Internationale Tagung in Wien: Translation und das “Dritte Reich” II – Historiografische Herausforderungen

Pétain, Schmidt, Hitler, Ribbentrop

Der französische Chef de l’État Philippe Pétain empfängt am 24.10.1940 in Montoire den deutschen Kanzler. Zwischen den beiden ist Dr. Paul-Otto Schmidt als Dolmetscher zu sehen, der nach dem Krieg von 1952 bis 1967 Rektor des SDI München war. Rechts am Rand der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop.

Im September 2016 wird in Wien die internationale Tagung “Translation und das ‘Dritte Reich’ II – Historiografische Herausforderungen” ausgerichtet. Es handelt sich um die Nachfolgeveranstaltung zur Tagung, die 2014 in Berlin an der Humboldt-Universität zum selben Thema stattfand. Die Organisatorinnen unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Larisa Schippel vom Zentrum für Translationswissenschaft haben soeben den nachfolgenden Call for Papers veröffentlicht:

Die Beschreibung ihrer Objektgeschichte ist der Translationswissenschaft über lange Zeit immer wieder von anderen Disziplinen abgenommen worden – Perspektiven und Methoden dieser Wissenschaften blieben in den Fragestellungen und Herangehensweisen an Translationsgeschichte sichtbar und erschwerten den Weg zu translationswissenschaftlichen Perspektiven und Herangehensweisen.

Folgende fünf Themenschwerpunkte sollen Anlass zur Reflexion bieten:

(1) Transkulturelle Perspektive

Translationsgeschichte folgt noch häufig den Spuren ihrer theologischen, literatur- oder sprachwissenschaftlichen u. ä. Vorgänger und wird in dichotomen (bikulturellen oder binationalen) Kategorien beschrieben. Auch wenn Translationsphänomene in der Regel sicherlich auch Spuren nationaler Zuschreibungen in sich tragen, wurde die Erkenntnisquelle einer transkulturellen Perspektive bisher noch wenig beachtet. Ein erster Schritt hin zu neuen, translationswissenschaftlich relevanteren Erkenntnissen scheint in der Öffnung dieser Beschränkung zu liegen.

(2) Kritische Quellen

Die Qualität von Translationshistoriografie hängt ab von den Quellen, die ihr zur Verfügung stehen und vom kritischen Umgang mit diesen. Auf welche Quellen können wir uns stützen, wie ist deren Leistungsfähigkeit und wo liegen deren Grenzen? Bibliografiedatenbanken zum Beispiel lassen sich nur über Umwege für die Suche nach Übersetzungen verwenden und Übersetzernachlässe könnten eine genuin translationswissenschaftliche Quelle sein, werden aber nur bei wenigen Übersetzern als bewahrenswert angesehen.

(3) Ausgewählte Objekte

Akteure (Übersetzer, Dolmetscher, Verlage etc.), Medien, Texte, Paratexte (Translationen, Korrespondenz, Arbeitsverträge, Registrierungen, Erinnerungen, Pressetexte etc.), Kapital (Vergütung), Arbeitsplatz (Ausstattung), Netzwerke, Ereignisse, Prozesse … Was ist noch nicht beschrieben in der aktuellen Translationshistoriografie? Was soll (erstmals?) ans Licht gebracht werden und was bleibt im Dunkeln?

(4) Optimierte Methoden

In den meisten akademischen Disziplinen entwickelten sich historiografische Methoden mit der Zeit, schrittweise, mit Trends, Gelegenheiten, Rückschlägen, Einschränkungen. Ist es ein Vorteil, die Objektgeschichte einer Disziplin gewissermaßen von Null beginnen zu können, ohne Umwege die neuesten Trends der Historiografie einarbeiten zu können? Was benötigt eine Geschichte der Translation? Prosopografische Darstellungen? Soziologische Analysen? Statistische Auswertungen? Was sind die erkenntnisversprechenden Analyse- und Erzählformen (Vergleich, Transfer, Verflechtung u. ä.)? Welche Disziplinen (Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaften, Geschichtswissenschaft, Philosophie, Soziologie u. a.) bieten Ansätze? Histoire Croisée, Akteur-Netzwerk-Theorie, Feld-Theorie, Rezeptionsforschung?

