trans-kom 2/2014 erschienen: Online-Zeitschrift für Translationswissenschaft und Fachkommunikation

Im Dezember 2014 ist Band 7, Nummer 2 (2014) von trans-kom erschienen. Die Zeitschrift für Translationswissenschaft und Fachkommunikation wird von Leona Van Vaerenbergh von der Universität Antwerpen und Klaus Schubert vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim herausgegeben.

Die Besonderheit: Alle Beiträge können einzeln als PDF-Datei von der Website heruntergeladen werden.

Die aktuellen Beiträge:

www.trans-kom.eu

[Text: Richard Schneider. Quelle: trans-kom.eu.]

Uni Innsbruck: Zweiter Fortbildungskurs für Community Interpreter erfolgreich abgeschlossen

Uni Innsbruck, Community Interpreting

Die Teilnehmer des Fortbildungskurses nach der Vergabe der Zertifikate in der Claudiana.

Dolmetschleistungen sind auch im sozialen, medizinischen und kommunalen Bereich gefragt, können aber nicht immer von Profis übernommen werden. Um Laiendolmetscher zu professionalisieren, bietet die Universität Innsbruck seit dem Frühjahr 2014 Fortbildungskurse an. Im Dezember 2014 fand der feierliche Abschluss des bereits zweiten Kurses statt.

„Community Interpreting“ bezeichnet eine spezielle Art des Dolmetschens: „Zwei- oder mehrsprachige Personen dolmetschen beispielsweise bei Behördengängen, Arztbesuchen oder Klinikaufenthalten, meist ohne dafür eine spezielle Ausbildung zu haben“, erklären die Dolmetscherinnen und Kursleiterinnen Dipl.-Dolm. Elvira Iannone und MMag. Katharina Redl.

Professionelle Dolmetscher wären nicht nur mit wesentlich höheren Kosten verbunden, die sich z. B. Beratungsstellen oft nicht leisten können, sondern können vor allem das erforderliche vielfältige Sprachenspektrum nicht immer abdecken.

„Gerade im Asylbereich ändert sich der Sprachbedarf sehr schnell. Für viele Sprachen gibt es daher keine professionellen Dolmetschleistungen, da die jeweiligen Sprachen nicht an Universitäten gelehrt werden“, verdeutlichen die Kursleiterinnen. Die Arbeit der Community Interpreter ist daher gerade im sozialen, medizinischen und kommunalen Bereich von großer Bedeutung.

„Wir wollen mit dieser Fortbildungsmöglichkeit den Laiendolmetschern zentrale Dolmetschtechniken und ein berufsethisches Verhalten vermitteln“, schildern die Expertinnen Iannone und Redl die Ziele der berufsbegleitenden Fortbildung.

An sechs Wochenenden werden Dolmetschkompetenzen vermittelt

An insgesamt sechs Wochenend-Blockterminen erhielten die 20 Teilnehmer aus Tirol und Vorarlberg Einblicke in die Geschichte des Dolmetschens, Dolmetschstrategien oder Recherchemöglichkeiten.

Wichtig ist Iannone und Redl auch eine Stärkung des Rollenbewusstseins: „Viele Laiendolmetscher sind sich ihrer Rolle nicht bewusst und übernehmen häufig Funktionen, die eigentlich nicht zu ihren Aufgabengebieten zählen und was für sie emotional sehr belastend sein kann.“

Im Rahmen der Fortbildung werden daher die Betätigungsfelder der Community Interpreter möglichst genau abgesteckt und eine Vernetzung der Teilnehmer auch über die Dauer des Kurses hinaus angestrebt.

Darüber hinaus informierten externe Referenten die Laiendolmetscher über Herausforderungen und Spezifika des Dolmetschens bei der Polizei, im Asylwesen, bei der Kinder- und Jugendhilfe, in der Psychotherapie oder im Krankenhaus.

„Export“ nach Ostösterreich

In Anwesenheit von Roland Psenner (Vizerektor für Lehre und Studierende), Gerhard Pisek (Studiendekan der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät), Hannes Gstir (JUFF-Fachbereich Integration des Landes Tirol), Lilit Lebküchner (Österreichischer Integrationsfonds) und Christiane Reichardt (Universitäre Weiterbildung der Uni Innsbruck) fand am 18.12.2014 die feierliche Übergabe der Zertifikate in der Claudiana statt.

Alle Teilnehmer konnten den Fortbildungskurs, der mit einer mündlichen Prüfung abschließt, erfolgreich beenden.

Der nächste Kurs an der Uni Innsbruck wird im Wintersemester 2015/2016 durchgeführt werden. Im Sommer wird es allerdings keine Pause geben, sondern die Kursleiterinnen „verlagern“ die Durchführung des Kurses nach Wels, wo sie auch dieses Semester schon aktiv sind.

„Das Büro für Frauen, Gleichbehandlung und Integration des Stadtmagistrats in Wels hat von diesem Angebot an der Uni Innsbruck erfahren und sofort großes Interesse an einer Durchführung vor Ort bekundet“, erklärt Daniela Genser, Leiterin der Koordinationsstelle für universitäre Weiterbildung an der Uni Innsbruck.

Die Nachfrage an der Fortbildung ist weiterhin groß, auch für den dritten Universitätskurs „Community Interpreting – Professionalisierung von LaiendolmetscherInnen im sozialen, medizinischen, psychotherapeutischen und kommunalen Bereich“ im kommenden Herbst gibt es bereits eine Warteliste.

www.uibk.ac.at/weiterbildung/universitaetskurse/community-interpreting

Links zum Thema

2014-08-10: Uni Innsbruck: erster Fortbildungskurs Community Interpreting erfolgreich abgeschlossen

[Text: Büro für Öffentlichkeitsarbeit und Kulturservice der Universität Innsbruck. Quelle: Pressemitteilung Uni Innsbruck, 2015-01-23. Bild: Uni Innsbruck.]

