Unglaublich: Ein Drittel der Übersetzungsbüros meldet Geschäftszahlen nicht fristgerecht an Bundesanzeiger

UEPO 300“Wann erscheint endlich eine neue Fassung der UEPO 300?”, werden wir bei uepo.de oft gefragt. Die neueste Version der Rangliste der größten deutschen Sprachdienstleister wurde 2013 für das Jahr 2011 erstellt.

Die Antwort ist einfach: Wir können noch keine neue Liste erstellen, weil sehr viele Sprachdienstleister ihre Geschäftszahlen noch nicht an den Bundesanzeiger übermittelt haben, obwohl sie dies längst hätten tun müssen.

Wir haben zuletzt im August 2014 versucht, die Liste zu aktualisieren. Aber es zeigte sich, dass sage und schreibe 96 von 293 Unternehmen ihrer Meldepflicht für das Jahr 2012 bis dahin immer noch nicht nachgekommen waren. Obwohl die gesetzliche Frist schon 8 Monate vorher (Ende Dezember 2013) abgelaufen war. Das ist genau ein Drittel der als GmbH, AG oder UG verfassten Übersetzungsbüros.

Meldepflicht besteht “unverzüglich”, Frist von maximal 12 Monaten

Grundsätzlich hat die Einreichung der Jahresabschlüsse “unverzüglich” und “spätestens vor Ablauf des 12. Monats des dem Abschlussstichtag folgenden Geschäftsjahres” zu erfolgen. Entspricht das Geschäftsjahr – wie in den meisten Fällen – dem Kalenderjahr, ist der Abschluss für das Geschäftsjahr 2012 also spätestens bis Ende 2013 einzureichen und bekannt zu machen. Das war wie gesagt im August 2014 bei einem Drittel der Büros immer noch nicht der Fall.

Die meisten Unternehmen scheinen ihre Zahlen absichtlich möglichst spät zu melden, um der Konkurrenz nur einen verzögerten Einblick in die Geschäftsentwicklung zu gewähren. Dadurch ergibt sich bei der Zusammenstellung der Rangfolge grundsätzlich eine Verzögerung von etwa eineinhalb Jahren – auch dann, wenn alle Anbieter ihre Zahlen pünktlich an den Bundesanzeiger übermitteln würden.

Im Januar 2015 ist Schluss mit lustig: Ordnungsgelder von 2.500 bis 25.000 Euro

Im Januar 2015 starten wir einen neuen Anlauf, die UEPO 300 für das Jahr 2012 zu erstellen. Diejenigen Büros, deren Zahlen für das Jahr 2012 dann immer noch nicht auffindbar sind, melden wir dem Bundesanzeiger. Es winken Ordnungsgelder in Höhe von 2.500 bis 25.000 Euro, erhoben durch das 2007 eingerichtete Bundesamt für Justiz in Bonn.

UEPO 300 schafft Transparenz

Die Rangliste der größten deutschen Sprachdienstleister sorgt für Markttransparenz. So zeigte sich, dass diejenigen mit der besten PR-Maschinerie gar nicht so groß sind wie man immer dachte. Andererseits gibt es einige sehr große Anbieter, die auch in der Fachöffentlichkeit kaum bekannt sind. Manche besitzen nicht einmal eine Website.

Die Zahl der Einträge ist von Jahr zu Jahr gewachsen: von 70 in der ersten Online-Fassung der Liste bis auf jetzt 293. Die Liste dürfte jetzt annähernd vollständig sein. Nur noch vereinzelt können wir Sprachdienstleister ermitteln, die in den Vorjahren noch nicht aufgeführt waren.

www.uepo.de/uepo-300

[Text: Richard Schneider. Bild: Richard Schneider.]