(5) Übersicht und Synthese

Die Translationsgeschichte bietet bereits Mikrogeschichten: Wie können die Einzelgeschichten der Texte und Akteure – diese Anekdotensammlungen – zu einer Geschichte werden? Das heißt, wie können sie zu Kategorisierungen, Typologien oder Periodisierungen verknüpft und in Zusammenhang gestellt werden und somit eine Geschichte der translatorischen Handelns bilden?

Fortsetzung der Berliner Tagung von 2014

Die Tagung bildet die Fortsetzung der Tagung “Translation & the Third Reich”, die im Dezember 2014 in Berlin stattfand. Sie ergibt sich aus der Erkenntnis, dass gerade die Arbeit mit der Translationsgeschichte des “Dritten Reichs” besondere Wachsamkeit und einen kritischen Umgang mit Methodik und Quellen fordert.

Es gilt noch so viel mehr darüber zu diskutieren, wie eine Translationsgeschichte zur Zeit des Nationalsozialismus geschrieben werden kann. Darüber hinaus könnten gerade auf Grund der erforderlichen wissenschaftlichen Strenge, Wachsamkeit und Klarheit die erarbeiteten Ansätze, Methoden und Erfahrungen im Umgang mit den Herausforderungen an der Arbeit mit Translationsgeschichte, Anwendungen finden für andere Dolmetsch- und Übersetzungskontexte, die aus historischer Perspektive betrachtet werden sollen.

Zu einem Zeitpunkt, da sich die Translationswissenschaft zunehmend ihrer Gegenstandsgeschichte zuwendet, halten wir es für sinnvoll und grundlegend wichtig, darüber zu diskutieren, wie wir diese Geschichte schreiben wollen und laden Sie herzlich ein, Ihre Überlegungen und Herangehensweisen im Rahmen unserer Tagung in Wien zu teilen und zu diskutieren.

Call for Papers: Einsendung bis 30.04.2016

Bitte senden Sie per Mail einen halbseitigen Abstract sowie eine dreizeilige Bionote in einer der Tagungssprachen bis zum 30. April 2016 an translation-thirdreich-2016@univie.ac.at. Die Abstracts werden auf der Internetseite der Tagung veröffentlicht und den Teilnehmern in der Tagungsmappe präsentiert.

Veröffentlichung in Buchform

Eine Auswahl der Beiträge wird im Anschluss an die Tagung in der Reihe “Transkulturalität – Translation – Transfer” beim Verlag Frank & Timme in Berlin erscheinen. Die Einreichmodalitäten für Beiträge im Band werden nach der Tagung bekannt gegeben.

Tagungsinfos

  • Internationale Tagung Translation und das “Dritte Reich” II – Historiografische Herausforderungen.
  • Wien, 29.-30. September 2016, Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien
  • Tagungssprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch.
  • Die Tagungsgebühr beträgt 60 Euro.
  • Die Organisation liegt in den Händen von Univ.-Prof. Dr. Larisa Schippel, Stefanie Kremmel, Sabine Lefèvre, Julia Richter, Karlheinz Spitzl und Cornelia Zwischenberger.

Mehr zum Thema

[Text: ZTW Universität Wien. Quelle: Mitteilung ZTW Universität Wien, 2016-02-08. Bild: Bundesarchiv, Bild 183-H25217 / CC-BY-SA 3.]

Nachwuchsförderung bei Konferenzdolmetschern: Das Mentoring-Programm des VKD

VKD

Sie wurden mit feierlichem Applaus von den Mitgliedern des VKD verabschiedet: Die Mentees und Mentoren, die von 2014 bis 2016 am Nachwuchsprogramm teilgenommen haben.

Auf der Jahresmitgliederversammlung des Verbandes der Konferenzdolmetscher (VKD) im BDÜ hieß es am 30.01.2016 wieder: Hallo neuer und auf Wiedersehen alter Jahrgang. Im Rahmen des Nachwuchsprogramms begleiten erfahrene Konferenzdolmetscher junge Kollegen und unterstützen sie mit Rat und Tat beim Einstieg in das Berufsleben.

Feierlich und unter großem Applaus verabschiedeten die Mitglieder des VKD in Bonn die jeweils zehn Mentees und Mentoren, die von 2014 bis 2016 am Nachwuchsprogramm teilgenommen haben.

VKD-Mentoring

Der neue Jahrgang im Nachwuchsprogramm des VKD: 21 erfahrene Konferenzdolmetscher werden bis 2018 ihre jungen Kollegen tatkräftig unterstützen.

