Baden-Württemberg: Justizminister Wolf stellt Pilotprojekt für das Video-Dolmetschen in Gefängnissen vor

JVA Stuttgart-Stammheim

Mit 877 Haftplätzen ist die JVA Stuttgart-Stammheim in Baden-Württemberg das zweitgrößte Gefängnis von insgesamt 17 Justizvollzugsanstalten mit 27 Außenstellen.

Baden-Württembergs „Minister der Justiz und für Europa“, Guido Wolf, hat am 17. Mai 2017 das Pilotprojekt für Video-Dolmetschen in baden-württembergischen Justizvollzugsanstalten (JVAs) vorgestellt. Wolf erläuterte das Projekt in der JVA Stuttgart-Stammheim gemeinsam mit dem im Ministerium zuständigen Projektleiter, Regierungsdirektor Hansjörg Bart, und dem Leiter der Justizvollzugsanstalt Stuttgart, Matthias Nagel.

Weitere Projektanstalten neben Stuttgart sind die Justizvollzugsanstalten in Bruchsal, Karlsruhe, Rottenburg und Rottweil (dort die Außenstelle Hechingen) sowie das Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg.

„Enorme Herausforderungen“ durch steigenden Anteil ausländischer Gefangener

Guido Wolf

Guido Wolf

Minister Wolf sagte: „Der starke Anstieg der Gefangenenzahlen im Land und insbesondere der nochmals gewachsene Anteil ausländischer Gefangener stellt uns im baden-württembergischen Justizvollzug vor enorme Herausforderungen. Ein erhebliches Problem sind die mangelnden Deutschkenntnisse zahlreicher Gefangener. Oftmals ist eine Kommunikation in deutscher Sprache schlichtweg unmöglich. Hier soll das Video-Dolmetschen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Vollzugsalltag die Arbeit erleichtern.“

Das Video-Dolmetschen ergänzt die bisherigen Maßnahmen im baden-württembergischen Justizvollzug, die eine Kommunikation mit nicht Deutsch sprechenden Gefangenen erleichtern sollen. „Der klassische Übersetzer, der in die Anstalt kommt, ist natürlich nicht 24 Stunden am Tag verfügbar“, so Wolf. „Solche Termine benötigen auch einen erheblichen Vorlauf.“

Projektpartner ist die SAVD Videodolmetschen GmbH

Für das sechsmonatige Pilotprojekt arbeitet das Ministerium der Justiz und für Europa mit der SAVD Videodolmetschen GmbH aus Österreich zusammen. Dieser Videodolmetscherdienst stellt den Anstalten mit sehr kurzer Vorlaufzeit – in der Regel innerhalb weniger Minuten – einen Dolmetscher per Videokonferenz zur Verfügung.

Dolmetschbudget im Landeshaushalt auf 150.000 Euro aufgestockt

Für das Projekt wurde das Budget für Dolmetscherkosten im Staatshaushaltsplan für das Jahr 2017 um 60 Prozent erhöht und auf 150.000 Euro pro Jahr aufgestockt.

46 Prozent Ausländeranteil in baden-württembergischen Gefängnissen

Baden-Württemberg verfügt aktuell über 17 Justizvollzugsanstalten mit 18 Außenstellen, einem Justizvollzugskrankenhaus sowie einer sozialtherapeutischen Anstalt. Zum Stichtag 30. April 2017 befanden sich insgesamt 7.442 Gefangene in den baden-württembergischen Justizvollzugsanstalten, hiervon sind 1.850 Untersuchungsgefangene und 5.336 Strafgefangene.

Der Anteil ausländischer Gefangener beträgt rund 46 Prozent.

Über die SAVD Videodolmetschen GmbH

Die SAVD Videodolmetschen GmbH betreut Kommunen, Kliniken, Justizvollzugsanstalten, Jobcenter, Schulen, Bildungseinrichtungen und Polizei- und Asyleinrichtungen. Mit knapp 1.000 ausgebildeten Dolmetschern, rund 130.000 Videocalls pro Jahr und mehreren Beratungsmandaten für öffentliche Einrichtungen ist das Unternehmen für politische Entscheidungsträger ein wesentlicher Partner und Lösungsanbieter.

www.videodolmetschen.com

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[Text: Justizministerium Baden-Württemberg, ergänzt von Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung Justizministerium Baden-Württemberg, 2017-05-17. Bild: Andrzey Estko / Fotolia; Justizministerium Baden-Württemberg.]

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