Computer heißt “computratum” – David Gallagher übersetzt für den Papst ins Lateinische

“Mit seinen Arbeitskollegen unterhält sich Daniel Gallagher auf Latein, morgens nach dem Aufwachen liest er täglich eine halbe Stunde Cicero. Der 45 Jahre alte US-Amerikaner ist einer von wenigen Tausend Menschen weltweit, die fließend in der Sprache der klassischen Antike kommunizieren können.” So beginnt ein Artikel im Kölner Stadtanzeiger über einen der sieben Latein-Experten des Papstes. Gemeinsam mit seinen Kollegen überträgt der Geistliche Dokumente aller Art in die Amtssprache der katholischen Kirche.

Gallagher betreut auch den lateinischen Twitter-Account des Papstes mit 356.000 Followern. Latein eigne sich wegen der Kompaktheit der Sprache ganz besonders fürs Twittern. Darüber hinaus hat er den internationalen Bestseller „Gregs Tagebuch“ in die Sprache der alten Römer übersetzt.

Gallagher meint, dass sich für fast jeden modernen Begriff auch eine lateinische Entsprechung finden lasse. So heißt “Computer” auf Latein “computratum”. Für diese und ähnliche Wortschöpfungen wird im Sprachendienst des Heiligen Stuhls ein spezielles “Lexicon recentis latinitatis” gepflegt.

Das vollständige Porträt des jungen, sprachbegeisterten Geistlichen, der aussieht, als ob man ihn für eine Vorabendserie gecastet hätte, können Sie im Kölner Stadtanzeiger lesen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Kölner Stadtanzeiger, 2015-06-14.]

Projekt OPEN: Hochschulverbund forscht zur interkulturellen Öffnung in der Pflegeberatung

Projekt OPEN

Das Forschungsteam der drei Hochschulen hat die praktische Anwendung der Forschungsergebnisse im Blick.

“Wenn Menschen mit Migrationshintergrund pflegebedürftig werden, übernehmen meist Angehörige wie Ehefrauen, Töchter oder Schwiegertöchter die Pflege. Professionelle Pflegedienste und Hilfsangebote werden von dieser Zielgruppe kaum genutzt. Die Gründe dafür sind viel fältig”, so Prof. Dr. Ulrike Schulze, Professorin für Pflegewissenschaft/Klinische Pflege und Projektleiterin an der Frankfurt University of Applied Sciences (FRA-UAS). “Dazu zählen Sprachbarrieren oder ein unterschiedliches Krankheitsverständnis. Oft sind die Leistungs- und Informationsangebote auch nicht hinreichend auf kulturelle und soziale Wertvorstellungen, Lebensstile und Bedürfnisse von zugewanderten Menschen zugeschnitten.”

Projekt “OPEN – Interkulturelle Öffnung in der Pflegeberatung”

Älteren Migranten kulturspezifische Informationen und bessere Zugänge zu Hilfe und Pflege zu eröffnen und damit allen Bürgern die gleichen Zugangs- und Nutzungschancen zu verschaffen, ist das Ziel des Projekts “OPEN – Interkulturelle Öffnung in der Pflegeberatung”.

Bis September 2017 arbeitet das Verbundprojekt der Hochschule RheinMain Wiesbaden/Rüsselsheim (Projektleitung und Koordination: Prof. Dr. Michael May), der Frankfurt UAS (Projektleitung: Prof. Dr. Ulrike Schulze), und der Katholischen Hochschule Mainz (Projektleitung: Prof. Dr. Peter Löcherbach) daran, kulturspezifische und an den Bedürfnissen der Zielgruppe orientierte Informationen über Versicherungsansprüche und Versorgungsangebote im Bereich Pflege und individuelle Pflegeberatung zusammenzutragen. Die Erkenntnisse sollen die Hemmschwelle senken, verstärkt Leistungen aus der Kranken- und Pflegeversicherung in Anspruch zu nehmen.