Im Anschluss wurde der neue Jahrgang begrüßt: 21 erfahrene Konferenzdolmetscher werden bis 2018 ihre jungen Kollegen tatkräftig unterstützen.

“Neben der Qualitätssicherung zählt die aktive Nachwuchsförderung zu den wichtigsten Aufgaben unseres Verbandes, deshalb haben wir das Programm 2007 ins Leben gerufen. Mittlerweile haben daran bereits 70 junge Konferenzdolmetscher teilgenommen”, sagt Ruth Kritzer, Vorsitzende des VKD.

Die Idee hinter dem Angebot: Für jeweils zwei Jahre bilden ein Nachwuchsdolmetscher und ein erfahrener Kollege ein “Tandem”. Sie treffen sich regelmäßig zu persönlichen Gesprächen, besuchen gemeinsam Fortbildungen und tauschen sich über alle Themen rund um ihren Beruf aus. “Die Tätigkeit als freiberuflicher Konferenzdolmetscher bringt gerade für Einsteiger viele Herausforderungen mit sich. Besonders gefragt sind Erfahrungen und Expertise der schon länger professionell tätigen Kollegen beispielsweise zu den Themen Akquise und Markt”, berichtet Kritzer und benennt einen weiteren Vorteil des Programms: “Wir tragen damit, ebenso wie durch unsere anspruchsvollen Aufnahmekriterien, aktiv zur Qualitätssicherung bei.”

Claire Labigne und Tina Conrad

Claire Labigne und Tina Conrad

Rund 70 Mitglieder des VKD haben sich bisher – teilweise bereits zum wiederholten Mal – als Mentoren engagiert. Eine von ihnen ist Claire Labigne, die nach ihrem Studium zunächst periodisch für Europäische Akademien gearbeitet hat und seit 1990 ganzjährig als Konferenzdolmetscherin tätig ist. “Ich versuche, Schwierigkeiten für den Nachwuchs aus dem Weg zu räumen und eine helfende Hand zu bieten. Gleichzeitig lerne ich selbst von der jüngeren Generation, spüre ihren Elan und den Impuls, neue Wege zu gehen”, so die Mentorin, die sich zum dritten Mal in ein Tandem einbringt. “Leider gab es das Programm noch nicht, als ich Berufseinsteigerin war.”

Umso mehr weiß ihre Mentee Tina Conrad, die wie Claire Labigne ins Deutsche und Französische dolmetscht, die Anfang 2015 gestartete Zusammenarbeit im Tandem zu schätzen. “Mit Claire habe ich eine Dolmetscherin an meiner Seite, die schon lange erfolgreich im Geschäft ist und weiß, wie der Hase läuft. Wir sind mittlerweile ein eingeschworenes Team geworden.” Kein Wunder also, dass sie sich gut vorstellen kann, sich in Zukunft selbst als Mentorin zu engagieren. “Mir ist diese gegenseitige Unterstützung sehr wichtig”, so Tina Conrad, die seit zwei Jahren als Konferenzdolmetscherin arbeitet. Die nächste Generation von Mentoren steht also schon bald bereit.

Über den VKD im BDÜ

VKD-MentoringDer deutsche Verband der Konferenzdolmetscher (VKD) im BDÜ e.V. vertritt die Interessen seiner Mitglieder und ganz allgemein des Berufsstandes der Konferenzdolmetscher, insbesondere in Deutschland, gegenüber nationalen und internationalen Organisationen, Behörden, Körperschaften, Regierungen, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Er wurde 2003 gegründet und zählt derzeit über 600 Mitglieder mit 32 Arbeitssprachen. Alle VKD-Mitglieder durchlaufen ein anspruchsvolles Aufnahmeverfahren, innerhalb dessen ihre Dolmetschqualifikation mit Hochschulabschluss bzw. einschlägige Berufserfahrung objektiv geprüft werden.

www.vkd.bdue.de

[Text: VKD. Quelle: Pressemitteilung VKD, 2016-02-02. Bild: VKD.]

Wegen der Begleitdolmetscher: Keine Wartezeit für Flüchtlinge bei Arztbesuchen

“Asylsuchende und Flüchtlinge müssen in Ambulanzen so gut wie nicht warten. Das sorgt in den überfüllten Spitals-Wartezimmern für gehörigen Unmut und Beschwerden”, schreibt die österreichische Boulevardzeitung “Kurier”.

