewältigen? Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten werden in Produktion und den weiteren Abteilungen benötigt? Ein Einblick in die täglichen Herausforderungen der Selbständigkeit.

Petra Dutz (SDL): „Übersetzungstechnologie in der Praxis“ (12:00-12:45)

In diesem Vortrag erfahren Sie, wie der typische Übersetzerarbeitsplatz heutzutage aussieht, welche Trends den Markt beeinflussen und welche (technologischen) Auswirkungen diese auf die Arbeit des Übersetzers haben und haben werden. Dabei wird es sowohl um die Arbeit des einzelnen Übersetzers/Freelancers gehen als auch um die Arbeit in (größeren) Teams – sei es bei einem Sprachdienstleister, sei es bei einem Unternehmenskunden oder in einer Kombination aus allen Beteiligten. An praktischen Beispielen wird illustriert wie SDL Trados Studio, SDL MultiTerm und SDL GroupShare in der Praxis eingesetzt werden.

12:45-14:00 – Mittagspause

Diskussion zum Thema „Das Berufsbild des Übersetzers“ (14:00-16:00)

Die Veranstaltung findet am Freitag, dem 06.02.2015, im Gebäude A 2 2, Raum 1.20 (Konferenzsaal) statt.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Universität des Saarlandes.]

trans-kom 2/2014 erschienen: Online-Zeitschrift für Translationswissenschaft und Fachkommunikation

Im Dezember 2014 ist Band 7, Nummer 2 (2014) von trans-kom erschienen. Die Zeitschrift für Translationswissenschaft und Fachkommunikation wird von Leona Van Vaerenbergh von der Universität Antwerpen und Klaus Schubert vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim herausgegeben.

Die Besonderheit: Alle Beiträge können einzeln als PDF-Datei von der Website heruntergeladen werden.

Die aktuellen Beiträge:

www.trans-kom.eu

[Text: Richard Schneider. Quelle: trans-kom.eu.]

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