„Asterix in Italien“ erscheint in 25 Sprachen gleichzeitig – Eine Herausforderung auch für Routinier Klaus Jöken

Klaus Jöken

Klaus Jöken hat mit dem Italien-Band bereits das vierte Asterix-Album ins Deutsche übersetzt.

Heute, am 19.10.2017, erscheint in Gallien und mehr als 25 weiteren Ländern der Band „Asterix in Italien“ (Astérix et la Transitalique). Es handelt sich um das dritte Album des neuen Texters Jean-Yves Ferri und des neuen Zeichners Didier Conrad.

Außerhalb Frankreichs finden die Geschichten der unbeugsamen Gallier in Deutschland die mit Abstand größte Zahl treuer und begeisterter Leser. Die Übersetzung für den wichtigsten Auslandsmarkt liegt in den Händen des in Südfrankreich lebenden Literaturübersetzers Klaus Jöken, der auch andere franko-belgische Klassiker wie „Lucky Luke“ ins Deutsche überträgt. Für ihn ist es bereits der vierte Asterix-Band.

Jöken hat schon 400 Comic-Alben übersetzt

Als erfahrener Comic-Übersetzer hat Klaus Jöken schon an die 400 Comic-Bände übersetzt.

Er wurde im niederrheinischen Kleve geboren und studierte in Köln und Löwen/Belgien Niederländisch und Geschichte. Jöken lebt in Moulins in der Nähe von Lyon und übersetzt belletristische Werke, Kinder- und Jugendbücher, Comics und Sachbücher aus dem Französischen und Niederländischen.

Asterix in Italien

Szene aus dem neuen Band „Asterix in Italien“.

In Auswahlverfahren gegen andere Übersetzer durchgesetzt

2004 setzte er sich in einem Auswahlverfahren des deutschen Verlags Egmont Ehapa gegen drei Mitbewerber als neuer Asterix-Übersetzer durch. Seitdem hat er unter anderem die Bände „Gallien in Gefahr“, „Asterix und Obelix feiern Geburtstag“ sowie den neuen Band „Asterix in Italien“ übertragen.

Zur Übersetzung von Asterix sagt Jöken: „Beim Asterix besteht die besondere Schwierigkeit darin, dass er von allen gelesen wird, von Kindern und Erwachsenen, von Hauptschülern und Hochschulprofessoren. Darum muss für jeden etwas dabei sein. Jedes Kind muss die Geschichte verstehen, obwohl zugleich komplizierte Anspielungen und Gags darin versteckt sind. Für einen Übersetzer ist das ein echter Spagat. Im Vorfeld habe ich alle erschienen Asterix-Bände noch einmal studiert, um mich in die Sprache ‚einzulesen‘. Bei einer solchen Kultserie ist es meiner Meinung nach wichtig, stilistisch eine gewisse Kontinuität zu wahren. Meine Vorgänger, insbesondere Gudrun Penndorf und Adolf Kabatek, haben ja auch hohe Maßstäbe gesetzt.“

Bei Übersetzung enge Kooperation mit Autor Jean-Yves Ferri

Die Übersetzung der Asterix-Bände bespricht er mit dem französischen Autor Jean-Yves Ferri. Dieser nimmt sich allen Probleme an, die bei der Arbeit am neuen Band auftauchen.

Verlag erstellt Rückübersetzung zur Kontrolle

Der französische Verlag Les Éditions Albert René lässt die Übersetzungen auch noch einmal rückübersetzen, um zu kontrollieren, ob der Humor auch im Stil von Asterix bleibt.

Die Übersetzungen in die jeweiligen Dialekte werden von lokalen Experten vorgenommen. Die lateinische Übersetzung erfolgte durch Karl-Heinz Graf von Rothenburg.

Asterix in Italien

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Wagenrennen quer durch Italien.