Der Grund für diese bevorzugte Behandlung ist jedoch einfach: Ausländer werden dann umgehend drangenommen, wenn sie von einem Dolmetscher begleitet werden. Den Dolmetscher gemeinsam mit dem Patienten lange warten zu lassen, würde die Dolmetschkosten in die Höhe treiben, weil dieser auch fürs Herumsitzen bezahlt werden müsste. Selbst bei unbezahlten Begleitdolmetschern würden so sinnlos dringend benötigte Dolmetschkapazitäten gebunden. Die Zeitung schreibt:

Damit die Übersetzer bei Untersuchungen der Asylwerber nicht ebenfalls mehrere Stunden warten müssen, werden diese Behandlungen vorgezogen (meistens nach Terminabsprachen). Der Sprecher des Krankenanstaltenverbundes (KAV), Ralph Luger bestätigt: “Vorreihungen wegen der Dolmetsch-Begleitungen gibt es.” Auch Martin Gantner von der Caritas kennt die Problematik. Erwähnt werden muss, dass Untersuchungen von Strafgefangenen und Menschen mit Behinderung ebenfalls vorgezogen werden.

Im Artikel wird darüber hinaus berichtet, dass die Hilfsbereitschaft unter der Ärzteschaft inzwischen merklich abgekühlt ist: “Viele Ärzte, die neben ihrem Spitalsjob und/oder neben ihrer Ordination Flüchtlinge in Unterkünften behandelten, warfen das Handtuch.”

Im September 2015 hätten sich noch 483 Ärzte aller Fakultäten bei der Wiener Interessensvertretung für ehrenamtliche Einsätze außerhalb der Dienstzeiten gemeldet. Mariella Hudetz von der ambulant-medizinischen-Organisation Amber-Med sagt: “Dieser Pool ist geschrumpft. Wenn jetzt noch 150 bis 200 Mediziner gemeldet sind, dann ist das viel.”

Weiterführende Links zum Thema

[Text: Richard Schneider. Quelle: Kurier, 2016-02-07.]

“… und am Ende sind sie an allem schuld”: Roger Willemsen über Dolmetscher und das Wesen des Übersetzens

Roger Willemsen

Roger Willemsen im Jahr 2011 bei einer Lesung in Siegburg.

Heute wurde bekannt, dass der Publizist und Fernsehmoderator Roger Willemsen am 07.02.2016 im Alter von 60 Jahren verstorben ist.

Willemsen war in jungen Jahren auch als Übersetzer tätig – so zum Beispiel für Thomas Moore und Umberto Eco. Er schrieb das Vorwort zu Jürgen Stähles “Vom Übersetzen zum Simultandolmetschen”. Viele der gut 50 von Willemsen verfassten oder herausgegebenen Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt, einige seiner Fernsehsendungen ins Ausland verkauft. Wahrscheinlich stammt daher sein tiefes Verständnis für das Wesen der Sprachmittlung und die in dieser Branche Tätigen.

Im Gegensatz zu den meisten Journalisten war ihm der Unterschied zwischen dem Übersetzen und Dolmetschen bewusst. In Talkshows glänzte er mit der selten anzutreffenden Fähigkeit, zu jedem beliebigen Thema aus dem Stegreif ohne Ähs und Öhs druckreif und klug daherreden zu können. Im Gegensatz zu den meisten Medienschaffenden beherrschte er sein Werkzeug, die deutsche Sprache, virtuos – einschließlich Konjunktiv und indirekter Rede.

Uepo.de hat im Jahr 2002 über einen Zeitungsessay berichtet, den Willemsen zum Thema Übersetzen und Übersetzer verfasst hatte. Damals schrieben wir unter der Überschrift “Das älteste Gewerbe der Welt: Roger Willemsen über das Übersetzen”:

Die gesamte Seite VII der heutigen Wochenendbeilage der Süddeutschen Zeitung widmet der Publizist, Moderator und Frauenschwarm Roger Willemsen (47) dem ältesten Gewerbe der Welt. Dabei spannt er einen weiten Bogen von Aristoteles zu Umberto Eco, vom Dschungel Borneos bis zum alten Bonner Kanzleramt. Der Titel: “Do you speak Germish? Das Übersetzen und die Schönheit des Nichtverstehens.” Auszüge:

