“Grünes Licht”: ADÜ Nord hat Ratgeber zur Existenzgründung für Übersetzer neu aufgelegt

ADÜ Nord: Grünes LichtSoeben ist in überarbeiteter Neuauflage das vom ADÜ Nord herausgegebene Buch “Grünes Licht” erschienen. Der Ratgeber zur Existenzgründung für Übersetzer und Dolmetscher hat jetzt 300 Seiten.

Wer sich in der Dolmetscher- und Übersetzerbranche selbstständig machen möchte, hat Hunderte Fragen – denn in der Universität oder im praktischen Berufsleben lernt man zwar sein fachliches Handwerkszeug, nicht aber die Feinheiten des Geschäftslebens als Selbstständiger.

Wie funktioniert das mit der Selbstständigkeit? Was muss ich wann wo anmelden oder beantragen? Wer kann mir helfen, und wo bekomme ich zuverlässige Informationen?

Der Existenzgründungsratgeber “Grünes Licht” bietet Berufseinsteigern, aber auch “alten Hasen” Informationen zu allen Belangen rund um die Arbeit als selbstständiger Dolmetscher oder Übersetzer, die nicht direkt mit dem eigenen Fachgebiet zu tun haben.

Entstanden aus den Fragen und Antworten, die in der Arbeitsgruppe Berufseinstieg des ADÜ Nord erarbeitet wurden, fasst er in übersichtlicher Form alle notwendigen Aspekte zu den folgenden Themenbereichen zusammen:

  • Marketing
  • Buchhaltung und Steuern
  • Büromanagement und technische Ausstattung
  • Kostenaufstellung zur Büroausstattung
  • Translation-Memory-Systeme
  • Preisgestaltung
  • Rechtliche Grundlagen
  • Networking und Spezialisierung
  • Versicherungsschutz
  • Konferenzdolmetschen
  • Vereidigung

Dazu kommen Erfahrungsberichte von bereits im Beruf stehenden Übersetzern und Dolmetschern sowie Informationen über Normung, Honorare, Internetrecherche, Förderungsmöglichkeiten, Berufsverbände und vieles mehr. Im Vergleich zur ersten Auflage ist die vorliegende zweite Auflage erweitert und komplett aktualisiert worden – ein absolutes Muss für Berufseinsteiger.

“Als ich als frischgebackene Absolventin des Studiengangs Fachkommunikation der Hochschule Magdeburg-Stendal mit dem Gedanken spielte, mich selbstständig zu machen, gingen mir tausend Fragen durch den Kopf. Glücklicherweise stieß ich recht schnell auf das Grüne Licht, das damals noch brandneu war. Es war meine erste und eine der wichtigsten Investitionen in meine Tätigkeit – und, wie ich bei der Lektüre des Abschnitts Buchhaltung und Steuern erfuhr, die erste Investition, die ich als Betriebsausgabe absetzen konnte!”

(Lea Bodora)

Das Buch trägt die ISBN 9-783833-438066 und ist zum Preis von 24,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Bestellungen können auch direkt über den ADÜ Nord erfolgen: info@adue-nord.de

www.adue-nord.de

[Text: ADÜ Nord. Quelle: Pressemitteilung ADÜ Nord, 2015-04-16. Bild: ADÜ Nord.]

SDI München erweitert Angebot an Seminaren für im Beruf stehende Übersetzer und Dolmetscher

SDI MünchenDas Bildungsnetzwerk SDI München baut den Geschäftsbereich “Seminare & Training” aus. Fachleute und Sprachexperten eröffnen neue Perspektiven für Themen wie Übersetzen von Webseiten und die Schnittstelle technische Dokumentation/Übersetzung.

Die neuen Expertenseminare des SDI München für im Beruf stehende technische Redakteure, Übersetzer und Dolmetscher drehen sich um die Kernkompetenzen des Hauses – Sprachen und Kommunikation. Die Seminare verbinden Lehre und Praxis miteinander, einen der Leitgedanken des SDI.

Die Partner des SDI für den Ausbau des Geschäftsbereichs Seminare & Training, Jutta Witzel und Heidrun Wehmeyer von mehrPerspektiven, bringen Erfahrung in den Bereichen mehrsprachige Kommunikation, Journalismus, Coaching, Beratung und Mediation im internationalen Management sowie dem Aufbau von neuen Geschäftsfeldern mit.