Neben den Pflegestützpunkten und weiteren Beratungsstellen, wie die Beratungs- und Koordinierungsstelle für “Häusliche Versorgung von Migranten”, sind auf der politischen Ebene das Hessische Ministerium der Justiz für Integration und Europa, auf der berufspolitischen Ebene der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und die Deutsche Gesellschaft für Care- und Case Management (DGCC) involviert. Darüber hinaus sind auf der Forschungsebene das Projekt “MainCareer- Offene Hochschule” der Frankfurt UAS und das Centrum für angewandte Wirkungsforschung eingebunden.

Um zu ermitteln, wie die Betroffenen erreicht und in ihren individuellen Pflegearrangements unterstützt werden können, werden Menschen mit Migrationshintergrund eingeladen, in moderierten Gruppengesprächen über mögliche Zugänge zu (Pflege-)Beratungsstellen und anderen Einrichtungen der Pflege zu diskutieren.

Nach der Methodik der “Zukunftswerkstatt” soll die Fantasie angeregt werden, um mit neuen Ideen Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu entwickeln. Damit ein vertiefter Austausch über Themen wie “Pflege & Gesundheit in Ihrer Kultur”, “Erwünschte (Beratungs-)Hilfen” oder “Wie werden Hilfen angenommen?” gelingt, helfen Migrationslotsen oder Übersetzer, Sprachbarrieren zu überwinden.

Forschungsergebnisse werden in Pflegestützpunkte praktisch erprobt

Die Ergebnisse werden den Pflegestützpunkten übermittelt und dort in der Beratungstätigkeit erprobt. Ausgewählte Beratungsgespräche von Klienten mit Migrationshintergrund werden aufgenommen und analysiert. “So wollen wir Lösungsmöglichkeiten für aufgetretene Barrieren und schließlich ein verallgemeinerbares konzeptionelles Vorgehen entwickeln”, erläutert Schulze.

Abschließend werden aus den Ergebnissen der Praxisforschung Qualifizierungsbausteine für die Mitarbeiter in Pflegestützpunkten und einschlägigen Beratungsstellen entwickelt. “Durch die Implementierung der Studienergebnisse in den Beratungsalltag ist eine nachhaltige Wirkung der Forschung in der Praxis sichergestellt”, betont Schulze.

Informationsmaterial in verschiedenen Sprachen

Parallel werden Flyer in verschiedenen Sprachen angeboten, die über die Arbeit von Pflegestützpunkten informieren. Sie sollen in den, von älteren Zugewanderten, frequentierten Arztpraxen, Cafés und Lebensmittelläden ausliegen. Zudem vermitteln so genannte Integrationslotsen, die über sehr gute Kontakte in die entsprechenden ethnischen Communities verfügen, zwischen den Ratsuchenden mit Migrationshintergrund und den Pflegeberatern.

Darüber hinaus sind Informationsveranstaltungen zur Pflegeversicherung und dem Angebot der Pflegestützpunkte in “migrantischen” Organisationen sowie Kulturvereinen geplant.

Auch die systematische Vernetzung von verschiedenen in der Region vorhandenen Organisationen und Einrichtungen soll gefördert werden. Dazu zählen neben professionellen Fachpersonen aus dem ambulanten und stationären Pflegesektor sowie denen der Pflegeberatung auch Vertreter von Zugewanderten-Organisationen, der Zugewanderten-Selbsthilfe und ehrenamtlich Tätige.

Das Teilprojekt der FRA-UAS im Rahmen des Verbundvorhabens “OPEN” wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit knapp 323.000 Euro gefördert.

Der Schwerpunkt des Hessischen Instituts für Pflegeforschung (HessIP) liegt im speziellen in der Entwicklung der Qualifizierungsbausteine für die Fort- und Weiterbildung im Berufsfeld Pflegeberatung, für die Studiengänge Pflege und Soziale Arbeit sowie auch für die fachberufliche Pflegeausbildung. Im gesamten Projektverlauf sind die hessischen Hochschulen für eine Auswertung der qualitativ erhobenen Daten aus den Zukunftswerkstätten und Beratungsprozessen zuständig.