Hochschule Landshut startet 2015/2016 neuen BA-Studiengang Gebärdensprachdolmetschen

Prof. Dr. Uta Benner

Prof. Dr. Uta Benner

Zum Wintersemester 2015/2016 plant die Hochschule Landshut die Einführung des neuen Bachelor-Studiengangs „Gebärdensprachdolmetschen“. Hierfür wurde bereits dieses Wintersemester Prof. Dr. Uta Benner an die die Hochschule Landshut berufen. An der Fakultät für Soziale Arbeit ist sie für die konzeptionelle Entwicklung und fachliche Ausgestaltung des neuen Studiengangs verantwortlich.

Uta Benner hat an den Universitäten Stuttgart und Hamburg Computerlinguistik mit Nebenfach Gebärdensprachdolmetschen studiert und anschließend an der Universität Stuttgart zur Verarbeitung von Deutscher Gebärdensprache promoviert. Darüber hinaus war sie freiberuflich als Gebärdensprachdolmetscherin tätig und hat an Gerichten in Baden-Württemberg gearbeitet.

An der Hochschule Landshut möchte sie dazu beitragen, dass eine akademisch qualifizierte Ausbildungsmöglichkeit zum Gebärdensprachdolmetscher im süddeutschen Raum zur Verfügung steht. Prof. Benner und die Hochschule legen einen großen Wert auf den Austausch mit Personen, die mit Gebärdensprachdolmetschern zu tun haben. „Ein Ziel des Studiengangs ist es, die Kultur der Gehörlosen zu vermitteln und somit ein Verständnis zu schaffen. Die Studierenden erwerben nicht nur die Sprachkompetenz, sondern Dolmetschen heißt auch zwischen Kulturen zu vermitteln.“

www.haw-landshut.de

[Text: Henner Euting, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Hochschule Landshut. Quelle: Pressemitteilung Hochschule Landshut, 2014-11-05. Bild: Hochschule Landshut.]

“Unschärfe in der Sprache bedeutet Unschärfe im Denken” – Susanne Göpferich erneut zur GAL-Präsidentin gewählt

Susanne Göpferich

Susanne Göpferich

Prof. Dr. Susanne Göpferich, Professorin für Angewandte Linguistik am Institut für Anglistik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), steht für eine weitere zweijährige Amtszeit an der Spitze der mitgliederstärksten deutschen sprachwissenschaftlichen Fachgesellschaft. Seit 2013 als erste Frau mit dem Vorsitz der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) betraut, wurde sie auf dem derzeit an der Philipps-Universität Marburg stattfindenden GAL-Kongress in ihrem Amt bestätigt.

Prof. Göpferich, zugleich Direktorin des Zentrums für fremdsprachliche und berufsfeldorientierte Kompetenzen (ZfbK) der JLU, engagiert sich bereits seit vielen Jahren in der GAL. Von 2010 bis 2012 bekleidete sie das Amt der Vizepräsidentin, nachdem sie bereits zehn Jahre lang die Sektion Fachkommunikation geleitet hatte.

Sprache wichtigstes Denkwerkzeug – Stärkung des Deutschen als Wissenschaftssprache

„Sprache ist nicht nur unser zentrales Kommunikationsmittel, sie ist auch unser wichtigstes Denkwerkzeug. Unschärfe in der Sprache bedeutet Unschärfe im Denken. Deshalb ist die Vermittlung hoher Sprachkompetenz eine Grundvoraussetzung für die Ausbildung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von morgen – in allen Disziplinen“, sagte Prof. Göpferich nach ihrer Wiederwahl. „Den Stellenwert der mündlichen und schriftlichen Ausdrucksfähigkeit bewusst zu machen sowie die Entwicklung entsprechender Lehrkonzepte sind Ziele, die ich mit der GAL weiterverfolgen möchte.“ Zudem sei die Stärkung des Deutschen als Wissenschaftssprache und Denkwerkzeug neben dem Englischen der GAL ein zentrales Anliegen, erklärte Prof. Göpferich.