Zweitägige Seminare und Workshops im Jahr 2015 eröffnen neue Perspektiven mit Experten wie Werbetextern, Übersetzungsdienstleistern und technischen Redakteuren. Sie geben Einblick in ihr Fachgebiet: Wie erzählen Werbetexter eine Story, wie strukturiere ich technische Onlinetexte? Experten teilen ihren Erfahrungsschatz anhand praktischer Beispiele, um das Gefühl für die jeweilige Textsorte und Zielsprache zu vertiefen. Je nach Thema finden parallele Workshops für unterschiedliche Zielsprachen statt. Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine (maschinelle Übersetzung/Postediting) sowie technische Redaktion und Übersetzung. Welche technischen, prozessbezogenen und kommunikativen Mittel unterstützen ein gutes Ergebnis?

Bei Podiumsdiskussionen sowie Lachsterrine und Steinpilzrisotto am Abend können sich die Teilnehmer parallel laufender Seminare über berufliche Erfahrungen austauschen.

Die ersten Expertenseminare zu den Themen “Werbetexte” und “Online-Texte” starten am 9. und 10. Juli 2015.

Über das Bildungsnetzwerk SDI München

Wenn es um Sprachen und Kommunikation geht, finden Sie im Bildungsnetzwerk SDI München den passenden Studiengang oder die richtige Aus- oder Weiterbildung. Das SDI München, 1951 gegründet, vereint Hochschule, Fachakademie, Berufsfachschule, die Bereiche Seminare & Training sowie Deutsch als Fremdsprache unter einem Dach und steht für ein zukunftsorientiertes, praxisnahes Bildungsangebot. Interkulturelle Kompetenz wird als Schlüsselqualifikation für Berufe von heute und morgen vermittelt und gelebt.

Das Schulungsangebot am SDI München

Seminare & Training am SDI ermöglichen im Beruf stehenden Experten, neue Kenntnisse und Fähigkeiten in den Bereichen Sprachen und Kommunikation zu erwerben. Sie eröffnen neue Perspektiven und ermöglichen Erfahrungsaustausch: Je nach Thema finden Podiumsdiskussionen, parallele Workshops für unterschiedliche Zielsprachen statt. Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht! Das Angebot kann firmenspezifisch angepasst und durch Coaching und Beratung ergänzt werden.

www.sdi-muenchen.de/seminare

[Text: SDI München. Quelle: Presseinformation SDI München, 2015-04-21. Bild: SDI München.]

BDÜ Rheinland-Pfalz und BASF-Sprachendienst trauern um Basil Byrt

Basil Byrt

Basil Byrt 2010 auf einem vorweihnachtlichen Regionalgruppentreffen in Ludwigshafen beim traditionellen Verteilen der Schokoladennikoläuse

Basil Byrt vom Sprachendienst der BASF, der sich über Jahrzehnte in verschiedenen Ämtern im BDÜ Rheinland-Pfalz engagierte, ist Ende 2014 verstorben, wie erst jetzt bekannt wurde.

Der geborene Brite war bis zum Eintritt in den Ruhestand Übersetzer im Sprachendienst des Chemie-Giganten am Stammsitz der Gruppe in Ludwigshafen am Rhein, zuletzt als dessen Leiter. Privat lebte er mit Familie im nahegelegenen Speyer.

Vielen Studentengenerationen am FTSK Germersheim wird er neben Jürgen Kern als Stammbesatzung des Infotisches in Erinnerung sein, den der BDÜ regelmäßig vor dem Audimax aufbaute.

Im Mitteilungsblatt des BDÜ-Landesverbandes Rheinland-Pfalz ist im Mai 2015 folgender Nachruf erschienen:

Kurz vor Weihnachten 2014 verstarb unerwartet Basil Byrt, der sich im BDÜ Landesverband Rheinland-Pfalz dreieinhalb Jahrzehnte mit großem Engagement um Verband und Berufsstand verdient gemacht hat.