Auch wenn man es gerne leugnet: Das Übersetzen ist das älteste Gewerbe der Welt. Denn am Anfang war zwar das Wort, aber es verstand kein Mensch. Ja, man versteht es bis zum heugigen Tage so unvollkommen, dass des Übersetzens und Deutens niemals je ein Ende ist. Der Übersetzer mag also auf der Ständepyramide ökonomisch weit unten angesiedelt sein, in seiner Bedeutung für die Kulturgeschichte steht er ganz weit oben. […]

 

Eine der letzten romantischen Sachen in dieser Welt ist wohl wirklich die Vielsprachigkeit. Sie ist so liebenswert umständlich, zwingt uns in unpraktische Prozeduren, macht uns auf einen Schlag von weltläufigen, selbstbewussten Individuen zu kindlich agierenden, imbezilen Stammlern, die sich mit primitiven Gesten und blödsinniger Schauspielerei zu verständigen suchen. […]

 

In der Zusammenarbeit mit Dolmetschern habe ich oft ihr absolutes Gehör für Vierteltöne bewundert, ebenso wie ihre Fähigkeit, den Gedolmetschten zu erfühlen, ihn im Idiom wie im Habitus zu verkörpern, ihm Sprache auf den Leib zu schneidern und sich in diesem bewegen zu können. Dazu bewunderte ich aus der Ferne ihren Heroismus: Sie werden von Jelzin gekniffen, müssen in dunklen Kabinen hausen wie Höhlenmenschen, selten dürfen sie ins Bild, wenn doch, dann im Hintergrund. Sie haben keine Psychologie, keine Bedürfnisse, keine Schauseite. Sie werden vor allem nach Eigenschaften bewertet, die man an einer Maschine loben würde: Erträgliches Design, Effizienz, gute akustische Features, sparsam im Verbrauch, und am Ende sind sie an allem schuld.

Weiterführender Link

[Text: Richard Schneider. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 2002-07-27. Bild: Sharon Nathan, Lizenz CC BY-SA 3.0 (über Wikipedia).]

Glossary Converter & Co.: Die nützlichsten Trados-Apps von Übersetzern für Übersetzer

translationzone.com

Die Website translationzone.com wurde von SDL eingerichtet. Sie ist für den Austausch von Wissen und Apps unter den Trados-Anwendern gedacht.

Übersetzen ohne Technologien kann sich heute kaum noch jemand vorstellen. Zumindest bei Übersetzungen für Industrie und Wirtschaft sind die großen Mengen an Texten und Dokumenten ohne einen Einsatz von Translation-Memory-Programmen nicht zu bewältigen. Diese Technologien gibt es bereits seit Anfang der 1980er Jahre. Dutzende von mehr oder weniger leistungsfähigen Programmen stehen zur Auswahl.

Trados nach wie vor Marktführer

Marktführer ist heute SDL Trados Studio, das Nachfolgeprodukt von Trados, das im Jahr 1984 in Stuttgart von den damaligen Gründern, Jochen Hummel und Iko Knyphausen, entwickelt wurde. SDL schreibt auf seiner Webseite, dass es eine Übersetzer-Community mit mehr als 200.000 professionellen Übersetzern hat. Und diese Community verfügt über ein sehr großes Wissen, das dem Produkt zugutekommen soll.

Offene Schnittstellen – gut dokumentiert und kostenlos

Ein Teil des Erfolgs von SDL Trados Studio ist darauf zurückzuführen, dass SDL seine Produkte für Entwickler öffnet. Die Schnittstellen sind sehr gut dokumentiert und kostenlos.

Das haben viele Entwickler und technisch begabte Anwender genutzt, um Add-ins oder selbstständige Programme zu entwickeln, die spezielle Probleme aus dem Alltag von Übersetzern oder Projektmanagern lösen.

Das Ergebnis der Öffnung des Produkts ist eine ständig wachsende Sammlung von gegenwärtig 168 Apps, die Übersetzern, Terminologen, Lektoren oder Mitarbeitern des technischen Supports helfen, Übersetzungen effizienter zu produzieren.

OpenExchange-Plattform translationzone.com

Diese Apps sind teils kostenlos, teils entgeltlich und werden von SDL auf der OpenExchange-Plattform translationzone.com zum Herunterladen angeboten.