Saarbrücken: Übersetzerstudiengänge durch drastische Sparmaßnahmen der Landesregierung gefährdet

Uni Saarbrücken Demo 1

Am 15.01.2015 zog ein 6.000 Teilnehmer starker Demonstrationszug durch die Saarbrücker Innenstadt.

Die Fachrichtung 4.6 “Angewandte Sprachwissenschaften sowie Übersetzen und Dolmetschen” der Universität des Saarlandes bildete seit 1948 mehr als 40 Jahre lang zusammen mit Heidelberg und Germersheim das Dreigestirn der universitären Übersetzer- und Dolmetscherausbildung in Westdeutschland. (Nach der Wiedervereinigung wurde Saarbrücken in der Rangfolge von Leipzig überholt.)

Besondere Akzente konnte die unmittelbar an der französischen Grenze liegende Großstadt (177.000 Einwohner) in Bezug auf das Lehrangebot und Lernumfeld für Französisch setzen. Pionierarbeit leistete Saarbrücken beim Einsatz von Übersetzungswerkzeugen (Translation-Memory-Systeme), einmalig im deutschen Sprachraum war das Angebot im Bereich der Computerlinguistik.

Im Lauf der Jahrzehnte sah sich das Institut immer wieder mit Versuchen konfrontiert, es zu verkleinern, an die Fachhochschule zu verlagern oder ganz zu schließen. Deshalb mussten immer wieder Abstriche in Kauf genommen werden.

2006 wurde das Lehrangebot für Russisch eingestellt, 2014 wurde beschlossen, den MA-Studiengang Konferenzdolmetschen auslaufen zu lassen. Irgendwie gelang es aber immer, den Kern des Studienangebots zu erhalten.

Doch jetzt steuert der 67 Jahre alte, traditionsreiche Fachbereich auf eine existenzgefährdende Krise zu. Ursache sind radikale Sparmaßnahmen der Landesregierung, von denen der gesamte Hochschulsektor des Saarlandes betroffen ist.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) steht seit 2012 einer großen Koalition aus CDU und SPD vor, die über eine Zweidrittelmehrheit im Landtag verfügt. Kramp-Karrenbauer ist außerdem Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Technologie und hat in dieser Eigenschaft die Universität aufgefordert, ihr Budget bis zum Jahr 2020 um 27 Prozent zu kürzen.

Uni Saarbrücken Demo 2

Die Abschlusskundgebung fand auf dem Ludwigsplatz vor der Staatskanzlei statt, dem Sitz von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. (Der Bungalow der Staatskanzlei befindet sich auf der rechten Seite des Platzes und ist auf dem Bild nicht zu sehen. Im Hintergrund die Ludwigskirche.)

Sprachwissenschaft soll 35 Prozent der Mittel einsparen – Zwei Professuren fallen weg

Die Fachrichtung Angewandte Sprachwissenschaft soll sogar überproportional viel, nämlich 35 Prozent ihrer Mittel einsparen. Dies soll dadurch erreicht werden, dass alle Stellen, deren Inhaber in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, nicht wieder neu besetzt werden.

Dies betrifft Professoren und wissenschaftliche Angestellte ebenso wie etwa die Sekretariate. Zwei von bislang vier Professuren der Angewandten Sprachwissenschaft sollen künftig wegfallen.

Vor einem ähnlichen Kahlschlag stehen die Lehramtsstudiengänge Anglistik/Amerikanistik, Romanistik und Slavistik, mit denen die Sprachwissenschaftler in der Vergangenheit offenbar bereits kooperiert haben.

Bachelor- und Master-Studiengänge mit 422 Studierenden werden eingestellt

Uni Saarbrücken Demo 4

Studentinnen der Fachschaft Angewandte Sprachwissenschaft machen ihrem Unmut Luft

Der Bachelor-Studiengang “Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Translation” (VSLT) mit derzeit knapp 300 Studenten soll zum Wintersemester 2015/2016 zum letzten Mal Erstsemesterstudenten aufnehmen und dann in den Folgejahren auslaufen.

Das Gleiche gilt für den Master-Studiengang “Translationswissenschaft” mit derzeit 122 Studenten.

Das Ende des Master-Studiengangs “Konferenzdolmetschen” war bereits 2014 beschlossen worden. Zum Wintersemester 2014/2015 wurden letztmalig Studenten aufgenommen. Das Angebot wird in den nächsten Jahren auslaufen.

Angewandte Sprachwissenschaft soll mit Computerlinguistik fusionieren

Die Zukunftspläne sehen derzeit so aus, dass die angewandte Sprachwissenschaft mit der Computerlinguistik zusammengelegt und ein neuer Master-Studiengang “Sprachtechnologie” aufgebaut werden soll.

Ehemalige Studierende und Vertreter der Berufspraxis wurden aufgerufen, sich an der Konzeption eines solchen Studiengangs zu beteiligen.

Vehemente Proteste von Dozenten und Studenten

Kritiker bemängeln, dass die Sparpläne für die Fachrichtung 4.6 einer Abwicklung gleichkommen. Sie seien zudem nicht mit der von der Uni selbst entwickelten Strategie in Einklang zu bringen, sich auf die eigenen Stärken und Besonderheiten zu konzentrieren – nämlich den Europa- und Frankreich-Schwerpunkt.

Roland Marti, Professor für Slavistik an der philosophischen Fakultät, resümiert: „Die einzige Freiheit, die die Fakultät hat, ist, die eigene Todesart zu wählen.“

Uni Saarbrücken Demo 3

Die Umsetzung der Sparmaßnahmen würde zu einer radikalen Verkleinerung der 18.500 Studierende zählenden Universität um etwa ein Viertel führen.

Demonstration vor Staatskanzlei mit 6.000 Teilnehmern

Am 15.01.2015 fand in der Saarbrücker Innenstadt eine Demonstration mit rund 6.000 Teilnehmern statt. Studierende und Dozenten zogen von der Europa-Galerie zur Staatskanzlei, wo anschließend eine Kundgebung stattfand.