 

Basil Byrt trat 1980 in den Verband ein und engagierte sich sofort dort, wo Hilfe nötig war. Unter dem Gesichtspunkt der Professionalität unterstützte er die Entwicklung eines für Auftraggeber, vor allem Behörden und Gerichte, nützlichen Mitgliederverzeichnisses und besorgte dessen Versand.

 

1984 übernahm er das Referat “Angestellte Dolmetscher und Übersetzer”, ab 1989 war er sechs Jahre lang 2. Vorsitzender, von 1995 bis 1999 1. Vorsitzender.

 

Noch bevor man von “Mentoring” sprach, war für ihn Nachwuchsförderung in Richtung Praxisnähe ein wichtiges Anliegen. So beteiligte er sich an der Entwicklung und Pflege der Kontakte des BDÜ zur Studentenschaft des seinerzeitigen Fachbereichs Angewandte Sprachwissenschaft (FAS) in Germersheim, wo der Vorstand auf dem Campus wöchentlich einen Infostand mit Praxisberatung anbot. Auch nahm er viele junge Kolleginnen und Kollegen bei ihrem Start ins Berufsleben unter seine Fittiche.

 

In der ersten Hälfte der 1990er-Jahre leitete er die Regionalgruppe Ludwigshafen. Die Sprachgruppe Englisch bereicherte er bis zuletzt mit seiner Praxiserfahrung.

 

Auch nach der Übergabe seiner Ämter blieb er dem BDÜ verbunden. Wie eine Kollegin es treffend bezeichnete, “verkörperte er den BDÜ”.

 

Er wird allen, die ihn kannten, durch seine liebenswürdige Art, seine Hilfsbereitschaft, seine Wertschätzung für andere und seinen feinen britischen Humor in Erinnerung bleiben.

 

Seiner Familie gilt die aufrichtige Anteilnahme des Verbandes.

Basil Byrt

Byrt (rechts, mit Aktentasche) im Kreise von Verbandsmitgliedern auf der Jahresmitgliederversammlung 2010 des BDÜ Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern

[Text: Richard Schneider. Quelle: “Sprachrohr”, offizielles Organ des BDÜ-Landesverbandes Rheinland-Pfalz, Ausgabe 1/2015. Bild: (oben) Maria Ruff-König, (unten) unbekannt.]

Martin Walser: “Ich beurteile einen Übersetzer immer nach seinen Fragen”

Im Frühjahr 2015 erschien Martin Walsers Roman „Ein springender Brunnen“ in der Übersetzung von David Dollenmayer in den USA. Aus diesem Anlass hat das Goethe-Institut ein Video-Interview mit dem 88-jährigen Schriftsteller geführt.

Walser äußert sich darin unter anderem über die Zusammenarbeit mit den Übersetzern seiner Werke:

Der Übersetzer David Dollenmayer war mit mir – das sind die meisten Übersetzer – in einem andauernden Kontakt. Jede Woche zwei, drei Mal haben wir über E-Mail Kontakt gehabt, wenn er Fragen hatte. Ich beurteile einen Übersetzer immer nach seinen Fragen. Ich merke an den Fragen, wie nahe er an mir dran ist. Ein Übersetzer, der keine Fragen hat, den kann man vergessen. Dollenmayer hatte wunderbare Fragen – und er hat fabelhaft übersetzt.

 

Wie können Sie sicher sein, dass das, was Ihnen wichtig ist, in der Übersetzung steht, also richtig übersetzt wurde?

 

China ist ein gutes Beispiel. Da bin ich angewiesen auf die Fragen, die der Übersetzer hat. Die Fragen, die mein chinesischer Übersetzer hat, waren immer hoch intelligent. Er hat mir auch mitgeteilt, wie schwer es ist, meine Wörter ins Chinesische zu bringen. Wir hatten lange Auseinandersetzungen. Ich kann natürlich nicht beurteilen, was dann herauskommt, aber durch den Kontakt sehe ich, dass es ein toller Übersetzer sein muss.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Goethe-Institut, 2015-04. Video: Goethe-Institut.]