Drei Fragen an Klaus Jöken

Sie sagen, 5 Tage dauere die Rohübersetzung. Wie geht es dann weiter?
„Danach muss der Text adaptiert werden. Also man muss die Wortspielereien und den Humor reinbringen. Das dauert nochmal zwei Monate. Danach haben wir noch einen Monat Korrekturzeit, wo dann mit dem Verlag, mit den Autoren abgeklopft wird, ob was zu verbessern ist oder ob das alles stimmig ist und dann kann das in den Druck.“

Was ist Ihr Geheimrezept, mit dem Ihnen immer wieder Wortspiele einfallen?
Es gibt da kein Geheimrezept, das man sagen kann zum Beispiel ein Wortspiel macht man jetzt so und so. Oder man googelt mal und dann hat man ein Wortspiel. Das ist eine kreative Sache. An manchen Sachen sitzt man drei Tage und manchmal fällt einem sofort was ein.“

Können Sie Beispiele für Wortspiele aus dem neuen Band nennen, die eine besondere Herausforderung für Sie waren?
Bei Asterix muss man unglaublich an jedem Wort arbeiten. Manchmal sind sogar die Wortspiele relativ einfach und manchmal sind ganz normale Formulierungen ganz schwierig. Es muss sich immer glatt anhören, es muss sich flüssig lesen. Und an solchen Formulierungen arbeitet man unglaublich lange.“

Startauflage 1,7 Millionen allein in Deutschland – plus 25 weitere Sprachen

Nach Angaben von Alexandra German, Verlagsleitung Egmont Publishing, erscheint der neue Band in der Startauflage von 1,7 Millionen Exemplaren allein in Deutschland, weltweit liegt die Auflage bei 5 Millionen für gut 25 Sprachen. Sie erklärt: „Asterix gibt es in über 100 Sprachen und Dialekten. Weltweit wurde eine Auflage bisher von 370 Millionen Exemplaren verkauft.“

Altmeister Albert Uderzo freut sich über Erfolg des neuen Autorenduos

Albert Uderzo

Albert Uderzo

Die weltweit erfolgreichsten Comicreihe wurde 1959 von Zeichner Albert Uderzo und dem inzwischen verstorbenen Texter René Goscinny ins Leben gerufen.

Zum neuen Band „Asterix in Italien“ befragt, erklärt Uderzo, der nach wie vor alle Asterix-Projekte streng beaufsichtigt:

Die Asterix-Reihe wird inzwischen von zwei neuen Autoren fortgesetzt. Fehlt Ihnen das Zeichnen von Comics?
Nein, jetzt nicht mehr. Irgendwann musste ich ja mal in den Ruhestand gehen. Vor neun Jahren habe ich beschlossen aufzuhören. Wir hatten das Glück, dass wir zwei großartige Autoren gefunden haben, einen für das Szenario und einen für die Zeichnungen. Am Anfang merkte man ihnen an, dass sie sich erst mal auf die Reihe einstellen mussten. Jetzt geht es ihnen leicht von der Hand, und das merkt man auch. Darüber bin ich sehr froh und dankbar.

Sie haben einmal gesagt, die Asterix-Reihe fremden Autoren zu überlassen sei ein bisschen so, als würden Sie einen Sohn zur Adoption freigeben. Wie geht es Ihnen jetzt mit dem Riesenerfolg, den Ferri und Conrad haben?
Ich finde das toll. Wenn sie keinen Erfolg hätten, hätte Asterix keine Leser mehr, und den Lesern haben wir wie gesagt alles zu verdanken. Ich kann diesen Erfolg nur anerkennen und mich darüber freuen. Hätten wir keinen Erfolg gehabt, hätten wir nicht weitergemacht, das ist klar. Aber der Erfolg ist ungebrochen, gerade in Deutschland. Das ist ein großes Glück für uns.

Macht es Sie glücklich, dass Ihre beiden Helden in diesem Band endlich das Heimatland Ihrer Eltern bereisen?
Asterix in ItalienJa, das freut mich. In Italien ist Asterix nicht so bekannt wie in Deutschland oder Frankreich. Ich denke, die Italiener sind keine großen Fans von „fumetti“, wie Comics dort genannt werden. Aber ich wurde erst vor Kurzem von einer italienischen Stadt namens Lucca ausgezeichnet und habe mich sehr darüber gefreut. Und auf eines freue ich mich ganz besonders: In der Region, aus der mein Vater stammt, in Venetien, soll ein Mauer errichtet werden mit einem Bild von Asterix darauf. Das berührt mich wirklich sehr, denn ich hätte nie gedacht, dass der Geburtsort meines Vaters jemals dafür berühmt sein würde.

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Weiterführender Link

[Text: Richard Schneider. Quelle: Pressematerial Egmont Ehapa. Bild: Les Éditions Albert René, Egmont Ehapa.]

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