Universitätspräsident Prof. Dr. Volker Linneweber erklärte: “Dass es Einsparungen geben soll, sehen wir ein – aber nicht in dieser dramatischen Form.”

Der Landesvorsitzende der nicht mehr im Landtag vertretenen FDP Saar, Oliver Luksic, nahm ebenfalls an der Großdemonstration teil. Er forderte die Landesregierung zu einer Kurskorrektur auf: “Was an der Uni in Jahrzehnten mühsam aufgebaut wurde wird nun in kurzer Zeit zerstört. Ein massiver Stellenabbau, die Schließung großer Teile und die mangelnde Ausstattung einer regionalen Rumpf-Uni verschlechtern die Studienmöglichkeiten und Lebenschancen junger Saarländer. Frau Kramp-Karrenbauer sorgt für einen Exodus hochqualifizierter Fachkräfte.”

Für die größte Oppositionspartei Die Linke hatte die Landtagsabgeordnete und Landtagsvizepräsidentin Barbara Spaniol bereits vorab in einer Pressemitteilung Stellung bezogen: “Ein breites Studienangebot hoher Qualität mit klaren Schwerpunkten können wir niemals aufrechterhalten, wenn die Wissenschaftsministerin an ihrem Streichprogramm festhält. So können wir im Wettbewerb mit anderen Unis aus Baden-Württemberg und Bayern nicht bestehen. Saarbrücken droht zur Provinzuni zu verkommen und junge Menschen werden aus dem Land getrieben.”

Auch Regierungschefin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach zur Masse der Demonstranten (“eine beeindruckende Zahl”), machte dabei aber deutlich, dass an den Sparplänen des Landes nicht mehr zu rütteln sei. Das Land werde seine Zuschüsse für die Hochschulen bis 2020 einfrieren. Die durch Kostensteigerungen entstehenden Lücken müssten durch Einsparungen geschlossen werden. Zusätzliches Geld für die saarländischen Hochschulen könne nur noch vom Bund oder aus Drittmitteln kommen.

Die Aussagen wurden erwartungsgemäß mit Buh-Rufen und Pfiffen quittiert. Gegenüber der Presse erklärte Kramp-Karrenbauer später: “Lieber lasse ich mich ausbuhen, als etwas zu versprechen, was ich nicht halten kann.”

Das Saarbrücker Studienangebot für Übersetzer und Dolmetscher

Uni Saarbrücken: invalide Eule

Die Eule ist das Wappentier der Universität des Saarlandes. Studenten haben es grafisch der aktuellen Situation angepasst.

Das Studienangebot in Saarbrücken konzentriert sich auf die 4 Fremdsprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch für deutsche Muttersprachler.

Zusätzlich können französische Muttersprachler Deutsch als erste Fremdsprache und Englisch als Nebenfach belegen. Diese Integration bietet besonders für Französisch eine hervorragende Lern- und Übungssituation.

Dazu kommt die Möglichkeit einer Spezialisierung in den Sachfächern Technik, Wirtschaft oder Recht sowie ein ausgeprägter Schwerpunkt in der Nutzung von Computern beim Übersetzen.

Diese Möglichkeiten sind in Saarbrücken in besonders vielfältiger Weise nutzbar – durch das dichte Umfeld in Computerlinguistik, künstlicher Intelligenz und Informatik sowie die räumlich unmittelbar benachbarten Fachrichtungen für Wirtschaft, Jura oder Ingenieurwissenschaften.

Abteilungen

  • Englische Abteilung
  • Frankophone Abteilung
  • Französische Abteilung
  • Italienische Abteilung
  • Spanische Abteilung
  • Sprach- und Übersetzungstechnologie
  • Nichtsprachliches Ergänzungsfach (Sachfach)

Lehrstühle

  • Lehrstuhl Englische Übersetzungswissenschaft (Prof. Dr. Erich Steiner)
  • Lehrstuhl Englische Sprach- und Übersetzungswissenschaft (Prof. Dr. Elke Teich)
  • Lehrstuhl Translationsorientierte Sprachtechnologie (Prof. Dr. Josef van Genabith)
  • Lehrstuhl Romanische Übersetzungswissenschaft (Prof. Dr. Alberto Gil)

Studiengänge

  • Bachelor of Arts Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Translation (VSLT)
  • Master Translationswissenschaft (Übersetzen und Dolmetschen)
  • Master Konferenzdolmetschen (läuft aus, da seit dem Wintersemester 2014/2015 keine Studienanfänger mehr aufgenommen werden)
Uni Saarbrücken Luftbild

Die Saarbrücker Hochschule ist eine typische Campus-Universität, die vor den Toren der Stadt auf einem Park-ähnlichen Gelände inmitten des Stadtwaldes liegt.

1948 von französischer Besatzungsmacht als Dolmetscherinstitut gegründet

Am 1.Dezember 1948 – also bereits im 2. Semester seit Bestehen der Universität – wurde das Dolmetscherinstitut gegründet. Während der ersten Semester wurden nur Französisch und Englisch als Fremdsprachen gelehrt. Das Sprachenangebot wurde später um Italienisch, Russisch, Spanisch sowie Deutsch für Frankophone erweitert.

Die Eingliederung des bis dahin fakultätsfreien Dolmetscherinstituts in die philosophische Fakultät erfolgte 1978. Eine wesentliche Erweiterung des wissenschaftlichen Lehrangebots konnte 1990 durch die Einrichtung von vier neuen Professuren sowie durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit Computerlinguistik, Informatik und dem Europa-Institut erreicht werden.

http://fr46.uni-saarland.de

Links zum Thema

[Text: Richard Schneider; der Abschnitt zum Studienangebot wurde der Website der Uni entnommen. Quelle: Fachrichtung 4.6, Amicale und AStA der Universität des Saarlandes; Saarbrücker Zeitung, 2014-12-09, 2015-01-13; Saarländischer Rundfunk, 2015-01-15. Bild: Jan Henrich/AStA (Fotos der Demo); Fachschaft FR 4.6 (Foto “Übersetzen wertschätzen”; AStA (Eule); Universität des Saarlandes (Luftbild).]