Weiterführende Informationen

[Text: Frankfurt University of Applied Sciences. Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 2015-06-01. Bild: Frankfurt University of Applied Sciences.]

VKD veröffentlicht Fußball-Glossar zur Weltmeisterschaft der Frauen

FrauenfußballIn Kanada findet derzeit die Fußballweltmeisterschaft der Frauen statt. Die deutsche Mannschaft kam bis unter die letzten vier und spielt am Wochenende um Platz 3.

Der Verband der Konferenzdolmetscher (VKD) innerhalb des BDÜ hat aus diesem Anlass ein kleines Glossar mit 13 zentralen Fußballbegriffen in 12 Sprachen erstellt. Auf der VKD-Website heißt es dazu:

“Mål!”, “Bpra dtuu!” oder “Gol!”: In Kanadas Fußballstadien und vor den Fernsehbildschirmen in aller Welt werden sich in diesem Sommer Schweden, Thailänder und Italiener lautstark über die Tore ihrer Frauenfußball-Teams freuen – ebenso wie die Fans der anderen 21 Nationen, die in diesem Jahr den begehrten Titel untereinander ausspielen werden. Und natürlich werden sie auch über Schwalben oder Fehlentscheidungen des Schiedsrichters schimpfen – denn auch das gehört zum Fußball einfach dazu.

 

Genießen auch Sie das internationale Flair sowie die sprachliche Vielfalt des Turniers. Werden Sie zum wahren Fußball-Fremdsprachen-Experten und tauschen Sie sich mit Fans anderer Nationen aus.

 

Ein Klick auf den gewünschten Ausdruck in der Tag-Cloud – und schon haben Sie ihn in allen Sprachen der teilnehmenden Nationen parat. Übrigens: Das Glossar können Sie ganz leicht und kostenlos in Ihre eigene Website integrieren! Klicken Sie dazu einfach auf den Link.

Das Glossar wird vom VKD als 14-seitige PDF-Datei angeboten. Darüber hinaus soll es auch als Tag Cloud (Wortwolke) in Websites eingebunden werden können. Dies funktioniert mit dem angebotenen Code jedoch offenbar nicht, weil der darin enthaltene Link in der Mitte unvollständig ist.

Weiterführende Links

www.vkd.bdue.de

Mehr zum Thema Fußball auf uepo.de

[Text: Richard Schneider. Quelle: VKD. Bild: elnur/Fotolia.]

ADÜ Nord: Infoblatt 3/2015 stellt CafeTran Espresso vor, das TM-Tool für Apple-Computer

Infoblatt 3/2015Soeben ist das Infoblatt 3/2015 des ADÜ Nord erschienen. Die Themen im Einzelnen:

Titelthema

  • CafeTran Espresso: Ein starkes TM-Tool für den Mac
  • SDL Trados Studio durch Apps erweitern

Aus- und Weiterbildung

  • Webinare von ACADEMIA Webinars

Aus unserem Verband

  • Kontaktpersonen
  • Aus dem Vorstand
  • Kollegentreffen im Kletterpark
  • Mitgliederjahresversammlung 2015
  • Bremer Runde in Berlin
  • Der „richtige“ Vertragspartner
  • Steuerberatung für den ADÜ Nord

Weiterbildung

  • Seminarbericht: Umweltmessungen in der Praxis
  • Seminarbericht: Rechtsspracheseminar in Braunschweig
  • Veranstaltungsprogramm

Aus der Rechtsecke

  • Hamburgisches Dolmetschergesetz
  • Beeidigungsrecht in Bremen geregelt
  • Aktuelles Urteil zum Vergütungsrecht (§11 I2 JVEG)

Die aktuelle und frühere Ausgaben des Infoblatts können Sie auf der Website des ADÜ Nord herunterladen:

www.adue-nord.de/leistungen/bestellungen/infoblatt

[Text: Richard Schneider. Bild: Richard Schneider.]