Von Germersheim über Karlsruhe und Graz nach Gießen

Der Lebenslauf von Prof. Göpferich dokumentiert, dass sie diese Aufgaben bereits in einer Vielzahl von Anwendungsfeldern der Angewandten Linguistik in Angriff genommen hat. Göpferich hat ihren Abschluss als Diplom-Übersetzerin an der Universität Mainz-Germersheim gemacht und dort auch promoviert. Von 1997 bis 2003 bekleidete sie eine Professur für technische Kommunikation und Dokumentation an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Karlsruhe und beschäftigte sich mit der Ausbildung von technischen Redakteuren.

Anschließend war sie für die Qualifikation von Übersetzern und Dolmetschern auf dem Lehrstuhl für Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft an der Universität Graz (2003 bis 2010) zuständig. Gegenwärtig lehrt sie als Professorin für Angewandte Linguistik an der Universität Gießen in den Studiengängen der Anglistik und am Zentrum für fremdsprachliche und berufsfeldorientierte Kompetenzen (ZfbK), das im Jahre 2010 gegründet wurde und das sie seither mit großem Erfolg leitet.

Über die Gesellschaft für Angewandte Linguistik

Die Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) e. V. ist mit rund 1.000 Mitgliedern eine der größten und ältesten sprachwissenschaftlichen Fachgesellschaften im deutschsprachigen Raum. Die GAL bündelt Aktivitäten und Initiativen, die sich auf die Erforschung und Optimierung von Kommunikationsprozessen in alltäglichen und professionellen Anwendungsfeldern richten: unter anderem in der Wirtschaft, in Justiz und Verwaltung, im Gesundheitswesen, in Bildungseinrichtungen und in Massenmedien.

Weiterführende Links

[Text: Lisa Dittrich, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Justus-Liebig-Universität Gieße. Quelle: Pressemitteilung Uni Gießen, 2014-09-19. Bild: Petra Bröckmann.]

“Immer im Schatten”: Andrew Sims, Sprachendienstleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Andrew Sims ist Leiter des Sprachendienstes im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Die dpa porträtiert ihn in einem Artikel, der im Handelsblatt erschienen ist. Die Überschrift lautet: „Zwischen Nachrotten und Gärresten – Gabriels EEG-Übersetzer“.

1988 sei der Brite der erste ausländische Dolmetscher in der Bundesregierung und auch der erste gewesen, der verbeamtet wurde, obwohl er nicht in Deutschland studiert hatte. „Eigentlich ist der Brite immer im Schatten, so sitzt er im Hintergrund nahe an Gabriels Ohr, als der mit US-Vizepräsident Joe Biden die Weltlage bespricht“, heißt es.

Jetzt hat sich Sims vorgenommen, das Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ins Englische zu übersetzen, das laut Ministerium auch schon ins Französische und Arabische übertragen wurde. Für die 73 Seiten rechnet Sims mit einer Arbeitszeit von zwei Wochen.

„Das ist eine undankbare Aufgabe“, erklärt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. „Denn niemand versteht es schon auf Deutsch.“ Die dpa beschreibt die Schwierigkeiten: „Sätze gehen teils ohne Komma über zehn Zeilen, schon auf Deutsch nicht gerade eine seichte Gute-Nacht-Lektüre […] normalerweise würde man sich nicht darum reißen, es zu übersetzen.“

Doch Andrew Sims will die Aufgabe trotz des „bürokratischen, verschwurbelten Duktus“ nicht an seine Mitarbeiter delegieren, die zurzeit 47 Übersetzungs- und 33 Dolmetschaufträge abarbeiten. Er meint: „Es ist ein normales deutsches Gesetz. Ich wollte es unbedingt selbst machen, es ist ein Schlüsseltext.“

Den genannten Artikel können Sie auf der Website des Handelsblatts lesen. Dort findet sich auch ein Foto, das Sims auf einer Pressekonferenz zusammen mit Minister Gabriel zeigt.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Handelsblatt, 2014-11-10.]

Schwarze Null, Russlandversteher, Terror-Tourismus: GfdS benennt Wörter des Jahres 2014

GfdSDie Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat soeben die Wörter des Jahres bekannt gegeben. Wie in den vergangenen Jahren wählte die Jury, die sich aus dem Hauptvorstand sowie den wissenschaftlichen Mitarbeitern der Gesellschaft zusammensetzt, aus diesmal rund 2.300 Belegen jene zehn Wörter und Wendungen, die den öffentlichen Diskurs des Jahres wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet haben.

Nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern seine Signifikanz bzw. Popularität stehen bei der Wahl im Vordergrund: Auf diese Weise stellen die Wörter eine sprachliche Jahreschronik dar, ihre Auswahl ist dabei jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden.

Platz 1: Lichtgrenze

Das Wort des Jahres 2014 ist “Lichtgrenze”. Diese Entscheidung traf am Donnerstagabend eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Das Wort bezieht sich auf die Lichtinstallation zum Anlass der Feierlichkeiten “25 Jahre Mauerfall” in Berlin.

Es spiegele in besonderer Weise die großen Emotionen wider, die das Ende der DDR im Herbst 1989 auch 25 Jahre später noch in ganz Deutschland hervorrufe. Über 8.000 weiße, leuchtende Ballons erinnerten auf einer Länge von 15 Kilometern an den Verlauf der Berliner Mauer und die frühere Teilung der Stadt. Die filigrane Durchlässigkeit der Installation und das Aufsteigen der Ballons auf dem Höhepunkt der Feierlichkeiten symbolisierten beeindruckend die Auflösung und Aufhebung der einst in jeder Hinsicht dunklen Demarkationslinie, so die Jury.

Ursprünglich hatte die Jury das Wort Lichtgrenze gar nicht auf ihrer Liste. Erst in der Diskussion kam der Vorschlag auf, der dann aber für das gesamte Auswahlgremium so überzeugend war, dass er alle anderen Kandidaten für Platz 1 aus dem Rennen schlug.

Anmerkung von uepo.de: Die hübsche Aktion mit der “Lichtgrenze” zum 25. Jahrestag des Mauerfalls mag für die Berliner eine Bedeutung haben. Zumindest in den westlichen Bundesländern wurde von den Veranstaltungen jedoch kaum Notiz genommen. Das Wort ist hier völlig unbekannt. Es hat den “Diskurs des Jahres” keineswegs “wesentlich geprägt”, ist nicht “signifikant” und schon gar nicht “populär” und widerspricht damit den von der Jury selbst formulierten Auswahlkriterien. Insofern ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar.

Platz 2: schwarze Null

Auf Platz 2 wählte die Jury den Ausdruck “schwarze Null”. Er steht wie kein anderer für die Bemühungen der schwarz-roten Koalition um einen ausgeglichenen Haushalt. Erstmals seit über 45 Jahren will die Bundesregierung 2015 ohne neue Schulden auskommen – ein Ziel, dem fast alles andere untergeordnet wird, das aber politisch keineswegs unumstritten ist. Die Debatte um die schwarze Null prägte fast das gesamte Jahr 2014.

Platz 3: Götzseidank

Mit der grammatisch genau genommen als Satz zu interpretierenden Wortprägung “Götzseidank” würdigt die GfdS den deutschen Fußballweltmeistertitel, genauer gesagt: das Siegtor von Mario Götze gegen Argentinien in der 113. Minute des WM-Finales. Ursprünglich eine Titelzeile der Süddeutschen Zeitung, wurde die Neuschöpfung Götzseidank allenthalben aufgegriffen. Selbst ins Englische wurde sie sofort übersetzt: Praise be to Götze!

Platz 4: Russlandversteher

Mit dem – als deutsches Fremdwort – ebenfalls bereits ins Englische entlehnten “Russlandversteher”, greift die GfdS die öffentliche Debatte auf, die in Deutschland nach der russischen Übernahme der Krim und dem von Russland beeinflussten ukrainischen Bürgerkrieg entstand.

Das Wort bezieht sich auf die Position derer, die Verständnis für die russische Sicht der Dinge aufbringen und für eine Verständigung mit Russland plädieren. Ihnen gegenüber stehen diejenigen, die fordern, der als neoimperialistisch kritisierten russischen Politik entschieden zu begegnen.