Osnabrücker Übersetzerstammtisch spendet Wörterbücher für Koordinierungsstelle Flüchtlingsarbeit

Der offene, unabhängige Übersetzerstammtisch in Osnabrück, der sich alle zwei Monate in der niedersächsischen Großstadt trifft, hat der mit zwei Vollzeitstellen ausgestatteten städtischen Koordinierungsstelle Flüchtlingsarbeit rund 40 Wörterbücher übergeben. Lars Brink von der Koordinierungsstelle freut sich: „Die Flüchtlinge wollen von der ersten Minute an Deutsch lernen. Daher können wir solche Wörterbücher gut gebrauchen.“

Die Idee zur Sammelaktion hatte die in den Online-Foren der Übersetzungsbranche bekannte Fachübersetzerin Gabriele François. Sie erkundigte sich bei der Koordinierungsstelle, die für die Begleitung und Beratung von Asylbewerbern in den Gemeinschaftsunterkünften zuständig ist, für welche Sprachen ein Bedarf besteht. In Niedersachsen sind dies neben den Verkehrssprachen Englisch und Französisch vor allem Arabisch, Farsi (Iran), Kurdisch, Paschtu (Afghanistan), Somali (Somalia, Äthiopien), Tigre (Eritrea) und Tigrinya (Äthiopien, Eritrea).

Über den Osnabrücker Stammtisch wurden Kolleginnen um Wörterbuchspenden gebeten und Verlage angeschrieben. Mit Erfolg: Der Hueber-Verlag schickte 5 und Langenscheidt sogar 25 Werke, darunter auch Bildwörterbücher.

Letztlich konnten François und die Konferenzdolmetscherin Pierette Tisserand-Ennen im Namen des Stammtischs rund 40 Bücher und eine Liste mit Links zu Online-Wörterbüchern übergeben und so die Integrationsarbeit unterstützen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung, 2015-01-26.]

Der Kongress twittert: VKD-Jahresmitgliederversammlung 2015 in Bonn

VKDIn der Tagungsstätte des Gustav-Stresemann-Instituts in Bonn hat der Verband der Konferenzdolmetscher (VKD) im BDÜ am 24. und 25.01.2015 bei “friedlichem Schneetreiben draußen” seine Jahresmitgliederversammlung (JMV) abgehalten.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter und den Hashtag #vkd2015 hielten die Teilnehmer und Organisatoren die Außenwelt über die Ereignisse im Saal auf dem Laufenden.

Dem Gezwitscher ist zu entnehmen, dass der Verband jetzt 580 Mitglieder stark ist, dass von diesen ein Drittel entweder auf der JMV anwesend oder durch Vollmachten vertreten war, dass eine “AG Marktbeobachtung” Ergebnisse vortrug, dass es “heiße Diskussionen” zum Thema “KD/KDA” gab, dass die VKD-Website demnächst ein “Responsive-Design-Update” verpasst bekommt und eine Android-App für den VKD entwickelt wird, dass das “NWP” eine “Riesenbeteiligung” verzeichnete, dass eine “Ruth” zur Vorsitzenden gewählt und mit “stehenden Ovationen” bedacht wurde und dass “@l_wagener” Chefredakteurin des VKD-Kuriers wird.

Einig sind sich alle darüber, dass die Veranstaltung in Bonn eine “super JMV” war (“Ein toller erster Tag geht zu Ende! Freue mich auf morgen.”). Auch im kommenden Jahr wollen sich die Konferenzdolmetscher wieder am selben Ort treffen.

Offenbar beschäftigt der VKD auch eine PR-Agentur, die auf der Versammlung “künftige Projekte” vorstellte. Bis zwei Tage nach Abschluss der Konferenz haben es aber weder die PR-Agentur noch der Verband selbst geschafft, eine kurze Pressemitteilung mit den Beschlüssen und Ergebnissen der Jahresmitgliederversammlung 2015 zu formulieren.

Daher kann auch uepo.de hier nur die oben genannten Twitter-Splitter präsentieren. Eine Zusammenstellung aller unter dem Hashtag #vkd2015 verbreiteten Tweets und Handy-Fotos ist unter dem folgenden Link abrufbar:

https://storify.com/VKDimBDUE/vkd-jmv-2015#publicize

[Text: Richard Schneider. Quelle: Twitter. Bild: VKD.]

Unregelmäßigkeiten, Erpressung? Bundespolizei am Frankfurter Flughafen trennt sich von Dolmetscher

Flugzeug LufthansaEin Chinesisch-Dolmetscher, der jahrelang für die Bundespolizei am Frankfurter Flughafen gearbeitet hat, soll Beschuldigte bedroht und zu Geldzahlungen an ihn genötigt haben.

Nach Angaben der Bundespolizei wurde die Zusammenarbeit mit dem Mann, der gerichtlich vereidigt ist, Anfang Dezember 2014 aufgekündigt. Anlass dafür seien „Unregelmäßigkeiten” gewesen. Darüber hinaus gebe es Anhaltspunkte dafür, dass der Mann Straftaten begangen habe.

„Es darf auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass unsere Dolmetscher nicht richtig übersetzen”, erklärte ein Sprecher der Bundespolizei gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Weitere Einzelheiten wollte er nicht mitteilen. Die Bundespolizei habe den Fall an die Landespolizei übergeben, die gegen den Dolmetscher ermittle.