JVEG-Auslegung durch OLG Frankfurt: Wenn nicht editierbar, dann 1,75 statt 1,55 Euro berechnen

Justitia

Justitia als Brunnenfigur auf dem Frankfurter Römerberg

Wird einem Übersetzer bei einem nach dem Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG) abzurechnenden Auftrag der Ausgangstext in einer nicht editierbaren Form zur Verfügung gestellt, dann darf dieser statt des normalen Zeilenpreises von 1,55 Euro stets ohne weitere Begründung den erhöhten Zeilensatz von 1,75 Euro berechnen.

Der Ausgangstext gilt als nicht editierbar, wenn er dem Übersetzer auf Papier oder in einem nicht bearbeitbaren Dateiformat wie PDF (eingescanntes Original) übermittelt wurde.

Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main am 11.02.2015 in einem Beschluss (4 WF 235/14) festgestellt. Ähnlich hatten sich in den Vorjahren bereits andere Gerichte geäußert:

  • OLG Stuttgart, Beschluss vom 31.10.2014, 4 Ws 432/14. Leitsatz: „Für Übersetzungsleistungen ist das erhöhte Honorar nach § 11 Abs. 1 Satz 2 JVEG anzusetzen, wenn der zur Übersetzung überlassene Text nicht editierbar ist. Deshalb kann ein Übersetzer, dem der zu übersetzende Text nur in Papierform übermittelt wurde, stets mangels Editierbarkeit das erhöhte Honorar verlangen.“
  • OLG Celle, Beschluss vom 19.12.2013, 1 Ws 535/13. Tenor: erhöhter Satz auch dann, wenn elektronisch übermittelt, aber nicht editierbar.

In dem in Frankfurt verhandelten Fall waren dem Übersetzer vom Amtsgericht zehn deutschsprachige Schriftstücke in Papierform zur Übersetzung ins Türkische übersandt worden. Der Übersetzer berechnete statt des Grundhonorars von 1,55 Euro pro Zeile das erhöhte Honorar von 1,75 Euro pro Zeile im Zieltext, woraus sich der Streit entwickelte.

Ursache des Missverständnisses: Unsinnig formulierter § 11 (1) 2 JVEG

Der § 11, Absatz 1, Satz 2, des im Jahr 2013 überarbeiteten JVEG lautet:

Bei nicht elektronisch zur Verfügung gestellten editierbaren Texten erhöht sich das Honorar auf 1,75 Euro für jeweils angefangene 55 Anschläge (erhöhtes Honorar).

Die Frankfurter Richter sprechen von einem „verunglückten Wortlaut“, bei dem es sich um ein „offensichtliches Redaktionsversehen des Gesetzgebers“ handle. In der beschlossenen und verkündeten Form ergebe der Satz „keinen Sinn“.

Im Wege der Rechtsfortbildung sei der Satz deshalb dahingehend auszulegen, dass das erhöhte Honorar von 1,75 Euro bei der Übersetzung nicht editierbarer Texte anfalle.

Es habe dem Willen und Zweck der Honorarregelung entsprochen, ein niedrigeres Grundhonorar für editierbare Texte sowie ein erhöhtes Honorar für nicht editierbare Texte vorzusehen, weil diese beim Übersetzer einen Mehraufwand für die Erstellung des Layouts verursachen.

Wer ist für die Fehlformulierung verantwortlich?

Aus Kreisen der 2013 an der JVEG-Novellierung beteiligen Übersetzerverbände ist zu erfahren, dass sie im Verlauf der Beratungen mehrfach mit Nachdruck auf die widersprüchliche, unsinnige und konfliktträchtige Formulierung des Satzes aufmerksam gemacht haben – allerdings ohne Erfolg.

Weiterführende Links

[Text: Richard Schneider. Quelle: beck aktuell, 2015-04-29. Bild: Richard Schneider.]

“Dialogdolmetschen und Technologie” – Zweite InDialog-Konferenz vom 20. bis 21. November 2015 in Berlin

InDialog 2013

Das Podium auf einer Veranstaltung der InDialog im Jahr 2013

Die zweite internationale InDialog-Konferenz zum Thema “Dialogdolmetschen und Technologie” kehrt vom 20. bis 21. November 2015 ins Russische Haus der Wissenschaft und Kultur nach Berlin zurück. Die Konferenz findet in Verbindung mit der Expolingua Berlin statt, der internationalen Messe für Sprachen und Kulturen.