Anmerkung von uepo.de: Die Ausdrücke “Russlandversteher” und “Putin-Versteher” gehören wegen ihres diffamierenden Charakters auch zu den Kandidaten für das “Unwort des Jahres”, das im Januar von einer anderen Jury gekürt wird.

Platz 5: bahnsinnig

Der juristisch gesehen legitime, in der Gesellschaft aber als völlig überzogen wahrgenommene Streik der deutschen Lokführer führte zu der häufig verwendeten Neubildung “bahnsinnig” – einem Wort, das die GfdS-Jury als sprachlich kreativ und als charakteristisch für das Jahr einschätzte und daher auf Platz 5 der Wörterliste wählte.

Platz 6: Willkommenskultur

Das Wort “Willkommenskultur” steht für die Bereitschaft, Menschen, die in Not sind und hierzulande Asyl beantragen, aufzunehmen. Eine Willkommenskultur wird in der gegenwärtigen Asyldebatte immer wieder gefordert – was bedeutet, dass sie noch nicht hinreichend vorhanden ist.

Die GfdS-Jury will mit ihrer Wahl darauf aufmerksam machen, dass zudem das, was unter Willkommenskultur verstanden wird, recht divergent ist: von der Bereitschaft, Flüchtlinge bedingungslos aufzunehmen bis hin zur Forderung nach bedingungsloser Integration.

Platz 7: Social Freezing

Unter “Social Freezing” wird das vorsorgliche Einfrieren von unbefruchteten Eizellen ohne medizinischen Grund verstanden. Mit diesem Schlagwort wurde in den Medien eine intensive ethische Kontroverse ausgetragen, seit im Oktober 2014 die Firmen Facebook und Apple bekannt gaben, ihren Mitarbeiterinnen derartige Prozeduren kostenlos zur Verfügung stellen zu wollen, damit sie ihren karrierestörenden Kinderwunsch auf spätere Lebensjahre verschieben können.

Platz 8: Terror-Tourismus

Mit dem Wort “Terror-Tourismus” weist die GfdS auf die gesellschaftliche Diskussion rund um das Problemfeld des islamistischen Terrors hin. Immer mehr gewaltbereite, meist jugendliche Personen reisen neuerdings von Deutschland nach Syrien aus, um dort im Bürgerkrieg zu kämpfen. Die Politik sucht nach Möglichkeiten, dies zu unterbinden, da nach der Rückkehr der Dschihadisten Anschläge auch hierzulande befürchtet werden.

Platz 9: Freistoßspray

Das “Freistoßspray”, das im internationalen Fußball bereits seit 2000 hier und da zum Einsatz kam, hilft dem Schiedsrichter beim Freistoß, den vorgeschriebenen Abstand der Verteidiger zum Ball zu markieren. Bei einer Fußball-WM fand das Spray erstmals 2014 Verwendung; seit Oktober dieses Jahres wird es auch in Deutschland eingesetzt.

Platz 10: Generation Kopf unten

Auf Platz 10 wählte die GfdS “Generation Kopf unten”. Der Ausdruck kennzeichnet die Altersgruppe derer, die immerzu den Kopf gesenkt hält, weil sie sich auf ihr Smartphone konzentriert. Soziale Kompetenzen werden auf diese Weise immer mehr auf die virtuelle Ebene verlagert; eine unmittelbare Kommunikation findet vielfach kaum noch statt.

www.gfds.de

[Text: GfdS. Quelle: Pressemitteilung GfdS, 2014-12-12. Bild: GfdS.]

Koran-Übersetzungen sind seit jeher ein Politikum – Vortrag an Uni Frankfurt

Uni Frankfurt

Das ehemalige IG-Farben-Haus ist seit 2001 das Hauptgebäude der Uni Frankfurt auf dem Campus Westend

Die Übersetzung des Korans aus dem Arabischen in eine andere Sprache kann ein Politikum sein. Dies wird die Islamwissenschaftlerin Dr. Armina Omerika von der Goethe-Universität Frankfurt in einem Vortrag am 15.12.2014 am Beispiel der Übertragungen des Korans ins Bosnische/Serbische/Kroatische näher beleuchten.