Langenscheidt bietet Online-Wörterbücher jetzt kostenlos und werbefinanziert an

Startseite Langenscheidt-Online-WörterbücherLangenscheidt hat jetzt mit etlichen Jahren Verspätung auf den Erfolg von kostenlosen, werbefinanzierten Online-Wörterbüchern wie dem 2002 gestarteten dict.cc und dem 2008 von Klett geschaffenen pons.eu reagiert und ein eigenes Wörterbuchportal vorgestellt.

Dort finden sich mehr als 4,5 Millionen Stichwörter, nützliche Redewendungen und Synonyme inklusive Anwendungsbeispiele und Vertonungen “in geprüfter Qualität vom Wörterbuchverlag Nr. 1″. Nachfolgend die Pressemitteilung:

Beim Schreiben einer fremdsprachigen E-Mail an einer unbekannten Vokabel hängen geblieben? Kein Problem! Einfach auf www.langenscheidt.com gehen und im neuen Langenscheidt Online-Wörterbuch nachschlagen! Auch die korrekte Grußformel für die Anrede und der treffende Schluss sind ruck-zuck gefunden. Schnell, intuitiv und verlässlich finden Nutzer hier nicht nur einzelne Ausdrücke, sondern auch ganze Wendungen und sogar Beispielsätze.

Denn der Wortschatz stammt von dem Spezialisten in Sachen Sprachen. Synonyme und Vertonungen runden das Angebot ab. Die Langenscheidt Online-Wörterbücher gibt es für die Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Dänisch, Niederländisch, Tschechisch, Griechisch, Schwedisch und Russisch. Weitere Sprachen sollen folgen.

Darüber hinaus bietet Langenscheidt auch ein deutsches Fremdwörterbuch an. Die Online-Wörterbücher sind werbefinanziert und für den Nutzer kostenlos.

Egal ob am PC, Tablet oder Smartphone, mit den Langenscheidt Online-Wörterbüchern kann gleichzeitig in verschiedenen Sprachen und Wörterbüchern der richtige Ausdruck gesucht und gefunden werden. Entweder das gewünschte Wort komplett eingeben oder nur den Anfangsbuchstaben und das gesuchte Wort dann aus der Vorschlagsliste anklicken und schon ist die Übersetzung verfügbar.

Sämtliche Stichwörter sind vertont. Ein Klick auf das Lautsprechersymbol hilft damit auch gleich bei der richtigen Aussprache. Sollte ein Begriff verschiedene Bedeutungen haben, wird anhand von Beispielen die Verwendung im jeweiligen Kontext erklärt. Wörter mit ähnlicher Bedeutung sind unter der Überschrift „Synonyme“ versammelt. Einfaches Anklicken führt direkt zur Übersetzung. So wird aus Nachschlagen auch gleich Sprachenlernen.

Das Wörterbuchportal ist unter der folgenden Adresse direkt zu erreichen:

www.langenscheidt.com

Mehr zum Thema auf uepo.de

[Text: Langenscheidt: Quelle: Pressemitteilung Langenscheidt, 2015-06-24. Bild: Richard Schneider.]

England und Wales: Mehr als 24 Millionen Euro pro Jahr für Gerichtsdolmetscher – Tendenz stark steigend

Gerichtssaal Liverpool

Auch im Crown Court Room der St Georges Hall in Liverpool mussten Verhandlungen ausfallen, weil Capita keine Dolmetscher stellen konnte.

Nach Angaben des britischen Justizministeriums wurden in England und Wales im Abrechnungszeitraum 2011/2012 umgerechnet etwas mehr als 16,9 Mio. Euro für Gerichtsdolmetscher ausgegeben – einschließlich der damit in Zusammenhang stehenden Übersetzungen und dem Telefondolmetschen.

Ein Jahr später, 2012/2013, waren es 5,6 Mio. Euro mehr, nämlich 22,5 Mio. Euro. Im Abrechnungszeitraum 2014/2015 kamen noch einmal 1,7 Mio. Euro hinzu, sodass sich der Gesamtbetrag aktuell auf umgerechnet 24,2 Mio. Euro beläuft (12, 16, 17,2 Mio. GBP). Das entspricht einem Anstieg um 43,2 Prozent innerhalb von zwei Jahren.