Unter “Dialogdolmetschen” verstehen die Veranstalter den gesamten Bereich des medizinisch-sozialen Dolmetschens, der im Englischen meist als Community Interpreting bezeichnet wird.

Da Technologie eine immer größere Rolle im Dialogdolmetschen einnimmt, ist es an der Zeit, die damit verbundenen Auswirkungen, Möglichkeiten und Grenzen zu untersuchen – sowohl in der Forschung als auch in Ausbildung und Praxis.

InDialog 2013

Die InDialog findet ebenso wie die Expolingua im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur statt.

In Vorträgen und Diskussionen untersuchen Experten aus aller ganzen Welt die Bedeutung des Dialogdolmetschens in Bereichen wie Gesundheitswesen, Rechtssystem, öffentlicher Dienst, Bildung und Mediation. Einige zu erwartende inhaltliche Schwerpunkte sind:

  • Der Umgang mit wachsender Mehrsprachigkeit und geografischer Distanz
  • Dialogdolmetschen: Ausbildung und Evaluation in verschiedenen Kontexten
  • Die Möglichkeiten und Grenzen von Fernstudium, virtuellen Welten und Avataren
  • Dialogdolmetschen in nationalen und internationalen Konfliktsituationen
  • Logistik und Management des Dialogdolmetschens
  • Forschungsmethoden, Datensammlung und -analyse
  • Betreuung und psychologische Unterstützung für Dialogdolmetschen

Die InDialog richtet sich an Regierungsvertreter, Entscheidungsträger, Anbieter, Nutzer und Auftraggeber von Dolmetschdienstleistungen, Wissenschaftler, Ausbilder, Dolmetscher, Sprach- und Kulturmittler sowie Studenten. Die Konferenz dient der Vernetzung und dem Austausch von Forschungsergebnissen und Best Practices.

InDialog 2013

Veranstaltungsdaten

InDialog – Dialogdolmetschen und Technologie
20.–21. November 2015
Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin
Normalpreis Tageskarte: 165 Euro, Zweitageskarte: 295 Euro. Die Gebühren beinhalten Mehrwertsteuer, Konferenzmaterialien, Getränke und Mahlzeiten.

Wichtiger Hinweis: Konferenzsprache ist Englisch. Einzelne Veranstaltungen werden simultan ins Deutsche verdolmetscht.

Themenvorschläge für Vorträge können bis zum 26. Mai 2015 eingereicht werden. Bitte verwenden Sie dafür das Formular auf der Website.

www.indialog-conference.com

[Text: ICWE. Quelle: Pressemitteilung ICWE, 2015-03-16. Bild: ICWE.]

Selma Lagerlöfs “Nils Holgersson”: Großes Buch mangelhaft neu übersetzt

Nils HolgerssonEnde 2014 hat “Die andere Bibliothek” einen Klassiker der Weltliteratur in neuer Übersetzung herausgebracht: Selma Lagerlöfs “Nils Holgersson”. Das Werk wurde erstmals vollständig übersetzt und mit den Abbildungen von Bertil Lybeck aus der schwedischen Ausgabe von 1931 versehen. Dazu schreibt der Verlag:

Nils Holgersson, ein Klassiker der Weltliteratur und bereits 1906 von der ersten weiblichen Literaturnobelpreisträgerin als Porträt ihres Landes aus der Vogelperspektive verfasst, ist oft ins Deutsche übertragen worden – in den allermeisten Fällen jedoch gekürzt und bearbeitet. Und die wenigsten der Lagerlöf-Leser wissen, dass eine ungekürzte Ausgabe nur schlecht zugänglich ist und eine gelungene Übersetzung bis heute nicht vorliegt.

 

Die neue vollständige Übersetzung von Thomas Steinfeld wird Selma Lagerlöfs Sprache mit ihren Eigentümlichkeiten, dem wunderbaren Schwedisch einer vergangenen Zeit, endlich gerecht.

“Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 in der Kategorie Übersetzung!”, verkündet der Verlag nicht ohne Stolz auf seiner Website.