Die Apps werden in 6 Kategorien untergliedert:

  • Filter und Converter
  • Prozessautomatisierung
  • Translation-Memory
  • Maschinelle Übersetzung
  • Terminologie
  • Referenz (z. B. Handbücher oder Autosuggest-Wörterbücher)

Wir können hier natürlich nicht alle Apps vorstellen, aber einige erfolgreiche Apps möchten wir vorstellen:

(1) Glossary Converter

Die bisher erfolgreichste App ist der kostenlose Glossary Converter, mit dem man auf sehr einfache Weise MultiTerm-Wörterbücher in Formate wie Microsoft-Excel oder TBX exportieren kann.

Die Bedienung ist sehr einfach: Der Benutzer braucht lediglich mit der Maus die MultiTerm-Datenbank auf das Symbol des Glossary Converter zu ziehen.

(2) SDL XLIFF Split/Merge

Eine weitere beliebte und nützliche App ist SDL XLIFF Split/Merge. Mit diesem Zusatzprogramm lassen sich große SDL XLIFFDateien aufteilen, sodass mehrere Übersetzer parallel an einem Großprojekt arbeiten können. Nachdem die Übersetzung fertig ist, lassen sich diese Dateien wieder zu einer gesamten SDL XLIFF-Datei zusammenführen.

(3) SDLTmReverseLangs for Studio 2014

Ein praktischer kleiner Helfer ist die App SDLTmReverseLangs for Studio 2014. Wie der Name sagt, kann man hiermit die Sprachrichtung eines Translation-Memory umkehren.

(4) SDL Trados Studio MT Autosuggest

SDL Trados Studio MT Autosuggest bietet einen interessanten und intelligenten Ansatz. Autosuggest-Wörterbücher von SDL Trados Studio gibt es schon seit einigen Jahren. SDL Trados Studio und einige wenige andere Anbieter haben eine Funktion entwickelt, die aus Translation-Memorys wiederkehrende Wortgruppen aus der Ausgangs- und Zielsprache parallel indiziert und in einem Autosuggest-Wörterbuch erfasst. So ist immer ein Bezug zwischen den Wortgruppen der Ausgangs- und der Zielsprache vorhanden.

Wenn der Übersetzer anfängt, eine Übersetzung zu schreiben, erkennt das System eine gespeicherte Wortgruppe und bietet dem Übersetzer die komplette Übersetzung dafür. Das ist zweifelsohne ein nützliches Produktivitätswerkzeug für Übersetzer.

Die App SDL Trados Studio MT Autosuggest bietet während des Übersetzens Autosuggest-Vorschläge aus beliebigen maschinellen Übersetzungsprogrammen. Oft versagt maschinelles Übersetzen bei der Übersetzung ganzer Sätze, aber die Qualität der Ergebnisse ist unterhalb der Segmentebene oft deutlich besser. Dieses Prinzip macht sich diese App zunutze.

(5) File type definition for TMX

Mit der App File type definition for TMX lassen sich relativ große TMX-Dateien in SDL Trados Studio öffnen und editieren. Der Hersteller schreibt: “Diese App eignet sich vor allem für Nutzer, die nicht nur SDL- sondern auch Across-Technologie verwenden. Sie können problemlos TMX-Dateien bearbeiten, die im Across-Tool erstellt wurden. Eine vollständig übersetzte TMX-Datei kann zurückgesandt werden, wenn der Vorgang abgeschlossen ist.”

Von offenen Plattformen profitieren alle Beteiligten

Die Welt, in der sich Übersetzer und Dokumentationsspezialisten bewegen, wird immer komplexer. Offene Plattformen wie OpenExchange sind eine willkommene Unterstützung. Jeder kann von den Lösungen der “Community” profitieren und schneller zum Ziel kommen.

[Text: D.O.G. GmbH (www.dog-gmbh.de). Quelle: D.O.G. news 1/2016. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Dr. François Massion. Bild: Richard Schneider.]

Flüchtlingsdolmetscher begrapscht Helferinnen in Brandenburger Erstaufnahmeeinrichtung

In einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt (Brandenburg) soll ein als Laiendolmetscher tätiger Libanese wiederholt Helferinnen sexuell belästigt und begrapscht haben. Wie ein Polizeisprecher gegenüber der Presse bestätigte, liegen gegen den Mann bereits zehn Anzeigen vor.