Auf Vorhaltungen des konservativen Parlamentsabgeordneten David Davies, der die Zahlen an die Öffentlichkeit brachte und eine Begrenzung der Ausgaben fordert, erklärte ein Sprecher des Justizministeriums: „Der neue Vertrag [mit ALS/Capita] für Dolmetschdienstleistungen hat zu beträchtlichen Kosteneinsparungen geführt. Bis 2012 wurden die Dolmetscher von den Gerichten persönlich geladen und es gab keine zentrale Koordinierung oder Kontrolle. Dieses System kostete rund 30 Mio. Pfund pro Jahr. Das ist fast das Doppelte von dem, was wir im vergangenen Jahr ausgegeben haben.“

Gavin Wheeldon, ALS und Capita TI – die Totengräber des britischen Gerichtsdolmetscherwesens

Das britische Justizministerium hatte im August 2012 nach einer Ausschreibung die Organisation des gesamten Dolmetscherwesens für die Gerichte, Staatsanwaltschaften, die Polizei und die Gefängnisse in England und Wales einem einzelnen Dienstleister übertragen, der Applied Language Solutions Ltd (ALS). ALS war 2003 von dem branchenfremden Geschäftemacher Gavin Wheeldon gegründet worden.

Nachdem der Fünf-Jahres-Vertrag mit dem Justizministerium über ein Volumen von umgerechnet 423 Mio. Euro unter Dach und Fach war, verkaufte Wheeldon seinen Laden nur vier Monate später, im Dezember 2011, an den 70.000 Mitarbeiter starken Dienstleister Capita plc, einen “provider of business process management and integrated professional support service solutions”.

ALS wurde in Capita Translation and Interpreting (Capita TI) umbenannt und der durch den Deal zum Multimillionär gewordene Wheeldon blieb noch ein halbes Jahr Geschäftsführer. Capita nahm schließlich am 30.01.2012 seine mit dem Ministerium vereinbarte Aufgabe als Organisator für das Gerichtsdolmetscherwesen in England und Wales auf.

Doch der Sprachdienstleister war überfordert und stürzte nicht nur das Dolmetscherwesen, sondern das gesamte Gerichtswesen ins Chaos. Die vertragliche Vorgabe eines Vermittlungserfolgs von 98 Prozent konnte zu keinen Zeitpunkt erfüllt werden. Im ersten Monat konnte das Büro lediglich für 66 Prozent der Ladungen erfolgreich einen Dolmetscher stellen. Ein Jahr später waren es immer noch erst 86 Prozent.

Im ersten Quartal der Dienstleistungen gingen von Seiten der Justiz 2.232 Beschwerden bei Capita ein. Zahllose Gerichtsverfahren mussten ausgesetzt oder wegen unqualifizierter Dolmetscher wiederholt werden. Capita wurde zu Vertragsstrafen verurteilt.

Capita zahlt Gerichtsdolmetschern einen Stundensatz, der umgerechnet lediglich zwischen 22,50 und 31,00 Euro liegt. Mehr als die Hälfte der erfahrenden und etablierten Gerichtsdolmetscher boykottiert den Sprachdienstleister daher seit Jahren.

In Deutschland erhalten direkt vom Gericht beauftragte Dolmetscher 70,00 Euro pro Stunde für konsekutives Dolmetschen und 75,00 Euro für das Simultandolmetschen.

Weiterführende Links

[Text: Richard Schneider. Quelle: express.co.uk, 2015-06-17. Bild: sas/Fotolia.]

VHS Salzgitter schult Gemeindedolmetscher in Helios-Klinikum

MiMi Salzgitter

Die angehenden Dialogdolmetscher werden von der Pflegedienstleiterin und mehreren Ärzten mit typischen Situationen und Fachbegriffen des Krankenhausalltags vertraut gemacht.