Literaturkritiker: Anfänger-Übersetzung mit schrägen Formulierungen

Zu einer völlig anderen Einschätzung der Übersetzungsqualität kommt der Journalist und Skandinavist Volker Heigenmooser. “Die neue Übersetzung Thomas Steinfelds ist leider nicht empfehlenswert”, schreibt er in einer ausführlichen und fundierten Kritik für die Website Literaturkritik.de. Und weiter:

[Der Übersetzer] Thomas Steinfeld ist im Hauptberuf Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung in Italien, zuvor war er Literaturverantwortlicher und dann Ko-Redaktionsleiter des Feuilletons derselben Zeitung. Zwar schreibt er seit einigen Jahren auch über Themen aus Schweden, doch als Übersetzer der Literatur dieses Landes ist er bisher noch nicht hervorgetreten. Es nimmt folglich nicht wunder, dass er mit der Übersetzung von Selma Lagerlöfs opulentem und sehr anspruchsvollem Werk erkennbar überfordert war. Natürlich sagt es auch etwas über die Wertschätzung des Verlags gegenüber der Leistung von Übersetzerinnen und Übersetzern aus, wenn ein so bedeutendes Werk wie Lagerlöfs Nils Holgersson einem Anfänger überlassen wird. Denn hätte der Verlag diese Aufgabe einem erfahrenen Übersetzer anvertraut, wären viele Ungenauigkeiten und auch Übersetzungsfehler zu vermeiden gewesen.

Die früheren Übersetzungen stammen von Pauline Klaiber-Gottschau (1907), Mathilde Mann, die wahrscheinlich eine “Relais-Übersetzung” unter Zuhilfenahme der dänischen Ausgabe erstellt hat, und Angelika Kutsch (1991). Gerade die Übersetzung von Kutsch hält Heigenmooser für wesentlich besser als die Neuübersetzung von Steinfeld.

Nils Holgersson

705 Seiten in veralteter Rechtschreibung und historische Illustrationen: Wohl doch eher eine Ausgabe für bibliophile Erwachsene.

Steinfeld habe große Mühe, die Distanz zwischen Ausgangs- und Zielsprache zu überwinden. Das führe “nicht nur gelegentlich zu schrägen Formulierungen im Deutschen”. So gackerten die Hühner bei Steinfeld wie im Schwedischen „ka, ka, ka“, in der früheren Übersetzung von Angelika Kutsch hingegen zutreffend „gack, gack, gack“.

Ein typischer Anfängerfehler ist die nicht leichte Unterscheidung von Maus und Ratte, kann mit dem schwedischen „råtta“ im Deutschen doch sowohl eine Ratte als auch eine Maus gemeint sein. Wenn der in einen Wicht verwandelte Nils Holgersson also in seinem Elternhaus nach dem Wichtel sucht, der ihn verzaubert hat, und dabei hinter Stühle und Schränke sowie in einige „råtthål“ schaut, dann sind das in dem ordentlichen Elternhaus des kleinen Nils ganz bestimmt keine „Rattenlöcher“, sondern Mauselöcher, was alle bisherigen Übersetzerinnen des Werks wussten, Steinfeld aber nicht – ganz davon abgesehen, dass Rattenlöcher im Deutschen eher eine andere Konnotation haben, als die Zugänge zu den Behausungen der entsprechenden Tiere zu bezeichnen.

Der Kritiker kommt zu folgendem Fazit:

Nicht nur in den Details, sondern auch insgesamt in Stil und Ton hat Thomas Steinfeld keine gute Übersetzung von „Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden“ vorgelegt. Dieses großartige und bedeutende Werk Selma Lagerlöfs hätte jedoch eine solche verdient.

Befremdlich mutet die Entscheidung des Verlags an, die Übersetzung in der nun schon seit 17 Jahren veralteten Rechtschreibung zu veröffentlichen. Wahrscheinlich peilt man als Zielgruppe doch eher bibliophile Erwachsene an.

Bibliografische Informationen

Selma Lagerlöf: Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden.
Übersetzt aus dem Schwedischen von Thomas Steinfeld. AB – Die andere Bibliothek, Berlin 2014. 704 Seiten, 40,00 Euro, ISBN 9783847703594.

Weiterführende Links

[Text: Richard Schneider. Quelle: literaturkritik.de, 2015-05-07. Bild: Die andere Bibliothek.]

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