Diese stammen von Frauen, die ehren- oder hauptamtlich für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in der Flüchtlingsbetreuung tätig sind. Der Mann soll sie verbal belästigt und unsittlich berührt haben.

Das DRK verhängte gegen den Mann ein Hausverbot. Zugleich wies der Verband Vorwürfe zurück, man habe die Vorfälle vertuschen wollen. DRK-Präsident Frank Hülsenbeck erklärte, der Verband habe mit allen Mitarbeitern gesprochen, um den Sachverhalt aufzuklären.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Bild, 2016-02-05.]

Kreis Soest: Kommunales Integrationszentrum baut innerhalb weniger Monate Pool mit 100 Dialogdolmetschern auf

Dezernentin Maria Schulte-Kellinghaus (rechts stehend) begrüßt die ehrenamtlichen Dolmetscher des Kommunalen Integrationszentrums zu einem Informationsaustausch in der Kantine des Kreishauses.

Seit Sommer 2015 baut das Kommunale Integrationszentrum (KI) des Kreises Soest einen Dolmetscherpool auf. Damit reagierte das KI auf einen ausdrücklichen Wunsch der Kreiskommunen, eine Unterstützung zur Überwindung sprachlicher Barrieren bei der Verständigung mit Einwanderern anzubieten. Auf dieses Angebot sind viele Institutionen wie Kindertagesstätten, Schulen oder Behörden immer häufiger angewiesen.

100 Laiendolmetscher für 40 Sprachen

Auf entsprechende Aufrufe haben sich mehr als 100 ehrenamtlich Tätige gemeldet, die fast 40 Sprachen abdecken. Als Sprachkundige können sie in vielen Situationen helfen, zum Beispiel bei Gesprächen zwischen Eltern und Lehrern.

Die Laiendolmetscher waren auch in der Notunterkunft im Lippe-Berufskolleg in Lippstadt eine unersetzliche Hilfe für die Mitarbeiter des Kreises, als der Kreis Soest die Einrichtung einige Wochen selbst betrieb.

Treffen zum Informationsaustausch im Kreishaus

Im Dezember 2015 hatte das Kommunale Integrationszentrum die Dolmetscher zu einem Austausch ins Soester Kreishaus eingeladen. Maria Schulte-Kellinghaus, Dezernentin für Jugend, Schule und Soziales, nutzte die Gelegenheit, um sich bei den ehrenamtlichen Helfern für ihr unermüdliches Engagement zu bedanken.

Bei dem Treffen hatten diese auch die Möglichkeit, Bedarf für Schulungen zu unterschiedlichen Themen, zum Beispiel interkulturelle Kompetenzen oder Traumata, anzumelden.

Bedarf besteht bei Behörden, Kitas und Schulen

Die Dolmetscher können von allen Institutionen abgerufen werden, insbesondere von Kommunen, Kitas, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. “Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich um ein freiwilliges Engagement handelt. Das heißt, es kann keine professionelle Dienstleistung vorausgesetzt werden”, stellt KI-Leiterin Galina Nedelcheva klar. Aufgabe der Dolmetscher sei es, in alltäglichen Situationen sprachlich zu vermitteln.

Bei Gesprächen mit Polizei oder Ärzten werden vereidigte Dolmetscher beauftragt

Bei Gesprächen mit erheblichen Rechtsfolgen, beispielsweise bei der Polizei oder bei Gesundheitsgutachten, müsse ein vereidigter Dolmetscher beauftragt werden. Die ehrenamtlichen Helfer erhielten für ihren Einsatz eine kleine Aufwandsentschädigung, die der Auftraggeber zu übernehmen habe.

Dolmetscher können per Formular auf Website angefordert werden

Auf der Internetseite www.zuhause-im-kreis-soest.de ist direkt auf der Startseite links ein Menüpunkt “Dolmetscherpool” zu finden. Dort befindet sich ein Formular, mit dem bei Interesse die ehrenamtlichen Helfer gebucht werden können.

Das KI weist darauf hin, dass mindestens drei Tage Vorlauf für einen Dolmetscheinsatz notwendig sei. Für weitere Fragen steht Linda Kratzel vom KI unter dem Telefon 02921 302446 oder E-Mail linda.kratzel@kreis-soest.de zur Verfügung.

[Text: Kreis Soest, überarbeitet von Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung Kreis Soest, 2015-12-17. Bild: Mathias Keller/Kreis Soest.]

WordPress theme: Kippis 1.15