Im Rahmen einer eintägigen Schulung haben sich 22 Teilnehmer des Kurses “Gemeindedolmetscher” der Volkshochschule der Stadt Salzgitter im Helios-Klinikum Salzgitter über die Abläufe in der Klinik sowie ihre Einrichtungen und Behandlungsmethoden informiert. Die Teilnehmer sollen auf diese Weise fundiert auf künftige Einsätze vorbereitet werden.

MiMi-Projekt des Ethno-Medizinischen Zentrums (EMZ) Hannover

Im Bereich des Projektes “MiMi – Mit Migranten für Migranten” ist die Stadt Salzgitter die zweite Stadt in Niedersachsen, die vom Ethno-Medizinischen Zentrum (EMZ) Hannover den Zuschlag erhalten hat, Gemeindedolmetscher auszubilden. Nach erfolgreichem Abschluss der Schulung sind die Teilnehmer zertifizierte Dolmetscher, die neutral, sachlich und korrekt übersetzen können. Sie arbeiten später im Gesundheitswesen, im Sozialwesen, aber auch in Institutionen, die Flüchtlinge betreuen.

Gerade Patienten mit Migrationshintergrund fühlen sich in Kliniken einsam und wegen der Sprachbarrieren oft ausgeliefert. Dieser Situation will das MiMi-Projekt entgegentreten. Die zukünftigen Gemeindedolmetscher werden nicht nur die Fachbegriffe in die Muttersprache übersetzen, sondern auch erklären können, was die Patienten erwartet.

So befassten sich die Schüler im Klinikum mit Situationen im Kreißsaal und in der zentralen Notaufnahme. Karin Schenke-Wischnewski, Pflegedienstleiterin im HELIOS-Klinikum, erläuterte die Struktur und Geschichte des Krankenhauses.

Elmer Zickler, Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und orthopädische Chirurgie, stellte Begriffe seines Fachbereiches sowie Grundlagen der menschlichen Anatomie vor. Klaus Peter Schaldach, kommissarischer Leiter der Gynäkologie und Geburtshilfe, ging auf die Abläufe vor und während der Geburt ein. Und Dr. Volker Degenhardt, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, berichtete über typische Situationen im Umgang mit kleinen Patienten.

Wie die gesundheitlichen Versorgungsstrukturen in Salzgitter allgemein und wie die Aufgaben des Gesundheitsamtes der Stadt Salzgitter und des Landkreises Goslar sind, erfuhren die Teilnehmer vom städtischen Amtsarzt und Fachdienstleiter Dr. Stefan Müller-Dechent.

Ausgestattet mit einer Fülle von Informationen traten die Teilnehmer den Heimweg an. Für sie beginnt jetzt demnächst der praktische Teil ihrer Ausbildung, dann müssen sie ihr erlerntes Wissen in der Praxis anwenden.

Community Interpreting: medizinisch-soziales Dolmetschen, Dialogdolmetschen

Im Deutschen hat sich noch kein treffender und einheitlich verwendeter Ausdruck für den englischen Begriff “Community Interpreting” herausgebildet. Gemeint ist das Dolmetschen für legale und illegale Einwanderer bei Arztbesuchen, in Krankenhäusern und bei Behördengängen.

“Gemeindedolmetschen” ist eine simple wörtliche Übersetzung, die falsche Assoziationen weckt. Denn die Dolmetscher sind zwar auf lokaler Ebene, aber keineswegs für oder im Auftrag der (kirchlichen) Gemeinden oder städtischen Kommunen tätig.

Man kommt der Sache näher, wenn man “Community” als ethnische bzw. sprachliche Community interpretiert. Passend (aber zu lang) ist die Bezeichnung “medizinisch-soziales Dolmetschen”. Die größte Fachkonferenz zum Thema, InDialog, hat vor einigen Jahren den treffenden und hinreichend kurzen Ausdruck “Dialogdolmetschen” eingeführt, dem man eine weitere Verbreitung wünscht.

[Text: Stadt Salzgitter. Absatz “Community Interpreting” von Richard Schneider. Quelle: Pressemitteilung Stadt Salzgitter, 2015-06-22. Bild: Stadt Salzgitter.]

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