Die Bild-Zeitung hatte in ihrer Online-Ausgabe vom 24.01.2015 mit folgender Überschrift darüber berichtet: „Dolmetscher-Skandal schockt Polizei – Müssen Hunderte Prozesse neu aufgerollt werden?“ Der Artikel selbst beginnt mit dem Satz: „Ein zweiseitiges Schreiben wird für Sprengstoff bei Fahndern, Richtern und Staatsanwälten in Rhein-Main sorgen! Es geht um einen Dolmetscher und einen Mega-Skandal.“ Der Rest des Artikels verbirgt sich hinter einer Bezahlschranke (Bild Plus).

Bundespolizei

Ein Bundespolizist bei der Ausweiskontrolle

[Text: Richard Schneider. Quelle: Frankfurter Neue Presse, 2015-01-23; Bild, 2015-01-24. Bild: Richard Schneider; Pressebild Bundespolizei.]

Nach 7 Jahren Untätigkeit: Bremen hat Gesetz zur Vereidigung von Gerichtsdolmetschern verabschiedet

Bremen, Roland

Die Roland-Statue auf dem Bremer Marktplatz

2007 entschied das Bundesverwaltungsgericht anlässlich einer Klage gegen den Widerruf einer allgemeinen Vereidigung, dass allgemeine Vereidigungen von Dolmetscherinnen und Dolmetschern nur auf der Grundlage eines Gesetzes erfolgen dürfen. Das galt auch für Ermächtigungen und Bestellungen, für DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen, und auch für die „Beeidigung“, ein anderes Wort für den gleichen Vorgang.

Ein Gesetz in einer Justizangelegenheit – das bedeutet in Deutschland, dass es 16 Gesetze gegen muss, denn die Justiz ist Ländersache. Mehrere Bundesländer hatten schon entsprechende gesetzliche Regelungen, andere schufen diese jetzt, wobei sie sich naturgemäß ähneln.

Alle? Nein, das kleinste Bundesland Bremen bekam es aus unbekannten Gründen nicht hin. Jahrelang mussten bremische DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen die Vereidigung und Ermächtigung im Nachbarland Niedersachsen beantragen oder darauf verzichten. Schon aktive FreiberuflerInnen erlitten jahrelang den Nachteil, nicht über die bundesweite Datenbank auffindbar zu sein. Dem hat die Bremische Bürgerschaft (Landtag) am 23. Oktober 2014 ein Ende gemacht.

Kein neues Gesetz, sondern neuer Absatz in Gerichtsverfassungsgesetz

Bremen hatte sich schon lange dafür entschieden, so zumindest der Justizsenator in einer Mitteilung an mich im Jahre 2010, kein Dolmetsch-Gesetz zu schaffen, sondern lediglich das „Gesetz zur Ausführung des Gerichtsverfassungsgesetzes“ zu erweitern.

Das ist mit der Vorlage geschehen, die Anfang 2014 in die parlamentarische Beratung gegeben und Ende Oktober verabschiedet wurde. Mit der Verkündung gilt das Gesetz jetzt seit Dezember 2014.

In das „GVG-Ausführungsgesetz“ wurde nach § 28 ein 6. Abschnitt eingefügt, der den Titel „Dolmetscher und Übersetzer in justiziellen und notariellen Angelegenheiten“ heißt. In der Folge wird deutlich, dass es auch um Dolmetscherinnen und Übersetzerinnen geht.
Dabei wird Dolmetschen als mündliche Tätigkeit, Übersetzen als schriftliche Tätigkeit definiert. Gebärdensprache und Blindenschrift werden ebenfalls in die Regelungen eingeschlossen.

§ 28a Dolmetscher und Übersetzer

 

(1) Zur mündlichen und schriftlichen Sprachübertragung für gerichtliche, staatsanwaltliche und notarielle Zwecke werden für das Gebiet des Landes Bremen Dolmetscherinnen und Dolmetscher allgemein beeidigt (§ 189 Absatz 2 des Gerichtsverfassungsgesetzes) und Übersetzerinnen oder Übersetzer ermächtigt (§ 142 Absatz 3 der Zivilprozessordnung).

 

(2) Die Tätigkeit der Dolmetscherinnen und Dolmetscher umfasst die mündliche Sprachübertragung, die der Übersetzerinnen und Übersetzer die schriftliche Sprachübertragung.

 

(3) Sprache im Sinne dieses Gesetzes sind auch sonstige anerkannte Kommunikationstechniken, insbesondere die Gebärdensprache, die Blindenschrift, das Lorm- und das Fingeralphabet.

Bremen richtet ein Verzeichnis ein, das mit dem bundesweiten Verzeichnis www.gerichts-dolmetscher.de verlinkt werden soll, damit wird auch die jahrelange Benachteiligung der Freiberufler in Bremen beendet.

In der Begründung weist der Justizsenator noch völlig richtig darauf hin, dass dieser Eintrag ins bundesweite Verzeichnis auch deshalb sinnvoll und notwendig ist, weil Vereidigung und Ermächtigung aus Bremen wie alle anderen auch bundesweit gelten. Wer allgemein vereidigt oder ermächtigt ist, darf für Gerichte und Staatsanwaltschaften aller Länder und des Bundes unter Berufung auf den Eid arbeiten.

§ 28b Verzeichnis

 

(1) Die Präsidentin des Landgerichts führt ein Verzeichnis der in ihrem Bezirk allgemein beeidigten Dolmetscherinnen und Dolmetscher und ermächtigten Übersetzerinnen und Übersetzer.

 

(2) In das Verzeichnis sind Name, Anschrift, Telekommunikationsanschlüsse, Beruf, etwaige Zusatzqualifikationen und die jeweilige Sprache aufzunehmen. Die hierfür erforderlichen Daten dürfen gespeichert werden. Das Verzeichnis darf in automatisierte Abrufverfahren eingestellt sowie im Internet veröffentlicht werden. Für die Veröffentlichung nach Satz 3 bedarf es der schriftlichen Einwilligung der betroffenen Person.