Die Veranstaltung gehört zu der Vorlesungsreihe „Der Koran – Ein Text im Dialog zwischen Osten und Westen“. Sie wird im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG im Wintersemester vom Zentrum für Islamische Studien der Goethe-Universität veranstaltet und wendet sich insbesondere an die Bürger im Rhein-Main-Gebiet. Die Vorlesung beginnt um 18 Uhr im Renate von Metzler-Saal, Casino, Campus Westend.

Trotz der jahrhundertelangen Präsenz des Islam und der Einbindung weiter Teile Südosteuropas in die staatlichen Strukturen des Osmanischen Reiches erfolgte die erste direkte Übertragung des Korans aus dem Arabischen in die Sprache einer der größten muslimischen Bevölkerungsgruppe der Region, der Bosniaken, erst im Jahre 1977 durch den Gelehrten Besim Korkut.

Korkuts Übersetzung waren andere vorausgegangen, die allerdings auf Umwegen über andere Sprachen erfolgt waren, etwa über das Französische oder das Türkische. Die Übertragungsakte lösten zum Teil heftige innermuslimische Polemiken über die generelle Übersetzbarkeit des Korans und damit auch über den exegetischen Zugang zum koranischen Text aus.

Anhand von drei Koran-Übersetzungen ins Bosnische/Serbische/Kroatische (Ljubibratić 1895; Pandža/Čaušević 1937 und Korkut 1977) und der Darstellung der sie begleitenden Debatten wird die Wissenschaftlerin zeigen, dass die Frage der Koran-Übersetzungen in einem engen Zusammenhang mit der Neubewertung der islamischen theologischen Traditionen durch die Muslime des Westbalkans stand.

Dabei spielten die Bedingungen der Moderne eine entscheidende Rolle. So wurden beispielsweise nicht nur die lexikalischen und grammatikalischen Entscheidungen der Übersetzer kritisiert, sondern auch die bei der Übersetzung zu Hilfe genommenen arabisch-sprachigen Korankommentare und deren theologischen Grundannahmen.

Darüber hinaus standen die Koran-Übersetzungen, ihre Motivationen und auch die ausgelösten Debatten in einem engen Zusammenhang mit den sprach-, wissenschafts- und religionspolitischen Entwicklungen. Sie waren auch nicht frei von vorherrschenden (national)staatlichen Ideologien der jeweiligen Zeit. „Es sind diese Wechselwirkungen, die aus den Übersetzungen des Offenbarungstextes über rein theologische Implikationen hinaus auch ein Politikum machten“, betont Armina Omerika.

Über Armina Omerika

Die Frankfurter Islamwissenschaftlerin wurde 1976 in Mülheim an der Ruhr geboren, besuchte die Grundschule in Mostar, Bosnien und Herzegowina, Abitur machte sie 1996 in Mülheim. Armina Omerika studierte Islamwissenschaften, Film- und Fernsehwissenschaften und Anglistik an der Ruhr-Universität Bochum und an der John Moores University Liverpool. Nach Lehr- und Forschungstätigkeiten in Islam- und Geschichtswissenschaften an Universitäten im In- und Ausland ist sie seit Mai 2013 Leiterin der Postdoc-Gruppe „Wissens- und Methodentransfer in den Islamischen Studien“ am Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam an der Goethe-Universität Frankfurt.

Über die Frankfurter Goethe-Universität

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. Sie wurde 1914 mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgern gegründet und fühlt sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto „Wissenschaft für die Gesellschaft“ in Forschung und Lehre verpflichtet. 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften.

www.islamischestudien.uni-frankfurt.de

Weiterführende Links auf uepo.de

[Text: Uni Frankfurt. Quelle: Pressemitteilung Uni Frankfurt, 2014-12-09. Bild: Richard Schneider.]

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