 

(3) Die Einsichtnahme in das Verzeichnis ist jeder Person gestattet. Eine Gewähr für die Zuverlässigkeit der in das Verzeichnis eingetragenen Personen und die Aktualität der Eintragungen bietet das Verzeichnis nicht.

 

(4) Die Eintragung ist auf eigenen Antrag, im Todesfall oder nach Aufhebung der allgemeinen Beeidigung oder der Ermächtigung zu löschen.

Bremer Stadtmusikanten

Die Bremer Stadtmusikanten

Die Voraussetzungen entsprechen im Großen und Ganzen denen der anderen Bundesländer, was die lange Beratungszeit letztlich noch einmal unverständlich macht.

Die DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen dürfen nicht vorbestraft sein, dürfen nicht überschuldet sein und müssen Zeit haben, alle Aufträge von Gerichten, Staatsanwaltschaften und Notaren anzunehmen.

Die fachlichen Voraussetzungen sind Sprachkenntnisse in der Beschreibung, die auch dem Niveau C2 im europäischen Referenzrahmen zugrunde liegt, sowie sichere Kenntnisse der deutschen Rechtssprache.

Die Dolmetsch- oder Übersetzungskenntnisse werden nicht als gesonderter Punkt aufgeführt wie in manchen anderen Landesgesetzen. Sie werden quasi nebenbei erwähnt, denn DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen sollen ihre Sprachkenntnisse durch die Vorlage von Unterlagen belegen, die „eine Beurteilung von sprachmittlerischen Kenntnissen und Fähigkeiten ermöglichen“.

Das können „insbesondere“ der Nachweis eines entsprechenden Studiums oder des Ablegens einer staatlich anerkannten Prüfung sein. Nach der Begründung des Justizsenators soll das Wort „insbesondere“ es ermöglichen, bei seltenen Sprachen auch andere Unterlagen einzureichen, da es für längst nicht alle Sprachen Studiengänge oder Prüfungen gibt.

Die in Schleswig-Holstein im Gesetz erwähnte Möglichkeit, dass beim Einreichen von Unterlagen über erfolgreich geleistete Dolmetscheinsätze eine „fünfjährige berufliche Tätigkeit“ nachzuweisen ist, fehlt im bremischen Gesetz. Das bedeutet, dass sich eine Praxis einpendeln soll.

§ 28c Voraussetzungen der allgemeinen Beeidigung und der Ermächtigung

 

(1) Wer persönlich und fachlich geeignet ist, kann auf Antrag als Dolmetscherin oder Dolmetscher allgemein beeidigt, als Übersetzerin oder Übersetzer zur Bescheinigung der Richtigkeit und Vollständigkeit von Übersetzungen ermächtigt werden. Der Antrag ist schriftlich unter Beifügung der für den Nachweis der persönlichen und fachlichen Eignung erforderlichen Unterlagen und mit Anga-be der betroffenen Sprache zu stelle. Der Antrag kann als elektronisches Dokument übermittelt werden.

 

(2) Die persönliche Eignung besitzt insbesondere nicht, wer

 

1. in den letzten fünf Jahren vor Stellung des Antrages wegen eines Verbrechens oder Vergehens nach dem neunten Abschnitt des Strafgesetzbuchs (falsche uneidliche Aussage und Meineid), wegen falscher Verdächtigung, wegen Vergehens nach dem fünfzehnten Abschnitt des Strafgesetzbuchs (Verletzung des persönlichen Lebens- und Geheimbereichs), wegen Begünstigung, Strafvereitelung, Betruges oder Urkundenfälschung rechtskräftig verurteilt worden ist, oder

 

2. in den letzten fünf Jahren vor Stellung des Antrags zu einer Strafe oder Maßregel der Besserung und Sicherung wegen einer Straftat rechtskräftig verurteilt worden ist, aus der sich ihre oder seine Ungeeignetheit ergibt, oder

 

3. wegen geistiger oder körperlicher Gebrechen oder infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über ihr oder sein Vermögen beschränkt ist, oder

 

4. in ungeordneten Vermögensverhältnissen lebt, insbesondere über wessen Vermögen das Insolvenzverfahren eröffnet worden oder wer in das vom Insolvenzgericht oder vom zentralen Vollstreckungsgericht zu führende Verzeichnis (§ 26 Absatz 2 Insolvenzordnung, § 882b Zivilprozessordnung) eingetragen ist, oder

 

5. nicht bereit oder nicht tatsächlich in der Lage ist, den bremischen Gerichten und der Staatsanwaltschaft auf Anforderung kurzfristig zur Verfügung zu stehen, oder
6. nicht volljährig ist.

 

(3) Die fachliche Eignung erfordert

 

1. Sprachkenntnisse, mit denen die Antragstellerin oder der Antragsteller in der Regel praktisch alles, was sie oder er hört oder liest, mühelos verstehen, sich spontan, sehr flüssig und genau ausdrücken und auch bei komplexeren Sachverhalten feinere Bedeutungsnuancen deutlich machen kann, sowohl in der deutschen als auch in der fremden Sprache, und

 

2. sichere Kenntnisse der deutschen Rechtssprache.

 

(4) Die Antragstellerin oder der Antragsteller haben die persönliche Eignung insbesondere durch Vorlage eines Führungszeugnisses nachzuweisen. Die fachliche Eignung haben sie durch Vorlage geeigneter Unterlagen nachzuweisen. Die über die Sprachkenntnisse vorzulegenden Unterlagen sollen auch eine Beurteilung von sprachmittlerischen Kenntnissen und Fähigkeiten ermöglichen. Als Nachweis der fachlichen Eignung ist insbesondere der Nachweis über eine erfolgreich abgeschlossene Hochschul-, Fachhochschul-, Industrie- und Handelskammer- oder staatliche oder staatlich anerkannte Prüfung vorzulegen. Der Nachweis kann auch durch den erfolgreichen Abschluss einer gleichwertigen Prüfung in einem anderen Staat erbracht werden. Das Bremische Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz findet mit Ausnahme seines § 17 keine Anwendung.

Der Widerruf ist lasch geregelt. Hier wird nur erwähnt, dass dieser „insbesondere“ möglich ist, wenn die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt werden. Das bedeutet, die allgemeine Vereidigung kann nach einer Verurteilung, einem Insolvenzantrag, dem Wegzug oder der Annahme einer Stelle widerrufen werden.

Die in anderen Bundesländern erwähnte „Falschübertragung“ als Grund für den Widerruf fehlt im bremischen Gesetz.

§ 28d Widerruf

 

Die Übersetzungsermächtigung und das Recht, sich auf die allgemeine Beeidigung zu berufen, können insbesondere widerrufen werden, wenn die Dolmetscherin oder der Dolmetscher oder die Übersetzerin oder der Übersetzer die Voraussetzungen des § 28c nicht mehr erfüllt. Im Falle der Aufhebung der allgemeinen Beeidigung oder der Ermächtigung hat die Dolmetscherin oder der Dolmetscher oder die Übersetzerin oder der Übersetzer den Nachweis nach § 28e Absatz 3 an die Präsidentin des Landgerichts zurückzugeben.

Bremen von der Weser aus gesehen

Bremen von der Weser aus gesehen

Der konkrete Vorgang, wenn nach dem Prüfen aller Unterlagen die in Bremen „Beeidigung“ genannte Kurz-Zeremonie erfolgt, ist schlicht gehalten. Die AntragstellerInnen werden beeidigt, ermächtigt und verpflichtet. Die Verpflichtung bezieht sich nicht nur auf das treue und gewissenhafte Übertragen, sondern auch darauf, alle Aufträge zu erledigen – man kann also wie bei der Bestellung in anderen Bundesländern keinen Auftrag ablehnen. Ladungen müssen ja sowieso befolgt werden.

Als kleiner Hinweis: Diese Verpflichtung erlischt automatisch, wenn sich Gerichte oder Staatsanwaltschaften an Büros wenden, also Ladungen oder Aufträge anonym vergeben. Dann sind weder das Büro noch die angefragten FreiberuflerInnen zu irgend etwas verpflichtet, sie müssen nur bei der Erledigung eines Auftragen (den sie hätten ablehnen können) die Regeln der Eidesformel einhalten. Wenn sie also einen „weitergereichten“ Auftrag erledigen, muss das treu und gewissenhaft (Dolmetschen) oder richtig und vollständig (Übersetzen) geschehen.

Die „Geheimhaltung“ wird in diesem Paragraphen gesondert erwähnt.

§ 28e Beeidigung, Ermächtigung, Verpflichtung

 

(1) Zur allgemeinen Beeidigung haben Dolmetscherinnen und Dolmetscher einen Eid oder eine eidesgleiche Bekräftigung nach § 189 Absatz 1 des Gerichtsverfassungsgesetzes zu leisten. Die Eidesformel beinhaltet, dass die Dolmetscherin oder der Dolmetscher treu und gewissenhaft übersetzen werde, wenn sie oder er von einem Gericht oder der Staatsanwaltschaft der Freien Hansestadt Bremen berufen oder von einer Notarin oder einem Notar der Freien Hansestadt Bremen zugezogen wird. Die §§ 478, 480, 481, 483 und 484 der Zivilprozessordnung gelten entsprechend.
(2) Dolmetscherinnen oder Dolmetscher und Übersetzerinnen und Übersetzer sind zur Geheimhaltung besonders zu verpflichten.

 

(3) Über die Beeidigung, die Ermächtigung und die Verpflichtung ist eine Niederschrift zu fertigen. Die Dolmetscherin oder der Dolmetscher oder die Übersetzerin oder der Übersetzer erhält eine beglaubigte Abschrift der Niederschrift als Nachweis zur Vorlage bei Gerichten und Staatsanwaltschaften.

Da es in Bremen nicht nur um Gerichte und Staatsanwaltschaften, sondern auch um Notarinnen und Notare geht, wird die Berufsbezeichnung besonders lang. Alle FreiberuflerInnen, die allgemein vereidigt oder ermächtigt werden, sollten sich allerdings im eigenen Interesse wörtlich an diese Bezeichnung halten. Wer bereits früher vereidigt oder ermächtigt wurde, musste spätestens Weihnachten 2014 Visitenkarten und Briefkopf ändern. Wer es nicht getan hat, sollte diesen Artikel als letzten Anstoß nehmen.

Der Missbrauch der Bezeichnung ist nicht gesondert geregelt. In anderen Gesetzen ist das als Ordnungswidrigkeit definiert und mit Strafe bedroht, in Schleswig-Holstein kostet es beispielsweise 5000 Euro. Der Justizsenator begründet das damit, dass Missbrauchsfälle bisher in Bremen nicht aufgetreten wären. Auch mir sind nur zwei aus der Umgebung bekannt, dass z. B. ein Dolmetscher als Bezeichnung „vereidigt vom Amtsgericht X“ im Briefkopf führte, nachdem er einmal für einen kurze Verhandlung über einen Ladendiebstahl vereidigt worden war, was bekanntlich keine „allgemeine Vereidigung“ ist. In einem anderen Fall wurde eine Verurteilung verschwiegen.

§ 28f Bezeichnung

 

Nach Aushändigung der Abschrift gemäß § 28e Absatz 3 ist die Dolmetscherin oder der Dolmetscher berechtigt, die Bezeichnung „Allgemein beeidigte Dolmetscherin oder beeidigter Dolmetscher für (Angabe der Sprache) für die Gerichte, die Staatsanwaltschaft und die Notarinnen und Notare der Freien Hansestadt Bremen“ zu führen. Die Übersetzerin oder der Übersetzer ist berechtigt, die Bezeichnung „Durch die Präsidentin des Landgerichts Bremen ermächtigte Übersetzerin oder Übersetzer für (Angabe der Sprache) für die Gerichte, die Staatsanwaltschaft und die Notarinnen und Notare der Freien Hansestadt Bremen“ zu führen.

Auch der Bestätigungsvermerk für Übersetzungen ist im Gesetz festgelegt und sollte wörtlich übernommen werden. Einen „Stempel“ kennt Bremen wie die meisten Bundesländer nicht, allerdings glauben die meisten Kunden mit Sicherheit, es müsste einen geben. Auf derartige Wünsche sollten ÜbersetzerInnen natürlich eingehen, als FreiberuflerInnen im Dienstleistungsbereich dürfen Kundinnen und Kunden nicht enttäuscht werden.

Eine „Beglaubigung“, von denen viele Kundinnen und Kunden sprechen, gibt es in diesem Bereich nicht. Aber wenn irgend jemand eine „beglaubigte Übersetzung“ verlangt, sollten alle Berufstätigen stillschweigend davon ausgehen, dass sie eine „bestätigte Übersetzung“ anfertigen sollen, wie es im Gesetz auch korrekt heißt.

§ 28g Bestätigungsvermerk der Übersetzung

 

(1) Die Richtigkeit und Vollständigkeit von schriftlichen Sprachübertragungen ist durch die Übersetzerin oder den Übersetzer zu bestätigen. Der Bestätigungsvermerk lautet: „Die Richtigkeit und Vollständigkeit vorstehender Übersetzung aus der . . . Sprache wird bescheinigt. Ort, Datum, Unterschrift
Durch die Präsidentin des Landgerichts Bremen ermächtigte Übersetzerin oder ermächtigter Übersetzer für die . . . Sprache.“
(2) Der Bestätigungsvermerk ist auf die Übersetzung zu setzen und zu unterschreiben. Dabei ist kenntlich zu machen, wenn das übersetzte Dokument kein Original ist oder nur ein Teil des Dokumentes übersetzt wurde. Auf Auffälligkeiten des übersetzten Dokumentes, insbesondere unleserliche Worte, Änderungen oder Auslassungen soll hingewiesen werden, sofern sich dies nicht aus der Übersetzung ergibt. Die Bestätigung kann auch in elektronischer Form erteilt werden.
(3) Die Absätze 1 und 2 gelten entsprechend, wenn eine zur Prüfung der Richtigkeit und Vollständigkeit vorgelegte Übersetzung eines anderen als richtig und vollständig bestätigt wird.

In § 28h wird geregelt, dass das Landgericht Bremen zentral für alle DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen zuständig ist.

In § 28i wird darauf verwiesen, dass Kosten nach dem Gebührenverzeichnis des Bremischen Justizkostengesetz berechnet werden. Dieses wurde gleichzeitig geändert, allgemeine Vereidigung und Ermächtigung kosten 150 Euro (einzeln oder zusammen), jede weitere gleichzeitig vereidigte Sprache kostet weitere 100 Euro. Dabei muss die Gebühr vorher bezahlt werden. Falls die Unterlagen nicht reichen, kann man den Antrag zurück ziehen und bekommt dann von den 150 Euro 50 Euro zurück, der Rest deckt die Kosten der Überprüfung der Unterlagen.

In § 28j wird die vorübergehende Dienstleistung von Unionsbürgerinnen und Unionsbürgern geregelt. Das ist so formuliert wie in anderen Landesgesetzes, auch weil die EU-Richtlinie hier keinen Spielraum erlaubt. Vereidigten DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen aus anderen EU-Mitgliedsländern, die vorübergehend in Bremen wohnen, werden sofort und kostenlos in das Verzeichnis aufgenommen und können sofort ihre Dienste anbieten.

Und wer früher schon vereidigt oder ermächtigt worden ist?

Bremer Rathaus

Das Bremer Rathaus

In den Übergangsbestimmungen ist eindeutig geregelt, dass alle „alten“ Vereidigungen bedingungslos und unbefristet in das aktuelle Verzeichnis übernommen werden und weiter gelten. Es gibt keine „Nachprüfungen“, im Gegensatz zu anderen Landesgesetzen ist auch nicht vorgesehen, diese „Altfälle“ später zu überprüfen.

Was müssen die früher Vereidigen tun? Angesichts der Bremer Erfahrungen wäre es äußerst sinnvoll, beim Justizsenator anzufragen, wann die Einträge im bundesweiten Verzeichnis sichtbar sind, denn das ist eine zusätzliche Möglichkeit, gefunden zu werden. Dann muss jede und jeder den eigenen Eintrag überprüfen und schriftlich (an das Landgericht) ergänzen, um möglichst alle Rubriken der Karteikarte zu nutzen.

Außerdem sollten sich die DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen regelmäßig treffen, um die Auslegung des Gesetzes im Blick zu behalten. Welche Nachweise werden akzeptiert, welche nicht? Kann man auf das Gericht Einfluss nehmen? So gibt es immer wieder Diskussionsbedarf, was die Anerkennung von Sprachkenntnissen betrifft, insbesondere bei Chinesisch, Arabisch, Rumänisch (Moldavisch), Serbokroatisch (Serbisch / Kroatisch / Bosnisch). Da gibt es beim Gericht keine Experten, DolmetscherInnen und ihre Verbände könnten durch gemeinsame Stellungnahmen allen Beteiligten das Leben erleichtern.

Verbände

Weder der ADÜ Nord noch der BDÜ-Landesverband Bremen und Niedersachsen haben die Verabschiedung des Gesetzes bemerkt und gemeldet. Ob es interne Mitteilungen gab, weiß ich nicht. Es ist aber zu hoffen, dass die Verbände jetzt im Sinne der oben erwähnten Punkte aktiv werden.

[Text: Reinhard Pohl, reinhard.pohl@gegenwind.info. Bild: jokapix/Fotolia, SergiyN/Fotolia, Melanie Braun/Fotolia, kameraauge/Fotolia.]

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